Flachwasser nach La Roche Bernard


Île Houat -> La Roche Bernard Distanz: 34,3 sm Gesamtdistanz: 1.342,2 sm

„von Île Houat -> nach La Roche Bernard via der Bucht vor dem Château Suscinio“

„von Île Houat -> nach La Roche Bernard via der Bucht vor dem Château Suscinio“


Da Lin am Montag in einer Woche wieder von Nantes aus nach Hause fliegt, ist etwas Langzeitplanung gar nicht schlecht. Das schöne Sommerwetter soll uns zwar noch bis zum kommenden Sonntag erhalten bleiben, aber ab Mitte der Woche beginnt es kräftig aus Nord zu wehen, um dann am Wochenende schnell auf Süd zu drehen. Um diese Vorhersagen herum müssen wir also unsere gemeinsame Zeit planen und zusehen, dass wir auch pünktlich in Pornic ankommen, damit Lin ohne Probleme ihren Flieger erreichen kann.

Den letzten ruhigen und eher windarmen Tag nutzen wir noch einmal zum Ankern. Die Bucht vor dem Château de Suscinio, die von der Île Houat aus gesehen ja fast auf dem Weg nach La Roche Bernard liegt, hat uns letzte Woche so gut gefallen, dass wir sie nun Lin nicht vorenthalten wollen. Danach soll’s dann nach La Roche Bernard gehen, wo wir den Starkwind abwarten, um dann rechtzeitig vor dem Süd-Dreher mit einem immer noch kräftigen Nordost in Richtung Pornic aufzubrechen. Soweit unser Plan, der bestimmt auch ganz cool hinhaut.

„Endlich ein wirklicher Sommer. Ohne Lins Unterstützung wäre das bestimmt nichts mehr geworden.“

„Endlich ein wirklicher Sommer. Ohne Lins Unterstützung wäre das bestimmt nichts mehr geworden.“

Bei fantastischem Sonnenschein geht es am Montag dann in die Bucht vor dem Château de Suscinio. Mit dem Gummiboot rudern Lin und ich aber erst am nächsten Tag zum Strand. Wie schon auf der Île Houat bewähren sich die neuen Räder an unserem Gummiboot bestens. Noch nie war es so schön, sein Gummiboot bis zur Hochwassergrenze zu ziehen. Man ist glatt versucht, gleich noch einmal eine zweite Runde zu drehen.

„Sommerbaden und Loggenreinigung in der Bucht vor dem Château Suscinio. Ja, man kann sie auch innen rausnehmen, aber »never touch a dichtes system«! Ein alte Seemannsregel!“

„Sommerbaden und Loggenreinigung in der Bucht vor dem Château Suscinio. Ja, man kann sie auch innen rausnehmen, aber »never touch a dichtes system«! Ein alte Seemannsregel!“

Lins Besuch hat unsere Zeit hier tatsächlich doch noch in einen richtigen Sommerurlaub verwandelt. So langanhaltendes Sommerwetter hatten wir das letzte mal bis kurz vor Cherbourg Anfang Juli! Danach gab es zwar immer mal wieder ein zwei Tage T-Shirt-Wetter, aber der Rest war doch eher herbstlich durchwachsen. So laufen wir nun in bestem Sonnenschein zum Château und gehen dann einen anderen Weg zurück zum Strand. Das Département Sarzeau, in dem das Château liegt, ist wirklich schon ein schönes Fleckchen Erde. Im Norden der Golf und im Süden diese Strände, da könnte man es aushalten.

„Das Schloss und das Grüngrün der Natur! Es ist schon fantastisch, was hier einfach so am Wegrand wächst.“

„Das Schloss und das Grüngrün der Natur! Es ist schon fantastisch, was hier einfach so am Wegrand wächst.“


