Ankommen und mal Pause


Nur mal kurz um die Ecke
Fuikbaai -> Spanish Water, Curaçao
Distanz: 4,3 sm – Gesamtdistanz 2025: 5.404,2 sm

„aus der Fuikbaai  -> nach Spanish Water bzw. Spaanse Water“

„aus der Fuikbaai -> nach Spanish Water bzw. Spaanse Water“

Von unserem Ankerplatz in der Fuikbaai können wir Spanish Water schon fast sehen. Der Turm des Ölbohrschiffes, das 100m außerhalb in der Caracasbaai liegt, ragt wie ein Wegweiser über die Felsen. Von Einfahrt zu Einfahrt sind es nur 1 1/2 Seemeilen. Wir setzen zwar kurz Segel, aber das lohnt sich kaum, denn schon liegt die schmale Einfahrt nach Spanish Water direkt vor uns.

„Ausfahrt aus der Fuikbaai (oben) und Einfahrt nach Spanish Water (unten)“

„Ausfahrt aus der Fuikbaai (oben) und Einfahrt nach Spanish Water (unten)“

Wenn man nicht schon mal in Spanish Water war und einen Track aufgezeichnet hat, ist die schmale Einfahrt nachts nur mit viel Glück zu machen. Doch auch tagsüber ist gerade die erste Einfahrt durchaus interessant. Eigentlich sieht es gar nicht so schmal aus, aber von beiden Seiten ragen Riffe in den Fahrweg und alles schimmert verdächtig türkis.

„Gleich schon in der Einfahrt wird es luxuriös, wenigstens auf der rechten Seite.“

„Gleich schon in der Einfahrt wird es luxuriös, wenigstens auf der rechten Seite.“

Gleich rechts liegt ein luxuriöses Resort mit Yachtanleger, Strand und Golfplatz, doch auf der linken Seite der Einfahrt überwuchert ein undurchdringlich stacheliges Gestrüpp die Felsen. Wie undurchdringlich und stachelig dieses Gestrüpp ist, werden wir noch herausfinden, aber noch ist es nicht soweit, denn erst einmal tuckern wir vorsichtig durch die verschränkte Einfahrt nach Spanish Water. Kreativ liegen dort einige Kanister und Bojen herum, die man wohl im weitesten Sinne als Fahrwassertonnen ansehen kann. Wir halten uns schön in der Mitte und folgen dem Slalomkurs. Das tun auch andere und wir werden auch nicht überholt, was wohl bedeutet, dass wir auf dem Mittelweg auf dem rechten Pfad sind.


„Spanish Water von oben“

„Spanish Water von oben“

Spanish Water ist eine weitläufig verzweigte Lagune, wobei Lagune die ganze Sache nicht so richtig trifft, denn die Ufer sind felsig schroff. Und nur dort, wo der Mensch eingegriffen hat und etwas gebaut wurde, wurde auch die staubige und wild stachelige Natur mit mannshohen Lucky-Luke-Kakteen etwas zurückgedrängt. Der östliche Teil ist eher naturbelassen, wohingegen der westliche Teil von Spanish Water eng bebaut ist. Und dort liegen auch die vier Ankerbereiche, in denen man frei ankern darf. Der Osten von Spanish Water ist tabu, außer es zieht ein Hurricane heran, dann darf man auch dorthin ausweichen.

Als erstes versuchen wir unser Glück im Bereich C, der Kabrietenbaai. Die ist schmal und lang und erschien uns auf der Karte noch am geschütztesten und vor allem am abgelegensten, denn in Spanish Water sollen Touristen-, Speedboote und vor allem Jet Skis ziemlich hemmungslos herumdonnern. Doch der Bereich C ist klein und überfüllt. Für etwa eine halbe Stunde ankern wir im nördlichen Eingang zur Kabrietenbaai. Dort haben wir aber kein gutes Gefühl, denn das Heck der PINCOYA schwojt recht dicht vor den Felsen entlang. Aktuell weht es zwar nur mit 15 bis 20 Knoten, aber Spanish Water ist windig, sehr windig und bei bis zu 35 kn Wind ist man dann doch über jeden Meter mehr froh, der einen vom Ufer trennt.

