Vor genau 12 Monaten waren wir etwa auf halber Strecke zwischen den Kanaren und Cabo Verde und das zweite Mal auf dem Weg in die Karibik. Nun blicken wir aus Port Morant auf Jamaica auf das hinter uns liegende Jahr zurück. Es war ein intensives Segeljahr, in dem einige seglerische Herausforderungen auf uns gewartet haben. Aber genau deswegen sind wir ja auch aufgebrochen. Aufgebrochen, um zu segeln und auf dem Wasser zu sein.
Ein drittes Mal über den Atlantik und ein zweites Mal von Ost nach West
Schon 4 1/2 Tage vor Neujahr waren wir von La Gomera aus zu unserer dritten Altantiküberquerung aufgebrochen. So war es für uns ein fliegender Start in das neue Jahr 2025. Zum Jahreswechsel lagen noch 2.250 der insgesamt 2.900 sm vor uns. Wind und Wetter waren nicht immer günstig und wir mussten weit nach Süden ausholen, um einer Flaute auszuweichen. Dennoch war es eine schnelle Überfahrt. Nach 21 Tagen und 22 Stunden fiel unser Anker vor Speightstown auf Barbados. Mit einem Schnitt von 5,5 kn war es eine schnelle Überfahrt, die diesmal ohne Probleme verlief.
Wir genießen solche großen Distanzen. Nur auf diesen langen Strecken stellt sich das Gefühl ein, wirklich grenzenlos unter Segeln unterwegs zu sein. Und dies, ohne dass einem noch die Abfahrt nachhängt oder schon wieder ein Ankommen vor einem liegt. Das sind die besonderen Tage des Segelns und gerade die Überfahrten mit den Trade Winds halten davon viele schöne Tage bereit.
Die kleinen Antillen
Auf Barbados begann dann unsere zweite Runde durch die Kleinen Antillen. Auf Tobago erreichten wir unseren bisher südlichsten Punkt, an dem wir mit der PINCOYA und auch wir beide überhaupt jemals waren. Ab dort ging es dann nach Norden. Zuerst nach Grenada und den Grenadinen. Im Rückblick müssen wir sagen, dass Grenada und die Grenadinen mit der schönste Teil der Kleinen Antillen sind, gefolgt von Antigua und den BVIs. Und sollten wir noch einmal eine Hurricane Saison in der Karibik verbringen, werden wir das mit Sicherheit auf Grenada und den Grenadinen tun und nicht wieder auf Curaçao.
Danach ging es langsam nach Norden und natürlich kann man dabei allein schon wegen der Versorgung die französischen Insel nicht auslassen. An der ein oder anderen Stelle lag Bekanntes vor uns, an vielen Stellen aber auch Neues. Doch insgesamt waren wir etwas zu langsam unterwegs, denn am Ende sollte uns genau diese Zeit auf Puerto Rico fehlen. Aber das Wetter zeigte sich auch nicht immer von seiner freundlichsten Seite, um unsere Pläne ohne Unterbrechungen umzusetzen.
Puerto Rico und »Go East«
Spätestens mit den BVIs endet das große Fahrtenseglerrevier der Kleinen Antillen. Das zum einen natürlich geographisch, denn nach den USVIs folgen im Westen ja die Großen Antillen, aber eben auch von den Einreisemodalitäten, denn für den Besuch der US-amerikanischen Inseln benötigt man zwingend ein B2-Visum. So waren wir auf Puerto Rico plötzlich fast ganz allein unterwegs und trafen nur noch ab und zu einige wenige Fahrtensegler, an deren Heck nicht die amerikanische Flagge wehte.
Absolut unvergessen bleibt dabei natürlich der große Blue Marlin, den wir im Norden von Puerto Rico fangen konnten.
