Bastelzeiten I


Bei dem Blogtitel sieht man schon mal gleich, dass noch einiges zu tun ist. Wir hätten ihn ja auch einfach nur »Bastelzeiten« nennen können. Aber nein…, ganz vorsorglich hat er eine römische »I« bekommen. Die Erfahrung lässt einen Bootsbastler bescheiden werden und nicht in den Glauben verfallen, allzu schnell fertig werden zu können.

Allerdings hätte der Blog an diesem Wochenende auch mit Fug und Recht “Frühlingserwachen” heißen können. Das hätte nicht nur zum Wetter wie die Faust auf’s Auge gepasst, sondern auch zu unserer Stimmung und einfach zu allem an diesem irren Frühlingswochenende. Es ist echt viel zu tun und das tolle Wetter ist ein Geschenk des Himmels. Ein norddeutsch-kalter Nieselregen hätte alles unmöglich gemacht und jeden Bastelspaß sofort im Keim erstickt. So sitzen wir aber nun zwischen all der Bastelei immer mal wieder mit einem Becher Kaffee in der Sonne, genießen die 15° Frühling und träumen uns unserem Starttermin in die neue Saison Stunde um Stunde etwas mehr entgegen.
Es ist unglaublich, wie schnell eine Hand voll Sonnenstrahlen alles verändern kann. Der Winter ist wie fortgeblasen, jeder läuft mit einem frühlingshaften Dauergrinsen durch die Weltgeschichte und die Reiselust platzt vor Vorfreude aus allen Nähten.

 

„Ein erstes, vorsichtiges Loch und ein kleiner Check, wo man denn nun wirklich rausgekommen ist.“

„Ein erstes, vorsichtiges Loch und ein kleiner Check, wo man denn nun wirklich rausgekommen ist.“

Aber bevor es wieder auf Tour gehen kann, ist nun erst einmal der Radar an der Reihe, denn, und trotz aller Frühlingsgefühle, es ist ja schließlich Bastelwochenende. Die ganze Radar-Hardware haben wir ja schon im Herbst bei Enßlin gekauft und eine Cash-Back-Aktion von B&G hat die ganze Sache für uns dann nochmal etwas preiswerter gemacht. Da unser Radar »auf den Geräteträger« soll, der aber schon mit den Solarzellen voll ist, haben wir beschlossen, einen »leichten Mast« steuerbords neben den Geräteträger zu stellen und darauf nicht nur den Radar, sondern auch gleich die AIS-Antenne und die beiden GPS-Antennen zu montieren. In diesen Zuge soll dann auch die neue WLAN-Antenne den alten Platz der AIS-Antenne bekommen und schwupps ist nicht nur Radar an Bord, sondern auch ein cooler WLAN-Empfang gesichert.

 

„Am Freitagabend steht der Mast schon mal Probe.“

„Am Freitagabend steht der Mast schon mal Probe.“

Aber so ganz so »schwupps« geht es dann natürlich doch nicht. Vorsorglich haben wir unser Bastelwochenende ja schon um den Freitag verlängert. Und gleich am Freitag steht dann auch schon mal der Radarmast Probe. Nicht nur so angehalten, sondern korrekt mit Fuß und Befestigung am Geräteträger. Grundsätzlich passt alles, aber grundsätzlich ist eben grundsätzlich und nicht richtig. Die Tücke liegt im Detail. Aus unserem Bastelkeller haben wir alles mitgebracht, was auch nur annähernd in Verdacht geraten könnte, hilfreich zu sein.

 

„Die Löcher im V4A sind eine echte Höchststrafe!“

„Die Löcher im V4A sind eine echte Höchststrafe!“

Aber – 😡 – ich habe vollkommen vergessen, dass wir noch die Löcher für die GPS-Antennenfüße und auch für die AIS-Antenne bohren müssen. Wenn man so einen Radarmast plant, dann sind so viele andere Dinge wichtig, dass solche Kleinigkeiten wie total triviale Löcher irgendwie vollkommen in den Hintergrund geraten. Schließlich geht es ja erstmal auch darum, wie und wo der Mast überhaupt neben dem Geräteträger stehen kann und wie er dann am Geräteträger befestigt wird. Und dann geht es noch um die Radargrundplatte, die Kabelführungen, den Antennenableger für GPS und AIS und nicht zuletzt auch um die Ausrichte- und Justiermöglichkeiten. Schließlich soll der Radar ja im richtigen Winkel nach vorne gucken und nicht irgendwie von schräg nach links in den Himmel schielen.

