Noch etwas Curaçao


„Curaçao“

„Curaçao“

Willemstad
Willemstad liegt nördlich von Spanish Water am Schottegat. Das Schottegat ist eine große natürliche und vor allem fast abgeschlossene und weit innenliegende Bucht, die als Tiefwasserhafen schon seit jeher für Curaçao von größter Bedeutung war. Das Schottegat erreicht man über die Sint Annabaai, die eigentlich gar keine Bucht, sondern die schmale Zufahrt zum Schottegat ist. Und über die Sint Annabaai führt eben auch die berühmte Koningin Emmabrug direkt vor der hübschen Waterfront, die Handelskade, die so sehr an Amsterdam erinnert.

„Die Handelskade in Willemstad“

„Die Handelskade in Willemstad“

„Die Koningin Emmabrug“

„Die Koningin Emmabrug“

Der Name Schottegat soll auf eine niederländische Ableitung von Scottish Bay zurückgehen, doch zu dem Namen gibt es auch andere Geschichten, ebenso wie um die Herkunft des Namens der Insel Curaçao selbst. Doch wenn es im Süden Spanish Water gibt, passt die Geschichte mit den Schotten im Schottegat eben auch ganz gut.

„Am Eingang zur Sint Annabaai“

„Am Eingang zur Sint Annabaai“

Die Handelskade, also das Handelskai entstand größtenteils im 18. und 19. Jahrhundert, die Koningin Emmabrug wurde 1888 eröffnet. Die Koningin Emmabrug ist eine Ponton-Brücke, die weltweit einzigartig ist.

Die Geschichte von Curaçao ist vielseitig, aber in großen Teilen auch nicht sehr rühmlich. Nachdem die Arawak als Ureinwohner erst einmal von den Spaniern versklavt oder weitgehend vertrieben worden waren, befand sich Curaçao bis Anfang des 17ten Jahrhunderts unter spanischer Herrschaft. 1634 wurde Curaçao eine niederländische Kolonie und sieht man mal von zwei kurzen britischen Eroberungen während der Napoleonischen Kriege ab, blieb Curaçao auch bis zu seiner Unabhängigkeit 2010 als eigenständiges Land innerhalb des Königreichs der Niederlande niederländisch.

Und die Niederländer prägten auch den unrühmlichsten Teil der Geschichte von Curaçao, denn unter ihrer Herrschaft bauten sie Curaçao zum Zentrum des Sklavenhandels in der Karibik aus. Die Niederländische Westindien-Kompanie erhielt 1621 das exklusive Recht für den Handel zwischen Westafrika und Amerika. Mit hunderten von Schiffen wurden damals Sklaven aus Afrika in die Karibik gebracht. Denn diese Menschen waren eine Handeslware, die in Stück verkauft wurde. Erst 1863 wurde auch von den Niederlanden der Sklavenhandel und später auch die Sklaverei abgeschafft, nachdem England und Frankreich dies schon viele Jahre vorher getan hatten.

„Zur geschichtlichen Einordnung... Das Penha-Haus wurde 1708 erbaut und erst 1863, also 155 Jahre später, beendeten auch die Niederlande den Sklavenhandel.“

„Zur geschichtlichen Einordnung… Das Penha-Haus wurde 1708 erbaut und erst 1863, also 155 Jahre später, beendeten auch die Niederlande den Sklavenhandel.“

Nur rund 6% der Bevölkerung von Curaçao sind heute noch niederländischer Abstammung und vielleicht spiegelt die Sprache Papiamento, die auf Curaçao und mit eigenen Dialekten auch auf Bonaire und Aruba gesprochen wird, am besten die heutige Vielfalt wider. Papiamento ist eine der drei offiziellen Sprachen auf den ABC-Inseln und im Grunde genommen ein afro-portugiesisches Kreol, das in einem wilden Mix auch niederländische und englische Worte problemlos integriert, wobei allerdings das Spanische wohl noch den größten Einfluss hatte.

Und genauso sieht es eben in Willemstad aus, wobei der holländische Einfluss natürlich absolut prägend war.

