Point-à-Pitre, Guadeloupe -> Fort-de-France, Martinique -> Grande Anse d’Arlet -> Le Marin -> Sainte-Anne
Distanz: 144,1 sm – Gesamtdistanz 2025: 4.890,2 sm
Guadeloupe -> Martinique
Ganz so perfekt wie erhofft ist der Wind vor Pointe-à-Pitre noch nicht. Knapp und knirsch können wir unter Segeln aufbrechen. Doch je weiter wir rauskommen, desto besser läuft’s. Der Wind liegt bei 16 bis 20 Knoten und zwischen Marie Galant und den Les Saints gesellt sich auch noch der Strom hinzu. Nun läuft es voll und bei, während der Wind noch etwas rück dreht. Oft sehen wir die 8 Knoten über Grund und der mitlaufende Strom sorgt dafür, dass die Wellen schön moderat bleiben. So segeln wir Stunde für Stunde mit beständigen 7 Knoten Dominica entgegen.
Außer uns ist kaum jemand unterwegs. Gestern war Feiertag und einige Locals haben die Gelegenheit natürlich genutzt, um zu segeln. Heute sind wir wieder fast allein, bis zum Horizont sind höchstens mal zwei oder drei Segel zu sehen. Das abrupte Ende der Segelsaison in der Karibik ist schon krass. Vor sechs Wochen waren hier noch hunderte Segler unterwegs und nun herrscht fast gähnende Leere.
So sausen wir Dominica entgegen und erreichen die Nordspitze schon kurz vor 18:00. Die ersten 40 Seemeilen bis Dominica sind im wahrsten Sinne des Wortes verflogen. Sogar in der Abdeckung von Dominica bleibt uns der Wind mit einigen Zicken noch halbwegs treu. Doch dann wird es zäh. Der Wind beginnt unstet herumzukörseln und der Strom, der uns bis hierhin noch so schön unterstützt hat, verebbt so langsam.
Kurz darauf schleichen wir nur noch dahin. Was für ein krasser Unterschied, wenn es vorher mit 7 Knoten lief. Doch auch mit knapp 3 Knoten läuft es immer noch ausreichend gut, um nicht motoren zu müssen. Die Ruhe ist grenzenlos. Dazu haben wir noch Neumond und über uns spannt sich ein Lichtermeer aus Myriaden von Sternen auf. Es ist einfach nur atemberaubend, durch so eine ruhige Nacht zu segeln.
Die Nerverei beginnt erst wieder, als wir wieder aus der Abdeckung von Dominica kommen. Der Wind springt unmotiviert zwischen 20 und 7 Knoten hin und her, was eine passende Segelauswahl schlicht unmöglich macht. Erst weit nach Mitternacht wird es etwas gleichmäßiger, doch nun läuft der Strom auch wieder gegen uns. So geht es etwas ruppiger weiter durch die Nacht.
Kurz vor Martinique beginnt es zu dämmern und mit der Abdeckung von Martinique verlässt uns auch der gleichmäßigere Wind schneller als erwartet. Dafür ist kurz darauf der Strom wieder mit uns 😯. Wie und wann es hier aus welcher Richtung um die Ecke strömt, ist uns ein Rätsel. Doch so glättet nun der Strom das wilde Hin und Her des Windes und wir kommen dennoch gut voran.
Auch dank der Capitana, die nicht müde wird, immer wieder das Letzte aus den Segeln herauszuholen und den Schiffsjungen immer neu zu seglerischen Großtaten zu überreden.
Vor Fort-de-France entschließen wir uns, noch einen Holeschlag einzubinden, es läuft gerade so schön, doch vor dem allerletzten Stückchen kapitulieren wir dann doch. Der Wind verabschiedet sich in die Mittagspause und wir brummen die letzte Seemeile auf den Ankerplatz vor Fort-de-France. Nach 23 Stunden und 112 Seemeilen fällt unser Anker.
