Gleich nachdem wir an der Mooring fest sind, bringt uns die Port Control mit ihrem Boot zum Einchecken. Unsere Fahrt dorthin gleicht eher einer kleinen Sightseeing-Tour. Uns werden nicht nur Plätze zum Anlanden mit den Dinghy empfohlen, sondern wir bekommen auch einen Überblick über die umliegenden Bars, Restaurants und Supermärkte und auch noch gleich eine kleine »Gebrauchsanweisung« für die Caymans im Allgemeinen.
Die beiden sind sichtlich stolz auf ihre Insel. Und im Übrigen: wir müssten unser Dinghy nicht anschließen. Die Caymans seien anders. Sehr sicher. Alles kein Problem. Zwar etwas teuer, ja, aber sonst super.
Am North Terminal ist die Hölle los. Ständig kommen und gehen Shuttle Boats. Vierzig bis fünfzig Personen passen wohl auf so ein Boot. Wenigstens 10 bis 15 davon sind im Dauereinsatz. Wenn auch nur die Hälfte der kreuzfahrenden Touristen an Land will, dauert das schon etwas.
Einer unserer beiden »Guides« führt uns durch die Massen zur CBC, der Customs and Border Control. Gestern hätten hier fünf Cruise Ships gelegen, da wäre es wirklich voll gewesen, aber heute geht es noch. Wahrscheinlich ändert sich die Sichtweise etwas, wenn man diese Massen fast täglich sieht.
Wenn wir fertig sind, sagt er, sollen wir einfach beim Customs Bescheid sagen, dass wir zurück wollen. Die würden sie dann über die Port Security rufen.
Wow! Was ist denn hier los? Soviel Service und selbstverständliche Freundlichkeit hatten wir ja noch nie! Und nach Jamaica ist dieser Kontrast noch etwas maximaler als maximal. Nun scheint aber auch der Andrang von individuellen Fahrtenseglern auf den Cayman Islands auch nicht wirklich groß zu sein. Wir hatten ja schon immer mal von Jamaica aus geguckt, was hier denn so los ist, aber den großen Andrang konnte man immer an zwei Händen abzählen. Auf Marinetraffic sind die Kleinen Antillen inzwischen in einem Meer aus pinken Symbolen versunken und die Flut aus Osten ist noch in vollem Gange. Hier hingegen findet man nur 10 oder 15 dieser AIS-Signale für Pleasure Boats und 2/3 davon sind einheimische Touristenboote. Als wir heute morgen ankamen, lag nur ein weiterer Fahrtensegler an einer Mooring vor George Town. Kein Vergleich zu den hunderten wenn nicht tausenden von Seglern, die gerade allein vor Martinique liegen.
Der Customs und die Immigration sitzen im selben Gebäude wie die Port Authority. Wir werden direkt bis vors Customs Office durchgeschleust. Dort sind wir nach zwei Formularen schnell fertig und schon geht’s zur Immigration. Einer der Officer nimmt uns gleich mit in die erste Etage. Auch dort läuft alles wie am Schnürchen und was auf den Caymans anders ist, hängt bei der Immigration in Glas gerahmt an der Wand.
„Man stelle sich mal vor, so etwas würde in einem deutschen Ordnungsamt hängen 😇. Die Port Authority mit CBC. “
Nach 20 Minuten sind wir durch und fragen mal vorsichtig beim Customs nach, ob sie vielleicht das Boot der Port Control rufen könnten, damit es uns wieder zurückbringt. In unserer Frage schwingt noch etwas Unsicherheit mit, ob das hier alles wirklich so läuft. Aber es läuft genau so.
Kurz darauf kommt auch schon einer unserer Chauffeure und bringt uns durch den ganzen Kreuzfahrertrubel zurück zum Boot der Port Control. Astrid wird galant die Hand gereicht, damit sie einsteigen kann. Und schon beginnt mit der Rückfahrt die zweite kleine Sightseeingrunde.
Selbstverständlich können wir an der Mooring so lange bleiben, wie wir wollen, und sollte der Wind ungünstig aus Norden kommen, dann könnten wir auch zu den kostenlosen Moorings im Süden wechseln. In den North Sound könne man auch, aber wir sollten auf die Tiefe achten. Der sei flach. Ankern können wir überall, wenn wir auf die Korallen achten und unseren Anker auf einem Sandfeld fallen lassen. Und falls wir noch Fragen haben, sie würden hier eigentlich immer herumfahren, dann sollten wir sie nur heranwinken.
