Einkaufen vom RJYC aus
Am Samstagvormittag gehen bzw. fahren wir einkaufen. Zu Fuß ist es bis zum Harbour View Shopping Center viel zu weit, aber bis zur Hauptstraße auf dem Palisadoes müssen wir zunächst latschen. Dort soll ab und an auch mal ein Bus vorbeikommen, den wir einfach anhalten können. Einen festen Fahrplan gibt es nicht, er kommt oder er kommt eben nicht.
Doch für uns kommt er eher nicht. Also stoppen wir ein Sammeltaxi und fragen nach dem Preis zum Shopping Center. 300 JMD für zwei Personen sind absolut ok, das entspricht in etwa 1,65 €.
Am Shopping Center ist unsere Enttäuschung allerdings groß, denn der große Supermarkt hat geschlossen und es sieht auch nicht danach aus, dass er jemals wieder öffnen wird. Gestern waren wir bei Peter schon stutzig geworden, weil er irgendetwas von »… but there are several shops« murmelte. Auf Jamaica sind wir mit unserem Englisch zwar nicht so aufgeschmissen wie auf Barbados, doch wenn die Jamaikaner beginnen zu nuscheln und drohen, in ihre eigene Sprache, dem jamaikanischen Kreol zurückzufallen, sind wir absolut verloren. Obwohl auch das jamaikanische Kreol, das Patois, einige Anleihen beim Englischen gemacht hat, sorgt auch ein gutgemeinter Mix bei uns sofort für große Augen, da allein die Aussprache englischer Vokabeln schon die Frage aufwirft, um welche Sprache es sich nun handeln könnte.
Richtig schwierig wird es allerdings, wenn man in einem chinesischen Supermarkt irgendetwas fragen muss und es mit Englisch versucht. Das hat bisher in den wenigsten Fällen zu irgendeinem Ergebnis geführt. Und dabei muss man wissen, dass ab den ABC-Inseln fast alle Supermärkte in chinesischer Hand sind. Es gibt zwar einige wenige große Supermärkte, die von Nicht-Chinesen betrieben werden, aber der Rest ist eigentlich durchweg chinesisch und dort arbeiten auch nur Chinesen. Erst die kleinen Shops und die eher fliegenden Stände an der Straße sind dann wieder in einheimischer Hand. Das war uns schon auf Curaçao und Aruba aufgefallen und ist nun auch auf Jamaica so. Das Sortiment dieser chinesischen Shops ist inselübergreifend auch erstaunlich gleich, allerdings mit Variationen eher ins Amerikanische oder eben ins Niederländische.
Doch diese Supermärkte sind im Grunde genommen austauschbar. Eine Hälfte Lebensmittel, die andere Hälfte preiswerte Haushaltsartikel aller Art aus China. Dazwischen etwas Motoröl und Putzmittel, Alkohol immer hinter einem separaten Tresen, frisches Gemüse kaum, einiges an Tiefkühlkost, ein oder zwei größere Kühlschränke mit Milchprodukten im weiteren Sinne und wenigstens ein langes Regal mit Blubberlutsch-Getränken aller Art. Manchmal Brot und wenn ja als dauerelastisches Toastbrot, wobei die Vollkornvarianten wahrscheinlich mit Flohsamenschalen Getreidschrot vorgaukeln.
Aber immer gibt es auch einige lokale, sagen wir mal, Gewürzkuchen oder Kekse, die dem Schiffsjungen sehr gut in den Kram passen. Das war schon ab Grenada so, hinsichtlich des Gewürzgebäcks ist in der gesamten Karibik Dauerweihnachten und die Varianten stellen tatsächlich den Lebkuchen des Schiffsjungen ein klein wenig in den Schatten. Es ist schwer, sich zu entscheiden, welche Teilchen oder Kekse am leckersten sind, da müssen wir die Testreihe noch viel entschiedener fortsetzen.
