In die Mälaren


Wasahamnen (Stockholm) -> vor Kungsängen (Mälaren) (A) Distanz: 24,9 sm Gesamtdistanz: 3.116,9 sm

„vom Wasahamnen (Stockholm) -> nach Kungsängen (Mälaren)“

„vom Wasahamnen (Stockholm) -> nach Kungsängen (Mälaren)“

Um in die Mälaren zu kommen, muss man direkt in Stockholm nicht nur durch die Hammarby-Schleuse, sondern auch unter einigen Brücken durch. Nicht alle davon passen zu unserer Masthöhe, deswegen müssen wir dort dann auf eine Öffnung warten. Von der Ostsee kommend, gibt in Stockholm die Danvikstull-Brücke den Takt vor. Sie öffnet tagsüber immer um 38 nach, aber nicht morgens und nachmittags zu den Zeiten der Rushhour. Wir sind um 11:25 vor der Brücke und der Kanaleinfahrt durch Stockholm und beobachten die Ampel der Danvikstull-Brücke. Irgendwie ist es immer wieder spannend, ob eine Brücke oder eine Schleuse öffnet, denn fast überall steht der kleine Zusatz, »Öffnung bei Bedarf«. Deswegen bleibt eine Restspannung, ob man als »Bedarf« erkannt wird oder nicht.

„Nach dem Abschied vom Wasahafen warten wir auf die Brückenöffnung zur Durchfahrt in die Mälaren“

„Nach dem Abschied vom Wasahafen warten wir auf die Brückenöffnung zur Durchfahrt in die Mälaren“

Aber dann gesellt sich zu dem roten Blinklicht doch das weiße, das immer anzeigt, dass nun etwas passiert. Warten mehrere oder gar noch mehr Schiffe vor einer Brücke oder einer Schleuse, versetzt dieses weiße Licht die ganz Schar der Wartenden regelmäßig in helle Aufregung. Besonders deutsche Yachteigner scheint in diesem Moment eine panische Angst zu befallen, doch nicht mitzukommen, und so versuchen sie dann im letzten Moment, doch noch die Polposition zu ergattern. Aber heute ist es entspannt, nur ein Schwede ist vor uns und die Schweden sind in diesem Dingen meist tiefenentspannt.

„Auf dem Kanal geht es mitten durch Stockholm“

„Auf dem Kanal geht es mitten durch Stockholm“

„Die Hammarby-Schleuse und unzählige Brücken sind zu passieren.“

„Die Hammarby-Schleuse und unzählige Brücken sind zu passieren.“

Nach der Brücke geht es auf dem Wasserweg durch Stockholm zur Hammarby-Schleuse. Die Hammarby-Schleuse trennt das Süßwasser der Mälaren von dem Salzwasser der Ostsee, genauso wie es die Schleuse in Södertälje auch tut, durch die wir in einigen Tagen wieder ausfahren werden. Die Mälaren sind das Trinkwasserreservoir Stockholms, deswegen achtet man sehr genau darauf, das der Wasserspiegel der Mälaren immer etwas oberhalb der Ostsee liegt. Der Hub der Schleuse ist mit knapp einem halben Meter recht gering und man hält sein Schiff einfach nur etwas an blauen Halteleinen fest, die in kurzen Abständen an den Schleusenmauer herunterhängen. Diese Schleusung hier steht in keinem Vergleich zu den Schleusungen im Saimaa-Kanal oder gar in Varkaus im Saimaa-See. Auch wir bleiben entspannt ?.

„Auch in Stockholm gibt es alternative Wohnformen“

„Auch in Stockholm gibt es alternative Wohnformen“

„… noch mehr Brücken!“

„… noch mehr Brücken!“

„Hier müssen wir warten, dann geht es weiter.“

„Hier müssen wir warten, dann geht es weiter.“

Kurz bevor es richtig in die Mälaren geht, müssen wir noch unter einer Brücke durch, die zwar für den mitfahrenden Schweden ausreichend hoch ist, aber nicht für uns. So schlüpft der Schwede passgenau in der Mitte der geschlossenen Brücke durch und wir müssen warten. Da uns nicht ganz klar ist, bis wann wir warten müssen, nimmt sich Astrid ein Herz und ruft die Brück auf Kanal 12. Die Funkerei ist bisher nicht wirklich Astrids Ding gewesen, aber nun gewinnt sie zusehends Spaß daran, meldet unseren »Bedarf« an und bekommt 13:00 als Öffnungszeit zurück. Bis dahin sind es noch 20 Minuten und so lassen wir uns mal einfach treiben, kochen einen Kaffee und warten.