Etwas sprachlos sitzen wir nach kaum einer Stunde wieder im Cockpit. Was war das denn? Alles fertig! Und das auch noch ohne jedes Theater. Dazu ist das Wetter phantastisch. Noch, muss man allerdings sagen, denn das soll sich spätestens in drei Tagen ändern.
Doch bevor wir mit den Caymans loslegen, gönnen wir uns erst einmal ein Mütze Schlaf. Die Überfahrt war zwar kurz, aber heftig.
George Town
Vor George Town liegen wir gut. Der Wind passt und es ist ruhig. Als Erstes machen wir eine kleine Schnorcheltour rund um die PINCOYA. Hier scheint die Heimat der kleinen, blauen Fische zu sein. Hunderte von ihnen begleiten uns und kommen, wenn wir ganz still im Wasser liegen, bis auf einen halben Meter heran. Doch näher trauen sie sich dann auch nicht. Doch an einigen Stellen auf der Haut beginnt es zu brennen und die Stellen werden dann auch rot. Fast so, als ob eine portugiesische Galeere in der Brandung zerlegt wurde und die Reste nun herumtreiben.
Aber es ist ein tolles Erlebnis. Das hatten wir so direkt von der PINCOYA auch noch nie.
Unsere Sightseeing-Runde in George Town ist lang. So richtig spektakulär ist George Town allerdings nicht. Rund um die Cruise Ship Terminals ist natürlich alles maximal auf den Kreuzfahrttourismus getrimmt. Doch das verläuft sich in Richtung City Center. Es ist erstaunlich, wie sich die Einzugsbereiche all der Kreuzfahrerterminals doch gleichen, egal wo sie nun sind.
In Richtung City Center beginnt sich dann aber noch ein zweites Klischee zu erfüllen. Eine internationale Bank reiht sich hier an die nächste und dann entdecken wir auch das Postamt mit den ganzen Briefkästen 😂. Bingo! Viel Post passt zwar nicht in die kleinen Postfächer, aber es soll ja reichen, wenn man hier nur eine Adresse hat. Für den großen Umsatz stehen in jedem Fall genügend Banken zur Verfügung.
Dann stehen wir auf dem Platz, auf dem die »National Heros« geehrt werden. Schon bei der Immigration war uns ein Plakat mit Bildern und kurzen Biographien einiger dieser »Heros« aufgefallen. Wenigstens die Hälfte davon sind Frauen. Der Kampf um die Wahl- und auch Gleichberechtigung der Frauen nimmt einen erstaunlich großen Raum ein.
1948 wandten sich erstmals einige Frauen mit einer Petition an den Gouverneur von Jamaica, denn die Cayman Islands wurden damals noch von Jamaica aus verwaltet. Dies führte dann 1957 und 59 zu zwei Gesetzen, mit denen das Frauenwahlrecht festgeschrieben wurde. Warum dies erst 30 Jahre, nachdem in Großbritannien das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde, auch auf den Cayman Islands und Jamaica ein Thema wurde, wirft durchaus ein Schlaglicht auf das Selbstverständnis der Kolonialherren.
Der schlussendliche Umbruch steht dann wohl auch eher im Zusammenhang mit der Gründung der Westindischen Föderation 1958 als mit dem Grundsatz »gleiches Recht für alle« der Kolonialmacht. Die Westindische Föderation sollte der Gemeinschaft aller britischen Überseeterritorien mehr Unabhängigkeit gewähren und erst diese Unabhängigkeitbestrebungen haben dann auch für Veränderungen bei den Frauenrechten gesorgt. Doch diese Gemeinschaft zerbrach schon wenige Jahre später, wobei sich Jamaica in einem Referendum dafür entschied, ein unabhängiger Staat zu werden und auf den Cayman Islands dafür votiert wurde, britische Kronkolonie zu bleiben.
So hangelt man sich manchmal ganz unerwartet von einem kleinen Startpunkt aus durch ein großes Kapitel der Geschichte. Das waren bewegte Jahr mit vielen Veränderungen. Und so erfahren wir auch, dass gleich am kommenden Montag ein wichtiger Feiertag ist. Der »National Heros Day«.