Nun haben wir den östlichsten Punkt unserer Rückreise erreicht. Glauben wir wenigstens, doch unverhofft kommt ja eben doch oft. Mit der Bestellung des Antifoulings auf Martinique haben wir uns ein ziemlich dickes geographisches Ei gelegt, aber nun haben wir es geschafft. Fast geschafft…
Zum Basteln in die Grande Anse d’Arlet
Wie verabredet kommt am Freitagvormittag der Anruf, dass der Fahrer mit unserer Lieferung am Hafen ist. Also brummen wir mit dem Dinghy rüber, bezahlen den Rest direkt beim Fahrer bargeldlos und schon ist alles erledigt. Der Service ist einmalig, mehr kann man sich kaum wünschen.
Nachdem wir alles an Bord haben, fahren wir noch einmal zum Waschen. Wie oft haben wir in der Karibik schon bereut, keine Waschmaschine an Bord zu haben, was wir früher selbstverständlich für vollkommen überkandidelt gehalten haben. Doch leider wird in der Karibik grundsätzlich nur mit kaltem Wasser gewaschen und ein Vollwaschgang dauert maximal 25 Minuten. Danach ist die Wäsche zwar nicht sauber, riecht aber brutal danach. Getreu dem Motto, je geringer der Wascherfolg, desto größer die Duftwolke. Was ja auch das Motto einiger Deos ist, aber immerhin wird unsere Wäsche ja noch nass.
Während die Wäsche im Waschsalon in zwei Maschinen durchgekoddert wird, latschen wir zu Caraïbe Price, einem Pendant zu Leader Price. Dass es in diesen Billigläden nicht so sauber ist wie in einem deutschen Supermarkt, versteht sich von selbst. Doch die Heerscharen von Kakerlaken, die hier durch den Laden laufen, sind selbst für karibische Verhältnisse bemerkenswert. An der Kasse beobachten wir unseren Einkauf kritisch, um festzustellen, ob auch wirklich nur das Kassenband für die Bewegung sorgt. Der Stadtteil am Hafen ist schon speziell, vielleicht nehmen wir das nächste Mal doch lieber wieder den Bus zum Carrefour etwas außerhalb.
Unsere Wäsche halten wir strickt von unseren Einkäufen getrennt, so müssen wir im Dinghy nur eine Kakerlakenprophylaxe machen.
Da es auf dem Ankerplatz vor Fort-de-France genauso fürchterlich ist wie vor zwei Monaten, beschließen wir, gleich wieder abzuhauen. Doch wohin? Sainte-Anne vor Le Marin wäre ok, um die Scheibe zu reparieren, meinen Geburtstag zu feiern und auf eine günstige Gelegenheit zu warten, um nach Curaçao aufzubrechen. Doch Sainte-Anne und Le Marin liegen noch einmal mehr als 10 Seemeilen weiter östlich, da müssten wir im Süden von Martinique am Rocher du Diamant scharf ums Eck und noch einmal direkt gegenan. Das prickelt nun auch nicht gerade und so beschließen wir, in die Grande Anse d’Arlet zu gehen. Die liegt nur eine Hand voll Seemeilen südlich und 2023 waren wir schon einmal in ihrer kleinen Schwesterbucht, der Petit Anse d’Arlet. Die hatte uns damals echt gut gefallen, doch nun wurde sie für freies Ankern gesperrt.
Der Ostwind bringt uns schnell an unser Ziel, und bevor wir richtig begonnen haben zu segeln, sind wir auch schon da. Das Ankern in der Grande Anse d’Arlet ist etwas tricky, weil zwischen »zu tief« und »zu flach« nur wenig Platz bleibt. Außerdem ist es im nördlichen Teil der Bucht wegen des Schwells deutlich unruhiger als im Süden, was auch der Grund dafür ist, dass im Süden ein großes Mooringfeld liegt.
Also versuchen wir, eher in der Mitte etwas zu finden, doch auch das ist schwierig, obwohl auch in der Grande Anse d’Arlet die Nebensaison inzwischen dafür gesorgt hat, dass es eher leer ist. Wegen der großen Tiefe bleibt kaum Platz, denn auf 20m wollen wir auch nicht ankern, zumal der Hang des Meeresbodens sehr steil ist und schnell von etwa 10 auf 40m abfällt. Und bei 8 bis 15m Wassertiefe müssen alle anderen Ankerlieger auch recht viel Kette stecken und brauchen so einen entsprechend großen Schwojkreis. Zudem ist die Bucht gespickt mit Fischerbojen bzw. Plastikflaschen und -kanistern, an deren Ende wir Lobster Pots vermuten. So ankern wir am Ende etwa in der Mitte auf 10m und hoffen, dass es nach allen Seiten halbwegs passt.
