Ups and downs


Arashi Beach -> Bucuti Canal
Distanz: 9,4 sm – Gesamtdistanz 2025: 5.619,8 sm


Mit dem Hinweis, dass unser »Reisezeitraum« nun aufgebraucht sei, verabschiedet sich Lukie am 28.11 einfach so.

„Lukie says: »Over and out ....«“

„Lukie says: »Over and out ….«“

Wieso unser Starlink nun gerade am 28.11. seinen Dienst einstellt, bleibt rätselhaft, denn das Ende des »Reisezeitraum« von zwei Monaten wäre eigentlich schon am 07.11. erreicht gewesen. Am 27.10. sind wir allerdings auf Aruba angekommen und vielleicht ist da irgendetwas mit dem Zähler passiert, denn auf den Tag genau einen Monat später meldet sich Lukie nun mit dem Reisehinweis und schaltet uns das Internet ab. Doch jeder Zusammenhang mit echten Zufällen kann auch rein zufällig sein. Nun ja …

Am 05.11. hatten wir außerdem unseren Vertrag von 50GB auf Unlimited verändert. Aber auch dieses Datum hängt irgendwie allein in Zeit und Raum.

Irgendwelche nachvollziehbaren Abhängigkeiten können wir nicht entdecken, was auf der anderen Seite aber auch die Hoffnung schürt, dass die ebenso wenig nachvollziehbare Taktik, einen Starlink zu reaktivieren, funktionieren könnte. Starlink gibt zwar den Hinweis, dass man nun in das Land der Registrierung zurückkehren muss, aber der Zähler der Auslandstage soll sich wohl auch zurücksetzen, wenn man den Starlink mal drei Tage ausgeschaltet lässt. Mal sehen, ob diese Wunderheilung auch bei uns klappt.

Da wir heute sowieso zu Super Food wollen, sehen wir die ganze Geschichte zunächst gelassen, denn dort gibt es ein Kunden-Wifi. So können wir wenigstens noch einmal nach unserem Paket schauen und den Kids Bescheid sagen, dass wir nun erst einmal offline sind.


Einkauf maximal

„Auf zu Super Food. Das Dinghy ist schon auf dem Hinweg schwer beladen.“

„Auf zu Super Food. Das Dinghy ist schon auf dem Hinweg schwer beladen.“

Bei Super Food besorgen wir uns dann aber doch eine Digicel-Card, weil es gerade jetzt ziemlich unpassend ist, mit ungewissem Ausgang offline zu sein. Und siehe da, unser Paket ist inzwischen von Frankfurt nach North Carolina geflogen.

„Unser Paket macht einen Abstecher in die USA...“

„Unser Paket macht einen Abstecher in die USA…“

Doch es ist Freitag und so wird bis Montag wohl nichts mehr passieren. Wir hätten eher vermutet, dass unser Paket als Beipackfracht mit KLM direkt von Amsterdam nach Aruba fliegt, aber nun ist es mit American Airways unterwegs. Doch das ist auch ok, denn durch unsere Ankerzeiten am Flughafen wissen wir, das täglich mehrere Maschinen von American Airways auf Aruba landen. Mal sehen, wann auch unser Paket dort landet.


„Tour de Aruba... nicht weniger anstrengend!“

„Tour de Aruba… nicht weniger anstrengend!“

Auf unserer Einkaufstour bestätigt sich dann, dass man auf einem Fahrrad immer Gegenwind hat, egal in welcher Richtung man fährt. Natürlich vermutet nun der physikalisch ambitionierte Leser sofort, dass sich hinter diesem Phänomen als natürliche Erklärung der Fahrtwind verbirgt. Doch das ist mitnichten der Fall, denn mit reiner Physik kommt man an dieser Stelle nicht weiter, die Sache ist komplexer.

Da der Schiffsjunge die Geschwindigkeit vorgibt, ist die Komponente des Fahrtwindes durchaus vernachlässigbar, auch wenn sie theoretisch existieren muss. Und abgesehen davon sind wir mit solchen Aktionen immer zuverlässig in der Mittagszeit unterwegs, was die Dynamik an der Pedale durchaus beeinträchtigt.