Ohne dass dies nun in irgendeinem Zusammenhang mit dem vorstehenden Abschnitt steht 😂, suchen wir anschließend »den Waschsalon« der Karibik schlechthin. Erstens soll es ein Selfservice-Waschsalon sein, was einem ja die Möglichkeit gibt, wenigstens etwas Einfluss auf das »Wie« zu nehmen und zweitens soll es in diesem Waschsalon möglich sein, mit warmen, ja sogar heißem Wasser zu waschen. Ja ja, wir hören da schon wieder das brüllende Lachen unserer europäischen Leser, aber wenn man länger reist, wird man mit Problemen konfrontiert, die man bisher gar nicht so recht für möglich hielt. Denn speziell in der Karibik wird nicht im herkömmlichen Sinne gewaschen, sondern alles nur irgendwie kalt durchgekoddert. Das sorgt nach kurzer Zeit für einen gleichmäßigen Grauschleier, kurbelt aber durchaus auch die lokale Wirtschaft an. Denn nach einem Jahr haben die Sachen einen unübersehbaren Putzlappen-Charakter und wandern nach und nach in die immer größer werdende Tüte der Arbeitsklamotten. Was notgedrungen dazu führt, dass man sich vor Ort neue Sachen kaufen muss.
Doch dann stehen wir vor dem real existierenden, karibischen Waschsalon-Wunder, schlendern durch die Reihen der Waschmaschinen und Trockner, werden nett empfangen und bekommen alles erklärt und sind überwältigt. Eigenes Waschmittel, ggf sogar Bleiche (!) – vielleicht lässt sich die Bettwäsche ja doch noch retten -, und »hot« bei 60°! Das ist der Oberhammer! Ok, für einen Europäer ist es vielleicht ungewöhnlich, dass man von einem Waschsalon überwältigt sein kann, aber reisen führt ja bekanntlich zu einer gewissen Horizonterweiterung, die manchmal auch ungewöhnliche Blüten treibt. Und so steht das Programm für morgen fest.
Nach so einem großen Erfolg ist es Zeit für eine Belohnung. Schlau wie wir sind, verzichten wir aber in der ersten Strandbar auf eine zweite Belohnung, obwohl uns ehrlich gesagt danach ist. 15 US$ für zweimal 0,3 aus der Flasche ist leicht verdientes Geld. Dafür aber mit einer wirklich leckeren Limonenspalte 😋.
Doch trotz des Dollarverfalls ist uns das immer noch etwas zu üppig. Aber wir sind immer noch besser dran als einige der Kreuzfahrer. Auf wenigstens einem der Kreuzfahrtschiffe müssen die Vorräte ausgegangen sein. So ist die Strandbar rappelvoll mit hungrigen Kreuzfahrern, die sich hier endlich einmal wieder richtig satt essen können 🙃🥳.
Wir ziehen weiter und erinnern uns an eine kleine einfache Bar, die damit wirbt, »the cheapest beer in town« zu haben. Als wir dort ankommen, wird zwar gerade geschlossen, aber wir bekommen noch einmal dasselbe, allerdings nun ohne Limone aber für die Hälfte. Treffer! Das Waschsalonprogramm für morgen steht und nun auch das Abendprogramm.
Waschen, was das Zeug hält
Gleich morgens beginnen wir, alles, aber auch wirklich alles an Wäsche zusammenzusuchen, was gewaschen werden muss. Zusätzlich ziehen wir die Kojen ab und nehmen auch gleich noch die gewaschene Bettwäsche mit, die schon lange nicht mehr richtig sauber geworden sind. Die Preise für die verschiedenen Maschinen liegen zwischen 4 und 7 KY$. Das ist selbst im Vergleich zu anderen karibischen Inseln absolut preiswert. So einen Glücksfall müssen wir ausnutzen.
Mit der Sackkarre karren wir 20 kg schmutzige Wäsche zur Laundry und 3 Stunden später 19 kg saubere und sogar wirklich trockene Wäsche wieder zurück 🧐 💪 👍 🥳. Allein für diese Laundry lohnt sich für alle kleinen Karibikfahrer, die keine Waschmaschine an Bord haben, ein Abstecher nach Grand Cayman.
