Curaçao klingt aus


„Spanish Water oder Spaanse Water“

„Spanish Water oder Spaanse Water“

Es ist ein komisches Gefühl, wenn es nach 4 1/2 Monaten plötzlich weitergehen soll. In der Nacht zum 10ten Juni sind wir auf Curaçao angekommen, nach einem Monat sind wir dann für zwei Monate nach Hause geflogen und nun sind wir auch schon wieder sechs Wochen hier. Und die letzten sechs Wochen waren arbeitsreicher als eigentlich gedacht, erhofft und überhaupt geplant. Wenn man unseren Heimaturlaub abzieht, hätten wir noch bis zum ersten November auf Curaçao bleiben können, doch es ist höchste Zeit weiterzuziehen, sonst schlagen wir noch Wurzeln.


Etwas skeptisch beäugen wir seit über einer Woche den Hurricane Melissa. Nicht, dass der uns hier auf den ABC-Inseln noch irgendwie gefährlich werden könnte, aber unsere Pläne sind nicht ganz unabhängig von Melissa. Erstens wird es bis den Anfang November schwierig werden, überhaupt nach Panama zu kommen, weil die Windrichtung es uns schlicht unmöglich macht und zweitens stellt sich die Frage, was von Jamaica übrig bleibt.

Das hört sich drastisch an, ist am Ende aber genau so. Melissa wird Jamaica ziemlich mittig als Kategorie 5 Hurricane mit Windgeschwindigkeiten von 250 bis 300 km/h treffen und es wird mit Niederschlägen von mehr als 500mm pro m² gerechnet. Wohl gemerkt in 24h, aber Melissa zieht langsam und in zwei Tagen summieren sich die Niederschläge wohl auf unglaubliche 1000mm pro m². Zusammen mit den extremen Windgeschwindigkeiten werden vor allem die Wassermassen zu extremen Zerstörungen führen. 500mm Niederschlag sind ein halber Meter pro Quadratmeter und mehr als die Jahresniederschlagsmenge in Deutschland. Der Ahrtal-Katastrophe gingen übrigens Niederschläge von »nur« 200mm pro m² voraus. Jamaica erwartet pro Tag das 2 1/2-fache und dazu Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h. Insofern stellt sich tatsächlich die Frage, was von Jamaica übrig bleibt, denn wir wollten ja eigentlich über Weihnachten dort sein.


Die Salinen

„Auf dem Weg zu den Salinen und den 🦩, aber dies sind kleine 🦜“

„Auf dem Weg zu den Salinen und den 🦩, aber dies sind kleine 🦜“

Doch bevor wir von Curaçao bzw. aus Spanish Water aufbrechen, machen wir noch eine kleine Wanderung zu den Salinen hinter Jan Thiel. Dort sollen auch unzählige Flamingos 🦩 zu bewundern sein, doch bevor wir es zu spannend machen, die Flamingos sind im wahrsten Sinne des Wortes »unzählig«, denn wir sehen nicht einen einzigen und können so auch nicht einen einzigen zählen.

„Viel Lagune, keine 🦩, wenig Wasser, aber dafür viel Hitze.“

„Viel Lagune, keine 🦩, wenig Wasser, aber dafür viel Hitze.“

„Ein Baum. Kein vertrockneter 🦩“

„Ein Baum. Kein vertrockneter 🦩“

„Dafür aber eine vertrocknete 🦀“

„Dafür aber eine vertrocknete 🦀“

Dafür sind die Salinen um so schöner. Und warum hier nun früher Salinen angelegt wurden, spüren wir am eigenen Körper. In der Senke der Lagune ist es brütend heiß. Kein Wunder, dass das Wasser hier nur allzu gerne schnell mal verdunstet ist und das Salz einfach zurückließ.

„Wenigstens 30cm Unterschied im Wasserstand zwischen Lagune und Saline.“

„Wenigstens 30cm Unterschied im Wasserstand zwischen Lagune und Saline.“

„Salzkristalle“

„Salzkristalle“

Die bizarren Formen des auskristallisierten Salzes sind phantastisch und teilweise sieht es so aus, als ob die Becken zugefroren sind.