„In den Mälaren.“

„In den Mälaren.“

Ulrich hatte uns in den Mälaren Björkö empfohlen und so hatten wir ohne viel nachzudenken auch Björkö als heutiges Ziel genommen. Wind ist keiner, wenigsten nicht so viel, dass man damit segeln könnte. So motoren wir langsam aus Stockholm heraus in die zusehends hübscher werdende Landschaft der Mälaren. Kurz nach 14:00 überschlagen wir mal, wie wir überhaupt heute unterwegs sind und wie wir morgen mit den vorhergesagten Wind unterwegs sein könnten. Dabei fällt uns auf, dass unsere Planung ebenso fantastisch, wie unrealistisch ist. So beginnen wir südlich von Fågelön nachzudenken, neuzuplanen und drehen um.
Nach Kungsängen gibt es noch eine östlich Durchfahrt, die wird zwar auch von einer Brücke versperrt, die für uns zu flach ist, aber es ist eine Schwenkbrücke, die bei Bedarf öffnet. Mit etwas Glück kommen wir dort noch um 15:00 mit der letzten Öffnung vor der Rushhour durch. Björkö muss auf uns bis zu unserer Rückreise warten, denn heute schaffen wir das alles nicht mehr. Zwei Seemeilen vor der Schwenkbrücke von Nockeby wissen wir, dass wir es schaffen werden und Astrid meldet unseren »Bedarf« beim Brückenwärter an. 15:00 geht klar und wir sind nur wenige Minuten zu früh vor der Brücke.

„Die letzte Brücke öffnet nur für uns und der ganze schöne Stau staut sich nur ganz allein für uns. Ist das nicht hübsch?“

„Die letzte Brücke öffnet nur für uns und der ganze schöne Stau staut sich nur ganz allein für uns. Ist das nicht hübsch?“

„Je weiter wir in die Mälaren kommen, desto schöner wir auch das Wetter.“

„Je weiter wir in die Mälaren kommen, desto schöner wir auch das Wetter.“

„Entspannung auf den Mälaren. Der Wind ist eher leicht, da hat man viel Zeit zum Nachdenken und Seele baumeln lassen.“

„Entspannung auf den Mälaren. Der Wind ist eher leicht, da hat man viel Zeit zum Nachdenken und Seele baumeln lassen.“

Hinter der Brücke auf halben Weg nach Kungsängen lassen wir den Anker im Vantholmsviken fallen. Morgen sind es nur noch 5 Seemeilen bis Kungsängen, dort wo wir Anna und Ulrich treffen wollen. Das passt nun wesentlich besser als unser erster Plan, via Björkö zu fahren.

„An unserem Ankerplatz im Vantholmsviken“

„An unserem Ankerplatz im Vantholmsviken“

Vantholmsviken ist ein wunderhübscher und auch ruhiger Fjord. Ideal zum Ankern und zum Baden. Das Wasser der Mälaren hat noch fast 20° und ist damit wesentlich wärmer als die Ostsee. So baden wir ausgiebig und machen uns ausflugsfrisch für morgen.

„Kungsängen, wir ankern davor.“

„Kungsängen, wir ankern davor.“

Der Gästehafen von Kungsängen erweist sich als Flopp. Vor dem Gästesteg liegen zwar drei Moorings, aber direkt vor dem Steg ist es so flach und steinig, das Astrid vom Bug aus unseren Anleger abbricht und »geht nicht« signalisiert. An dem Steg des Vereins sind einige Plätze frei, also machen wir dort erst einmal fest. Da das Tor zum Vereinssteg verschlossen ist, fahre ich mit dem Gummiboot zum Gästesteg. Hier gibt es wirklich keine vernünftige Ecke zum Festmachen ohne das Risiko des Aufsetzens. Aber egal, mit dem Gummiboot kommen wir ja auch von dem Vereinssteg herunter und wir wollen ja auch nur eine Nacht bleiben und brauchen keinerlei Versorgung. Also rufen wir den Hafenmeister an und fragen, ob wir das so machen können. Der aber ist tief betroffen und sehr erstaunt, wie wir überhaupt auf diese abwegige Idee kommen können. Wir müssen gleich, am besten sofort und umgehend wieder weg, denn so geht das schon mal gar nicht. Irgendwie beschleicht uns das Gefühl, dass der Hafenmeister ein »Zugereister« sein muss ?, denn so verspannt sind echte Schweden eigentlich nie. Also beschließen wir wieder einmal auf die beste und einfachste Liegevariante zurückzugreifen und werfen den Anker einfach »um die Ecke« direkt vor Kungsängen. Es ist schon gut, dass wir diese Alternative haben, eine Alternative, die zunehmend zum Standard wird.