„Häuser im Stadtteil Punda I“

„Häuser im Stadtteil Punda I“

„Häuser im Stadtteil Punda II“

„Häuser im Stadtteil Punda II“

„Häuser im Stadtteil Punda III“

„Häuser im Stadtteil Punda III“

„Die Waterfront im Stadtteil Punda“

„Die Waterfront im Stadtteil Punda“

„Historisch luxuriös...“

„Historisch luxuriös…“

Aber abseits der touristischen Highlights, die jeden Reisekatalog füllen, gibt es in Willemstad auch ganz authentisch andere Stadtteile. Und dort geht es ebenso bunt und vielfältig zu, wie auch Papiamento klingt.

„Auf der anderen Seite der Sint Annabaai im Stadtteil Otrobanda“

„Auf der anderen Seite der Sint Annabaai im Stadtteil Otrobanda“

Bon bini! Kòrsou ta dushi!


Eine spannende Frage
Weil wir mit Gereth von der Werft Curaçao Marine Zone bisher nur gemailt haben, sind wir natürlich gespannt, wie es dort nun wirklich aussieht und ob alles tatsächlich auch so fest ist, wie wir meinen, es verstanden zu haben. Seitdem wir die ganze Sache abgesprochen haben, sind nun auch schon wieder vier Monate ins Land gegangen und inzwischen wissen wir ja auch, dass das Langzeitgedächtnis der karibischen Verbindlichkeit mitunter Lücken aufweist. Doch das Gesamtarrangement ist ziemlich wichtig für uns, denn daran hängt eben nicht nur der Storage in der Werft, sondern auch unsere Flüge, die wir Ende Februar auch schon gleich gebucht haben. Abgesehen davon haben wir damals versprochen, gleich mal vorbei zu schauen, wenn wir in Spanish Water angekommen sind, um den Rest zu besprechen und zu organisieren. Also fahren wir mit dem Bus nach Willemstad, steigen aber noch vor dem ZOB aus und gehen zu Fuß rüber zum Schottegat.

„Auf dem Weg zur Werft Curaçao Marine Zone“

„Auf dem Weg zur Werft Curaçao Marine Zone“

„Blick über Willemstad“

„Blick über Willemstad“

„Manchmal versperren diese Burschen aber den Ausblick“

„Manchmal versperren diese Burschen aber den Ausblick“

„Die Werft Curaçao Marine Zone I“

„Die Werft Curaçao Marine Zone I“

In dem weitläufigen Schottegat liegt die Werft gleich im ersten südöstlichen Becken. Im Office müssen wir nur den Schiffsnamen nennen und Gereth zeigt uns auf seiner Pinwand, wo wir für den Storage eingeplant sind. Und da hängt tatsächlich auch schon ein kleines Schildchen mit der Aufschrift PINCOYA. Alle anderen Formalitäten sind ebenso schnell erledigt, nur eine Kopie der Schiffspapiere und der Versicherungspolice müssen wir abends noch per Mail schicken. Den genauen Termin für unser Ankommen klären wir auch gleich, denn die Koningin Emmabrug wird von der Port Control Fort Nassau für Sportschiffe nur geöffnet, wenn die Werft einen angemeldet hat.

„Die Werft Curaçao Marine Zone II“

„Die Werft Curaçao Marine Zone II“

Uns fällt ein Stein vom Herzen. Dieser Part scheint geklärt zu sein. Nach den Formalitäten schauen wir uns noch die kleine Marina und die Werft an. Alles sieht absolut ok aus und macht einen echt guten Eindruck. Auch der Storage-Bereich ist abgeschlossen und überwacht, da müssen wir uns keine Sorgen machen. Interessant wird allerdings das Kranen, da es gar keinen Kran, sondern nur einen hydraulischen Trailer gibt. Doch davon und von der Vorsicht, wie die Werftmitarbeiter mit den Schiffen umgehen, haben wir schon gelesen. Total gespannt sind wir aber trotzdem, wie das Ganze dann technisch funktioniert. Bisher ist die PINCOYA immer nur gekrant worden, nun wird sie das erste Mal getrailert.

„Der Customs Storage“

„Der Customs Storage“

Mit einem richtig guten Gefühl beschließen wir, noch dem Fort Nassau einen Besuch abzustatten. Das Fort Nassau beherbergt heute in erster Linie die Port Control und in zweiter Linie ein recht luxuriöses Restaurant. Vielleicht ist es auch umgekehrt, wir werden sehen.