„Der Boden der Salinenbecken besteht inzwischen aus einer knüppelharten Salzplatte.“

„Der Boden der Salinenbecken besteht inzwischen aus einer knüppelharten Salzplatte.“

„Wie zugefroren ...“

„Wie zugefroren …“

„Die Becken der Salinen, dahinter in Blau das Wasser der Lagune. Auch das Wasser der Lagune ist schon so salzig wie die Salzlake eines Feta-Käse.“

„Die Becken der Salinen, dahinter in Blau das Wasser der Lagune. Auch das Wasser der Lagune ist schon so salzig wie die Salzlake eines Feta-Käse.“

„Der Rückweg ...“

„Der Rückweg …“

Doch unsere Wanderung ist schweißtreibend und im Supermarkt in Jan Thiel kaufen wir erst einmal etwas zu trinken. Unser lächerlicher Liter Wasser, den wir mitgenommen haben, ist einfach so verdunstet, wer kann es ihm verübeln?


Am späten Nachmittag checken wir dann in dem brandneuen Office der Immigration und des Customs direkt an der Einfahrt nach Spanish Water aus. Während unseres Heimaturlaubs hat man es geschafft, diese Außenstelle zu eröffnen. Eine riesige Erleichterung, denn sonst hätten wir mit dem Bus erst noch einmal nach Willemstad reinfahren müssen. Und direkt neben dem neuen Office ist die Bar Boca 19. Dort verprassen wir unsere letzten karibischen Gulden. So klingt unser Aufenthalt auf Curaçao ganz wunderbar aus.

„Nach dem Auschecken hauen wir die letzten Gulden in der Bar Boca 19 auf den Kopf.“

„Nach dem Auschecken hauen wir die letzten Gulden in der Bar Boca 19 auf den Kopf.“


Noch ein letzter Zwischenstopp auf Curaçao

Spanish Water B -> Westpunt Bay, Playa Forti, Curaçao
Distanz: 30,4 sm – Gesamtdistanz 2025: 5.498.8 sm

Wirklich erquicklich beginnt der Morgen nicht. Als wir aufstehen, sehen wir schon das Wetterleuchten im Südosten. Von Venezuela ziehen nun fast jede Nacht Gewitter herüber und der Hurricane Melissa tut sein Übriges, um vom Festland noch etwas mehr davon in seinen riesigen Wirbel anzusaugen. Er dreht sich inzwischen zwar schon etwa 500 Seemeilen nordwestlich von uns, aber dennoch beeinflusst er unser Wetter.

„Aus Spanish Water -> in die Westpunt Bay“

„Aus Spanish Water -> in die Westpunt Bay“

Etwas halbherzig machen wir alles fertig. Und weil uns immer wieder Regenschauer unterbrechen, lassen wir es ruhig angehen, frühstücken erst einmal und warten ab.


Heute soll es noch nicht direkt nach Aruba gehen, wir wollen noch einen Zwischenstopp ganz im Westen von Curaçao einlegen. Direkt wären es 80 sm, d.h. wir müssten entweder in der Nacht los oder würden in der Nacht ankommen. Beides ist nicht wirklich prickelnd, denn eine Ausfahrt aus Spanish Water bei Nacht ist ebenso blöd wie eine Einfahrt in die Riffs vor Aruba bei Nacht. Deswegen kam der Westpunt von Curaçao ins Spiel, von dort aus können wir problemlos früh starten, um uns noch im Hellen hinter die Riffe von Aruba zu verdrücken.


„Blick zurück und Blick nach vorn“

„Blick zurück und Blick nach vorn“

Als wir dann starten, hat sich der Regen zwar noch nicht endgültig verdrückt, aber in Richtung Westen segeln wir ihm davon. Wie erwartet, sieht unsere Ankerkette schlimm aus. Der Bewuchs in Spanish Water ist echt heftig und ist am Ende auch ein Grund, warum wir nicht noch länger bleiben wollen. Wir wissen noch nicht wirklich, wie wir das Stück zwischen 20 und 40m unserer Kette wieder sauber bekommen.