 

„Nun können die Antennen drauf...“

„Nun können die Antennen drauf…“

Das alles überlegt man sich, misst es genau aus und macht an Bord eine erste Skizze, die dann zuhause irgendwie immer besser wird, um am Ende die Grundlage der Anfrage beim Niroschweißer zu werden. Aber eben ohne die Löcher für die Antennenfüße. Ein Kinderspiel für den Niroschweißer, wenn man dran denkt, aber nun liegen sechs 5er, zwei 15er und ein 10er Loch vor uns, die durch 2mm V4A gebohrt werden möchten. Und auf dem Steg steht eben keine Ständerbohrmaschine, denn der Mast liegt dort schon fertig geschweißt vor uns. Und natürlich liegen die guten Cobalt-Bohrer zuhause im Keller. Speziell der 15er. Wie schön wäre es jetzt, überhaupt einen 15er zu haben. Klar könnte man so etwas kaufen, aber eben nicht in Bremerhaven. Hier gibt es zwar richtig viele Werkzeugausrüster für richtig viele große Werften und noch viel größere Schiffe, und all diese Werkzeugausrüster sind auch total nett und hilfsbereit und schicken uns von einem zum nächsten Kollegen, aber nicht einer hat so einen 15er Cobalt-Bohrer. So quälen wir uns am Samstag mit dem vorhandenen Bohrers-Set durch den V4A Stahl. Das ist zwar auch ein Cobalt-Bohrer-Set, aber schon recht betagt und eben ohne 15er. Und das alles mit einem Akku-Schrauber! Die Makita ist aber Gold wert. Jeder andere Akkuschrauber hätte sich schon qualmend in den wohl verdienten Heldentod verabschiedet, aber die Makita macht unbeirrt weiter und quält am Ende sogar noch einen normalen 15er Baumarktstahlbohrer durch das Nirozeugs. Ufff… Nachdem das geschafft ist, gibt es erst einmal eine Verschnaufpause in der Sonne. Boah, was für ein Wochenende. Es könnte auch ein Februar auf der Südhalbkugel sein!!!

 

„Die PINCOYA ist eindeutig zu klein für solche Bastelaktionen!“

„Die PINCOYA ist eindeutig zu klein für solche Bastelaktionen!“

„Fummel, strippenzieh, fummel, löt, fummel, schraub, fummel … na ja und so weiter...“

„Fummel, strippenzieh, fummel, löt, fummel, schraub, fummel … na ja und so weiter…“

Alles, was danach kommt, ist vergleichsweise einfach, dauert aber eben doch so seine Zeit. Eine fummelige Fleißarbeit, die zwar in der Frühlingssonne richtig Spaß macht, uns aber auch nicht viel Zeit lässt. So schrauben, löten und bohren wir im strahlendsten Sonnenschein auf dem Steg unseren Radar zusammen. Ziehen Kabel, machen Pause und lassen es uns zwischendrin auch mal einfach gut gehen. Wie schlimm bis unmöglich wäre das hier vor einem Jahr gewesen? Da haben die Schlepper noch echte dicke Eisschollen vor sich her durch den Hafen geschoben. Aber dieses Jahr ist ja Gott sei Dank schon fast Sommer. Was für ein Glück!

 

„Samstagabend steht die ganze Geschichte schon mal.“

„Samstagabend steht die ganze Geschichte schon mal.“

„Letzte Höhenarbeiten….“

„Letzte Höhenarbeiten….“

„Äußerlich fertig!“

„Äußerlich fertig!“

Und am Sonntagmittag steht dann alles und alle Kabel liegen anschlussbereit im Schiff. Die »Außenarbeiten« sind fertig, das nächste Bastelwochenende kann kommen und dann kann es auch wieder regnen, denn draußen sind wir fertig.

 

„Einiges an Chaos bleibt zurück, aber oben rechts sieht man schon wieder erste AIS-Signale.“

„Einiges an Chaos bleibt zurück, aber oben rechts sieht man schon wieder erste AIS-Signale.“

„Während wir basteln, machen die ersten schon eine Frühlingshafenproberundfahrt.“

„Während wir basteln, machen die ersten schon eine Frühlingshafenproberundfahrt.“

 


in Bremerhaven im Jaich
53° 32′ 52,6″ N, 08° 34′ 11,6″ E