Kingston


Nach unseren Misserfolgen bei der Reparatur des Wassermachers bleibt uns nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich nach Kingston zu segeln. Wir haben kein Frischwasser mehr und alle Versuche, neues zu machen, sind ja nun auch fehlgeschlagen. Unsere allerletzten Trinkwasserreserven haben wir dem Spülvorgängen der Membran geopfert, was auch nichts gebracht hat. So haben wir außer den paar Flaschen Mineralwasser aus unserer Grab Bag nun tatsächlich kein Trinkwasser mehr.

Wahrscheinlich könnten wir unsere beiden 10l-Kanister in der Polizeistation füllen, aber so richtig helfen würde uns das auch nicht. Wir müssen den Wassermacher bzw. seinen Motor reparieren, sonst haben wir ein Problem, dessen Folgen wir noch gar nicht so richtig absehen können. Sicherlich ist man früher auch ganz ohne Wassermacher ausgekommen und auch heute gibt es noch Fahrtensegler, die mit dem Brustton der Überzeugung die Meinung vertreten, dass es überhaupt kein Problem sei, auf einen Wassermacher zu verzichten. Solche Aussagen treten exakt in dieselben Fußstapfen wie die Ansichten »Wozu brauche ich GPS?« »Ich nutze lieber Papierseekarten!« oder »Internet brauche ich nicht, ich hab ja Kurzwelle.« Dass man auch ohne Wassermacher oder all den anderen Kram auskommen kann und im Notfall auch in der Lage sein sollte, ohne auszukommen, ist dabei überhaupt nicht die Frage. Nur das »Ohne« ist zwangsläufig mit einer enormen Einbuße an Unabhängigkeit, Komfort und auch Sicherheit verbunden, die ziemlich viel von unserer Art unterwegs zu sein, auf den Kopf stellen würde, auch wenn man in einem Notfall damit umgehen können muss.

Doch wir haben ja auch diese eMail von Herrn Matz von Aquatec bekommen, die den Fehler unseres Wassermachers analysiert und einen Reparaturweg beschreibt. Das ist in jedem Fall ein Hoffnungsschimmer, doch für den Fall, dass der Elektromotor doch einen echten Schaden davongetragen hat, wollen wir für den nächsten Reparaturversuch lieber vor Kingston liegen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit schlicht am größten, weitergehende Reparaturmöglichkeiten zu finden. Außerdem können wir uns dann auch dort im Royal Jamaica Yacht Club, RJYC, temporär mit Wasser versorgen und sogar voll bunkern, falls wir den Wassermacher nicht wieder an den Start bekommen. Also geht’s gleich am Ersten weiter in Richtung Kingston.


Allerdings bin ich seit Silvester nicht mehr ganz so geschmeidig unterwegs, denn nun plagen mich doch noch die Gelenkschmerzen des Chikungunya-Fiebers. Da habe ich mich wohl zu früh gefreut. All die anderen Symptome hatten gerade begonnen abzuklingen, ohne dass es zu einem neuen Fieberschub gekommen ist, und da haben meine Knie und Füße begonnen weh zu tun.

„Sieht nicht wirklich gut aus, dafür schmerzen nun nur die Gelenke im rechten Bein“

„Sieht nicht wirklich gut aus, dafür schmerzen nun nur die Gelenke im rechten Bein“

Diesmal ist allerdings eher mein rechtes Bein betroffen, aber auch die Hände und Schultern muckern etwas herum. Doch insgesamt fühlt sich das nun doch schon wieder eher nach »dem normalen Alter« an, auch wenn es gerade im rechten Bein ziemlich schmerzhaft ist. Also Tigermücken-Arthrose gepaart mit etwas Tigermücken-Gicht. Nur die Ursache ist neu, das Aua ist ein guter Bekannter.


Port Morant -> Kingston bzw, Lime Cay
Port Morant -> Lime Cay -> Kingston, RJYC
Distanz: 39,5 sm – Gesamtdistanz 2026: 39,5 sm

„von Port Morant -> nach Lime Cay vor Kingston“

„von Port Morant -> nach Lime Cay vor Kingston“

„Ruhig geht es los“

„Ruhig geht es los“

„Die treibenden Netze halten uns wieder auf Trab.“

„Die treibenden Netze halten uns wieder auf Trab.“

Erst Huiiiiiiii 🙂 …. dann nix mehr ☹️ und zwischendrin beißt noch schnell ein kapitaler Barracuda an. Doch vor Jamaica ist ein Barracuda echt etwas zu problematisch, zumal er groß und schon etwas älter ist. Woanders wäre er natürlich in der Pfanne gelandet, doch hier sind die Chancen auf eine Ciguatoxin-Vergiftung einfach zu hoch. Und noch ein Problem brauchen wir nun wirklich nicht. Also Haken raus und wieder rein. Was bei einem 1m langen Barracuda, der meint, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat, gar nicht so einfach ist. Gemeinsam bugsieren wir ihn wieder über Bord.