Danach geht’s einkaufen. Hier hält sich die Euphorie allerdings in engen Grenzen. Das Angebot ist zwar absolut super, aber die Preise sind auch echt herausragend. Wenn wir auf den Caymans leben müssten, müsste sich unsere Rente wenigstens verdreifachen. In unserem Einkaufswagen landet fast nichts, wenn man mal von dem Luxus eines 600g Nutella-Glases für 12KY$ absieht. Aber 600g Schoki wären doppelt so teuer gewesen 😳. Doch eine gelbe Paprika für 9,99 KY$ pro lp verkneifen wir uns dann doch. Für den Bodensatz unseres Einkaufswagens legen wir noch 130 KY$ hin. Der satt gefüllte Einkaufswagen vor uns schlägt mal locker mit über 500 KY$ zu Buche. Doch da das Angebot sehr »amerikanisch« ist, fällt einem europäischen Gaumen der Verzicht auch nicht allzu schwer 🙂.
Das Wetter und die West Bay
Die Wetteraussichten sind schlecht. In einigen Tagen wird der massive Wintereinbruch in Nordamerika auch uns auf Grand Cayman erreichen. Natürlich nicht mit Minusgraden, doch mit einem kräftigen Nordwind, der teilweise sogar stürmisch aus Nordwesten kommen soll, soll es empfindlich kälter werden.
Das ist kein Wetterchen, um an einer der Moorings vor der Westküste zu bleiben. Und auch an den Moorings vor der Südküste wollen wir unser Glück lieber nicht in Versuchung führen. Wenn das bei den Wetterkapriolen dann dort doch nichts ist, wird es schwer, nach Norden zu entkommen, um in den North Sound zu segeln. Nur im North Sound findet man einige Plätze, die für die meisten Wettereventualitäten guten Schutz bieten. Doch der North Sound ist ziemlich flach und schon die Einfahrt durch das Riff ist bei ruhigen Bedingungen so eine Sache. Und für diese Einfahrt geben unsere Seekarten nicht wirklich viel her, doch wenn wir nicht nach drei Tagen schon wieder das Weite suchen wollen, müssen wir dort spätestens am Montag rein.
George Town -> West Bay (7-Miles-Beach) Distanz: 3,9 sm – Gesamtdistanz 2026: 449,4 sm
Doch noch ist Samstag und so verlegen wir uns gleich nach unserem Einkauf erst einmal in die West Bay vor den nördlichen Teil des 7-Miles-Beach und pfeifen auf unser Abendprogramm. Auch dort nehmen wir uns eine der Moorings. Die sind zwar eigentlich nur für “kurzzeitparkende Tauchboote” gedacht, doch solange niemand etwas sagt, können wir auch dort unbegrenzt for free bleiben.
Im Norden der West Bay ist es ruhiger als vor George Town. George Town ist ohne Frage ein notwendiger Stopp, wenn man einklarieren, einkaufen oder eben auch waschen muss. Auch für Inselrundfahrten mit dem Bus ist George Town ein prima Ausgangspunkt. Doch besser, ruhiger und schöner liegt man ohne Frage in der West Bay. Das aber alles nur, solange das Wetter mitspielt. Doch noch zeigt es sich von seiner hübschen Seite.
Wir schnorcheln und lassen es mal ruhig angehen. Und da wir morgen in den North Sound wollen bzw. müssen, beobachten wir mit einem Auge immer mal wieder, ob sich ein AIS-Signal der Einfahrt in die Lagune nähert. Wie gesagt, unsere Seekarten geben zu der Einfahrt leider nichts her. Und wenn wir ein AIS-Signal sehen, dann starten wir das Tracking des Signals in OpenCPN. Ein absolut tolles Feature, denn so bekommen wir nicht nur gute Infos, wo es denn eigentlich reingeht, sondern auch, wie es drinnen weitergeht. Klar muss man gucken, wer da nun reinfährt, aber nach einiger Zeit haben wir zwei Tracks von Schiffen, die einen ähnlichen Tiefgang wie wir haben sollten. So sollte das morgen klappen.
Und dann passiert es. Nicht wirklich ausgeprägt, aber wenigstens etwas!
George Town, Grand Cayman
19° 18′ 12,2” N, 081° 23′ 11,8” W
7-Miles-Beach (West Bay), Grand Cayman
19° 21′ 39,8” N, 081° 23′ 49,2” W





