„Auf dem Weg zum Fort Nassau“

„Auf dem Weg zum Fort Nassau“

Der Weg hoch nach Fort Nassau ist zwar nicht ganz so lang, aber in der Mittagshitze dann doch etwas schweißtreibend. Doch irgendwann haben wir es geschafft und die Aussicht ist grandios. Wenn man über das Schottegat schaut, überwältigen die alten Raffinerieanlagen natürlich nicht gerade mit ihrer Schönheit. Doch es sind Zeitzeugen einer vergangenen Zeit, in der vieles wichtiger war, als das Bewahren einer einzigartigen Natur.

„Das Schottegat I“

„Das Schottegat I“

„Blick zur und über die Sint Annabaai mit der Koningin Julianabrug“

„Blick zur und über die Sint Annabaai mit der Koningin Julianabrug“

„Die stillgelegte Raffinerie“

„Die stillgelegte Raffinerie“

Doch der Rundumblick ist schon toll. Zwar reklamiert der Christoffel-Berg im Norden von Curacao mit seinen stattlichen 375m den höchsten Punkt Curaçaos für sich, da kommt Fort Nassau nicht ganz mit, doch um uns herum ist alles sehr flach und so fühlen wir uns auch hier schon mal wie auf dem höchsten Punkt der Insel. Ford Nassau selbst ist historisch malerisch. Als Belohnung gönnen wir uns in dem Restaurant einen kleinen Aperitivo, doch den Lunch verkneifen wir uns dann doch angesichts der Preise auf der Speisekarte.

„Fort Nassau“

„Fort Nassau“

Zurück geht es über einige Umwege nach Willemstad. Bis unser Bus zurück nach Spanish Water kommt, schlendern wir noch einige Zeit durch die Altstadt. Willemstad ist immer wieder ein Vergnügen und so lassen wir den Nachmittag noch nett mit einem Cappuccino ausklingen.

„Auf dem Weg zurück“

„Auf dem Weg zurück“


Vorher und nachher
Um möglichst viel möglichst rechtzeitig zu schaffen, teilen wir unsere ToDos in »Vorher« und »Nachher« ein. Doch nach und nach erschöpft sich das »Vorher« in den Routinetätigkeiten, die ohnehin anstehen, wenn man aus dem Wasser geht und das Schiff einige Zeit an Land stehen soll. Das Großartigste, was wir noch hinbekommen, sind die Ölwechsel von Motor, Außenborder, Generator und Wassermacher. Auch drei der vier Außenfugen des Teakdecks können wir noch neu vergießen, doch dann ist auch der letzte Rest der Teakdeckpampe verbraucht. Zu guter Letzt reparieren wir noch das Kabel zum Anker-auf-Schalter. Selbst ein neues Kabel, das wir neu einziehen könnten, können wir nicht auftreiben. So scheitert alles weitere an der Versorgungslage auf Curaçao.

Grundsätzlich gibt es immerhin drei Shops auf Curaçao, die Bootszubehör verkaufen. Doch das Angebot in diesem Shops ist mehr als übersichtlich, wohingegen die Preise vor Selbstbewusstsein nur so strotzen. Nicht nur Kooymann, die Mutter aller Baumärkte ernüchtert uns, auch der Shop von Budget Marine hat absolut nichts von dem, was wir brauchen. Alles, was noch halbwegs verheißungsvoll im WebShop von Budget Marine zu finden ist, ist auf Curaçao »a special order« und dabei ist das Angebot in dem WebShop selbst auch schon nur ein magerer Abklatsch dessen, was in europäischen WebShops zu finden ist.

Gut, einiges könnte man sicher auch bestellen, doch schon bei den flexiblen Solarzellen fängt es mit den Problemen an. Keinerlei technische Parameter verraten irgendetwas über die Solarzelle, nur 100Wp soll sie liefern. Solche Details wie die Nennspannung sind auch woanders nicht herauszufinden. Und gerade die Nennspannung ist schon interessant, denn die neuen Zellen sollen ja in ein bestehendes Netzwerk integriert werden. Da wäre es schon blöd, wenn die neuen Zellen z.B. 20,9V haben und die alten aber mit 17,2V zu Werke gehen. Doch das sind ja nur technische Hürden, die man noch mit einem unbekanntem Leistungsverlust akzeptieren könnte. Aber am Ende lässt uns dann doch der bekannte Leistungsverlust in unserem Portemonnaie zögern, denn die flexible Solarzelle von Budget Marine kostet 210€, wohingegen eine gute und vor allem technisch mitteilungsfreudige Solarzelle in Europa nur 110€ kostet. So steht es mit nur einer Zelle schon schnell 2:1 für Europa.