Also ziehen wir weiter und durchsuchen den Bereich B nach einem passenden Plätzchen. Es ist schwierig, etwas Passendes zu finden, denn bei 10 m Wassertiefe müssen wir wenigstens 50 m Kette stecken, um bei allen Windkapriolen sicher zu liegen und die PINCOYA auch mal mit einem guten Gefühl allein lassen zu können. Mehr wäre ohne Frage besser, aber auch vor 50m schwojt man schon recht ausladend hin und her. Das wäre kein Problem, wenn das alle so machen würden, aber einige Dauerlieger haben sich bunt gemischt im Ankerfeld Moorings setzen lassen und stören so das muntere Schwojen mit ihren ganz anderen Schwojkreisen. Beim dritten Versuch passt es dann. Wir schwojen nun zwar bei einem Südost etwa zwei Meter vor einer verwaisten Mooring entlang, was mit unserem Dinghy am Heck gerade noch so passt, aber unser holländischer Mooringnachbar kennt den Owner und wird uns zwei drei Tage vorher Bescheid geben, wenn der vorhaben sollte, zurückzukommen. Im Augenblick liegt er auf Bonaire und plant, dort wohl auch noch ein Weilchen zu bleiben. So haben wir erst einmal Ruhe.

„Spanish Water“

„Spanish Water“

Alles in allem ist es in Spanish Water schon recht voll, aber es gibt auch immer wieder Wechsel. Einige segeln weiter und andere kommen an. So findet man spätestens nach ein paar Tagen immer ein Plätzchen, auch wenn’s mal mit dem ersten Versuch nicht so optimal gepasst hat. Wir aber haben Glück und müssen nicht noch einmal verlegen. Doch am südwestlichen Rand von Bereich B ist es schon etwas unruhig, weil man dort direkt am Highway der Speedboote und Jet Skis liegt, für die das Wort Rücksicht definitiv ein Fremdwort ist. Wenn wir zurückkommen, werden wir in jedem Fall versuchen, einen Platz weiter innen zu bekommen.


Spanish Water
Der Westen von Spanish Water ist zwar touristisch maximal erschlossen, aber versorgungstechnisch und organisatorisch gibt es hier rein gar nichts. Natürlich bekommt man in unzähligen Bars und Restaurants etwas zu trinken und zu essen, aber eine fußläufige Einkaufsmöglichkeit gibt es erst nach zwei Kilometern in dem Stadtteil Jan Thiel. Ansonsten ist nichts in Spanish Water fußläufig, für alles andere muss man den Bus nehmen. Auch zum Einchecken muss man nach Willemstad und die Bustour dorthin dauert rund eine Dreiviertel Stunde.

„Das Dinghy Dock von Spanish Water ist etwas klein geraten für alle die Ankerlieger.“

„Das Dinghy Dock von Spanish Water ist etwas klein geraten für alle die Ankerlieger.“

Doch wir haben zunächst einmal doppeltes Glück. Der Supermarkt in Jan Thiel verkauft nicht nur SimCards, sondern hat auch eine üppige Regalwand mit Schoki und vielen Variationen dieser typisch holländischen Lakritz- und Weingummimischungen. Das übrige Angebot ist durchaus vielfältig, doch nach einem Blick auf die Preisschilder landet dann doch nicht die ganze Vielfalt in unserem Einkaufswagen. So geht unser erster Tag in Spanish Water aber durchaus erfolgreich zu Ende, während zwei Tafeln Schokolade und eine Tüte Weingummi das Abendbrot ersetzen. Denn Defizite müssen schnell und konsequent ausgeglichen werden, sonst kommt es zu Mangelerscheinungen.

„Endlich!“

„Endlich!“


Wenn man in Spanish Water liegt und nicht bereit ist, 40$ für ein Taxi zu zahlen, um nach Willemstad zu kommen, muss man den Bus nehmen. Leihwagen gibt es natürlich auch, aber die lohnen sich nur, wenn man einen Plan hat und wirklich viel in einer Rutsche erledigen kann. Also Bus und damit ist dann auch immer schon mal gleich ein halber Tag weg.

