Montserrat -> Anse de Pigeon, Guadeloupe, -> Grande Baie, Terre-de-Bas, Les Saints -> Pointe-à-Pitre
Distanz: 104,3 sm – Gesamtdistanz 2025: 4.746,1 sm
In der Nacht frischt es kräftig auf und beginnt wieder zu schütten. Das Provisorium hält zwar weitgehend dicht, aber eben nur weitgehend. Einige dünne Rinnsale fangen wir mit Handtüchern auf, damit sie keinen größeren Schaden anrichten können. Der Wind pfeift mit fast 30 Knoten über den Ankerplatz und wir fragen uns, ob es nicht doch schlauer wäre, einfach hier zu bleiben.
Doch zum Sonnenaufgang ist der Regen weitergezogen und der Wind hat sich etwas beruhigt. Dennoch liegen keine ruhigen 50 Seemeilen vor uns, denn draußen werden wir locker 5, 6, 7 Knoten mehr Wind haben.
Um 7:00 geht’s los und kaum kommen wir aus der Abdeckung von Montserrat, wird es ruppig. Normalerweise wäre das kein Problem, aber wegen unseres Provisoriums fährt nun doch etwas Sorge mit uns nach Guadeloupe.
Dennoch ist es ein toller Segeltag. Wir sind schnell und können durchaus mit einem etwas größeren Mitstreiter mithalten. Es macht Spaß, nicht abgehängt zu werden und manchmal sogar etwas aufzuschließen. Doch wir sind nicht unbemerkt geblieben, denn auch er trimmt seine Segel und hält den Abstand.
Nach neun Stunden segeln wir in die Anse de Pigeon auf Guadeloupe und genau hier schließt sich nun nach 1.050 Seemeilen und 49 Tagen auch der Kreis unserer Puerto Rico – Runde.
Der Hinweg bis Puerto Real ganz im Westen von Puerto Rico war »nur« 415 sm lang, der Rückweg hatte dagegen stattliche 635 sm. Und wo diese ganzen Seemeilen geblieben sind, sieht man ja recht gut an unserem Zickzack-Kurs.
Doch wat nu?
Glücklicherweise funktioniert auf Guadeloupe unsere britische Datenkarte für’s Internet gleich wieder problemlos. So recherchieren wir nicht nur die grundsätzlichen Reparaturmöglichkeiten, sondern auch, was davon in der Karibik überhaupt so gehen könnte. Dass wir uns irgendwo in der Karibik eine neue Scheibe Einscheibensicherheitsglas (ESG) anfertigen lassen können, ist vollkommen aussichtslos. Auch ein Stück Makrolon, also Polycarbonat (PC), lässt sich nicht auftreiben. So bleibt nur Plexiglas (PMMA). Doch auch ein Stück PMMA ist gar nicht so einfach zu bekommen. Aber PC und PMMA haben schon mal den riesigen Vorteil, dass wir »nur« eine Platte in der richtigen Stärke und Größe brauchen und den endgültigen Zuschnitt dann selbst machen können.
Dabei bieten Guadeloupe und Martinique noch mit Abstand die besten Chancen, so etwas zu bekommen, doch eine Internetrecherche im Dschungel französischer WebPages ist auch im Zeitalter von KI noch eine echte Herausforderung. So kommen wir auf die Idee, einfach mal bei unserem Antifouling-Lieferanten auf Martinique anzufragen, ob er eine Idee hat und uns vielleicht sogar ein Stück Plexiglas besorgen könnte. Und er hat und kann, doch nicht auf Martinique, sondern nur in seiner Filiale auf Guadeloupe. Doch was heißt hier nur? Endlich mal ein Volltreffer 👍, wenn man mal von dem Volltreffer des Low Fiction Rings in unsere Seitenscheibe absieht 😩. Wir bekommen in seinem Shop in Pointe-à-Pitre zwar nur eine Plexi-Platte mit 4mm, die Originalscheibe hatte 5mm, doch das ist allemal besser, als unser Grillwindschutzholzplattengebastel.
Also müssen wir auch noch schnell mal nach Pointe-à-Pitre. Das liegt zwar nicht ganz auf dem Weg und bedeutet noch einmal zwei Tage »gegenan«, aber wenn wir dort eine Plexiglasscheibe bekommen, die verspricht, bis Curaçao zu halten, machen wir das gerne.