Und so geht es uns mit allen Dingen. Fast nichts bekommt man einfach mal so, einiges kann zwar bestellt werden, aber sehr vieles gibt es schlicht und ergreifend auch gar nicht. Sicher gibt es Händler, die z.B. bei Victron auch als Vertragspartner gelistet sind, doch die haben von Yachtelektrik noch nie etwas gehört und machen nur Solaranlagen für Häuser. Und diejenigen Dinge, die es gibt oder die man vielleicht noch bestellen könnte, schießen sich unisono über den Preis derart weit ins Abseits, dass nur noch nackte Verzweiflung zu einem Kauf oder einer Bestellung führen könnte.


So stellt sich uns nach drei Wochen die quälende Frage, wie wir all das, was wir nun in Europa mit zwei Klicks für den halben Preis bestellen wollen, auch nach Curaçao bekommen, ohne am Zoll zu scheitern und auch noch Einfuhrumsatzsteuer zu bezahlen. Also fahren wir noch einmal zu dem netten Mann vom Zoll. Und der erklärt uns, dass all unsere Sorgen vollkommen unbegründet sind, denn wir sind eine »Yacht in transit« und haben von ihm bei der Einreise ein Zollnümmerchen bekommen. Und genau dieses Nümmerchen bzw. die Werft Curaçao Marine Zone, wo die PINCOYA im Customs Storage stehen wird, ist hierfür der Dreh- und Angelpunkt. Entweder schicken wir aus Europa ein Paket direkt an die Werft oder wir nehmen all die Dinge im Aufgabegepäck im Flieger mit. Und entweder ruft der Zoll dann direkt in der Werft an und fragt nach der Existenz der PINCOYA mit eben besagten Zollnümmerchen oder wir zeigen den Zollkollegen am Flughafen unseren Yacht-in-transit-Belegt mit auch diesem Nümmerchen. So einfach soll es gehen und falls es nicht so geht, können wir uns evtl. doch bezahlte Einfuhrumsatzsteuer bei ihm wiederholen. Das ist geil! Also klick klick klick und los…


Und genau diese Auskunft verwandelt nun unsere »Vorher-ToDo-Liste« in eine Recherche- und Vorher-genau-Nachdenkenliste, denn es ist nichts blöder, als in Deutschland zu sitzen und nicht genau zu wissen, ob dieses oder jenes nun auch wirklich passt und wie man etwas schlussendlich montieren kann. Denn wenn wir erst einmal in Deutschland sind, dann können wir nichts mehr nachsehen oder nachmessen. D.h. wir müssen an jedes Detail denken und so quälen wir uns gegenseitig immer wieder mit den Fragen, ob wir nun auch wirklich an dieses oder jenes Detail gedacht haben, während unsere Bestellliste für Europa wächst und wächst. Außerdem machen wir von den unmöglichsten Stellen lieber noch schnell einige Photos, denn wenn es konkret wird, werden sich ganze sicher noch Fragen stellen, die sich vorher noch nicht gestellt haben.


Die Übersicht vom Rocky
Eines Tages, die Sonne scheint und die Mittagshitze glüht einladend mit 32°, kommen wir auf die phantastische Idee, dass uns etwas Abwechslung mal richtig gut tun würde. Seit mehr als zwei Wochen schauen wir nun schon auf den Felsen neben der Kabrietenbaai, den Seru Kabritu bzw. den Kabrietenberg, und nun ist es Zeit, auch mal von oben herunter zu schauen.

„Auf geht's auf den Seru Kabritu, den Kabrietenberg“

„Auf geht's auf den Seru Kabritu, den Kabrietenberg“

Mit dem Gummiboot fahren wir in die hinterste Ecke der Kabrietenbaai. Das kurze Stück Straße lassen wir schnell hinter uns. Der Track hoch zum Seru Kabritu ist im wahrsten Sinne des Wortes steinig. Kakteen säumen den Weg, doch das übrige Stachelgestrüpp hält noch gebührenden Abstand zu unserem Bergziegenpfad. Der Ausblick über Spanish Water ist grandios, doch die Idee der Capitana, auf einem Rundwanderweg den Rückweg anzutreten, ist weniger grandios.