In dem klimatisierten Super Food herrschen Temperaturen, die man aktuell in Deutschland hat und hier nur aus den Kühlregalen kennt. Schon das macht eine Gänsehaut, nicht nur die Preise. Noch einmal gehen wir nach Schoki gucken, aber 100g Milka kosten immer noch 9,99$, wobei die 250g schon für 24,95$ zu haben sind. Bei diesem Angebot können wir kaum widerstehen, schaffen es aber am Ende doch noch gerade so.


Am Ende unseres Einkaufs lächelt uns die Kassiererin wieder an und sagt: »Sorry Sir, with physical card only!« Was bedeutet, dass die paar Sachen, die nun in unserem Einkaufswagen liegen, schon wieder über 150$ kosten sollen. Ab einem bestimmten Betrag erlaubt nämlich jeder Supermarkt nur noch die Zahlung mit der Plastikkarte und nicht mehr über einen Provider wie ApplePay. Und am Ende bleibt bei all diesen Zahlungen immer ein ungutes Gefühl zurück, denn die Landeswährung ist der Aruba Florin und in allen Supermärkten liegen zwei Kartenlesegerät. Eins für Florin und eins für US Dollar. Umgerechnet wird händisch und man kann höchstens erkennen, ob die Umrechnung so halbwegs passt.

ApplePay akzeptiert zwar grundsätzlich auch Zahlungen in Florin, doch dies ist nur die erste Stufe, denn diese Zahlungen laufen über einen gesonderten Provider, der von deutschen Banken nicht unbedingt unterstützt wird. Bei der Werft auf Aruba ist das grundsätzlich anders, denn die rechnen eh alles in US Dollar ab. Wahrscheinlich weil dort sowieso nur Ausländer hinkommen und Einheimische eher die Ausnahme sind. Doch egal wo man sonst einkauft, wird von Florin in Dollar umgerechnet und welcher Kurs dafür in den Taschenrechner eingegeben wird, wissen wir nicht. So können wir nur sehen, dass es »grob die Hälfte plus etwas mehr ist«, aber nicht ob der Kurs auch dem aktuellen Kurs entspricht. Wahrscheinlich ist es eher ein mittlerer Kurs plus einem Aufwands- und Sicherheitsaufschlag, der den Einkauf nicht preiswerter macht.

Natürlich könnten wir auch in bar bezahlen. Das haben wir auf Curaçao auch für kleinere Einkäufe so gemacht, aber auf Aruba sind wir recht ungeplant in diese Warteschleife geschlittert, in der wir uns nun von einer ungewissen Woche in die nächste hangeln. Und die Hoffnung sagt: »Nicht doch, wird schon, bald seid ihr durch!« So fangen wir jetzt nicht auch noch mit Bargeld an, das wir nur auf Aruba nutzen und in keiner Bank der Welt wieder zurück tauschen können. So bleiben wir an dieser Stelle genauso unorganisiert, wie wir es die ganze Zeit schon waren.


„Geschafft und auf dem Rückweg noch voller bepackt.“

„Geschafft und auf dem Rückweg noch voller bepackt.“

Und nicht nur der Rückweg ist hart, sondern auch der Sattel des Schiffsjungen. Nun drückt noch zusätzlich der schwere Rucksack. Tapfer strampeln wir zurück, bekommen Druckstellen am Hintern wie Fallobst im Herbst und sind froh, als unser Gummiboot endlich wieder in Sichtweite kommt.

„Die PINCOYA voraus.“

„Die PINCOYA voraus.“


„Mal so mal so, es ist wechselhaft.“

„Mal so mal so, es ist wechselhaft.“


Montag mal Tapetenwechsel

„Wir verlegen uns an den Arashi Beach.“

„Wir verlegen uns an den Arashi Beach.“

Nach sechs Tagen am Malmok Beach ist es Zeit, mal etwas anderes zu sehen. Also verlegen wir uns vor den Arashi Beach. Die satten 1,2 Seemeilen bewältigen wir ohne neue Probleme. Der Ankergrund ist auch hier schlecht, aber viel Kette hilft eben auch hier viel. Platz gibt es im Überfluss, auch wenn sich einzelne Fahrtensegler schon mal vor den Arashi Beach verirren.