Dienstag verdrücken wir uns nach La Roche Bernard

La Roche Bernard liegt an dem Fluss La Vilaine und da die Vilaine mit einem Sperrwerk aufgestaut ist, liegt unser Ziel an einem gezeitenlosen Süßwasserfluss. Das Aufstauen bedeutet aber auch, dass man in die Vilaine nur über eine Schleuse kommt. So weit so gut. Doch vor der Schleuse, also auf der Seeseite, ist es flach. Selbst zur Nippzeit bleibt bei Niedrigwasser großflächig nicht genügend Wasser stehen, so dass wir sorgenfrei einfahren könnten. Am 17.09. ist das Niedrigwasser um 13:50, lässt aber immerhin noch 1,25 m über dem LAT (lowest astronomical tide) für uns stehen. Doch auch das reicht nicht ganz, weil die flachsten Stellen nur so um die 20 bis 30 cm haben. Also müssen wir warten, bis wieder genügend Wasser aufgelaufen ist, aber genau dafür lauert schon das nächste Problem im Internet.
Die Schleuse Arzal hat genau für unseren Besuch beschlossen, von den normalen Schleusenzeiten abzuweichen. Am Dienstag, wenn wir einfahren, wird nur 2 x geöffnet und am Donnerstag, wenn wir wieder ausfahren wollen, öffnet die Schleuse sogar nur 1x um 17:00. So können wir am Dienstag nur um 16:00 und 17:00 einschleusen, was bedeutet, dass wir bei der Anfahrt für die Schleusung um 16:00 nicht wirklich viel Wasser unter dem Kiel haben.

Um uns eine Alternative zu erhalten, peilen wir die 16:00 Schleusung an. Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht klappt, dann bleibt uns ja noch 17:00. In jedem Fall können wir uns Zeit lassen und brechen erst kurz nach 12:00 auf. Der kräftige, ablandige Wind schenkt uns einen tollen Segeltag, den wir bis in die Flachwasserbereiche des Vilaine-Deltas bei bestem Sonnenschein und nur wenigen kleinen Wellen unbeschwert genießen können.

„Das ganze Delta der Vilaine ist vollgestopft mit Muschelfarmen.“

„Das ganze Delta der Vilaine ist vollgestopft mit Muschelfarmen.“

„Anfahrt zu Schleuse der Vilaine.“

„Anfahrt zu Schleuse der Vilaine.“

Mit uns sind bestimmt noch 10 weitere Segler auf dem Weg zur Schleuse. Die meisten sind vor uns, aber auch einige wenige noch hinter uns. Im Fernglas sehen wir, dass die Segler vor uns immer wieder straucheln und aufstoppen. Da scheint wirklich noch nicht genug Wasser zu sein. Aber der 16:00 Termin drängelt und so tasten auch wir uns vor. Immer wieder fällt die Wassertiefe auf um die 2,00 m. Das lässt uns dann unwillkürlich auch jedes Mal etwas stocken, um danach wieder langsam Fahrt aufzunehmen.

„Da muss noch einiges an Wasser nachlaufen, wirklich tief ist es noch nicht.“

„Da muss noch einiges an Wasser nachlaufen, wirklich tief ist es noch nicht.“

Die vor uns fahrenden Segler, die auch größer zu sein scheinen, ziehen entweder eine Furche durch den Modder oder haben einen Hubkiel, anders können die vor uns hier nicht durchgekommen sein. Als es streckenweise dann wieder etwas tiefer wird, geben wir Gas und sausen mit dem einlaufenden Wasser der Schleuse entgegen. Pünktlich um 16:00 kommen wir vor der Schleuse an und da gerade ausgeschleust wird, binden wir uns noch einmal schnell am Warteponton fest.

„Vor der Schleuse. Die Ausfahrenden und die Einfahrenden.“

„Vor der Schleuse. Die Ausfahrenden und die Einfahrenden.“

Mit uns warten bestimmt 10 Schiffe vor der Schleuse. Als die Lichter auf grün gehen, fahren wir fast als letzte ein. Der Schleusenmeister hat alles im Griff, nur so manch ein englischer und französischer Segler nicht. Es wird gedrängelt und gebufft, da sind wir froh, dass wir doch ganz hinten sind. Die Schleusung selbst ist problemlos, weil alle Freizeitkapitäne zum Warten verurteilt sind. Aber die Ausfahrt hat es in sich. Fast alle werfen gleichzeitig die Leinen los, nur der Belgier, der neben uns noch längsseits gegangen ist, sagt schnell, dass er doch lieber noch etwas warten würde, weil ihm das vor uns zu gefährlich erscheint.