Und eine Folge davon ist, dass es nun zum zweiten Gutenmorgenkaffee oder -tee immer einige von diesen Keksen, Teilchen oder Küchlein gibt. – Ich weiß gar nicht, wie man die eigentlich richtig nennen soll. – Auf Jamaica heißt eine Variante dieser Teilchen »Ginger Bulla«, was eher an Schweden erinnert, aber hier gibt es ja auch total leckere Zimtschnecken. Mal ist dieses Gebäck hart und mal weich, mal ingwer-scharf, mal würzig und mal eher mild, aber immer absolut weihnachtlich. Ein Schlaraffenland für den Schiffsjungen 😋!
Doch anstelle des großen Supermarktes im Harbour View Shopping Center gibt es auch einen mittleren China-Supermarkt. Und weil der große Supermarkt geschlossen hat, brummt die Hütte, dass es nur so kracht. Nicht alle Regale sind noch gefüllt, einiges ist ausverkauft. Ob das nun an Melissa liegt oder daran, dass es der einzige Supermarkt weit und breit ist, wissen wir nicht. Immerhin kriegen wir eine Grundversorgung zusammen und auch zwei 6l-Flaschen Trinkwasser. Das ist gut, so können wir auch mal wieder Tee kochen, denn das gechlorte Wasser geht nur für einen extrastarken Kaffee.
Es dauert etwas, bis wir uns zu den Kassen durchgekämpft haben und dann auch dran sind, um alles einzupacken. Doch allein das ist schon wieder so ein Ding, denn die Einkaufswagen für drinnen dürfen nicht nach draußen. Also kommt alles auf das viel zu kurze Band und nach der Kasse müssen wir alles sofort in unsere Rucksäcke und Taschen stopfen. Das Ende der Schlange hinter uns können wir nicht sehen, was einem deutschen Seelchen zusätzlich Druck macht. Wir sind einfach noch viel zu deutsch, aber diese Erkenntnis hilft in diesem Moment auch nicht.
Hinter der Kasse warten zahlreiche Einpacker, doch die sind keine wirkliche Hilfe. Sie sind auf Plastiktüten fixiert, die sie hinterher normalerweise gegen ein Trinkgeld in den Kofferraum eines Autos stellen. Doch wir haben kein Auto und müssen alles so verpacken, dass wir es hinterher auch ganz allein und vollkommen konventionell transportieren können. All das zusammen ist eine nicht zu unterschätzende logistische Aufgabe.
Während Astrid vor dem Band noch auspackt, muss ich die Einpacker koordinieren und den gröbsten Unfug verhindern. Zwischendrin schiebt mir die Capitana dann noch die Kühltasche herüber 🙄, während ich zwischen den Beinen schon meinen Rucksack für die schweren Sachen stabilisiere, dem Einpacker versuche klar zu machen, dass all das übrige Zeug möglichst platzsparend und dicht an dicht in einer der Einkaufstaschen landen muss, wobei die blöde Kühltasche eigentlich für die zu kühlenden Sachen ist, und mir die Capitana mit den Eiern, die sie gerade aufs Band legt, auffordernde und dahingehend unmissverständliche Blicke zuwirft, während sie jedoch unablässig das Band mit neuen Dingen füllt, die nur im weiteren Sinne ihrer angestrebten Sortierreihenfolge entsprechen. Das Geheimnis der Packordnung liegt darin, schneller zu sein als der Einpacker. So schnappe ich mir die Sachen für den Rucksack, während ich zwischendrin die PIN zu meiner Visa-Card auf dem Handy so raussuche, dass niemand heimlich gucken kann. Nun muss ich sie mir nur noch merken, während ich den Blick nicht von dem laufenden Band lassen darf, um dem Einpacker zuvorzukommen. Wobei der zweite Teil einfacher ist als der erste. Und das alles nur für den wahrscheinlichen Fall, dass Apple Pay vielleicht ja doch wieder nicht funktioniert oder irgendetwas in der Bezahlkette bis Deutschland klemmt, während ich mich frage, ob Astrid mein Portemonnaie mit den Plastikkarten hat oder es noch auf der PINCOYA liegt. Mit der Linken taste ich meine Hosentaschen ab, könnte ja auch sein, dass es da ist, während ich dem Einpacker ein Sixpack Red Stripe wegschnappe, was sogleich im Rucksack landet. Irgendwann gibt der Einpacker auf und verdreht seine Augen, was mir die Sache erleichtert, während ich die Kühltasche zurückschiebe und ein »später« zu Astrid herüberzische.