„Steinig und stachelig“

„Steinig und stachelig“

„Jede noch so kleinste Ecke wird genutzt“

„Jede noch so kleinste Ecke wird genutzt“

„Spanish Water nach Osten“

„Spanish Water nach Osten“

„Spanish Water in der Mitte“

„Spanish Water in der Mitte“

„Und da liegen wir auf Anchorage B“

„Und da liegen wir auf Anchorage B“

Nachdem wir die Aussicht eine ganze Weile genossen haben, machen wir uns auf den Rundwanderweg, der uns entlang der Einfahrt nach Spanish Water bis zum Plenchi di Mangel und der Director’s Bay führen soll. Zur Entschuldigung der Capitana muss ich natürlich auch erwähnen, dass es in unserer Wander-App tatsächlich eine gestrichelte Linie gibt, die man durchaus als Rundwanderweg interpretieren kann. Doch dieser Rundwanderweg verschwindet nach und nach zwischen mannshohen Lucky-Luke-Kakteen, unzähligen Schwiegermutterhockern und dem stacheligsten Gestrüpp, das jemals das Licht einer Einöde erblickt haben. Wie der Prinz in Dornröschen schlägt sich der Schiffsjunge wacker durch’s Unterholz, nur dass seine Prinzessin ihm schon folgt und den rechten Pfad in der Wander-App auf ihrem Smartphone sucht. In der Hoffnung, dahinter den Wanderweg wiederzufinden, überklettern wir nicht nur einen Felsen. Die Wander-App behauptet, dass wir richtig sind, doch vielleicht stimmt ja auch irgendetwas mit dem GPS-Signal nicht. Wilde Hunde knurren durch die Dornen, wir bewaffnen uns mit dicken Knüppeln, doch selbst der blödeste Straßenköter ist schlauer als wir und versucht gar nicht erst, durch das Stachelwerk zu dringen, um vom wild entschlossenen Schiffsjungen einen Scheitel gezogen zu bekommen.

„Es wird unwegsamer“

„Es wird unwegsamer“

„Blick auf die Einfahrt nach Spanish Water“

„Blick auf die Einfahrt nach Spanish Water“

„Die eine Seite ist luxuriös, die andere wenig einladend stachelig.“

„Die eine Seite ist luxuriös, die andere wenig einladend stachelig.“

„Die Einfahrt nach Spanish Water und die Capitana auf der Suche nach dem rechten Pfad“

„Die Einfahrt nach Spanish Water und die Capitana auf der Suche nach dem rechten Pfad“

Nach Zweidrittel der Strecke siegt die Vernunft über unseren bescheuerten Ehrgeiz. Endlich! Vollkommen verschrammt und gezeichnet, als ob wir mit einer Horde wilder Raubkatzen gekämpft haben, treten wir den Rückzug an. Gegenüber ist die Welt noch in Ordnung, dort werden nach der Golfrunde opulente Cocktails geschlürft, bevor man zur Abkühlung in das türkise Wasser plumpst. Doch wo war noch gleich unser Rückweg? Sind wir nicht doch hier abgebogen und an jener Kaktee vorbeigekommen? Glücklicherweise haben wir unseren Höllentrack bis zum Wendepunkt aufgezeichnet und so kämpfen wir uns auf gleichem Pfad durch das stachelige Gestrüpp wieder zurück. Irgendwann erreichen wir ein Stück Zivilisation in Form einer wegbröselnden Teerstraße. Erleichterung! Heerscharen von Mücken müssen ihren Stachel gar nicht mehr benutzen, um an unser Blut zu kommen. Jetzt reicht es wirklich! Hoffentlich begegnen wir nun nicht auch noch Menschen! Die würden schreiend die Flucht ergreifen. Unser Gummiboot bringt uns zurück zur PINCOYA. Der Ausblick war toll, unser Anblick ist nun fürchterlich. Zerschunden schauen wir auf den Seru Kabritu. Eigentlich sieht der gar nicht so schlimm aus, aber wir kennen nun auch seine Kehrseite.