Und als wir nach dem Abendbrot gerade mit einem Glas Wein auf die nächsten ruhigen Tage anstoßen wollen, kommen drei Fischer längsseits und bitten uns, wieder Anker auf zu gehen, weil unsere Kette über ihrem Netz liegt.
Hä Netz? Hier liegt ein Netz? Normalerweise hängen an den Plastikkanistern Lobster Pots und die befinden sich dann eigentlich immer ziemlich genau unterhalb der Kanister. Wenn man zu diesen Kanister etwas Abstand hält, ist das vollkommen ok. Aber dass hier nun ein Netz liegt, kommt doch etwas überraschend.
Normalerweise hätten die Fischer allen Grund, von den Seglern absolut genervt zu sein. Doch sie entschuldigen sich und bitten uns nur, den Anker aufzunehmen, weil sie ihr Netz nicht hochbekommen. Verkehrte Welt, uns ist das peinlich, aber woher sollten wir auch wissen, dass hier quer durch die Bucht ein Netz liegt?
Von den 50m, die wir gesteckt haben, nehmen wir 30m wieder auf. Das reicht, die Fischer winken und bedanken sich, das Netz ist frei, morgen legen sie es einfach um uns herum, wir haben ja eine Ankerboje und so kann man gut sehen, wo unser Anker liegt und wie unsere Kette liegen muss. Wir sitzen mit unserem Wein schon lange wieder im Cockpit, da holen die drei weit hinter uns immer noch ihr Netz ein. Es liegt tatsächlich quer durch die gesamte Bucht, doch dort, wo sie nun sind, ankert niemand mehr, es muss dort schon mehr als 60m tief sein.
Inzwischen ist es stockfinster. Mal sehen, mit was wir morgen beginnen. Vielleicht beginnen wir einfach mal mit einem Tag des süßen Nichtstuns, das wäre schon ziemlich verlockend.
Das süße Nichts
Das süße Nichtstun nimmt uns voll und ganz in Anspruch, es bleibt kaum noch Zeit für etwas anderes 😊. Nachdem wir unsere Wäsche das dritte Mal auf und wieder abgenommen haben, lassen wir sie mit dem vierten Versuch einfach hängen. Irgendwann wird eine Regenpause schon lang genug sein, um sie zu trocknen.
Am Strand der Grande Anse d’Arlet steht zwar eine ganze Reihe von Häusern, aber ein richtiges Dorf wie in der Nachbarbucht gibt es hier nicht. Restaurants, Bars und Tauchbasen reihen sich am Strand aneinander und dazwischen stehen einige Ferienbungalows und Wohnhäuser mit Ferienapartments. So fällt unser Strandspaziergang eher kurz aus, denn von Nahem betrachtet, sieht doch alles ziemlich verschrabbelt aus. Nichts lockt wirklich zum Verweilen oder Einkehren. Da war es in dem Dörfchen Les Anses-d’Arlet in der südlichen Schwesterbucht doch schon wesentlich hübscher.
Wenn man länger in der Karibik ist, fällt es einem oft schwer, den Hype, der um die Karibik gemacht wird, zu verstehen. In unseren Photos, die ich für die Blogs durchsehe, reiht sich ein grautrübes Photo an das nächste. Und als ich aus dem Decksalon sehe, frage ich mich, ob unsere Wäsche überhaupt jemals noch trocknen wird. Ohne Frage gibt es auch sagenhaft tolle Tage, aber diese Tage reihen sich nicht so überschwänglich aneinander wie die trüben und regnerischen Tage. Es gibt natürlich auch ganz tolle Ecken und Ankerbuchten, doch denen geht’s so ähnlich wie den sagenhaft schönen Tagen. Das einzige, was bleischwer in der Waagschale der Karibik liegt, ist diese wunderbare Wärme. Und diese Wärme macht schon einen recht großen Unterschied. Ein norddeutsches Trübe-Tassen-Wetter ist eben bei 30° Luft- und 26° Wassertemperatur dann doch leichter zu ertragen als bei 13° und 13°.
