Baiona


Ría de Vigo: Playa de Liméns -> Baiona Start: 14:25 Ende: 17:09 Wind: N 8 – 1 kn Distanz: 11,0 sm Gesamtdistanz: 471,7 sm

„vom Playa de Liméns im Ría de Vigo -> nach Baiona“

„vom Playa de Liméns im Ría de Vigo -> nach Baiona“

So langsam lassen wir die Rías Baixas hinter uns. Vor uns liegt nur noch der Ría de Baiona und dann kommt Portugal. Ehrlich gesagt sind wir beide etwas gespannt, denn Portugal ist eines der weniger europäischen Ländern mit »Wasseranschluss«, in dem bisher keiner von uns beiden schon einmal war. Da haben wir also eine echte Doppelpremiere.

„Noch ein Blick auf die Cies und den Playa de Barro (heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage! ? ).“

„Noch ein Blick auf die Cies und den Playa de Barro (heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage! ? ).“

Aber zunächst einmal hat der Ría de Baiona seine Premiere. Im Vergleich zu seinen anderen vier Ría-Kollegen, ist der Ría de Baiona wirklich klein. Er ist vielleicht gerade einmal so groß wie die Bucht San Simón am Ende des Ría de Vigo. Aber dafür kann er mit langen Sandstränden prahlen und mit einer gehörigen Anzahl von Felsen in seiner Einfahrt protzen. Außerdem ist die Stadt Baiona selbst in jedem Fall einen Besuch wert und das nicht nur deswegen, weil wir in Vigo waren ?.

„Baiona und seine Burg“

„Baiona und seine Burg“


Wenn es bei den Wettervorhersagen bleibt, dann könnte uns am Samstag noch ein letzter kleiner Nord nach Süden bringen. In dem Ría de Baiona liegt man wunderbar vor Anker, da könnten wir eigentlich auch die anstehende Südwindphase abwarten. Denn unser hübsches Azorenhoch wird gerade mal wieder von einigen Tiefdruckgebieten so in die Zange genommen, dass es sich lieber zurückzieht und wir damit den konstanten Nordwind einbüßen. So eiert es zurzeit windtechnisch etwas unentschlossen herum, bevor es dann auf Süd drehen wird. Da wir aber nach Süden segeln wollen, und das möglichst nicht immer gegenan, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir nehmen den Leichtwind am Samstag und versuchen, nach Viana do Castelo zu kommen, oder wir warten auf die Genesung des Azorenhochs, bis es dann mal wieder mit seinem hübschen Nord um die Ecke kommt und uns nach Süden bläst. Wir sind da zwiegespalten.

Je nach Vorhersage müssten wir zwischen 4 und 7 Tagen warten. Eigentlich ist das »Länger« oder »Kürzer« ja egal, wobei selbst das »Länger« auch gerade mal eine Woche lang ist. Es ist also in jedem Fall absehbar, dass es wieder auf Nord dreht, und in keinem Fall so, wie letztes Jahr in Gijón, wo es uns wirklich ohne absehbares Ende festgehalten hat. Doch es ist schon merkwürdig, was das immer noch in unseren Köpfen mit uns macht. Plötzlich huscht da dann doch wieder dieser Gedanke zwischen den Ohren durch des Seglers Großhirn: »Siehst du, hättest du nicht so sehr in den Rías herumgetrödelt, dann hättest Du nun auch nicht den Absprung verpasst!” Was für ein Blödsinn! Es ist Anfang September und irgendwann dreht es natürlich wieder auf Nord. Aber diese Gedanken, von denen wir ja ehrlich gesagt dachten, nun frei zu sein, sind immer noch da. Nicht das Wetter und der Wind aus Süd ist das Überraschende, sondern die Tatsache, wie schnell man doch in seine alten Muster zurückfällt, von denen man längst geglaubt hatte, sie abgelegt zu haben. Aber von »abgelegt« kann da wohl noch keine Rede sein. Wir haben sie bisher höchsten etwas in den Hintergrund gestellt. Es wird wohl noch eine ganze Weile brauchen, bis wir das »Schnell-Schnell« und das »Zack-Zack« unseres bisherigen Lebens wirklich abgelegt haben. Wir haben ja nun dieses Jahr wirklich alle Zeit und müssen nicht schnell weiter, um irgendwo zeitig anzukommen. Wir haben noch nicht einmal ein fixes Ziel, und trotzdem melden sich diese Gedanken im Kopf wieder zu Wort. Das ist schon merkwürdig.
Bis auf wenige Ausnahmen scheinen aber alle Longterm-Cruiser von einem harten Zeitplan getaktet zu sein. Wenn wir auf MarineTraffic schauen, wo der ein oder andere geblieben ist, den wir in den Rías getroffen haben, dann sind nicht wenige davon schon in der Algarve und dort wahrscheinlich auch schon wieder auf dem Absprung zu den Kanaren oder ins Mittelmeer. Doch was würden wir machen, wenn wir auch schon dort wären? Ins teure Mittelmeer abbiegen, wo es an der spanischen Küste kaum Ankerplätze gibt? Auf die Kanaren fahren und dort auf den weihnachtlichen Absprung in eine »geschlossene« Karibik warten? Oder Kap Verden? Und dann? C19 hat die Zieloptionen schrumpfen lassen und trotzdem müssen wir in unseren Köpfen den Schnell-Schnell-Weiter-Gedanken bekämpfen. Das ist schon schräg, aber vielleicht auch allzu menschlich.