Unsere Kette ist alt und die Galvanisierung ist abgeschrabbelt. Dadurch rostet sie leichter, doch das ist nicht unser eigentliches Problem, wenn man mal von dem Dreck absieht. Auch auf den ersten 20m ist die Galvanisierung ab, aber diese Meter sehen absolut gut aus, weil sie immer irgendwie über den Meeresboden geschleift werden. Die Probleme beginnen mit der freihängenden Kette, denn an der bildet sich der Bewuchs und das ist vollkommen unabhängig davon, ob die Galvanisierung noch da ist oder nicht. Auch eine Edelstahlkette hilft da wenig, denn jeder freihängende Bereich egal welcher Kette ist schon nach einer Woche gnadenlos bewachsen. Auch die Mooringleinen, und wenn Moorings aufgenommen werden, sieht man die fast 30cm langen Bärte von Algen und all dem anderem Zeug, was es toll findet, sich dort anzusiedeln. Und der Bewuchs macht jede Kette hakelig und stumpft. Auch eine Edelstahlkette. Die Kettenglieder rutschen nicht mehr, bleiben verdreht und verhakelt in der Ankerwinde stecken und türmen sich stinkend im Ankerkasten auf. Wir setzen große Hoffnungen auf Aruba, wo wir hoffentlich auf Sandboden mal 50m Kette rauslassen können, damit sie sich wieder sauber schrabbelt.


So dauert es, bis wir fertig sind. Noch in Spanish Water setzen wir das Groß. Den Affentanz draußen müssen wir uns zum Segelsetzen nicht antun. Dann geht es raus und wir lassen Spanish Water hinter uns. Curaçao war für uns ohne Frage praktisch, doch falls wir noch einmal eine Hurrican-Saison in der Karibik verbringen sollten, werden wir dies sicher nicht noch einmal hier machen. Auf Grenada ist man einfach flexibler, auch wenn ein Heimflug von dort nicht so direkt möglich ist. Und auch wenn Grenada exponierter für Hurricanes liegt, man hat dort einfach mehr Freiheitsgrade und ist nicht so eingeschränkt durch die Geographie und auch die Regularien wie auf Curaçao. Und wenn dann tatsächlich ein Hurricane kommt, kann man sich problemlos noch nach Trinidad verdrücken. Das sind auch nur 80 sm. Doch der aktuelle Konflikt zwischen den USA und Venezuela könnte auch diese Idee zunichte machen.


„Noch einmal vor Willemstad vorbei“

„Noch einmal vor Willemstad vorbei“

Draußen erwartet uns der bekannte Schwell und Wind, doch diesmal geht’s nicht gegenan, sondern mehr oder weniger vor dem Wind nach Westen. Die Genua setzen wir nur kurz. Das Geschlacker ist uns einfach zu nervig. Also segeln wir nur mit Groß und das auch nur im ersten Reff. Das reicht, um mit 5 – 6kn an der Küste Curaçaos nach Westen entlang zu ziehen.

„Curaçao ist immer noch im Ölgeschäft.“

„Curaçao ist immer noch im Ölgeschäft.“

Und dabei wird uns erst klar, wie sehr man Curaçao mit Ölraffinerien verschandelt hat. Erst ganz im Norden wird es etwas »naturbelassener«, obwohl viele der Raffenerieanlagen geschlossen und teilweise wohl auch schon wieder zurückgebaut wurden.

„Erst dachten wir, dass nur am Schottegat noch Raffinerien stehen. Doch die ganze Küste ist voll mit Ölterminals.“

„Erst dachten wir, dass nur am Schottegat noch Raffinerien stehen. Doch die ganze Küste ist voll mit Ölterminals.“

Ein Local hatte uns schon erzählt, dass es auch weiter im Westen von Spanish Water einige hübsche Lagunen gibt, die genauso wie Spanish Water für Yachten und Tourismus hätten ausbaut werden können. Doch das sei wegen des Gestanks der Raffinerien lange vollkommen unmöglich gewesen. Alles, was Rang und Namen hat, wohnte selbstverständlich in Luv der Anlagen. Und nun sehen wir einige zaghafte Versuche, Bereiche zwischen den verbliebenen Raffenerieanlagen für Tourismus zu nutzen. Wirklich idyllisch liegen diese Bettenburgen zwischen den Ölterminals nicht. Da wird es wohl noch das ein oder andere lange Gesicht bei einigen Pauschaltouristen geben. Man sieht auch die Versuche, Strände aufzuschütten, denn natürliche Strände gibt es auf Curaçao ja kaum. Ob das am Ende ein echt karibischen Flair aufkommen lässt, scheint uns eher zweifelhaft. Immerhin scheint das Umdenken auf Curaçao aber wenigstens etwas begonnen zu haben, doch bei den riesigen Altlasten braucht auch ein Wunder etwas länger.