Anna und Ulrich finden uns auch vor Anker und winken von Steg des Fähranlegers zu uns herüber. Wir machen uns schnell landfein und fahren mit dem Gummiboot an Land. Es ist komisch, die PINCOYA ankernder Weise zurückzulassen, aber so langsam gewöhnen wir uns auch daran.

„Der Lachs á la Anne & Ulrich“

„Der Lachs á la Anne & Ulrich“

Bevor wir mit Anna und Ulrich einen kleinen Landausflug machen, gibt’s bei den beiden zuhause noch einen ordentlich ausgewachsenen Lachs zum Mittag. Der Lachs wird von Ulrich liebevoll auf eine Schicht grobes Salz gebettet und kommt für 25 Minuten in den Ofen. Das ist echt lecker. Eine kleinere Variante davon könnten wir so sogar in unserem Backofen an Bord machen, das müssen wir mal ausprobieren.

„Die Kirche von Skokloster“

„Die Kirche von Skokloster“

Danach fahren wir zusammen zum Skokloster und nach Sigtuna. Das Skokloster hat leider außerhalb der Saison nur noch an den Wochenenden geöffnet und so laufen wir einmal rundherum durch die Gärten und probieren den ein oder anderen Apfel aus dem alten Klostergarten. Auch hier hat die Landhebung ihre Spuren hinterlassen, der alte Schloss- und Klosterhafen ist inzwischen vollkommen trocken gefallen.

„Skoklosters Schloss“

„Skoklosters Schloss“

„Skokloster“

„Skokloster“

Sigtuna ist ein gemütliches und hübsches Städtchen. Das es sich hier gut leben lässt, wussten auch schon vor mehr als eintausend Jahren die Wikinger, als die Mälaren noch kein Süßwassersee waren und noch zur Ostsee gehörten. Die Landhebung hat seitdem die Mälaren von der Ostsee abgetrennt und so liegt auch die alte Wikingersiedlung nun einige hundert Meter landeinwärts inmitten der Stadt Sigtuna und nicht mehr an ihren Ufern. Bei »Tant Brun« trinken wir dann noch einen Kaffee und ich bekomme dort auch meine tägliche Zimtschnecke ?.

„In Sigtuna“

„In Sigtuna“

„Kaffee bei »Tant Brun« und Abschied von Anna und Ulrich“

„Kaffee bei »Tant Brun« und Abschied von Anna und Ulrich“

Abends setzen uns Anna und Ulrich wieder an der PINCOYA ab und Astrid rudert mich gekonnt mit ihren professionellen Ruderschlägen zurück an Bord. Das war ein schöner Abschluss unserer großen Tour, denn nun beginnt langsam unsere Rückreise. Alle Ziele auf unserer Tour haben wir erreicht, nun gibt es nur noch das letzte Ziel, unseren Winterliegeplatz in Bremerhaven.

„Die PINCOYA hat problemlos vor Anker auf uns gewartet“

„Die PINCOYA hat problemlos vor Anker auf uns gewartet“


p.s.
Ein Sprung in die Zukunft:
Als ich diesen Blog mit seinen Bilder endlich fertigstelle, sind wir schon kurz vor Trelleborg auf dem Weg nach Dänemark und es ist schon der 18.09. In den letzten 14 Tagen hat uns die Navigation durch die Schären, der starke Wind und das andauernde Kreuzen so in Beschlag genommen, dass keine Zeit und Möglichkeit mehr blieb, die Blogs fertigzustellen. Das Schreiben von Blogs geht ja noch auch in großer Schräglage, aber an eine Bildbearbeitung oder das Erstellen von Collagen ist nicht mehr zu denken, wenn man sich irgendwie an Bord verkeilen muss, um nicht wegzurutschen. Da kann man nur noch Tasten drücken, aber mit Maus oder Trackpad keine Bilder mehr endbearbeiten. So stauen sich inzwischen schon sechs geschrieben Blogs und warten auf ihre Bilder. Aber die Überfahrt nach Dänemark ist gerade halbwegs moderat und so erblickt vielleicht heute noch ein zweiter Blog das Licht des Internets.


Stationen:

04.09. Wasahamnen (Stockholm) -> Vantholmsviken (Mälaren) (A)18,8 sm: 59° 24′ 10,5″ N, 17° 43′ 12,9″ E

05.09. Vantholmsviken (Mälaren) (A) -> vor Kungsängen (Mälaren) (A) 6,1 sm: 59° 28′ 18,2″ N, 17° 45′ 03,9″ E