So vergehen 2 1/2 Tage, bis wir mit dem Zuschnitt und dem Einbau der Plexi-Scheibe beginnen können. Denn nicht nur für den Ausbau der Seitenscheibe brauchen wir einige trockene Stunden, wir müssen auch Platz zum Arbeiten haben und all das Werkzeug muss dann auch trocken irgendwo ausgebreitet werden können. Und da bleibt nur das Cockpit und dafür sollte es eben nicht regnen.
Das kaputte Seitenfenster bestätigt sich als »Salmi«. Irgendwelche rechten Winkel gibt es nicht, aber das ist nun auch egal, denn aus dem Plexi können wir jede Form ganz individuell aussägen. So nehmen wir die Form vom Rahmen ab, geben ringsherum 5 mm für die Rahmennut hinzu und beginnen mit der Vibrationssäge das Plexi zuzuschneiden. Zuhause hätte das Zusägen mit der Formatsäge keine 5 Minuten gedauert, doch mit der Vibrationssäge ist es schon so ein Prozess, bis wir uns durch die 4mm Plexi vibriert haben. Immer wieder müssen wir das Sägeblatt abkühlen lassen, da hilft auch ein schneller Wechsel der Sägeblätter nicht viel.
Unsere Hoffnung, dass wir den Rahmen nur unten öffnen müssen und die neue Scheibe dann mit etwas Glück und Gewalt in den Rahmen schieben können, zerrinnt nach den ersten Versuchen. So müssen wir den Rahmen doch komplett in seine zwei Teile zerlegen. Das ist allerdings nicht ganz so einfach, da die Verbindungen gepresst wurden und wir die Punktpressungen ausbohren müssen. Doch am Ende gelingt es. Der Zusammenbau ist dann einfach.
Mit der freundlichen Unterstützung von etwas Sonnenblumenöl aus der Pantry fluscht die Dichtung mitsamt der neuen Scheibe bereitwillig in den Rahmen und wir können die beiden Rahmenteile wieder ineinander stecken. Ein erneutes und endgültiges Verpressen des Rahmens ersparen wir uns, da wir uns von zuhause ja noch eine richtig passende 5mm Makrolon-Scheibe mitbringen werden. Denn die 4mm Plexi-Scheibe sitzt eben nicht wirklich schlüssig in der Dichtung und Makrolon statt Plexi wäre uns auch schon lieber.
Dann sind wir fertig und es sieht fast schon wieder so aus, als ob niemals etwas passiert wäre.
Doch was heißt hier »fertig«
Es heißt ja immer, dass man mit seinen Aufgaben wächst, doch manchmal möchte man gar nicht mehr wachsen. Schon während ich mich mit dem Feinwerkzeug durch die Plexi-Glasscheibe vibriere, kommt die Capitana mit der verstörenden Botschaft, dass der Wassermacher einfach so ausgegangen ist.
Also suchen wir zwischendrin mal schnell die Ursache für diese neue Überraschung, während die Sägeblätter abkühlen, um sich auch weiterhin durch das Plexi zu sägen und nicht zu schmelzen.
Leute, die bisher gedacht haben, dass Fahrtensegler in einer Art Dauerurlaub vor sich hinleben, sollten sich schnellstmöglich von dieser Phantasievorstellung befreien. Der blöde Spruch, dass man sich als Fahrtensegler um die Welt repariert, ist leider nur allzu wahr. Der einzige Trost dabei ist, dass man seinen Werkzeugkoffer meist an den schöneren Ecken der Welt öffnet. Die schlechte Botschaft dabei ist aber auch, dass dort meist wesentlich mehr Phantasie für die Reparatur gefragt ist, als es Ersatzteile gibt.