Von der Anse de Pigeon bis nach Pointe-à-Pitre sind es zwar nur knapp 50 sm, aber der kräftige Ostwind macht speziell das Runden des Kaps am Vieux-Fort im Südwesten von Guadeloupe recht schwierig und hässlich. Also beschließen wir, in zwei Etappen bzw. zwei großen Kreuzschlägen Pointe-à-Pitre anzulaufen und auf den Les Saints einen Zwischenstopp einzulegen. Abgesehen davon ist morgen mit dem Sklavenbefreiungstag eh ein Feiertag und erst am Mittwoch sind die Geschäfte auf Guadeloupe wieder geöffnet.
Kaum recherchiert und schon geht’s weiter
Inzwischen ist es Montagmittag. Wenn wir bis Freitag auf Martinique sein wollen, um auch noch das Antifouling vor dem Wochenende abzuholen, dann müssen wir heute noch bis auf die Les Saints, um dann morgen Pointe-à-Pitre zu erreichen. Und gleich nachdem wir am Mittwochvormittag dann das Plexi abgeholt haben, geht es weiter nach Martinique.
Diese Taktungen nerven, für uns bleibt fast gar kein Raum mehr. Alles wird von immer neuen Notwendigkeiten und den aktuellen Gegebenheiten des Wetters bestimmt, ohne dass es dazwischen auch nur irgendeinen Spielraum für etwas Entschleunigung gibt. Doch auf der anderen Seite können wir eigentlich auch zufrieden sein. Wir finden immer wieder schnell Lösungen und alles passt am Ende dann ja doch noch irgendwie. Doch wie schön wäre es, wenn »wir« mal wieder den Takt bestimmen könnten und nicht die Problemlösungen und andere Umstände das für uns übernehmen.
So bleibt uns in der Anse de Pigeon schon wieder keine Zeit. Wir müssen weiter – zack zack.
In der Abdeckung von Guadeloupe kommen wir nur zäh voran. Das ändert sich erst weiter südlich auf Höhe von Basse-Terre. Hier beginnt es ums Eck zu pfeifen und das große Winddurcheinander in der Abdeckung von Guadeloupe hat endlich ein Ende. Glücklicherweise kommt der Wind aus Ostnordost, so können wir die Insel Terre-de-Bas der Les Saints gut anhalten.
„Wahrscheinlich hätten wir dort vor Le Mapou auf Terre-de-Bas besser gelegen, aber so etwas vermutet man immer nur hinterher.“
Da der Wind aus Ostnordost kommt, versuchen wir unser Ankerglück in der Grande Baie. Rein theoretisch sollte es dort trotz des Schwells halbwegs ruhig sein. Doch der Schwell kümmert sich nicht die Bohne um unsere hübsche Theorie. Und während die PINCOYA mit Begeisterung beginnt zu rollen, geht die Sonne auch schon unter. So bleibt keine Zeit mehr, noch einmal umzulegen, um ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Was auf den Les Saints ja grundsätzlich auch gar nicht so einfach ist, denn zwischen den Inseln hat der Schwell ein leichtes Spiel, egal aus welcher Richtung er kommt. Ruhig ist es auf den Les Saints nur bei ruhigem Wetter und so schlafen wir wieder einmal quer, während die PINCOYA heftig rollt und ausladend hin und her schwojt, ohne auch nur einmal eine Minute etwas zur Ruhe zu kommen.
Schnell weiter
Zum Ankern ist die Grande Baie eine einzige Katastrophe und das, obwohl Wind und Wellen eigentlich günstig aus Ostnordost kommen. Etwas weiter innen liegt noch ein Franzose, aber auch der liegt dort nicht viel ruhiger. So brauchen wir keinen Wecker, um um 5:00 aufzustehen. Viel Schlaf haben wir nicht bekommen und nichts hält uns hier auch nur noch eine Minute länger. Eher im Gegenteil, denn Pointe-à-Pitre lockt mit der wunderbaren Aussicht auf ein ruhiges Mittagsschläfchen.
Doch so schnell kommen wir dann auch nicht weg. Das Aufnehmen des Ankers geht ungewohnt schwer. Die Ankerwinde quält sich auf Volllast und kann die Kette kaum einholen. Und plötzlich erscheint nicht der Anker an der Wasseroberfläche, sondern die Äste eines alten Baums.
Mit dem Bootshaken versuchen wir, das Gehölz von der Kette zu lösen, doch unsere Kette hat sich mehrfach um die Äste geknotet. Das Gewicht des mit Wasser vollgesogenen Geästs hält die Kette so straff, dass wir die verdrehten Knoten der Kette nicht von den Ästen lösen können. Wahrscheinlich hängt unten auch noch der Anker auf Halbacht und zerrt seinerseits an dem Knäul.
