Als wir im Herbst 24 unseren Wunschplan 25 schmiedeten, hatten wir natürlich schon grob im Kopf, wie es ab Curaçao weitergehen sollte. Und da unser Wunschplan 25 ja nun auch ziemlich gut in Erfüllung gegangen ist, haben wir zuhause mal an einer Fortsetzung für 25/26 gebastelt.
Und dazugelernt haben wir tatsächlich auch, denn unsere bisherigen Planungen für die Karibik waren ja dann doch etwas zu ambitioniert. Unser mehrwöchiger Kreuzkurs gegen Wind und Strom von Puerto Rico bis Saint Martin wirkt da schon noch nach. Grundsätzlich war uns bei der Planung ja klar, dass die Bedingungen durchaus kniffelig sind, aber dennoch haben wir unsere Möglichkeiten nach Osten voranzukommen vollkommen überschätzt. Alles hat viel viel länger gedauert als geplant und so haben die langen Segeltage fast alles Sightseeing und jeglichen Müßiggang aufgefressen.
Deswegen haben wir diesmal einfach einiges weggelassen und versucht, eine gute Kombination aus langen Schlägen mit viel Strecke und langen Aufenthalten mit wenig Strecke zu finden. Denn wir wollen nach wie vor beides. Wir wollen viel und auch anspruchsvolle Etappen segeln und wir wollen an ausgesuchten Plätzen auch mal länger bleiben, ohne viel Strecke machen zu müssen.
So haben wir z.B. Kolumbien, Guatemala und Cuba gleich mal ganz gestrichen und in Mittelamerika »nur« noch Panama, Belize und Mexiko in unserem Plan. Costa Rica wäre zwar auch noch ein Wunschziel gewesen, doch seglerisch ist von Costa Rica nur die Pazifikseite interessant. So wird es von Panama direkt nach Jamaica gehen und von dort aus über die Caymans nach Belize und Mexico.
Von Panama aus gesehen liegt Jamaica zwar auch schon wieder recht anspruchsvoll im Nordosten, was uns bei den vorherrschenden Winden und Strömungen ohne Frage einen heißen und anspruchsvollen Amwindkurs bescheren wird, aber so halten wir auch großen Abstand zu Nicaragua und Honduras, was ja durchaus gar nicht schlecht ist.
„Wie man sieht, kann es vor Nicaragua und Honduras durchaus unangenehm werden. rot = Überfall, gelb = Diebstahl“
Ab Belize wird es dann ruhiger, denn für die geplanten 400 Cruising-Meilen bis Cancún haben wir fünf Wochen eingeplant.
Danach werden wir uns auf den Keys in Florida einen nun schon 20 Jahre alten Wunsch erfüllen. Denn als wir 2005 frisch verliebt in Key West in einer Strandbar saßen, hatten wir die fixe Idee, irgendwann einmal unseren Anker direkt vis-à-vis auf dem Anchorage vor Key West fallenzulassen. Eine Wunschtraumidee, die damals noch nicht einmal im Ansatz auch nur irgendwie realistisch war. Denn 2005 hatten wir noch absolut gar nichts, um uns diesen Traum auch nur irgendwie erfüllen zu können. Es gab nur diese Idee, dass es toll wäre, genau dort eben mal vor Anker zu liegen und in den Sonnenuntergang zu gucken.
Doch im Frühjahr 2026 wird es nun so weit sein, dass wir uns diese Wunschtraumidee erfüllen. Seit dem Moment damals hat sich in unseren Leben und nun in unserem Leben fast alles verändert und nichts ist so geblieben, wie es damals war, als wir diese Idee hatten, und alles so unveränderbar und absehbar erschien. Doch vielleicht kommt man in seinem Leben tatsächlich nur so an einen Punkt zurück, der einmal als fixe Idee geboren wurde und vollkommen irre erschien.