„Die Bushalte und die Tour nach Willemstad“

„Die Bushalte und die Tour nach Willemstad“

Zum Einchecken brauchen wir allerdings einen ganzen Tag. Erst Customs, aber nur ausnahmsweise, dann Immigration und dann erst einmal Mittagspause, denn die Port Authority öffnet erst wieder um 14:30. Doch da der nette Herr vom Customs vergessen hat, uns das entscheidende Formular mit dem wichtigen Zollnümmerchen zu geben, ruft er bei der Immigration an und lässt uns ausrichten, dass wir noch einmal zurückkommen müssen. Das passt zeitlich, denn die Port Authority ist ja gerade in der Mittagspause und wir können uns die 1 1/2 Stunden Wartezeit gut mit einer kleinen Walking-Einlage zum Zoll und zurück vertreiben.

„Der Floating Market in Willemstad gleich hinter dem ZOB“

„Der Floating Market in Willemstad gleich hinter dem ZOB“

Offensichtlich wurden Customs und Immigration in dem Wissen, dass Segler ohnehin zu wenig Bewegung haben, so geschickt in Willemstad platziert, dass die Wege von der Busendhaltestelle und zwischen den Behörden durchaus etwas von einem Walking-Workout haben, der sich bei mittäglichen 35° ähnlich wie ein Aufguss in einer finnischen Sauna anfühlt, während man unablässig Kniebeugen macht. Und glücklicher bzw. unglücklicherweise liegt die Port Authority direkt vis-á-vis der Immigration, wodurch uns das fehlende Zollformular gleich den doppelten Trainingseffekt beschert. So queren wir auch gleich viermal die Koningin Emmabrug und beim vierten Mal lüftet sie für uns auch ihr Geheimnis, wie sie sich öffnet. Doch dazu später mehr, denn Öffnen muss sie sich Anfang Juli dann auch für uns, wenn wir in die Marina fahren.

„Die Sint Annabaai, die Zufahrt zum Schottegat, und die Königin Emmabrug, die die Zufahrt quert.“

„Die Sint Annabaai, die Zufahrt zum Schottegat, und die Königin Emmabrug, die die Zufahrt quert.“

„Die Königin Emmabrug“

„Die Königin Emmabrug“

„Die berühmte Waterfront von Willemstad“

„Die berühmte Waterfront von Willemstad“

„Die Königin Emmabrug“

„Die Königin Emmabrug“

„Und so geht sie auf, auf einer Westseite fest, fährt sie rum bis an das Kai der Westseite.“

„Und so geht sie auf, auf einer Westseite fest, fährt sie rum bis an das Kai der Westseite.“


In Spanish Water liegt man grundsätzlich gut geschützt. Doch es ist windig, 15 bis 25 Knoten Wind gehören zum Standard. In den vier Wochen bis zu unserem Heimaturlaub haben wir nur genau einen halben Tag Flaute, ansonsten bläst es ständig richtig, was durchaus etwas gewöhnungsbedürftig ist.

„In Spanish Water“

„In Spanish Water“

Squalls und Gewitter können dabei durchaus noch etwas mehr Wind im Gepäck haben, 30 bis 35 Knoten sind kein Problem, aber das nur kurzzeitig und seltener als Regen. Davon, dass von Januar bis September eigentlich die Trockenzeit herrscht, merken wir im Juni nicht viel.