Baiona

Baiona ist eine nette Stadt mit einem schönen Burgfelsen und einer hübschen Altstadt. Zudem kann man dort wunderbar vor Anker liegen und hat 3 Supermärkte und eine Tankstelle in Dinghy-Reichweite. Was will man mehr?

„Der Hafen von Baiona I“

„Der Hafen von Baiona I“

Auf dem Burgfelsen liegt eines der früheren Burganwesen von Pedro Madruga. Das war ein Galizischer Adliger, der trotz seiner halb illegalen Abstammung am Ende doch den Besitz und Titel seines Vaters geerbt hat. Pedro Madruga war schlitzohrig, wurde schnell sehr einflußreich und mischte kräftig in dem politischen Geschehen des ausgehenden 15. Jahrhunderts in Galizien und Kastilien mit.

„Der Hafen von Baiona II“

„Der Hafen von Baiona II“

„Der Hafen von Baiona III“

„Der Hafen von Baiona III“

Aber nicht nur Pedro Madruga hat in Baiona seine Spuren hinterlassen. Baiona ist auch der Hafen, in dem die Pinta, das schnellste Schiff aus der Flotte des Christopher Columbus, als erstes Schiff in der Alten Welt wieder ankam und die Nachricht von der Entdeckung der neuen Welt überbrachte. Columbus selbst lief mit der Niña erst einige Tage später in Lissabon ein. Sein eigenes Schifft, die Santa Maria hatte er vor Haiti auf einer Sandbank verloren. Deswegen liegt im Hafen von Baiona auch ein Nachbau der Pinta und in Baiona finden alljährlich die Feierlichkeiten zur Rückkehr der Pinta statt.

„Pedro Madrugas Burg“

„Pedro Madrugas Burg“

„Heute steht auf der Halbinsel der Burgfestung ein Hotel, aber die Halbinsel ist für Besucher offen und das Hotel hat man »historisch eingepasst«.“

„Heute steht auf der Halbinsel der Burgfestung ein Hotel, aber die Halbinsel ist für Besucher offen und das Hotel hat man »historisch eingepasst«.“

Aber zwischen Pedro Madruga und der Pinta soll es nicht nur die Stadt Baiona als Verbindung geben. Da gibt es auch einige weitere, vielleicht etwas gewagte Verbindungen. Wie gesagt, Pedro Madruga war im heutigen Sinne wohl ein eher “wilder Hund” und starb bzw. verschwand 1486. Und nun gehen einige Historiker davon aus, dass Pedro Madruga und Christopher Columbus ein und dieselbe Person waren. Die Theorie besagt, dass Pedro Madruga aufgrund einiger politischer Verwicklungen einfach seine Identität getauscht hat. Zeitlich haut das auch ganz gut hin, denn Pedro Madruga verschwand, bevor Christopher Columbus wirklich auftauchte, wobei die erste Lebenshälfte von Christopher Columbus und seine Abstammung aus Genua ja durchaus umstritten sind. Wie auch immer, es gibt zwischen den beiden Protagonisten erstaunliche Parallelen und ein kaligraphisches Gutachten ihrer Handschriften soll bestätigt haben, dass es sich bei Pedro Madruga und Christopher Columbus um dieselbe Person handelt. In jedem Fall ist diese Geschichte spannend zu lesen und hat unseren Spaziergang rund im die Madruga-Burg sehr schön historisch untermalt.

„Rundgang um den Burgfelsen I“

„Rundgang um den Burgfelsen I“

„Rundgang um den Burgfelsen II“

„Rundgang um den Burgfelsen II“

„In den Straßen von Baiona“

„In den Straßen von Baiona“


Am Freitagabend bekommen wir vor Baiona noch ein ganz tolles Kompliment. In das Ankerfeld läuft ein deutscher Segler ein, den wir Mitte Juli, also vor 7 oder 8 Wochen in Sada getroffen haben und sagt spontan: “Na ihr seid aber auch noch nicht weit gekommen!” Er war zwischendurch in Deutschland und hat 3 Tage von Sada nach Baiona gebraucht. Da scheint unsere Langsam-Langsam-Übung ja doch Früchte getragen zu haben.

„Baiona in der Morgensonne, die Altstadt versteckt sich hinter der ersten Touristenhochburg-Reihe.“

„Baiona in der Morgensonne, die Altstadt versteckt sich hinter der ersten Touristenhochburg-Reihe.“

Baiona
42° 07′ 07,9″ N, 008° 50′ 18,8″ W