„Das hat schon was!“

„Das hat schon was!“

Das Wasser ist herrlich türkis und die Schildkröte von letzten Mal schaut auch gleich wieder bei uns vorbei. Schon immer wollte ich mich wie Ariel von einer Schildkröte durch die türkisblauen Tiefen ziehen lassen. Aber bis wir fertig sind, ist die Schildkröte auf und davon. Also schnorcheln wir etwas herum und sehen tatsächlich Jochen den Rochen. Der hält allerdings genauso wenig von Menschen wie Myrtle the Turtle und legt sich gleich platt auf den Boden, wo er kaum noch zu erkennen ist.

Doch dann bleibt dem Schiffsjungen der Atem stehen. Vor ihm »tanzt« ein Fisch mit großen Flügel. Ein Fliegender Fisch ist es nicht und kaum sieht er die Gefahr auf sich zukommen, faltet er seine fächerartigen Flügel zusammen, sinkt auf den Boden direkt neben einen Stein und ist kaum noch zu erkennen. Es braucht einige Tage, bis ich im Internet etwas Ähnliches finde. Es könnte eine spezielle Art eines Knurrhahns gewesen sein. Ein wunderhübscher Fisch. Vergessen werde ich unsere kleine Begegnung bestimmt nie.


Doch leider sieht man unserem Unterwasserschiff auch an, dass wir im ganzen November gerade mal 50sm gesegelt sind. Es wird dringend Zeit, dass wir mal wieder etwas Strecke machen. Und die Voraussetzungen dafür sind gut, denn unser Paket meldet sich mit der freudigen Botschaft, dass es nun von North Carolina nach Aruba unterwegs ist. Vielleicht halten wir es ja noch in dieser Woche in unseren Händen.

„Oh! Unser Paket ist auf der Zielgeraden!“

„Oh! Unser Paket ist auf der Zielgeraden!“


Und Lukie überrascht uns
Am Freitag der letzten Woche hatte Lukie ja seinen Internet-Dienst außerhalb Deutschlands eingestellt. Seitdem sind nun vier Tage vergangen. Unter den Fahrtensegler werden drei Tage Nichtnutzung als Wunderheilung gehandelt und wir haben mal einen Tag draufgelegt, um dem Wunder noch etwas mehr auf die Sprünge zu helfen.

Der Schiffsjunge ist zwar skeptisch, denn alles, was er bisher gemeint hatte, verstanden zu haben, widerspricht wundersamen Heilungen in der IT. Aber damals ging es in der Welt der Einsen und Nullen ja auch noch deterministisch zu. Heute ist Klaus-Ingo ja eher statistisch unterwegs. Doch Klaus-Ingo ist ja nicht nur künstlich, sondern auch intelligent, was ihn mit Albert and Iain von der AI 🤖 verbindet. Das gibt Hoffnung, denn Klaus-Ingo ist ja statistisch stets bemüht, für den Nutzer die jeweils passende Lösung zu finden. So sollte er messerscharf schließen, dass Starlink-Nutzer im Ausland, deren Reisezeitraum abgelaufen ist, dennoch gerne weiter Internet hätten. So ein Zähler ist ja absolut von gestern, heute herrscht eine Realität, die sich durchaus intelligent anpassen kann, auch wenn sie dadurch manchmal etwas virtuell wird.


So schalten wir Lukie nach 4 Tagen wieder ein. Es braucht etwas, bis er eine Verbindung aufgebaut hat und dann kommt tatsächlich dieses kleine Wunder zu uns an Bord. Das Starlink-Internet funktioniert wieder genauso perfekt, wie es schon bis Freitag einmal funktioniert hatte. Verstehen muss man das nicht, doch ehrlich gesagt, ist uns das nun auch herzlich egal. Und die Capitana lächelt: »Hab ich doch gleich gesagt! Das funktioniert!« Und da ist er wieder, der Optimismus.

„Schlechtwetterfront am Arashi Beach“

„Schlechtwetterfront am Arashi Beach“

„Abends wieder halbwegs freundlich“

„Abends wieder halbwegs freundlich“


Und DHL überrascht uns gleich zweimal
Nach genau 13 Tagen landet unser Paket nun auf derselben Insel, auf der auch wir sind. Das ist nach all den Horrorgeschichten, die wir zu hören bekommen haben, mehr als rekordverdächtig.