„Viel Gedrängel.“

„Viel Gedrängel.“

„Aber einer hat's im Griff.“

„Aber einer hat's im Griff.“

Irgendwann hat sich das Chaos vor uns aber doch aufgelöst und auch wir können ausfahren. In diesem Moment kommt uns aber schon der erste Franzose wieder entgegen, der runter geschleust werden möchte. Offensichtlich hat er Angst, dass man ihn in der Vilaine vergisst, und da ist es auch erst einmal vollkommen egal, dass die Schleuse noch nicht leer ist und der Schleusenwärter wie ein französisches Rumpelstilzchen auf der Schleusenmauer herumspringt. Und genau dies sind die Momente, in denen auch die Capitana trötet. Lang anhaltend blasen wir den Franzosen wieder zurück aus der Schleuse. Aber der Franzose hat sein Schiff genauso wenig im Griff wie der Engländer hinter ihm. Irgendwie gelingt es uns dennoch zu entkommen, etwas unkonventionell schlagen wir karnickel-mäßig zwei Haken und sind schlussendlich auch in der Vilaine.

Hier eröffnet sich uns eine ganz andere Welt, so dass die letzten vier Seemeilen bis La Roche Bernard verfliegen.

„Die Vilaine.“

„Die Vilaine.“

„La Roche Bernard in Sicht….“

„La Roche Bernard in Sicht….“


La Roche Bernard

„La Roche Bernard von oben“

„La Roche Bernard von oben“

La Roche Bernard ist wohl die niedlichste und schönste Stadt, die wir bisher besucht haben. Die Altstadt ist facettenreich, liebevoll restauriert und in Stand gehalten und in allen möglichen Winkel hat die hier ansässige Künstlerszene lustige, kleine Überraschungen versteckt. Zudem liegt La Roche Bernard ausnehmen schön an dem Flusslauf der La Vilaine. Stundenlang schlendern wir durch die Gassen und genießen dieses Städtchen.

„Der alte Hafen und die Altstadt.“

„Der alte Hafen und die Altstadt.“

„Der Marktplatz von La Roche Bernard“

„Der Marktplatz von La Roche Bernard“

„Aussichten auf unserem Stadtrundgang.“

„Aussichten auf unserem Stadtrundgang.“

Nach kurzer Zeit ertappt man sich, dass der Stadtrundgang doch unversehens zu einer »Männchensuche« geworden ist 😂. Die Künstlergemeinde hat überall kleine Überaschungen versteckt, die meisten sind »Männchen«, aber es gibt auch einige »Frauchen« 😂 😎 😂. Einen Teil finden wir, sie sind so zwischen 10 und 15 cm groß, also nicht einfach an den Häusern zu finden.

„Überall warten sie ...“

„Überall warten sie …“

„… die »Männchen« und »Frauchen«.“

„… die »Männchen« und »Frauchen«.“

Nachmittags mache ich mich an den Außenborder. Da ich kein Werkstatthandbuch im Internet finde, krame ich meine alten Zündapp+Kreidler-Mopped-Bastel-Kenntnisse wieder hervor und schraube, wie ich seit meinem 17ten Lebensjahr nicht mehr an solchen Motörchen herumgeschraubt habe.

„Der Frustmotor….“

„Der Frustmotor….“

Viel hat sich seitdem nicht verändert, aber trotzdem bekomme ich das Teil nicht zum Laufen. Die Vergaserschwimmerkammer bekomme ich wegen Altersverottung erst einmal nicht auf, denn mit roher Gewalt will ich dann doch noch nicht gleich vorgehen, solange noch andere Hoffnungen keimen. Nun ja, nun ist aber klar, es wird weitere Außenborderbastelrunden geben müssen, irgendwie hat mich dieses Teil ja nun auch bei meiner Bastelehre gepackt. … mal sehen.