„Die Regenzeit ist wohl doch noch nicht vorbei oder hat schon wieder begonnen.“

„Die Regenzeit ist wohl doch noch nicht vorbei oder hat schon wieder begonnen.“

„Die Hurricane Statistik für Curaçao“

„Die Hurricane Statistik für Curaçao“

Rein statistisch ist Curaçao ziemlich hurricane-safe, obwohl es mit 12° Nord noch nicht ganz außerhalb der Hurricane Zone liegt. Laut den Aufzeichnungen der NOAA hat ein Hurricane Ende des neunzehnten Jahrhunderts das letzte Mal Curaçao direkt getroffen. Danach zogen alle anderen immer im Norden durch, auch wenn es manchmal knapp war. Dadurch, dass Curaçao weit südlich in der Hurricane Zone liegt und die Stürme so immer nördlich durchziehen, hat Curaçao einen echten Vorteil, denn so liegt Curaçao immer auf der »harmloseren« linken Seite in der Zugrichtung. Selbst Ivan, der mit 130 kn Wind und 938 hPa als Kategorie 4 bis 5 nur etwa 60 sm nördlich von Curaçao entlang zog, hat nur vergleichsweise wenig Schäden angerichtet, wohingegen er vorher als Kategorie 3 Grenada vollkommen verwüstet hatte, weil er südlich durchgezogen ist. So sind wir recht entspannt, obwohl wir mit der PINCOYA innerhalb des Hurricane Belts liegen, in dem die Versicherungen Schäden durch benannte Stürme ausschließen.


Ankertechnisch gibt Curaçao allerdings nicht wirklich viel her. Entweder liegt man in Spanish Water oder … eben in Spanish Water. Etwas südlich gibt es zwar noch die Fuikbaai, in der wir angekommen sind, und weiter im Nordwesten gibt es auch noch zwei oder drei Ankerplätze, aber dann war’s das auch schon. Viel »Auslauf« hat man also nicht, selbst wenn man noch Bonaire und Aruba hinzurechnet. Dazu kommt noch, dass die Preispolitik mit den Anchorage Permits ziemlich »einschränkend« ist. Ein Anchorage Permit in Spanish Water ist zwar mit 25$ für drei Monate preiswert, aber jeder Ankerbereichswechsel schlägt wieder mit einem neuen Permit zu Buche, das man sich bei der Port Authority holen muss. Denn ein Permit gilt nur für genau einen Ankerbereich. Und wenn man mal kurz »außerhalb etwas frische Luft schnappen möchte«, dann muss man sich dafür auch ein Permit besorgen, was allerdings nur maximal drei Tage gilt, aber auch 25$ kostet. Und klar, wenn man nach Spanish Water zurückkommt, dann wird natürlich auch gleich wieder ein neues Permit für einen der Bereiche in Spanish Water fällig. Das alles kann nicht nur teuer werden, sondern ist auch aufwendig, denn man muss für jede »Aktion« nach Willemstad zur Port Authority. Online geht da gar nichts. Man versucht zwar seit vielen Jahren, auch ein Office in Spanish Water einzurichten, und versichert immer wieder, dass die Eröffnung genau jetzt ganz kurz bevorsteht, aber zu der Eröffnung ist es eben bisher noch nicht gekommen. So ist der Aufwand echt groß und diejenigen, die während der Hurricane Saison nicht nur an genau einer Stelle bleiben wollen, sind z.B. auf Grenada viel unabhängiger und flexibler dran. Das ist durchaus ein Faktor, den man bei seinen Überlegungen mit einkalkulieren sollte.

„In Spanish Water“

„In Spanish Water“


Doch energetisch bricht Spanish Water bei uns alle Rekorde. Die Sonne brennt fast senkrecht auf die Solarzellen und das Windrad surrt Tag und Nacht ohne Ende. Bisher gab es ja nur ab und zu mal einen einsamen Tagesrekord, aber in Spanish Water bläst es ohne Ende und das auch nicht zu knapp. Und so kommt unser Windrad in 20 Tagen auf einen durchschnittlichen Ertrag von unglaublichen 73 Ah pro Tag, was so ziemlich genau das dreifache des normalen Durchschnitts ist. Das ist im Vergleich zu den Solarzellen zwar immer noch nicht spektakulär, aber für ein Windrad schon ein phantastisches Allzeithoch.