Allerdings haben wir Puerto Rico, als unser großen Segelziel 2025, auch ordentlich falsch eingeschätzt. Der Hinweg und auch unsere Kurse an der Nord- und Westküste waren zwar seglerisch problemlos, aber die Nordküste als Segelrevier gibt auch nicht wirklich viel her. Als einziges Ziel bleibt dort eigentlich nur die Hauptstadt San Juan. Das änderte sich allerdings an der Südwest- und Südküste schlagartig, doch ab dort kamen uns dann auch Wind und Strom mit einer unglaublichen Beharrlichkeit entgegen. Und genau ab hier hätten wir nun wirklich etwas mehr Zeit gebrauchen können, denn das Segeln gegen Wind und Strom kostet eine Unmenge an Zeit. Es war ein schönes, sportliches und auch herausforderndes Segeln, das unseren ganzen Ehrgeiz geweckt hat. Aber es hat uns eben auch viel von der Zeit genommen, die wir gerne mal an dem ein oder anderen Ankerplatz länger verbracht hätten. Die Südküste bietet ein absolut schönes Segelrevier, obwohl man auf Puerto Rico nicht die seglerische Infrastruktur erwarten kann, die es sonst auf den kleinen Antillen wie selbstverständlich gibt. Dafür kommen einfach zu wenige Gäste nach Puerto Rico. Aber genau das ist auch der ganz große Pluspunkt von Puerto Rico, denn man ist fast allein unterwegs. Nach dem teilweise furchtbaren Gedränge auf den Kleinen Antillen haben wir die Ruhe auf Puerto Rico als echte Befreiung empfunden.
Im Nachhinein würden wir unsere Runde aber nicht mehr als Runde planen, sondern eher einmal an der Südküste hin und zurück segeln. Und dafür viel mehr Zeit einplanen.
Doch leider haben wir auf Puerto Rico auch eine ziemlich blöde und am Ende auch folgenreich falsche Entscheidung getroffen. Da wir es versäumt hatten, uns aus Europa neues Antifouling für einen Neuanstrich mitzubringen, der ja im Herbst in jedem Fall fällig sein würde, haben wir nach langer Suche in Martinique einen Händler gefunden, der uns Seajet 033 verkaufen konnte. Dasselbe Antifouling also, das wir schon auf dem Rumpf hatten. Doch diese Entscheidung war doppelt falsch, denn erstens taugt Seajet 033 in der Karibik kaum etwas und zweitens ist Martinique die Insel der Kleinen Antillen, die, wenn man mal von Barbados absieht, am weitesten im Osten liegt.
Und mit dieser Entscheidung gab es für uns nun nur noch das Motto: »Go East!« Und zwar um jeden Preis und was das Zeug hält. Das war blind, unreflektiert und im Nachhinein auch absolut dämlich, denn das hätten wir uns ersparen können und die Zeit lieber in einige Wochen mehr auf Puerto Rico investieren können.
Doch hinterher ist man ja immer schlauer und so haben uns die nächsten Wochen viel Segelerfahrung, einige bitterböse Kurse und ein eingeschlagenes Seitenfenster beschert. Und mit dieser Entscheidung und dem Kampf, um unbedingt nach Osten voranzukommen, tauchten nun auch peu á peu immer neue Probleme auf. Natürlich besteht zwischen diesen Problemen und unserem Kurs nach Osten keinerlei ursächlicher Zusammenhang, aber der Stimmung war diese Kombination auch nicht wirklich zuträglich.
Als erstes riss der Reffgurt des Genua-Furlers und das natürlich in einem wunderbar unpassenden Moment. Als nächstes schlug der Low Fiction Ring des steuerbordseitigen Barber Haulers uns eine Seitenscheibe ein, was ohne Frage ein eklatanter Fehler unserseits war, aber dennoch vielleicht auch etwas unserer Anspannung in die Schuhe geschoben werden kann, die nun ganz brav mit uns mitsegelte. Und zu guter Letzt schmorte das Starkstromrelais des Wassermacher durch und wir mussten auf Martinique auch dafür noch Ersatz besorgen.
Ohne dass wir es an diesem Punkt zu Ende denken konnten, hatte in der Gesamtsicht des Jahres ganz schleichend die unselige Serie von Problemchen und Problemen begonnen, die uns bis zum letzten Tag des Jahres 2025 immer wieder in Atem halten sollte und unsere weiteren Pläne durchkreuzte.
Zum Ende des ersten Teils
Von Martinique aus ging es dann direkt nach Curaçao, wo wir die Hurricane Saison abwarten und von wo wir auch für zwei Monate nach Hause fliegen wollten. Der Trip nach Curaçao war wegen der Gefahr, auf venezolanische Piraten zu treffen, schon besonders, doch die aktuelle Entwicklung hat dies nun alles auch schon wieder in den Schatten gestellt, so dass wir ganz froh sind, inzwischen auf Jamaica zu sein.
Und der Trip nach Curaçao war megaschnell. Im Schnitt segelten wir die Strecke von 510sm mit 5,7kn und kamen inklusive eines neuen Rekord-Etmals von 160 sm schon nach 3 Tagen und 17 Stunden auf Curaçao an. Und das mit einem inzwischen vollkommen zugewachsenen Unterwasserschiff.