Aber gut, die Ursache für den Ausfall des Wassermacher ist schnell gefunden. Das 100A-Hochstromrelais ist knallheiß. Nachdem die Plexiglasscheibe wieder eingebaut ist, – man weiß ja doch nie, wann es wieder beginnt zu regnen, also das Wichtigste zuerst, – nehmen wir das Hochleistungsrelais auseinander. Auf den ersten Blick ist zu sehen, dass ihm die Hochleistung irgendwie nicht bekommen ist und die Kontakte den Dauerbetrieb wohl echt übelgenommen haben. Nun haben wir wirklich viele Ersatzteile an Bord, besonders irgendwelchen Kleinkram, der nicht wirklich teuer ist, dessen Fehlen an abgelegenen Orten aber schon für einigen Frust sorgen kann. Doch an ein zweites Hochstromrelais haben wir auch nicht gedacht. Da schließt sich der Kreis zu der Makrolon-Scheibe. Hinterher ist man immer schlauer, doch das hilft uns nun gerade auch nicht weiter.
Bei Amazon finden wir sofort Ersatz. Für keine 15€ gibt es ein 200A Relais. Doch leider findet uns Amazon auf Martinique nicht so schnell, wie wir etwas bei Amazon finden. Und so müssen wir wohl doch noch einmal nach Le Marin, um dort Ersatz aufzutreiben.
Unsere Serie immer neuer Herausforderungen scheint nicht abreißen zu wollen, doch so langsam reicht’s 😤. Nun steht auch noch Le Marin auf dem Programm, ein weiterer Stopp, der nun überhaupt nicht eingeplant war. Doch wenn wir irgendwo in der Karibik auch nur halbwegs problemlos ein Hochstromrelais auftreiben können, dann in Le Marin. So streichen wir das süße Nichtstun für meinen Geburtstag und beschließen, gleich morgen mal flott nach Le Marin zu segeln.
Das Segeln ist kein Geschenk
Mein Geburtstag leidet noch etwas unter den Folgen der Scheibenreparatur. Wir sind gestern zwar fertig geworden, aber dann war der Tag auch zu Ende. Außerdem haben wir vergessen, Butter zu kaufen, weswegen auch der Geburtstagskuchen vertagt werden musste. So gibt es morgens nur einen gemütlichen Geburtstagskaffee und den Rest bestimmen wieder einmal die Gegebenheiten 🥺.
Zwar haben wir noch mehr als 4 Wochen Zeit, bis wir von Curaçao nach Hause fliegen, aber am Ende weiß ja keine Socke, wie lange man in einer beginnenden Hurricane-Saison noch herumtrödeln kann. Dass es absolut unwahrscheinlich ist, dass schon gleich am ersten Juni der erste Hurricane in der Karibik vorbeischaut, ist klar. Doch wann kommt der erste und wieviel Zeit hat man? Und als ich Anfang August diese Zeilen schreibe – ja ja, so spät waren wir noch nie mit unseren Blogs – hat immer noch kein einziger Hurricane in der Karibik vorbeigeschaut. Also hätten wir vollkommen entspannt sein können, aber wer weiß das schon? Gerade wenn man seine erste Hurricane-Saison in der Karibik verbringt, stellt der erste Juni schon eine ziemlich harte Deadline dar. Doch nun muss es erst noch einmal nach Le Marin gehen.
„Und noch so ein Ding, denn so einfach kommen wir auch nicht weg, das Anker-auf-Kabel ist verrottet. Noch eine Baustelle 😤😡 als Geburtstagsgeschenk 🥳.“
Unser Kurs spricht Bände. Viel muss man dazu eigentlich gar nicht mehr sagen. Mit Ach und Krach kriegen wir einen Südkurs hin und unsere Hoffnung, südlich des Rocher du Diamant mit einigen Kreuzschlägen Le Marin erreichen zu können, wischt der Strom einfach kommentarlos vom Tisch.