In La Roche Bernard herrscht Saison-End-Stimmung. Ungefähr 20 Briten motten hier ihren Kahn in der Hoffnung für den Winter ein, dass sie ihn nach BoJos-No-Deal-Brexit im nächsten Jahr doch wiederbekommen, ohne eine Lösegeld dafür zahlen zu müssen. Neben den Briten sind auch einige Niederländer mit denselben Winterarbeiten beschäftigt. Irgendwie macht uns das nun doch schon so einige Gedanken und wir sind froh, als wir einen Russen und einen Belgier sehen, für die die Saison noch nicht zu Ende ist. Schließlich haben wir uns ja nun schon festgelegt, dass wir in A Curuña überwintern. Aber dazu unten mehr.


Am Donnerstag haben wir noch bis zu der einzigen Schleusung um 17:00 viel Zeit und machen zusammen mit Lin noch einen Spaziergang auf die Brücke. Der Ausblick ist zu grandios, als dass wir ihn Lin vorenthalten können. Durch’s Unterholz krabbele ich in der Hoffnung auf spektakuläre Photos noch auf den östlichen Brückenkopf des alten Viadukts. Doch auf halber Strecke verlässt mich dann doch der Mut, das alte Viadukt erscheint selbst mir dann doch etwas bröckelig, zumal man nur direkt am Rand in etwa 30m Höhe balancierend ganz nach vorne kommen würde. So bleibt es bei einem aus der Hüfte geschlossenen Teilpanorama. Besser, aber doch irgendwie schade.

„Die Brücke und das Bröckel-Viadukt 😳😟.“

„Die Brücke und das Bröckel-Viadukt 😳😟.“


Unser Winterliegeplatz ist klar!

Zwischenzeitlich haben wir einige Mails an potentielle Marinas in Nordspanien geschickt, von denen wir uns vorstellen können, dass die PINCOYA dort gut überwintern kann. Ursprünglich hatten wir gedacht, dass es Sinn macht, wenn wir ein- bis zweimal nach Galizien fliegen, um nach dem Rechten zu sehen und auch noch etwas zu segeln. Diesen Plan haben wir nun fallen lassen, weil uns das inzwischen doch hinreichend unpraktikabel erscheint. Unser Arbeitsvertrag läuft zum 30.06.2020 aus und mit den noch vorhandenen Überstunden, dem Jahresurlaub für ein halbes Arbeitsjahr und unserer aktuellen Arbeitszeitregelung werden wir ohnehin Anfang April unseren letzten Arbeitstag haben.
Also haben wir beschlossen, die PINCOYA zum Ende November, also zum Ende unseres diesjährigen Törns, für 5 Monate aus dem Wasser zunehmen, sie dann Mitte April wieder zu Wasser zu lassen, um dann den letzten Monat bis Mitte Mai »schwimmend« in der Marina zu verbringen.
Die Idee, den Mast zu legen und damit in eine Halle zu können, haben wir angesichts der Preise für das Mastlegen und -stellen ganz schnell wieder ad acta gelegt. Das, was »im Norden« eine Routinetätigkeit für 200 € ist, ist hier im Süden offensichtlich eine »echte Herausforderung«. Beide Marinas, die geantwortet haben, wollten rund 900 € dafür habe. Also stehen auch wir nun mit stehendem Mast an Land, wie 99% aller anderen auch, die hier aus dem Wasser genommen werden.
Angefragt hatten wir in Viveiro, die haben sich aber gar nicht gemeldet, aber wir haben zwei Angebote aus A Coruña bekommen, eines von der Sada-Marina und eines von der Seca-Marina. Die Sada-Marina war am Ende inklusive allem etwa 200 € teurer, trotzdem haben wir uns für die Sada-Marina entschieden, weil wir aus dem Bauch raus ein gutes Gefühl hatten. Insgesamt zahlen wir nun rund 1.700 € inklusive Travellift, müssen es aber nun auch bis Mitte / Ende November bis A Curuña schaffen.
Dies hier so ausführlich im Blog, weil wir inzwischen schon mit vielen gesprochen haben, die auf einer ähnlichen Suche sind.


Stationen:

16.09. Île Houat -> Bucht vor Château de Suscinio (A) 11,9 sm: 47° 30′ 16,3″ N, 002° 43′ 27,6″ W

17.09. Bucht vor Château de Suscinio (A) -> La Roche Bernard 22,4 sm: 47° 31′ 09,4″ N, 002° 18′ 26,9″ W