Sturm

Doverodde im Limfjord:
Die Nacht war ebenso ruhig wie der Abend. Morgens checken wir das Wetter. Es regnet und weht mit gut 16 kn aus Südost, also mit leichten 5 Beaufort. Der dänische Wetterbericht hat noch einen draufgelegt. Um 18:00 soll uns das Maximum mit guten 20 m/s treffen. Das ist eine flotte 8 auf der nach oben offenen Windskala. Nochmal checken Astrid und ich die Karten und überlegen, ob wir etwas übersehen haben oder vielleicht doch in einen der Häfen gehen sollten. Aber erst einmal Frühstück.

Der Wind steigert sich langsam.

Der Wind steigert sich langsam.

Wir beschließen, einen zweiten Anker auszubringen, so dass wir zum Maximum vor zwei Ankern liegen. Einer in SE und einer in SW, denn das Maximum soll aus Süd über uns kommen. Natürlich haben wir alles an Bord, nur wo…? Eine schreckliche Kramerei beginnt. Es ist zwar alles da, aber irgendwie nicht so richtig pfiffig gestaut, so dass wir beide Backskisten einmal vollständig umräumen müssen. Endlich ist alles gefunden und nun muss noch der Außenborder getankt werden. Der ist natürlich auch knatter leer. Als alles fertig ist, verfrachten wir den ganzen Kram ins Gummiboot. Erst die alle Leinen, dann die Bleileine, dann den Anker und dann klettert Lin als krönender Abschluss oben auf den ganzen Haufen drauf. Sie nimmt den Anker in Anschlag, es ist durch die Wellen jetzt schon ordentlich wackelig. Wir haben uns für den leichten Fortress-Aluanker entschieden, den kann Lin gut händeln. Der 20 kg Britany wäre zwar auch gut, hätte aber noch mehr Umräumerei bedeutet und wäre nicht so einfach rauszuschleudern gewesen. So fahren wir mit dem Gummiboot los und Astrid macht die Peilung, wo der zweite Anker hin soll. Gegen den Wind ist Lin nach der zweiten Welle klitschnass. Ihr Nässesensor macht hohe, schrille Töne. Astrid fuchtelt, also Anker raus. Immer wieder gehen Böen von guten 6 Beaufort über uns rüber. Langsame Fahrt zurück. Nun trockener, weil wir nicht mehr gegenan fahren müssen. Die Bleileine ist zu Ende, zack, gleich schnell die Verlängerung hinterher. Zwei Meter vor der PINCOYA ist Ende. Mist, zu kurz! Zum Glück haben wir noch eine weitere Verlängerungsleine mit ins Schlauchboot geworfen. Noch steht der Wind ja auf SE und wir haben den zweiten Anker in SE des ersten Ankers ausgebracht. Der Wind soll ja erst später auf Süd drehen. So brauchen wir gut 60m Leine. Also auch noch die zweite Leine angeknüpft und die Palsteks mit Kabelbindern gesichert. Nun reicht’s! Wir übergeben Astrid die zweite Ankerleine und gehen mit dem Gummiboot wieder von hinten an die PINCOYA ran. Geschafft! Das sieht schon mal gut aus!

Alles klar zum Ausbringen des Ankers.

Alles klar zum Ausbringen des Ankers.

Das Ankerteam

Das Ankerteam

Für alle Fälle tanken wir noch 40 Liter Diesel aus unseren Kanistern nach. Seit diesem Frühjahr haben wir zusätzlich 120 Liter in Kanistern dabei. Der Tank ist nur noch 1/3 voll, das sind noch gute 50 Liter. Da sind 40 zusätzliche Liter beruhigend. Wer weiß, was das hier noch so geben wird.
Dann sind wir fertig, der Sturm kann kommen. Es regnet inzwischen wieder, teilweise so stark, dass wir die Insel gegenüber nicht mehr sehen können. Mit popeligen 20 kn weht es nun aus SE, der Wind hat sogar etwas nachgelassen. Aber wir sind für mehr vorbereitet und das Barometer fällt.
Über Mittag dreht dann der Wind innerhalb von 1 1/2 Stunden von SE auf einen fast klaren West. Er hält sich keine 20 Minuten in Süd auf. Mist! So liegt unser zweiter Anker natürlich ziemlich wirkungslos querab. Sollen wir ihn noch mal neu ausbringen? Inzwischen bläst es stetig mit guten 7 Beaufort plus einigen lustigen Böen. Der dänische Wetterdienst hat das Maximum nun auf 16:00 vorverlegt. Für eine Ankerverlegung warten wir etwas zu lange. Als ich mich entschlossen habe, sausen schon Böen von deutlich über 30 kn über das Schiff. Wir blasen die Aktion ab. Zu gefährlich. Wenn irgendetwas schief geht, werden wir mit dem Gummiboot aus der Bucht getrieben. Auch nicht schön. Also muss unser Hauptanker halten. Wir stecken noch mal etwas Kette und haben nun gute 30 m draußen. Mehr als 10fache Wassertiefe. Außerdem Lehmboden. Das wird (muss) auch so halten.

Erst die Warmfront mit Regen, dann der Wind mit der Kaltfront.

Erst die Warmfront mit Regen, dann der Wind mit der Kaltfront.

Zwischen 15:00 und 18:00 geht der Wind nur noch selten unter 30 kn. Das ist schon eine ganze Menge und in der Takelage pfeift es ordentlich. Besonders in den schweren Böen, die bis an die 40 kn herangehen, legt sich unsere Dame ganz ordentlich auf die Seite. Aber der Anker hält und das Barometer steigt wieder.
Inzwischen ist es 21:00 und es bläst immer noch unablässig mit 6 Beaufort. Der Wetterdienst hat nun insgesamt ein Trippel von Sturmtiefs vorhergesagt, die in einem Abstand von 36 Stunden mit ähnlichen Windstärken genau über das nördliche Jutland ziehen sollen. D.h., wir werden wohl wenigstens noch bis Mittwoch hier im Limfjord unseren Starkwindspass haben.

Es pfeift ganz ordentlich.

Es pfeift ganz ordentlich.

Auf jeden Fall werden wir uns morgen hier verdrücken und nach Norden abhauen. Mal sehen wo wir dann ein nächstes sicheres Plätzchen finden. Schon Sonntagabend soll es wieder rund gehen.

Der nächste Morgen... ab 1:00 war schlagartig Ruhe.

Der nächste Morgen… ab 1:00 war schlagartig Ruhe.

in der Bucht vor Doverodde