„Der Seru Kabritu, der Kabrietenberg“

„Der Seru Kabritu, der Kabrietenberg“


Und ab und zu mal ein ToDo oder manchmal ist es echt zum Schreien
Die Renovierung unseres Teakdecks auf Porto Santo und den Kanaren ist ja gut gelungen und nun fehlen nur noch die Seitenfugen. Eigentlich keine große Sache, obwohl dieser Rest nicht wirklich gut zugänglich ist. Vorne geht’s noch, aber weiter hinten muss Man(n) sich irgendwie zwischen die Aufbauten und Wanten und die Reling quetschen, um sich auf Knien rutschend halbwegs elegant an den Fugen voranzuarbeiten. Jeder der sieben Zwerge 🧌 wäre besser qualifiziert für diesen Job als der Schiffsjunge. Nicht nur einmal entfährt mir das 💩-Wort, während ich ohne Vor oder Zurück feststecke. Der Rücken und die Knie schmerzen, während sich im rechten Oberschenkel ein Krampf anmeldet, um mir auch noch den Rest der ohnehin in die Jahre gekommenen Geschmeidigkeit zu rauben.

„Da ist nicht viel Platz ...“

„Da ist nicht viel Platz …“

Aber der Erfolg im Bugbereich spornt an, obwohl sich ohne Frage jeder Yoga-Knoten leichter wieder auflösen lässt als meine Teak-Fugen-Verrenkungen. Doch dann stecke ich fest. Mein Hintern hat sich zwischen Reling und Decksalon verkeilt. Als ich mich rausdrehe, höre ich ein Reißen. Das war’s wohl mit der Hose. Ein warmer Wind streicht zart über ein Stück nackte Haut. Egal, ich versuche es andersherum noch mal. Vorn ist mehr Platz als hinten, also den Hintern nach vorn und den schmalen Oberkörper elegant zwischen Decksalon und Reling gedreht. Als ich dann gerade wieder beginnen will, die alte Vergussmasse herauszuschneiden, meldet sich der Krampf zu einer nächsten Runde, während sich die Travellerschiene der Genua unter meine rechte Kniescheibe schiebt.
Der Wind erschwert die ganze Sache noch zusätzlich. Es weht wieder beständig mit 20kn ++, doch wenigstens der Cutter bleibt noch auf Deck liegen, alles anderes ist entweder gleich weg oder ohnehin nicht mehr da. Sehen kann ich nun auch nichts mehr, ich taste nach dem Cutter, der Wind hat mir das T-Shirt über den Kopf geweht. Zweidrittel des T-Shirts flattern lustig im Wind, der Rest hängt unter meinen Armen. Wie ein Depp stecke ich schon wieder fest, diesmal mit zerrissener Hose und T-Shirt über dem Kopf, während ich versuche, den Krampf aus meinem rechten Bein zu schütteln. Mein Teak-Fugen-Verrenkungs-Yoga nähert sich unaufhaltsam seinem Höhepunkt. Mein Gott, wie bescheuert muss das nun wieder aussehen. Wenigstens erkennt mich so keiner, ich kann ja auch irgendein Profi sein, der gerade ein Teakdeck renoviert.

Kurz darauf erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad mit einer neuen Variante. Erst abkleben, dann neu vergießen. Wobei vergießen flüssiger klingt, als es ist. Zusammen können wir die gröbste Sauerei zunächst verhindern. Meter für Meter drücke ich die neue Vergussmasse in die alte Fuge und ziehe sie ab, während Astrid alles anreicht, abnimmt, sichert und vor allem verhindert, dass irgendetwas klammheimlich mit dem Wind verschwindet. Dieser Teil geht noch besser als das Abziehen des Klebebands, nachdem die Pampe leicht begonnen hat zu gelieren. Die Sauerei ist grenzenlos, der Wind lässt das abgezogene Klebeband mit den Resten der schwarzen Pampe gnadenlos flattern. Wie bei der olympischen Sportgymnastik versuche ich, das flatternde Band so kreisen zu lassen, dass die Capitana es mit der aufgeblähten Mülltüte erhaschen kann. Doch es klebt nun beidseitig. Oben die schwarze Pampe und unten das normale Kleb. Die Sauerei ist grenzenlos, nun brauchen wir viel Küchenpapier und jede Menge Aceton.