„Windig ist's in Spanish Water“

„Windig ist's in Spanish Water“

Doch obwohl der starke Wind bei 32° durchaus angenehm ist, muss man sich auch erst einmal daran gewöhnen, dass es ständig mit 5 bis 6 Beaufort bläst und nicht eine Minute mal Ruhe herrscht. Mal abgesehen von den Windgeräuschen selbst, flappt, schlägt oder flattert immer irgendwas herum und alles, was wegfliegen kann, tut das auch irgendwann. So büßt Astrid ihr Lieblingsbadehandtuch ein und wir finden nur noch einige zerbrochene Klammern im Cockpit und Dinghy wieder. Die Wäscheklammern hat es einfach zerlegt und weg war das Handtuch. Aber auch anderes gestaltet sich schwierig, speziell unsere Bastelarbeiten an Deck. Ständig droht irgendetwas von Bord geblasen zu werden. Einen Schraubenzieher oder eine Zange kann man zwar noch sorglos weglegen, aber alles, was fliegen kann, wird irgendwann auch einfach über Bord geweht. Nicht nur einmal fahren wir einem unserer Sitzkissen hinterher, die schwimmen wenigstens und können wieder eingesammelt werden, sofern man es bemerkt. Und nicht nur einmal klappt mir das Notebook beim Schreiben von Blogs zu und die Finger stecken zwischen Display und Tastatur 🙄.

„Und nun mal wieder ein Sunset“

„Und nun mal wieder ein Sunset“


Alltag
Nachdem wir eingecheckt haben, lassen wir es erst einmal ruhig angehen. Die letzten Wochen waren schon etwas stressig und wir sind froh, dass wir noch vier Wochen Zeit haben, bis es nach Hause geht. Viel ist liegen geblieben, besonders bei den Blogs hängen wir hoffnungslos hinterher. Doch das Schreiben der Blogs geht auch nicht wie am Fließband von der Hand, und obwohl wir vieles notiert haben, stecken in den Bildern immer noch weitere Erinnerungen. Alles ist natürlich viel zu viel, aber vieles wollen wir dann doch nicht zuletzt auch für uns aufschreiben.

„Wenn der Bus Verspätung hat, kann man gegenüber gut warten.“

„Wenn der Bus Verspätung hat, kann man gegenüber gut warten.“

„Die Touristen mögen alles ...“

„Die Touristen mögen alles …“


Und dann gibt es da auch noch diese »andere Erinnerungsliste«. Konsequent schreiben wir alles auf, was nicht sofort gemacht werden muss und was wir noch verändern oder verbessern möchten. Manches davon erübrigt sich mit der Zeit von selbst, aber einiges bleibt dann doch als ToDo für die nächste Reparatur- und Bastelzeit über. Und in Spanish Water gucken wir uns auch noch einmal alles ganz genau an, denn seitdem wir vor elf Monaten in Bremerhaven aufgebrochen sind, liegen immerhin schon wieder mehr als 8.000 Seemeilen hinter uns. Was sich früher in drei Segelsaisons angesammelt hat, steckt heute in einem Jahr. Das hinterlässt Spuren.

Doch einiges ist auch schlicht und ergreifend durch, überfällig oder auch nicht mehr wartbar. So brauchen wir nach elf Jahren neue Schwimmwesten und unsere AIS-Sender in den Westen sind nun auch schon seit drei Jahren überfällig. Die Testfunktion zeigt zwar weiterhin, dass sie noch perfekt funktionieren sollen, aber übertreiben wollen wir es mit diesem Notfallzeugs nun auch nicht. Abgesehen davon hat sich in der Entwicklung der Schwimmwesten auch einiges getan und nach einem Probetragen der Spinlock 6D kommen uns unsere alten Marinepool Westen noch etwas unbequemer vor.
Und anderes gibt eher spontan und unerwartet seinen Geist auf. Irgendwie scheint gerade doch der Wurm drin zu sein, denn das Hochstromrelais findet Nachahmer. So haucht unser Garmin InReach urplötzlich sein Leben aus und lässt sich durch nichts mehr zurück ins Diesseits locken. Seit 2017 hat er uns jede Segelmeile begleitet und alle 10 Minuten ein Signal gesendet. Da ist wohl einiges zusammengekommen und so richtig böse können wir nicht sein, denn bis zu seinem plötzlichen Ableben hat er bestens funktioniert. Und auch der Shunt, das Herzstück unserer Energiestatistik, beginnt zu spinnen. Mal zeigt er nichts an, mal etwas halbwegs Plausibles, aber meistens handelt es sich dann doch wohl eher um Fake-News aus der Batteriebank. Ganz überraschend kommt das nicht, denn der Philippi-Shunt war nun tatsächlich das letzte Stück in unserer Elektrik, dass noch nicht von Victron ist. Und genau das wird sich nun auch ändern.