„Der Norden ist nicht mehr ganz so industriell verschandelt.“

„Der Norden ist nicht mehr ganz so industriell verschandelt.“

„Der Kleine Knip, einer der ganz wenigen Sandstrände auf Curaçao. Leider alles etwas naturtrüb, das Wetter könnte besser sein. Aber es kommt ja noch der Grote Knip.“

„Der Kleine Knip, einer der ganz wenigen Sandstrände auf Curaçao. Leider alles etwas naturtrüb, das Wetter könnte besser sein. Aber es kommt ja noch der Grote Knip.“

„Die Berge im Norden“

„Die Berge im Norden“

Als wir ganz im Westen von Curaçao nach Norden abbiegen, nimmt der Schwell ab, aber der Wind bleibt. Nun können wir auch höher an den Wind gehen und die Genua dazunehmen. Mit satten 7kn sausen wir unserem Ziel der Westpunt Baai entgegen. Es ist ein wunderbares Segeln, nur leider schon viel zu schnell wieder vorbei, denn es sind nur noch 5 sm.

„Mal gucken, wo wir den Anker fallen lassen können.“

„Mal gucken, wo wir den Anker fallen lassen können.“

„Der Grote Knip, Sandstrand fast ohne Ende.“

„Der Grote Knip, Sandstrand fast ohne Ende.“

Das Ankern vor Westpunt ist etwas tricky, denn von den beschriebenen Sandpatches finden wir keins. Irgendwann verhakt sich unser Anker dennoch irgendwie in den Steinen und wir liegen etwas schaukelig im südlichen Teil der Westpunt Baai. Da sind wir nun auf unserem letzter Stopp auf Curaçao.

„In der Westpunt Bay vor dem Playa Forti“

„In der Westpunt Bay vor dem Playa Forti“

„Daneben der Playa Grandi“

„Daneben der Playa Grandi“

Die Westpunt Baai ist eigentlich hübsch. Es gibt zwei kleine Strandabschnitte, die tatsächlich als Strand durchgehen können. Ansonsten ist die gesamte Küste ziemlich unnahbar schroff und felsig. Von den Ferienhäusern hat man sich abenteuerliche Treppen hinunter zum Wasser gebaut. An einigen Punkten springt man auch die 10 oder 12 m hinunter ins Wasser. Da Samstag ist, ist viel los und eine Jet Ski-Horde nach der nächsten gibt sich in der Westpunt Baai die Klinke in die Hand, um sich vor dem vermeintlich staunenden Strandpublikum zu produzieren. Erst gegen 18:00 ist auch mit diesem Spuk Schluss und es kehrt etwas Ruhe ein.

„Ansonsten ist die Küste eher felsig.“

„Ansonsten ist die Küste eher felsig.“

„Die Häuser stehen hoch und trocken.“

„Die Häuser stehen hoch und trocken.“


Der Schwell legt sich in der Nacht etwas, so dass unsere Kette nicht mehr allzu sehr über die Felsen schrabbelt. Mit dem Sonntag lassen wir dann unsere Curaçao Zeit ausklingen, denn morgen geht es weiter nach Aruba. Es ist Zeit, wieder einmal etwas Neues zu sehen. Wir sind gespannt.

„Das Restaurant am Playa Forti“

„Das Restaurant am Playa Forti“

„Da liegt Aruba und da geht's morgen hin.“

„Da liegt Aruba und da geht's morgen hin.“

Spanish Water B II, Curaçao
12° 04′ 47,1” N, 068° 51′ 32,5” W

Westpunt Baai, Playa Forti, Curaçao
12° 22′ 01,8” N, 069° 09′ 18,0” W