Der Monat, der uns nun auf Cuarçao und in Spanish Water noch verblieb, verging schnell. Die Tage füllten sich fast wie von selbst mit Wartungsarbeiten und der Organisation, was wir uns alles aus Europa mitbringen oder uns schicken lassen wollten. Nicht nur einige notwendige Reparaturen mussten organisiert werden, vieles war auch schlicht in die Jahre gekommen, so dass wir es austauschen mussten.
Die Werft und Marina Curaçao Marine Zone im Schottegat machte auf uns spontan einen sehr guten Eindruck und genauso lief es auch, als die PINCOYA aus dem Wasser gehoben wurde. Mit einem guten Gefühl konnten wir am 13. Juli in unseren Heimaturlaub starten.
Zuhause
Unser Heimaturlaub war vollgestopft. Immerhin waren wir seit 9 Monate nicht mehr zuhause gewesen und das Hallo war groß. In den zwei Monaten versuchten wir möglichst alle zu sehen. Aber zwei Monate sind dafür auch eine wirklich kurze Zeit.
Zusätzlich hielten uns die Organisationen für all die Dinge in Atem, die wir nach Curaçao mitnehmen mussten bzw. uns dorthin schicken lassen wollten. Das war schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Schwierigkeiten, die uns später noch auf Aruba ereilen sollten, als wir uns tatsächlich noch etwas schicken lassen mussten.
Oberflächlich betrachtet scheint so ein Auslandsversand ja kein Problem zu sein und ebenso blauäugig gingen wir die Sache an. Doch unsere Ernüchterung konnte gar nicht größer sein, denn je weiter wir in die konkreten Details kamen, desto größer und vielschichtiger wurden die Probleme. Erst hatten wir uns über die Möglichkeit gefreut, bei einem außereuropäischen Versand die MwSt von 19% zu sparen, doch diese Ersparnis verpuffte nicht nur im Handumdrehen vollkommen rückstandslos, sondern wurde auch noch von allen anderen Folgekosten weit überflügelt. Das größte Problem dabei war, dass man nicht bei den preiswertesten Anbietern kaufen kann, sondern bei einem Anbieter kaufen muss, der auch ins Ausland versendet und möglichst viel anbietet. Und allein dieser Umstand frisst schon deutlich mehr als die erhoffte MwSt-Ersparnis gleich wieder auf. Dazu kommt, dass man sich nicht beliebig viele Pakete schicken lassen sollte, denn ganz abgesehen von den Zollmodalitäten, die einem als »yacht in transit« auch nur eine theoretische Zollfreiheit versprechen, übersteigen die Versandkosten ganz schnell mal den Produktpreis.
Am Ende beschlossen wir, alles selbst im Flieger mitzunehmen. Obwohl die Schlepperei für uns eine echte Tortur an der Grenze des Möglichen war, war diese Lösung mit GROSSEM Abstand die einfachste und vor allem preiswerteste. Und für all die Dinge, die einen Akku beinhalten, ist der Eigentransport sowieso die einzige Lösung.
So steht am Ende dieses Abenteuers das kuriose Fazit, dass ein persönlicher Hin- und Rückflug mit Zusatzgepäck mit Abstand die beste Lösung ist, wenn man etwas im außereuropäischen Ausland benötigt, was man dort nicht bekommt. Und das kann sich sogar rechnen, wenn man es nicht mit einem Heimaturlaub verbindet.
Zurück auf Curaçao
Unsere Flüge hin und auch besonders der zurück klappten wie am Schnürchen, wenn man mal von dem Abenteuer, mit der Deutschen Bahn nach Amsterdam zu kommen, absieht. Obwohl wir fast unter der Last unseres Gepäcks zusammengebrochen sind, hatten wir so alles auf einen Schlag und ohne jegliche Zollprobleme auf Curaçao.
Doch damit begann nun auch die Arbeit an der PINCOYA und die Hitze von um die 40° setzte uns nach unserem kühlen Aufenthalt in Deutschland besonders zu. Doch mit dem Neustart setzte sich auch die Serie unserer Probleme derartig hartnäckig fort, dass es teilweise zum Verzweifeln war. Auf die Probleme des ersten Teils folgten nun in nahezu geschlossener Abfolge der durchgeschmorte Shunt, der streikende Generator, der Blackout, ein defekter Ankerschalter, der Ausfall der Mastbeleuchtung, immer größere Schwierigkeiten mit dem Fucknor-Furler, die undichten Simmerringe des Saildrives, der undichte Adapter am Wärmetauscher des Motors und die Probleme mit dem Motor des Wassermachers.