„Aber was ist das? DHL ist raus!“

„Aber was ist das? DHL ist raus!“

Soweit die gute Nachricht, doch von der zweiten Nachricht wissen wir noch gar nicht, was wir von ihr halten sollen. Immerhin lernen wir etwas über DHL dazu. DHL wurde ja 2002 zu 100% von der Deutschen Post AG übernommen. Und so wurde für ein deutsches Seelchen die Post Stück für Stück zu DHL. Denn wenn man in Deutschland ein Paket bekommt, bekommt man eine Tracking Nummer von DHL und am Ende bringt auch ein gelbes DHL Auto das Paket. Dass unter den großen roten Buchstaben immer noch kleingedruckt und in Schwarz Deutsche Post AG steht, nimmt seit Jahren niemand mehr wahr. Und wenn man ein Paket verschicken möchte, geht man in eine DHL-Filiale oder auf die DHL-WebPage und frankiert sein Paket, um es hinterher in einer DHL-Filiale oder einer DHL-Packstation abzugeben. Bei DHL-Paketen kann man zwischen normalen DHL-Versand und DHL-Express auswählen und bekommt die Auskunft, dass DHL-Express schneller ist, was ja auch nicht wirklich verwundert. So weit so gut.

Doch nirgends wird auch nur erwähnt, dass der normale DHL-Versand und der Versand eines DHL-Express-Paketes von zwei verschiedenen Unternehmen abgewickelt wird. Einerseits von DHL=Post und andererseits von DHL-Express. Für ein deutsches Seelchen ist das erst einmal alles transparent, denn in Deutschland ist DHL eben DHL. Und man erhält ja auch für sein Auslandspaket eine DHL Tracking-Nummer, die auf jeder DHL-Seite weltweit funktioniert und den Sendungsstatus liefert. Doch wenn nun eben dieses deutsche Seelchen auf Aruba erwartet, dass sein normales DHL-Paket auch von DHL zugestellt wird, dann wird es bitter enttäuscht. Denn auf Aruba gibt es wie überall auf der Welt und außerhalb Deutschlands nur DHL-Express und die sind für normale DHL-Pakete schon mal gar nicht zuständig. Und so wird unser »normales« DHL-Paket der Aruba Post übergeben. 😳

„Die Aruba Post hat übernommen.“

„Die Aruba Post hat übernommen.“

So merkt das deutsche Seelchen, dass es mit seinem preiswerten DHL-Standardpaket, das überall auf der Welt ein normales Postpaket ist, mit 🍋 gehandelt hat. Denn nur DHL-Express ist ein internationaler Paketdienst mit den entsprechenden Auslandsniederlassungen, genauso wie UPS oder FedEx. Deswegen unterscheiden sich deren Preise auch nur kaum.

In jedem Fall ist das deutsche Seelchen nun schlauer, wenn auch arg bekümmert. So hofft es auf ein Wunder und darauf, dass all die noch schlimmeren Geschichten über die Aruba Post gar nicht stimmen.


Post-paketale Katerstimmung
Am Dienstag kommt dann schon die Meldung, dass sich die Aruba Post unserem Paket angenommen hat und es nun beim Zoll ist. Das ging ungewöhnlich flott, aber der Zoll sitzt ja auch in demselben Gebäude wie die Aruba Post. Zumindest der Postpaketezoll, aber das soll uns ja reichen.

„Schnell zurück.“

„Schnell zurück.“

Aber auch wir können schnell sein und so segeln wir sofort zurück in den Bucuti Canal, denn die Post befindet sich fußläufig in Oranjestad.