„Blick in die Kabrietenbaai“

„Blick in die Kabrietenbaai“

So kommt eines zum anderen und der Nasa Clipper GPS-Repeater steht nicht als Letzter in der Schlange der Austauschbedürftigen. Nach 15 Jahren hat die Sonne nun fast alle Pixel aus seinem Display gebrannt, sodass er nur noch mit einem Hauch von Nichts unseren Kurs anzeigt. Ähnlich aber anders geht es einer unserer flexiblen Solarzellen. Eine übermäßig große Erwartungshaltung sollte man bei diesen Solarzellen ja ohnehin nicht haben, aber ein Durchhaltevermögen von etwas mehr als drei Jahren wäre schon schön. Doch die Entwicklung ist auch bei flexiblen Solarzellen rasant vorangeschritten. Die erste hat ganze 8 Monate gehalten, bevor sie begann, sich in der Sonne aufzulösen. Die zweite hat nun schon drei Jahre gehalten, bevor sie nun zunehmend blind und rissig wurde. Und die dritte sieht nach zwei Jahren tatsächlich immer noch richtig gut aus. Nicht auszudenken, wie langlebig die beiden neuen nun sein werden, die wir uns mitbringen werden.


So ist für Abwechslung gesorgt, doch das Gefühl »Einfach-mal-nur-da-zu-sein« hat dadurch keinen allzu leichten Stand. Dennoch ertappen wir uns morgens das ein oder andere Mal bei dem Gedanken, dass wir ja Zeit haben und eigentlich auch morgen noch total konsequent weitermachen könnten. So hält nach 14 Tagen tatsächlich das karibische Motto »Never do things that you can put off until tomorrow.« bei uns Einzug. Dieses Lebensgefühl fällt zwar nicht gleich mit der Tür ins Haus, das wäre für ein deutsches Seelchen dann sicher doch etwas zu viel, aber etwas Übung kann ja auch nicht schaden.


From nine to five – auch so ein Stück Alltag in Spanish Water
Was sich wie ein Arbeitstag anhört, ist tatsächlich auch so eine Art Arbeitstag! Wenigstens ist ein ganzer Tag weg, was ein normaler Arbeitstag ja auch ganz prima hinbekommt. Irgendwann hatten wir die Idee, dass es vielleicht ganz schlau wäre, schon mal all die Dinge an Bord zu haben, die wir brauchen, wenn wir zurück sind, in der Marina noch hoch und trocken stehen und das Unterwasserschiff und noch schnell einige andere Dinge machen müssen.

Nach einer kleinen Bestandsaufnahme fehlen uns vor allem einige passende Farbschalen und jede Menge Abklebeband. Speziell die Arbeiten an den Teakdeckfugen haben nicht nur unsere Vorräte an Vergusspampe aufgebraucht, sondern eben auch alles an Klebeband verschlungen, was wir so hatten. Daneben füllen gleich noch einige andere Verbrauchsmaterialien unsere Einkaufsliste auf, aber wir wollen auch mal sehen, was es bei Kooyman, immerhin ein echter Megastore von Baumarkt, alles so gibt.

„Die Tour zur Mutter aller Baumärkte“

„Die Tour zur Mutter aller Baumärkte“

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Das Busprinzip auf Curaçao ist zwar einfach, doch die Buslinie, die von Spanish Water in Richtung Willemstad führt, streift nicht wirklich irgendwelche »shopping-relevanten« Bereiche. Sei es für Essbares oder für Hardware jeglicher Art. Und da es für uns immer noch schwer ist, die Schnittpunkte passender Buslinien herauszufinden, führen unsere Einkaufstouren eigentlich immer über den ZOB in Willemstad, den Dreh- und Angelpunkt für alle großen, kleinen und mittleren Buslinien. Die großen und mittleren Busse fahren nach Fahrplan und kosten pro Fahrt 2 Antillen-Gulden, egal wie weit man fährt. Mit US-Dollar kann man auch bezahlen, doch wer nun bei einem Wechselkurs von 2:1 glaubt, dass er mit einem Buck dabei ist, hat sich schwer getäuscht, denn im Bus gilt der Wechselkurs 1:1. Was die kleinen Busse kosten, wissen wir noch nicht, denn deren Prinzip der Ziele und Routen hat sich uns noch nicht erschlossen. Aber vielleicht ist es ja wie auf Grenada, wo nur die grobe Richtung stimmen muss und der Rest Verhandlungssache ist.