An einigen Problemen trugen wir sicherlich eine gewisse Mitschuld, doch vieles kam einfach auch nur so zusammen. Garniert wurde das Ganze dann noch von dem Irrsinn, ein Paket auf Aruba zu empfangen, dem angsteinflößenden Empfang der Coast Guard auf Jamaica, der Korruption des Zolls auf Jamaica und meinem Rendezvous mit der Tigermücke kurz vor Weihnachten. Und das alles parallel zu all den Arbeiten, die wir regulär eingeplant hatten. Neuer Solar Charger, neue Solarzellen und Aufteilung der ganzen Solargeschichte in zwei Cluster, die Montage und Verkabelung des Starlink mini, der Rückbau der Achterstagen in ihre ursprüngliche Position, das Nachnähen unendlicher Meter von Nähten an Persenning, Bimini und Sprayhood und der Einbau der neuen Seitenscheibe.
Das ließ nicht viel Zeit zum Segeln und wir mussten notgedrungen unsere Pläne zusammenstreichen. So fiel am Ende unser Abstecher nach Panama vor allem den Saildrive-Problemen zum Opfer.
Knapp vor Weihachten schafften wir es dann aber doch noch bis Jamaica und konnten dort an unseren eigentlichen Plan wieder anknüpfen. Der Trip nach Jamaica war legendär und wird wohl für alle Zeiten legendär bleiben. Wahrscheinlich wird es auch der schnellste Tripp bleiben, den wir je mit der PINCOYA gesegelt sind. In 3 Tagen, 5 Stunden und 25 Minuten konnten wir die 518 Seemeilen von Aruba nach Jamaica hinter uns lassen. Das ist ein Schnitt von 6,7 kn. Und dies bescherte uns auch gleich ein neues Rekord-Etmal von 181,5 sm, dass wir wohl auch kaum jemals noch einmal toppen werden. Nach den ersten 24h waren es sogar 186,6 sm, aber eigentlich rechnen wir die Etmale immer von Mitternacht bis Mitternacht, so bleiben wir mal bei den 181,5 sm. Lange hatten wir eine Zeit unter 3 Tagen im Auge, aber auf dem letzten Drittel wurde es dann doch etwas zu zäh, um dieses Ziel noch zu erreichen. Und über die Attacken der Coast Guard müssen wir nun auch nicht mehr schreiben, damit haben wir uns schon hinlänglich beschäftigt.
… und zum Schluss
So sind wir nun zum Jahreswechsel nach 6.200,5 sm in Port Morant auf Jamaica. Und von den 6.200,5 sm sind wir nur 471,9 sm motort, was einer Segelquote von 92,4% ergibt.
Und den westlichsten Punkt, den wir jemals mit der PINCOYA erreicht haben, erreichten wir in Port Antonio. Doch den werden wir in 2026 dann gleich mal in die Historie von 2025 verweisen.
2025 haben wir in 10 Monaten 16 verschiedene Länder besucht und unsere Route führte uns über Barbados 🇧🇧, Tobago 🇹🇹, Grenada 🇬🇩, St. Vincent and Grenadines 🇻🇨, St. Lucia 🇱🇨, Martinique 🇲🇶, Guadeloupe 🇬🇵, Puerto Rico 🇵🇷, USVI 🇻🇮, BVI 🇻🇬, Saint Martin 🇫🇷, Saint Kitts 🇰🇳, Montserrat 🇲🇸, Guadeloupe 🇬🇵, Martinique 🇲🇶, Curaçao 🇨🇼, Aruba 🇦🇼 und nach Jamaica 🇯🇲.
Unsere Route findet man natürlich zusammen mit all unseren Blogs für 2025 auf unsere WebPage, aber auch sehr schön auf Noforeignland. Dort sind wir das einzige Schiff, das PINCOYA heißt, und so sehr leicht zu finden.
Zum Jahreswechsel sind inzwischen zwar fast alle Probleme gelöst, aber es steht noch die Reparatur des Motors des Wassermachers aus. Außerdem sind die Nachwirkungen meines Rendezvous mit der Tigermücke immer noch nicht ganz abgeklungen, doch im neuen Jahr kann es nun eigentlich nur noch besser werden.
Port Morant, Jamaica
17° 53′ 07,3” N, 076° 19′ 13,9” W