Dann sind wir durch, aber noch nicht ganz. Die Spannung steigt. Apple Pay?!? Click click, piep piep und … ja! Geschafft. »Approved« erscheint auf dem Display. Glück gehabt, wir lieben Jamaica! Auf Aruba hätte genau in diesem Moment der zweite Akt des Dramas begonnen. Ein fröhliches Kartenraten, welche Visa-Karte denn nun funktionieren könnte oder ob das Problem doch eher in dem Lesegerät selbst zu suchen ist. Alles schon passiert! Eine Realsatire nach 5 Versuchen. Upps, das Gerät ist ja offline, nehmen wir doch lieber mal das der Kollegin.
Die Schlange hinter uns stört das alles nicht, man ist hier deutlich entspannter. Aber egal, auf jeden Fall sind wir durch. Nun ja, fast durch… Alles ist verpackt, aber an der Tür steht dieser riesige Kerl, der Türsteher, der nun die Quittung sehen will. Warum? Keine Ahnung! Wir haben vor fünf Sekunden genau vor seiner Nase bezahlt, zwei Einpacker in den Wahnsinn getrieben und er hat gelächelt, wie nur ein Türsteher lächeln kann. Aber nun will er die Quittung sehen. Gibt ja auch nur zwei Kassen und da kann schon mal was schief gehen. Unter dem dauerelastischen Toastbrot guckt etwas Weißes hervor. Gott sei Dank die Quittung. Der Dreieckige guckt auf die Quittung, dann auf unsere Taschen und die Rucksäcke und macht einen Kringel auf der Quittung. Geschafft, wir sind entlassen.
Draußen erwartet uns die unklimatisierte Welt mit ihrem ganz normalen Wahnsinn. Doch die Capitana wäre nicht die Capitana, wenn sie nicht schon längst recherchiert hätte, wo die nächste Bushaltestelle für unsere Rücktour ist. An den Linksverkehr haben wir uns noch nicht gewöhnt, die Gefahr kommt beharrlich von der falschen Seite, doch zielsicher gehen wir zu der Bushaltestelle auf der richtigen Seite.
Als wir an der Bushaltestelle stehen, gesellt sich ein älterer, mit allerlei Goldkettchen behängter weißhaariger Herr zu uns. Astrid nickt ihm zu, was er gleich zum Anlass nimmt, uns in einer Art Predigt an seinen philosophischen Lebenserkenntnissen auf dem Hintergrund des Glaubens an Gott im Speziellen und auch Allgemeinen teilhaben zu lassen. Diese Erkenntnisse an sich sind nicht wirklich spektakulär, aber er teilt uns seine Weisheiten in einer derart wortgewaltigen Lautstärke mit, die selbst einen amerikanischen Lastwagen zu einem Flüsterfuchs degradiert. Es gibt ja zwischen laut Reden und Schreien einen ebensolchen Unterschied wie zwischen schnell Gehen und Laufen. Doch dieser Mann kann ohne jedes Hilfsmittel Stadien beschallen. Ohne Zweifel das Resultat eines langen Lebens auf Jamaica, der lautesten Insel, die wir bisher bereist haben. Unwillkürlich taste ich nach der Seitentasche meines Rucksacks, wo ich eigentlich immer Ohropax habe, um öffentliche Verkehrsmittel ohne Gehörsturz wieder verlassen zu können. Aber ich greife ins Leere.
Nach 10 Minuten ist er erschöpft. Nicht persönlich oder gar sprachgewaltig, aber sein Predigtrepertoire ist am Ende. So wendet er sich einer anderen Dame zu, die seine Weisheiten und Weissagungen ebenso gelassen erträgt wie wir.
Doch es kommt kein Bus und auch kein Taxi für unsere Richtung. Alle wollen weiter nach Osten, aber nicht auf den Palisadoes. Und dann hat unser Laienprediger tatsächlich noch sein Gutes. Er brüllt uns den guten Rat entgegen, dass wir hinter dem Kreisel auf der anderen Seite und direkt auf der Straße, die schon zur Marina und zum Flughafen führt, auf ein Taxi oder den Buss warten sollten. Dort wäre die Chance besser, denn alle, die schon auf der Straße sind, fahren dort eben auch weiter.