Ob morgen nun gleich die andere Seite folgt, ist mehr als fraglich. Vielleicht kann ich ja irgendwann auch wieder mehr oder weniger aufrecht stehen. Doch das eigentliche Problem wartet erst noch in Form der Vergussmasse auf uns. Auf den Kanaren haben wir die letzten drei Kartuschen »Schwarz« gekauft. Zwei davon waren auch schwarz, doch die dritte und letzte entpuppt sich nun leider als weiß 😩! So ist das, wenn man sich begeistert alle Reste aus einem Regal schnappt, ohne noch einmal richtig hinzusehen. Weiteres Nautico-Zeug von Fischer war nirgendwo mehr aufzutreiben. Sikaflex gab es zwar in einigen Marineläden, aber erstens nicht dort, wo wir gerade waren und zweitens nur zu Preisen, die nur im Vergleich mit der Karibik noch als günstig gelten können.
Da wir jedoch schon damals ahnten, dass wir noch etwas mehr brauchen, haben wir in Baumärkten nach Alternativen gesucht. Wenigstens irgendetwas in Richtung »MS-Kleber«. An Vergussmasse für Teakdecks muss man auf den Kanaren wie auch in der Karibik eh keinen ernsthaften Gedanken verschwenden. Wie einfach wäre es wieder einmal gewesen, wenn wir uns aus Deutschland etwas mitgebracht hätten? Aber unsere beiden Trolleys hatten auch damals schon Übergewicht. Schlussendlich haben wir dann ein Zeug gekauft, von dem wir annehmen konnten, dass es wenigstens halbwegs auch unseren Zweck erfüllt. Doch nun ja … in der Verarbeitung ist es eine Katastrophe. Es ist zwar immerhin schwarz und soll auch »elástico permanente« sein, was man vom Schiffsjungen nicht mehr sagen kann, doch es geliert viel zu schnell und ist schon ziemlich zäh, wenn es gerade mal aus der Kartusche kommt. 😩 Ob wir uns damit nun mehr vermasselt als versiegelt haben, ist fraglich.

Budget Marine auf Curaçao hat zwar sogar ein recht vielversprechendes Dichtzeug von 3M am Lager, aber hier kostet die Kartusche nicht 19,90 €, sondern umgerechnet 39,90 €. Das ist wirklich ärgerlich. Doch vielleicht müssen wir tatsächlich in diesen sauren Apfel beißen, aber erst einmal rechnen. Ein dritter Trolley bei KLM würde sich ja schon mit der dritten Kartusche Klebepampe amortisieren. Und der hätte ja dann auch noch freie Kapazitäten. Manchmal ist es echt zum Heulen 😢 😩, aber ganz unerwartet ergeben sich dann doch neue Möglichkeiten. Mal sehen, was wir noch bestellen könnten 😇?


Schlussspurt

„Genua runter, Mast checken und vieles vieles anderes ...“

„Genua runter, Mast checken und vieles vieles anderes …“

Das Wetter hat sich inzwischen beruhigt. Außerdem hat nun wohl auch irgendwer der Trockenzeit gesteckt, dass sie eigentlich schon seit Monaten dran ist. Dennoch ist der Tagesgang des Windes nach wie vor deutlich. Eigentlich bläst es unablässig mit um die 20 kn, aber morgens eben etwas weniger. So klingelt unser Wecker um 6:00, und um 7:00 nehmen wir schon mal die Genua runter. Wir wollen alles, was irgend geht, abschlagen und unter Deck stauen. Das hat zwei Gründe. Erstens wollen wir im Fall eines Sturmes möglichst wenig an Deck haben, um den Windwiderstand zu minimieren, und zweitens ist die Sonne echt brutal und alles, was nicht dem UV-Licht ausgesetzt ist, hält eben auch länger.

So steht unsere letzte Woche in Spanish Water voll im Zeichen aller Vorbereitungen, um in der Werft möglichst flott und ohne große Umstände aus dem Wasser gehen zu können. Der Zeitplan ist straff. Donnerstag geht es in den Schottegat, Freitag raus und Sonntag fliegen wir.

„Die letzten Tage in Spanish Water.“

„Die letzten Tage in Spanish Water.“

Noch in Spanish Water, Curaçao
12° 04′ 41,2” N, 068° 51′ 30,9” W