Es dauert, bis wir unsere Kette aus den Ästen befreien können und am Ende gelingt das nur, weil wir das ganze Geäst am Bugspriet festbinden und so die Kette entlasten können. Eine Bügelsäge hätte geholfen, aber welcher Segler hat so etwas schon an Bord? Das alles braucht Zeit, unsere Müdigkeit verfliegt und schon sind wir putzmunter, um auf Kurs Pointe-à-Pitre zu gehen.
Die letzte Nacht hat anscheinend auch einigen anderen nicht wirklich gefallen, so sind wir nicht die einzigen, die im ersten Tageslicht die Les Saints hinter sich lassen. Nach einem Holeschlag können wir Pointe-à-Pitre anhalten und in uns keimt die heimliche Freude auf, dass dies wohl nun wirklich der letzte Kreuzschlag war. Seit 5 Wochen segeln wir nun schon hart am Wind und mussten um jede Meile nach Luv gegen Wind und Strom kämpfen. Wenn wir jetzt in Richtung Martinique schauen, könnte dieser letzte Kreuzschlag vor Pointe-à-Pitre tatsächlich der letzte gewesen sein. Von Pointe-à-Pitre nach Dominica werden wir einen glatten Südkurs haben und auch weiter nach Martinique sollte es gut gehen, wenn der Wind nicht über Ostsüdost hinausdreht.
Pünktlich zu einem verdienten Mittagsschläfchen fällt unser Anker vor Pointe-à-Pitre. Diesmal allerdings weiter nördlich hinter dem Mooringfeld, das gegenüber der Marina liegt. Zu dem Shop von Wind müssen wir in den Stadtteil Jarry. Der liegt ganz auf der anderen Seite der Marina. Deswegen wollen wir versuchen, mit dem Dinghy direkt auf die andere Seite zu fahren, um dort eine Anlegestelle zu finden. Denn wir haben überhaupt keine Lust, einmal ganz um die Bucht zu latschen.
Doch nun erst einmal Pause. Heute ist eh Feiertag auf Guadeloupe und so können wir nichts anderes mehr erledigen, als etwas Schlaf nachzuholen. Die letzte Nacht war ja doch etwas unruhig, aber vor Pointe-à-Pitre liegen wir bestens.
Die Shoppingtour
Im Stadtteil Jarry liegt nicht nur der Shop von Wind, sondern auch Captain Nautic, ein Laden für Schiffszubehör. Das passt prima, denn der soll für seine Kunden ein kleines Dinghy Dock neben einer öffentlichen Slippe eingerichtet haben. Von dort können wir auch bequem zu Fuß den Shop von Wind erreichen.
Da es für uns heute noch weitergehen soll, haben wir nicht viel Zeit zu vertrödeln. Obwohl wir ziemlich weit im Norden geankert haben und gefühlt schon fast direkt im Containerhafen liegen, sind es bis zur Slippe von Captain Nautic immer noch 1 1/2 Seemeilen mit dem Dinghy. Tapfer brummt uns unser kleiner Honda bis zu Anlegestelle.
Bei Wind bekommen wir problemlos das Plexi und auf dem Rückweg liegen noch eine tolle Boulangerie und ein Baumarkt. So ein original französisches Pain au Chocolat ist schon der Oberhammer und hebt die Stimmung augenblicklich. Und im Baumarkt kaufen wir sicherheitshalber noch eine neue Rolle Panzertape. Bei Captain Nautic schauen wir auch noch einmal kurz rein und dort finden wir tatsächlich zu einem annehmbaren, fast europäischen Preis eine neue Leuchte für unseren Rettungskragen, denn die alte hat die karibische Sonne inzwischen vollkommen zerbröselt.
Gegen 11:00 sind wir zurück auf der PINCOYA. Alles ist erledigt. Und schon eine halbe Stunde später starten wir zu unserem vorletzten Schlussspurt.
Anse de Pigeon, Guadeloupe
16° 09′ 09,2” N, 061° 46′ 43,1” W
Grande Baie, Terre-de-Bas, Les Saints, Guadeloupe
15° 51′ 08,2” N, 061° 37′ 15,2” W
Pointe-à-Pitre, Guadeloupe
16° 13′ 25,3” N, 061° 32′ 22,4” W





