Doch die Etappe von Mexiko nach Florida ist wieder so ein schwieriges Ding, das wir kaum einschätzen können. Denn im Frühjahr weht es dort meist ziemlich stramm aus Osten, wobei sich auf der anderen Seite genau dort der Karibikstrom nach Osten wendet, um kurz darauf zusammen mit dem Antillenstrom zum Golfstrom zu werden. Strom gegen Wind sind ziemlich gute Voraussetzungen für eine unruhige Passage, wobei dort beide auch recht kräftig ihre Muskeln spielen lassen. Etwas Glück werden wir in jedem Fall brauchen und ein hübsches Tief im nördlichen Golf von Mexico würde uns auch ganz gut in den Kram passen.
Gleich nach Florida stehen die Bahamas auf dem Programm. Und obwohl die Bahamas ein teures Pflaster sind, wollen wir dort wenigstens zwei Monate bleiben. Das Cruising Permit, dass man dort kaufen muss, rechnet sich nur, wenn man die drei Monate auch möglichst gut ausnutzt. Doch das sollte uns nicht wirklich schwer fallen, denn dort ist das Ocafee, das Original Caribbean Feeling ja zuhause. Aber nach zwei Monaten steht auch schon wieder die nächste Hurricane Saison vor der Tür, denn dann ist es ja schon Anfang Mai.
Bisher dachten wir, dass wir uns genau zu diesem Zeitpunkt entscheiden müssen, wie es weitergehen soll. Noch ein weiteres Jahr Karibik oder doch hoch nach Nordamerika oder vielleicht zurück nach Europa. Und genau diese Entscheidung haben uns nun die Fensterrahmen unseres Decksalons abgenommen, denn wir haben ein massives »Alufensterrahmengammelproblem«. Wahrscheinlich ein Materialfehler, denn die Alurahmen der Luken sind nach 30 Jahren nach wie vor 1a. Doch wie auch immer, die Rahmen der Frontfenster sind inzwischen arg mitgenommen und bröseln schneller weg, als wir gedacht haben. Die warme Witterung und das Salzwasser haben den Prozess massiv beschleunigt. D.h. wir brauchen wenigstens neue Front- und vielleicht auch Seitenfenster.
Ohne Frage könnten wir uns auch in den USA neue Fenster anfertigen lassen, doch das können wir uns schlicht und ergreifend nicht leisten. Also bleibt nur Europa, um die Fenster auszutauschen. Und tatsächlich gefällt uns die Aussicht, mal wieder einige richtig lange Etappen vor der Nase zu haben. Denn ein weiteres Jahr Karibik war ohnehin nur noch eine vage Option und die Etappe nach Nordamerika stand für uns aus aktuellen Gründen schon seit Monaten nicht mehr an erster Stelle. So freuen wir uns auf unser viertes Crossing, das uns diesmal über Bermuda führen soll. Denn schließlich möchte auch die Gastlandflagge von Bermuda mal gelüftet werden.
Doch noch ist es nicht Anfang Juni und noch hat die nächste Hurricane Saison nicht wirklich begonnen. Und weil die Aneinanderreihung der USA, der Bahamas und von Bermuda einem versorgungstechnischen SuperGAU gleichkommt, haben wir beschlossen, das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden und der Dominican Republic noch mal schnell einen kleinen Besuch abzustatten. Dort werden wir dann bis Anfang Juni bleiben, auch um ein passendes Wetterfenster zu erwischen, um nach Bermuda aufzubrechen.
Bermuda ist ein hübscher Zwischenstopp auf dem Weg zu den Azoren, die wir hoffen, Anfang Juli zu erreichen. Wie und wann es dann von dort aus weitergeht, werden wir sehen. Im Herbst 26 wollen wir in jedem Fall wieder Festland-Europa erreichen und mal sehen, vielleicht bekommen wir für den Winter wieder ein Plätzchen in Bremerhaven oder in Büdelsdorf am Kiel Kanal.
Und zählt man nun mal überschlägig die Seemeilen unseres neuen Wunschplans zusammen, hat diese Saison durchaus das Potential jegliche Rekorde zu brechen. Doch von den mehr als 10.000 Seemeilen Gesamtstrecke, sind allein 7.500 Seemeile Langstrecke und nur knapp 3.000 Seemeilen Sightseeing Cruising. Es verspricht also eine entspannte Saison zu werden 😊.
Glück auf, wie der Seemann so sagt, denn unverhofft kommt ja oft, wir werden mal sehen.





