Obwohl es sich vielleicht so liest, basteln 👷♀️ wir 👷♂️ tatsächlich nicht die ganze Zeit. Nicht nur den Pflichtbesuch bei der Port Authority in Willemstad nutzen wir für einige Sightseeing Runden, sondern auch unsere Touren zur Wäscherei und zum Einkaufen. Und es kommt sogar zum Äußersten bzw. zu äußerst ungewöhnlichen Nicht-Basteltagen, an denen wir nur mit dem bloßen Vorsatz des Sightseeings nach Willemstad reinfahren.
In Willemstad gibt es nicht nur die historischen Häuserfronten an der Sint Annabaai, über die ja die Koningin Emmabrug führt, sondern auch das Kura Hulanda Viertel mit dem Slavery Museum. Doch auch die ganze Innenstadt von Willemstad ist ein einziges historisches Monument, besonders die Stadtteile, die rund um die Sint Annabaai liegen. Und neben den historischen Gebäuden findet man überall Wandgemälde, die weit über normales Graffiti hinausgehen, große und kleine Kunst und viele schöne Arrangements, die ganz wunderbar zu dem Leben der Stadt passen.
Und genau dafür fahren wir nicht nur einmal nach Willemstad, um mit etwas Glück zum richtigen Zeitpunkt das richtige Licht für ein Photo zu haben. Und ganz nebenbei entdecken wir dabei das Café Copacabana an einem kleinen Platz, auf dem man unter einem riesigen Baum sehr schön im Schatten sitzen und »three for ten« genießen kann. Drei Carib with lime für nur 10$. Preise und Biergrößen, bei denen jeder Bayer akut suizid-gefährdet wäre, denn eine dieser drei Flaschen hat gerade mal 0,2 Liter, dafür steckt aber ein Stück Limone in der Flasche 😂. Und da es in Willemstad teilweise wirklich schrecklich warm ist, führt uns jeder Ausflug zum Abschluss fast zwangsläufig in den Schatten unter dem großen Baum auf dem kleinen Platz.
Als erstes machen wir eine kleine Photo Session und suchen besondere Wandgemälde. Die nur oft vage erwähnt und auch kaum mal auch nur irgendwo verzeichnet sind. Also laufen wir herum … Die Bilder sprechen für sich.
Kura Hulanda
Das Kura Hulanda Viertel in dem Stadtteil Otrobanda, das auf der Westseite der Sint Annabaai gegenüber des berühmten Stadtviertels Punda liegt, ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes in Willemstad. Das heute so hübsch und beschaulich restaurierte historische Stadtviertel, durch das Touristenmassen flanieren und in Cafés und Restaurants sitzen, kann allerdings in keinem größeren Gegensatz zu den Grauen, der Brutalität und der Menschenverachtung der Zeit des Sklavenhandels stehen. Die Niederländer und die Niederländische Ostindien Kompanie sind von Anfang des 17ten bis Mitte des 19ten Jahrhunderts durch diesen menschenverachtenden Sklavenhandel steinreich geworden. Und das niederländische Curaçao spielte als Umschlagplatz »der Ware Mensch« eine grauenvolle Hauptrolle. Diesen Reichtum und die pittoresken Viertel und Häuserfronten aus genau dieser Zeit sollte man sich nicht ohne einen Besuch des Kura Hulanda Museums, dem Slavery Museum, am Eingang des Kura Hulanda Viertels ansehen.
Genau an dem Kai des Stadtteils Otrobanda legten damals die Sklavenschiffe an. Das Grauen des Sklavenhandels ist schlicht unfassbar und unerträglich. Und es ist unfassbar, zu was Menschen ohne jeden Skrupel fähig sind, anderen Menschen anzutun. Und das Bedrückendste daran ist am Ende, dass dieses menschenverachtende Verhalten nicht nur eine Dokumentation aus einer vergangenen Zeit ist, sondern sich aus der Vergangenheit über das 19te und insbesondere 20te Jahrhundert bis in den heutigen Alltag zieht. Auch am 20. Oktober 2025 – ich schreibe gerade an diesem Tag diese Zeilen – braucht man nur die Zeitung aufzuschlagen, um auf den Titelzeilen von genau dieser Menschenverachtung und von Völkermorden fast rund um die Welt zu lesen. Auf diese Historie und die aktuellen Ereignisse und Entwicklungen blickend, lässt das wirklich nur einen sehr kleinen Spielraum für Hoffnung über.
Beim Betrachten der hübschen pittoresken Bilder darf man nicht vergessen, auf wessen unendlichem Leid all dies entstanden ist.
in Willemstad
Doch Willemstad ist mehr als die Wandgemälde, die historischen Stadtteile und die bedrückende Geschichte. Willemstad ist bunt, genauso bunt und freundlich wie die Sprache Papiamentu. Wir laufen viel durch die Stadtviertel und auch hier sprechen die nachstehenden Bilder für sich.
„Das Penha Gebäude. Als Lagerhaus gebaut, dann Residenz der Witwe des Gouverneurs, ab 1865 der Hauptsitz von Penha&Sons, einem bedeutenden Modehaus in der niederländischen Karibik und heute beherbergt das Penha Haus u.a. eine Parfümerie.“
Spanish Water B II, Curaçao
12° 04′ 47,1” N, 068° 51′ 32,5” W



