Der Gegen- bzw. Seitenstrom ist brutal und macht schlicht alles zunichte, was unter Segeln theoretisch möglich ist. Nach unserer ersten Wende segeln wir fast auf demselben Kurs zurück, auf dem wir gekommen sind. Rien ne va plus. Zurück auf Höhe des Rocher du Diamant geben wir auf. Es gibt nur die Möglichkeit, zurück in die Grande Anse d’Arlet zu segeln oder plump unter Motor direkt gegenan nach Le Marin zu bolzen. Wir entscheiden uns für Le Marin, so bleiben uns wenigstens noch drei Tage, um noch vor dem Wochenende ein neues Relais aufzutreiben.
Unsere Theorie, dass wir unter Land besser vorankommen als weiter draußen, geht auf. Dort haben wir zwar immer noch rund zwei Knoten Gegenstrom, aber zwei Mitsegler beweisen uns eindrucksvoll, dass wir den besseren Kurs gewählt haben. Am Ende lässt einer der beiden erst 1 1/2 Stunden nach uns seinen Anker fast direkt neben uns vor Le Marin fallen. Doch auch unser Kurs ist mehr als mühselig. Uns fehlen ab dem Rocher du Diamant eigentlich nur noch rund 10 Seemeilen, aber dafür brauchen wir mehr als drei Stunden. Erst kurz vor der Einfahrt nach Le Marin wird es besser, vorher brummen wir Stunde um Stunde mit 2.300 Motortouren stumpf gegenan und kommen kaum voran.
Auch vor Le Marin ist es leer geworden. Wo sich sonst 2.000 Yachten drängeln, liegen nun nur noch rund 1.000 😂. Für eine erste Einkaufstour ist es um 16:30 zu spät. Wir würden zwar noch Butter für den Geburtstagskuchen bekommen, doch das vertagen wir alles mal auf morgen. Dafür gibt es das vorletzte Marlin-Festessen und einen Geburtstags-Sundowner im Cockpit.
Ein vorerst letzter Basteltag
Vorher nicht dran zu denken, ist in der Karibik richtig teuer. Mit dem doppelten oder gar dreifachen Preis haben wir ja gerechnet, aber dass wir nun 56,90 € für ein Relais berappen müssen, wobei das identische Modell bei Amazon 14,50€ kostet, ist schon richtig fett. Aber wir können froh sein, es gab nur noch dieses eine und dieses eine rettet uns nun den A…!
Sicherheitshalber bauen wir es schnell ein und schon läuft der Wassermacher auch wieder. Und er läuft tatsächlich irgendwie »runder«. Das kann natürlich Einbildung sein, weil das Relais so teuer war und es nun auch irgendwie seine Qualitäten beweisen muss, aber wir finden, dass die Pumpe tatsächlich runder läuft 😂. Also ein voller Erfolg.
Und dann wirft Curaçao tatsächlich mal seine ersten echten Schatten voraus. Zunächst holen wir uns einige Stempel auf unserem Clearance Ausdruck. Wer weiß, auf was man in Curaçao so wert legt, da können einige Stempel bestimmt nicht schaden.
Dann kaufen wir noch einmal für einige hundert Euro Vorräte bei Leader Price und Auchan ein, denn Curaçao soll nicht gerade ein preiswertes Pflaster sein. Curaçao gehört zwar als eigenständiger Staat zum Königreich der Niederlande, ist aber nicht Teil der EU. Mal sehen, was das am Ende alles so bedeutet, doch so preiswert und einfach wie auf den französischen Inseln, die ja zur EU gehören, wird es dort sicher nicht zugehen.
Danach kehren wir Le Marin den Rücken und verlegen uns vor Saint-Anne. Für die nun anstehende Überfahrt ist noch einiges vorzubereiten und vor allem wollen wir mal gucken, wie es um das süße Nichtstun vor Sainte-Anne bestellt ist. Denn davon könnten wir noch so einiges ganz gut vertragen.
Fort-de-France, Martinique
14° 35′ 54,2” N, 061° 04′ 08,4” W
Grande Anse d’Arlet, Martinique
14° 30′ 08,8” N, 061° 05′ 17,9” W
Le Marine, Martinique
14° 27′ 53,1” N, 060° 52′ 30,2” W
Sainte-Anne, Martinique
14° 25′ 53,6” N, 060° 53′ 24,4” W




