Da ist was dran und wir brüllen ihm unser lautestes »Thank you!« entgegen, was in unseren Ohren eher unhöflich ist, ihm aber gefällt.
So queren wir gleich zweimal den falschrummen Verkehr und stellen uns zu einigen anderen Wartenden an eine weitere Bushaltestelle schon auf dem Palisadoes. Die hat nur ein sehr kleines Dach, das Schatten spendet und alle drängeln sich schon darunter. Und da ich nicht so drängeln will, bleibe ich in der Sonne stehen. Doch eine ältere Dame ist deswegen ehrlich besorgt. Man sieht ja eindeutig, dass wir Touristen sind, denn wir sind die einzigen Bleichgesichter weit und breit. Erst verstehe ich sie gar nicht, doch sie sagt immer wieder: »Hey man, the sun is not good!«, zeigt auf den Schatten und rückt etwas zur Seite. Soviel Umsicht und Fürsorge ist echt rührend. Dabei strahlt sie uns an und nickt mir zu, als ich mich auch in den Schatten drängele.
Nach 5 Minuten können wir ein Sammeltaxi herwinken und werden bis vor den Eingang der Marina gefahren.
Ein mülliger Sonntag
In der Nacht zum Sonntag ziehen heftige Gewitter über Jamaica. Nun sind Gewitter hier eigentlich nichts Besonderes, aber es schüttet so, wie wir es kaum jemals erlebt haben. Über uns ergießen sich solche Wassermassen, dass wir sogar unter der Sprayhood und dem Bimini die Türen vom Decksalon schließen müssen. Und das vor Anker, wo der Wind, der nun auch kräftig weht, doch gar nicht anders kann, als von vorn zu kommen. Stunde um Stunde ist das Ankerlicht unserer Nachbarn das einzige, was wir noch schemenhaft um uns herum sehen. Die Wassermassen haben Kingston und ganz Jamaica verschluckt.
Der Wind dreht mehrmals von West auf Ost und wieder zurück und am Morgen liegen wir in einer einzigen riesigen treibenden Müllhalde von tausenden Plastikflaschen und sonstigen schwimmenden Müll. Wir sehen uns ungläubig um, aber so weit das Auge reicht, ist die gesamte Lagune von Kingston mit Müll übersät. Überall glitzern und schimmern nun die Plastikflaschen auf dem Wasser.
Uns war ja schon aufgefallen, dass es hier nicht einen Meter Küste und nicht einen Meter Mangrovenufer gibt, an dem nicht dicht an dicht und teilweise in einer nahezu geschlossenen Decke Plastikmüll jeder Art liegt. Auch gestern, auf unserer Fahrt zum Harbour View Shopping Center, waren uns schon die Unmengen von Plastikmüll aufgefallen. An der kleinen Brücke staute sich der Unrat bis zu einem Meter hoch. Meist Plastikflaschen, aber auch viel anderer Müll. Auf dem Palisadoes, dem Damm nach Port Royal, auf dessen Weg auch der Flughafen und die Marina liegen, wurden die Molen teilweise in Doppelreihen angelegt. Und zwischen diesen beiden Molen lag so viel Müll, dass man keinen Boden mehr sehen konnte.
Es ist unglaublich, aber so viel Dreck haben wir auf unseren fast 40.000 sm mit der PINCOYA noch nie im Wasser und auch an Land gesehen. Auf unserer Anfahrt hatte sich das ja auch angekündigt und dann auch in Port Antonio bestätigt. Jamaica hat ein riesiges Müllproblem. Nicht, dass es keine Müllabfuhr gibt, aber der Müll scheint niemanden zu scheren. Alle werfen ihren Müll einfach irgendwo hin und wir ankern nun in einer treibenden Müllhalde. Wie nackter Hohn nimmt sich da die Ermahnung des Health-Officers aus, unbedingt die Seeventile geschlossen zu halten und all unser Kacki im Fäkalientank aufzufangen. Da liegen eine Handvoll Fahrtensegler auf Jamaica, die unter keinen Umständen ihr Klo außenbords pumpen dürfen und die Schiffe schwimmen in einer heimischen Müllhalde, die ihres Gleichen sucht.