„Unterwegs“

„Unterwegs“

„Die »Oasis of the Seas« war mal das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, wurde aber nun von ihrem Schwesterschiff »Icons of the Seas« mit 365m um 3m übertrumpft. In ihrer Umweltsauerei sind aber alle 5 »... of the seas«-Schiffe absolut identisch. Es lebe der nachhaltige Tourismus!“

„Die »Oasis of the Seas« war mal das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, wurde aber nun von ihrem Schwesterschiff »Icons of the Seas« mit 365m um 3m übertrumpft. In ihrer Umweltsauerei sind aber alle 5 »… of the seas«-Schiffe absolut identisch. Es lebe der nachhaltige Tourismus!“

„Zurück am ruhigen Surfside Beach.“

„Zurück am ruhigen Surfside Beach.“


„Auf geht's zur Post“

„Auf geht's zur Post“

Schon am Mittwoch stehen wir am Postschalter, die nette Dame gibt unsere Nummer in ihren Computer ein und sagt uns, dass das Paket noch beim Zoll sei, es aber wohl schon am Freitag abholbereit ist. Sie murmelt etwas von einem »blauen Zettel«, aber unsere Tracking Number scheint den blauen Zettel durchaus zu toppen. Unklar bleibt, wieso eigentlich solche Horrorgeschichten von der Aruba Post erzählt werden und wieso sich einige Versender aus Deutschland weigern, überhaupt etwas nach Aruba zu schicken. Wir jedenfalls sind guten Mutes, es läuft! Und das augenscheinlich auch noch in die richtige Richtung.


Auf dem Rückweg schlendern wir noch einmal durch Oranjestad. Das Wetter ist toll, um noch einmal einige Photos zu machen.

„In Oranjestad I“

„In Oranjestad I“

„In Oranjestad II“

„In Oranjestad II“

„In Oranjestad III“

„In Oranjestad III“


„Sunset am Bucuti Canal“

„Sunset am Bucuti Canal“

„Nur wenige Minuten später“

„Nur wenige Minuten später“


„Noch einmal zur Post und dann gleich weiter...“

„Noch einmal zur Post und dann gleich weiter…“

Also Freitag wieder zur Post. Der Status im Tracking hat sich zwischenzeitlich zwar noch nicht geändert, aber am Mittwoch war die Dame im Post Office extrem nett und wird nun sicher auch bereit sein, mal beim Zoll anzuklopfen, wenn unser Paket dort noch festhängt. Also hin.

Und im Post Office beginnt nun unsere Odyssee durch die unbekannte Welt der Wunder arubanischer Formalitäten und Bürokratie. Die Dame am Schalter ist dieselbe vom Mittwoch, immer noch extrem freundlich und hilfsbereit und am Ende steht sogar noch ihre Kollegin vom Zoll vor uns. Die Dame vom Zoll erklärt uns allerdings, dass das mit unserem Paket schon mal gar nicht so geht, wie wir uns das vorstellen. Und wenn wir es richtig verstanden haben, hilft es auf Aruba auch überhaupt nicht, dass wir mit einem Schiff offiziell bei der Immigration und dem Customs eingereist sind und auch belegen können, dass wir tatsächlich eine »Yacht in Transit« sind. Wir haben zwar von jeder Dienststelle offizielle Dokumente, aber der Empfang von Paketen kann zollfrei nur durch die Varadero Marina erfolgen und muss auch über die Marina mit aller Bürokratie abgewickelt werden.

Und so kommt Judith wieder ins Spiel. Judith müsste »nur« noch aufgrund »dieses Belegs«, – es ist eine Kopie der von uns selbst erstellten Zollerklärung CN23 -, die notwendigen Formulare ausfüllen. Sie wüsste schon, welche das sind, aber sie braucht dazu eben diese Kopie der CN23 und unfortunately auch ALLE Rechnungen zu den Einzelposten. Wow! Bumm! 🤯 🌋 🤯 🌋 🤯 🌋 🤯 Der Schiffsjunge zwingt sich, tief durchzuatmen, um nicht zu beginnen hyperzuventilieren.


Danach, so die Dame vom Customs, würde Judith das alles über eine Agentur 🧐 einreichen, diese würde nach Prüfung aller Rechnungen alles wieder zurück an Judith geben, die es dann wieder dem Customs übergibt. Und irgendwann und irgendwo in diesem Prozess springt dann auch noch dieser magische blaue Zettel aus dem Gebüsch, der wohl eine tragende Hauptrolle im vorletzten Akt des Dramas der Paketauslieferung zu spielen scheint. Und schon landet unser Paket wieder bei der Aruba Post. Allerdings dürfe das Paket nur an die Varadero Marina ausgeliefert werden, auch wenn wir als Empfänger auf dem Paket stehen. Und wenn das Paket ausgeliefert ist, würde Judith es uns übergeben. Also alles kein Problem.