„Direkt an der Bushalte, die Awa Kabakuchi Bali“

„Direkt an der Bushalte, die Awa Kabakuchi Bali“

„Sie haben kaum etwas, was wir gebrauchen können, aber sie haben Kindheitserinnerungen 😂 🥳“

„Sie haben kaum etwas, was wir gebrauchen können, aber sie haben Kindheitserinnerungen 😂 🥳“

So kommen wir tatsächlich mit zwei Buslinien und nach zwei Stunden bei Kooymans an. Die Mutter aller Baumärkte auf Curaçao macht grundsätzlich einen guten Eindruck, doch das gute Gefühl, dass man hier unter Umständen all das bekommen kann, was man schon immer in anderen Regalen vergeblich gesucht hat, verfliegt dann doch recht schnell wieder. Irgendwie ist dieser Baumarkt zwar recht üppig mit vielem gefüllt, doch nur weniges davon könnte uns in einem notgedrungenen Kompromiss vielleicht doch noch etwas helfen. So sind wir fast ebenso schnell wieder ernüchtert, wie wir gedacht haben, dass sich der weite Weg vielleicht doch lohnen könnte. Unsere Liste der »Mitbringsel« aus Deutschland wächst…

Richtig schmerzhaft ist ein Liter Aceton, der noch nicht einmal ein Liter ist, sondern nur der Quarter einer amerikanischen Galone und an der Kasse 26 Antillen-Gulden auf die Waage bringt. Das sind rund 13,50€, obwohl Herr Trump schon alles tut, um den Wechselkurs für uns günstiger zu gestalten. Doch es ist wie mit einer Ereigniskarte beim Monopoli. »Gehen sie über die Kasse, ziehen sie emotionslos ihre Kreditkarte und lassen sie sich nichts anmerken.« Denn Aceton können wir nun wirklich nicht im Flieger mitnehmen.

Danach geht’s zu Van den Tweel, einem der größeren Supermärkte auf Curaçao. Viel brauchen wir nicht mehr, denn in genau einer Woche sind wir schon wieder zuhause. Aber auch hier überwiegt die Neugier, denn wenn wir wieder zurück sind, müssen wir uns wenigstens etwas verproviantieren. Unsere Hoffnung haben wir inzwischen sowieso schon auf Panama gesetzt, doch wir müssen auch auf Curaçao und Aruba noch etwa zwei Monate auskommen, bevor wir uns eine Hurricane-freie Lücke suchen können, um nach Panama zu entwischen. Nach einer kleinen Bestandsaufnahme stellt sich uns wieder die quälende Frage, wie es so viele Menschen auf Curaçao schaffen, ihre Körper so üppig zu formen. Das hat am Ende ja auch etwas mit Input zu tun und die können ja nicht alle im Lotto gewonnen haben, denn die Preise riechen eher nach einem Body-Mass-Index von unter 20.

Den ersten Bus zurück zum ZOB verpassen wir knapp, aber ein anderer kommt und die Richtung stimmt. Am ZOB macht dann der Bus nach Spanish Water just in dem Moment die Haltebucht frei, als unser Bus um die Ecke kommt. So kaufen wir noch schnell etwas beim Bäcker, um uns die Wartezeit zu versüßen. Gegen 16:30 sind wir dann wieder am Dinghy Dock und bald auch zurück auf der PINCOYA. Viel von dem, was wir uns erhofft hatten, haben wir nicht geschafft, aber viel Bus gefahren sind wir und der Tag ist auch so verpufft. From nine to five, so kann man sich auch beschäftigen…

„Auch dieser Arbeitstag geht dann zu Ende.“

„Auch dieser Arbeitstag geht dann zu Ende.“

In Spanish Water, Curaçao
12° 04′ 41,2” N, 068° 51′ 30,9” W