Es ist entsetzlich und verdirbt uns jede Vorfreude auf irgendwas hier in Kingston. Die bisher einzig halbwegs saubere Bucht war Port Morant. Das aber wohl auch nur, weil dort kaum jemand lebt oder irgendwer diese Bucht als Ausflugsziel hat. In dem Moment, in dem Menschen im Spiel sind, wird alles zugemüllt. Das haben wir ja selbst auf dem klitzekleinen Inselchen Lime Cay gesehen. Eigentlich ist diese kleine Insel das Ausflugsziel der Einheimischen vor Kingston schlechthin. Aber es schert niemanden, dass man dort auf Schritt und Tritt durch Plastikflachen, Dosen und jeglicher Art anderen Mülls geht. All die hübschen Menschen sitzen inmitten des Mülls auf dem Strand, als ob sie sich im Paradies befinden. Ausgetrunkene Flaschen und die Reste ihres Picknicks bleiben einfach liegen. Es wird dem nächsten Sturm überlassen, alles wegzuräumen, doch der nächste Sturm nimmt nicht nur diesen Müll mit und bringt ihn woanders hin, sondern bringt auch gleich neuen von woanders. So definiert sich hier der Kreislauf der Abfallwirtschaft ganz neu. Die Menschen sind absolut nett und freundlich, keine Frage, aber die größten Umweltignoranten, die wir je getroffen haben.
Im Grunde genommen ist das alles jammerschade, aber es wird sich nur etwas ändern, wenn der Einzelne im Kleinen beginnt umzudenkt. Doch dagegen spricht schon die einhellige Meinung, die ja alle Menschen vertreten, egal ob sie nun hier oder irgendwo anders auf der Welt leben. »Was kann ich schon ausrichten? Wenn ich etwas ändere, merkt das doch eh keiner, deswegen lohnt es sich überhaupt nicht, dass ich etwas ändere.«
Die Wassermacher-Reparatur
Unser Plan, im RJYC Wasser zu nehmen, war ja nur theoretisch ein guter Plan. So bleibt es bei den beiden 10l-Kanistern und zwei 6l-Flaschen Wasser, die wir gekauft haben. Das entspannt unsere Wassersituation nicht wirklich und so ist der Druck auf den Erfolg der Reparatur des Wassermachers ziemlich hoch. Sollte die Reparatur aus irgendwelchen Gründen nicht gelingen, könnte unser Problem nicht größer sein.
So gehen wir am Sonntag gleich mit der Fehlerdiagnose von Herrn Matz von Aquatec ans Werk. Die Vermutung ist, dass sich eine oder mehrere Kohlen des Elektromotors verklemmt haben und nicht mehr sauber durch die Federn auf den Kommutator gedrückt werden. D.h. wir müssen an die Kohlen des Elektromotors kommen, um dies zu prüfen und ggf. den Fehler zu beseitigen. Und genau an dieser Stelle wird es noch etwas »unhandlicher« als beim Reinigen oder Tauschen der Ventile, denn wir haben unseren Wassermacher notgedrungen recht kunstvoll in die hinterste Ecke hinter den Fäkalientank gezwirbelt. Wobei »gezwirbelt« das ganze Arrangement schon recht gut beschreibt, denn es war Zentimeterarbeit.
Glücklicherweise gelingt es uns, den Motor samt Hochdruckpumpe so aufzustellen, dass wir an 3 der 4 Kohlen recht gut herankommen und nur bei der vierten meinen Rasierspiegel zu Hilfe nehmen müssen, um überhaupt etwas zu sehen. Es ist Glück im Unglück, dass wir schon einen Motor der neuen Generation haben, das erspart uns, das hintere Lager auch noch ganz zu demontieren, da wir seitlich an die Kohlen kommen.