Lächelnd drückt uns die Customs Dame die Schwarzweißkopie unserer CN23 in die Hand und sagt, dass wir die auch schnell noch selbst zu Judith bringen können. Supi, die CN23 haben wir zwar selbst und sogar in Farbe auf dem Notebook, aber so eine offizielle Kopie bringen wir selbstverständlich gerne zu Judith, weil das den Prozess sicher beschleunigt.

Also latschen wir zurück zum Dinghy und über unseren Köpfen schweben zwei kleine schwarze Wolke, in deren Mitte man bei genauem Hinsehen Totenköpfe, Schwerter, Blitze und viel anderes Ungemach mehr erkennen kann. Und die Bemerkung der Capitana: »Das wird schon …« klingt nicht mehr ganz so zuversichtlich wie bisher. Der Optimismus scheint eine Delle bekommen zu haben. Während der Schiffsjunge kaum hörbar böse Worte vor sich hinmurmelt.

Mit dem Dinghy brummen wir direkt zur Marina. Es ist Freitag, aber das Office ist noch geöffnet. Und Judith erklärt uns nun noch einmal den ganzen Prozess, der sich in Teilen von dem zu unterscheiden scheint, was wir meinen verstanden zu haben. Aber es fällt mehrmals das Wort »next week«, was uns hoffnungsvoll stimmt, Aruba vielleicht doch noch vor Weihnachten verlassen zu können. Aber die Rechnungen, die sind essentiell, und ohne die geht gar nichts.


„Home-Office in der Bar in der Marina“

„Home-Office in der Bar in der Marina“

Da wir sicherheitshalber bei all diesen Aktionen nie ohne unser HomeOffice unterwegs sind, setzen wir uns gleich nebenan in die Bar der Marina und beginnen, die Rechnungen herauszusuchen. Und wer schon einmal zu einer Amazon-Bestellung Rechnungen haben wollte, weiß, wie schwierig sich das gestalten kann. Einige liegen vor und andere müssen beantragt werden. Und da kaum etwas nicht aus China kommt, müssen diese Rechnung eben auch dort beantragt werden. Bingo! Das beschleunigt unseren Prozess nicht wirklich und so mailen wir Judith ein Paket von Rechnungen in dessen Fülle hoffentlich das untergeht, was nicht dabei ist.


Das alles ist in der Bar nicht ganz so einfach, wie es sich anhört. Denn an der Bar der Bar hat sich inzwischen eine Truppe von gut 15 Amerikanerinnen eingefunden, die jeden neuen Drink, mit einer frenetisch kreischenden La Ola begrüßen, die die brüllende WM-Auslosung auf dem Flachbildschirmen tatsächlich kurzzeitig überwältigt. Nun muss man wissen, dass sich Curaçao für die WM klassifiziert hat und die ABC-Inseln seitdem im Fußballrausch sind. Und dann wird auch noch Curaçao in die deutsche Gruppe gelost, was meine Konzentrationsmöglichkeiten noch etwas mehr beeinträchtigt, denn es bleibt nie lange verborgen, dass wir Germans sind.

Doch am Ende schicke ich die Mail mit dem Stapel von Invoices an Judith und gehe gleich noch einmal rüber ins Marina Office, um nachzufragen, ob noch irgendetwas fehlt. Doch es scheint ok zu sein, zumindest zunächst, und wir verabschieden uns mit fliegenden Handküsschen, Bussi Bussi, and you will see, next week, Ciao Ciao Dushi, masha danki.

Am Ende beschleicht mich der Verdacht, dass ein eventueller Assimilierungsprozess auf Aruba für uns wohl eher eine lebenslängliche Aufgabe sein könnte, als nur eine Frage von wenigen Jahren.

Arashi Beach
12° 36′ 36,3” N, 070° 03′ 26,5” W

Bucuti Canal die x-te
12° 30′ 03,3” N, 070° 01′ 33,6” W