Schon der Ausbau der ersten Kohle bestätigt die Vermutung. Sie sitzt fest und lässt sich nur mit Kraft aus ihrer Halterung ziehen. Die ganze Zeit, – es ist der Sonntag des langen Neujahrswochenendes (!) -, stehen wir in eMail-Kontakt mit Herrn Matz. Ein Kundenservice, den es wohl kein zweites Mal gibt. Tatsächlich sind die Kohlen um 0,2 mm zu dick. Ob die Kohlen nun durch Wasseraufnahme (extrem hohe Luftfeuchtigkeit in der Karibik) aufgequollen sind oder bei der Fertigung die Maße nicht korrekt eingehalten wurden, lässt sich nicht klären. Und so schleifen wir jede der vier Kohlen auf die vorgegebenen 7,8 mm runter, säubern alles und bauen sie wieder ein.
Nach gut einer Stunde sind wir damit fertig, doch es dauert noch weitere zwei Stunden, bis alles wieder so an Ort und Stellen sitzt, wie es vorher einmal war.
Einen Testlauf können wir allerdings nicht machen, denn wir ankern ja in einer schwimmenden Müllhalde. So muss der Test bis morgen warten. Erst vor Lime Cay können wir den Wassermacher testen, in der Kingston Bay würde uns der ganze Dreck gleich ein neues Problem bescheren.
Also brummen wir am Nachmittag gleich noch schnell in den RJYC und bezahlen unsere Ankergebühren. Peter ist echt fair, denn er kennt das Müllproblem nur zu gut. Für 4 Tage zahlen wir gerade mal 26 US$. Das hätten wir in Port Antonio für einen Tag gezahlt. Im Grunde genommen ist das Müllproblem für den RJYC eine absolute Katastrophe. Wenn sich mal Gäste bis hierhin verirren, hauen sie nach ein oder zwei Tagen gleich wieder ab. Alle in der Marina sind absolut lieb, hilfsbereit und gastfreundlich, aber gegen den Müll können sie auch nichts machen.
Der Test
Kingston, RJYC -> Lime Cay
Distanz: 8,3 sm – Gesamtdistanz 2026: 47,8 sm
Mit einem leichten Ostwind segeln wir Port Royal entgegen. Die Dichte der schwimmenden Müllhalde ist über Nacht etwas geringer geworden. Doch an den Ufern ist ein breiter glitzernder Plastikflaschenstreifen zu sehen. Bis zur nächsten Winddrehung hat sich der ganze Müll erst einmal auf dieser Seite versammelt.
Vor Lime Cay sind wir so gut wie allein und probieren auch gleich den Wassermacher aus. Und er läuft wieder klaglos und ruhig. Im Nachhinein ruhiger als vorher. Wir hätten das Problem bemerken können, doch die Änderungen im Lauf des Wassermachers waren dann doch wohl zu schleichend, um wirklich einen Unterschied zu hören.
Das Wasser der ersten Stunde können wir nicht gleich gebrauchen. Nach der Membran-Reinigung mit der Lauge müssen wir es verwerfen. Danach lassen wir etwas in den Haupttank laufen und füllen dann unseren Tagestank für Trinkwasser auf. Dann gibt es einen Tee, denn nun steht die Entscheidung »Wie weiter?« an.
Die Entscheidung
Die Frage ist, ob wir im Süden weiter um Jamaica herumsegeln sollen oder doch lieber wieder im Osten herum an die Nordküste gehen. Wenn es im Süden herum geht, können wir nur in Montego Bay auschecken, was bedeutet, dass wir auch dort ein ordentliches Stück gegenan segeln müssen, da Montego Bay nicht direkt im Westen von Jamaica liegt, sondern ein gutes Stück östlich. Außerdem soll der Westen Jamaicas ziemlich zerstört sein und keiner weiß so recht, was dort überhaupt schon wieder geht.
Also entschließen wir uns für die Nordküstenvariante und gleich morgen werden wir die erste Strecke gegenan nach Port Morant in Angriff nehmen. Doch das absolut Größte ist, dass wir nun unseren Wassermacher mit Bordmitteln und der tollen Hilfe von Herrn Matz von Aquatec wieder zum Laufen gebracht haben.
Kingston, Royal Jamaica Yacht Club (RJYC)
17° 56′ 48,9” N, 076° 46′ 31,8” W
Lime Cay II, vor Kingston
17° 55′ 04,1” N, 076° 49′ 13,8” W