„Die ersten Seemeilen verfliegen schnell“

„Die ersten Seemeilen verfliegen schnell“

Nach der halben Strecke müssen wir motoren. Das war absehbar und auch in der Vorhersage zu sehen. Die Blue Mountains sorgen für eine großzügige Abdeckung, sofern der Wind aus Nordosten kommt. Morgen wäre diese Abdeckung etwas kleiner gewesen, weil der Wind mehr auf Osten drehen soll, doch wir haben nicht nur ein Problem, dass uns unter den Nägeln brennt. So wollten wir nicht warten.

„Cargo-Schiffe und Tanker auf Reede vor Kingston“

„Cargo-Schiffe und Tanker auf Reede vor Kingston“

Doch die ersten 15 sm sind ein Traum. Die PINCOYA rauscht nur so dahin. Was für ein Genuss bei all dem anderen Ärger. Und kurz vor Kingston entschließen wir uns, doch nicht bis vor den Royal Jamaica Yacht Club durchzufahren, sondern einfach noch eine Nacht hinter Lime Cay zu ankern.

„Kingston voraus“

„Kingston voraus“

„Der Flughafen und rechts daneben muss der RJYC liegen “

„Der Flughafen und rechts daneben muss der RJYC liegen “

„Fischer, aber diesmal mit markierten Netzen.“

„Fischer, aber diesmal mit markierten Netzen.“

Vor der Kingston Bay liegen sehr weitläufige Riffe und an drei oder vier Stellen gucken kleine Inselchen aus dem Wasser. Die größte davon ist Lime Cay. Auf ihr stehen sogar einige Bäume und Büsche. Maiden Cay und Southeast Cay kommen ganz ohne Begrünung aus. An Wochenenden und Feiertagen soll hier der Teufel los sein, denn diese Inselchen im Riff sind für Kingston das Ausflugsziel schlechthin.

„Lime Cay voraus“

„Lime Cay voraus“


Und es ist Neujahr und es ist tatsächlich der Teufel los. Unzählige kleine und größere Boote liegen vor Lime Cay und das etwa 100m lange Inselchen hat sich in eine einzige Partymeile verwandelt.

„Doch das Wetter ist eher naturtrüb.“

„Doch das Wetter ist eher naturtrüb.“

Dass das Wetter eher grautrüb und regnerisch ist, scheint niemanden zu stören. Ständig kommen und fahren Wassertaxis. Doch mit der anbrechenden Dämmerung leert sich die Insel im Handumdrehen und wir bleiben ganz allein in einer ungeahnten Ruhe zurück.

„Gegen Abend verzieht sich nicht nur der Regen.“

„Gegen Abend verzieht sich nicht nur der Regen.“

Keine Menschen, keine Musik, kein Lärm. Doch das Grundgrummeln von Kingston tönt dennoch bis zu uns herüber. Die Franzosen aus der Morant Bay haben uns erzählt, das Kingston eine unglaublich laute Stadt sei. Nun hören wir es, wenn auch leise, denn Kingston ist ja immerhin noch Luftlinie 3 1/2 sm entfernt. Und Jamaica ist in der Tat unglaublich laut. Schon in Port Antonio ist uns das ziemlich auf den Zeiger gegangen. Viel Lust verspüren wir nicht, dem Lärm noch näher zu kommen, doch wir haben diesmal keine andere Wahl.

„Abendstimmung vor Lime Cay“

„Abendstimmung vor Lime Cay“


Lime Cay

„Der Morgen sieht schon besser aus“

„Der Morgen sieht schon besser aus“

„Ein kleiner Walk auf Lime Cay“

„Ein kleiner Walk auf Lime Cay“

Bevor wir am nächsten Tag nach Kingston aufbrechen, statten wir Lime Cay noch einen kleinen Besuch ab. Die Gelegenheit ist günstig, noch sind keine Ausflügler da und das Wetter ist auch etwas freundlicher geworden. Lime Cay ist wirklich ein kleines Inselchen und nach einer halben Stunde haben wir es schon fast umrundet. Ganz herum geht nicht, weil die Ostseite wegen der riffigen Steine etwas zu unwegsam ist. So laufen wir auf der Strandseite hin und zurück.

„Die PINCOYA vor Lime Cay“

„Die PINCOYA vor Lime Cay“

„Lime Cay I“

„Lime Cay I“

„Lime Cay II“

„Lime Cay II“

„Lime Cay III“

„Lime Cay III“

„Auf der südlichen Landzunge von Lime Cay“

„Auf der südlichen Landzunge von Lime Cay“

„Lime Cay IV“

„Lime Cay IV“

„Im Osten auf Lime Cay I“

„Im Osten auf Lime Cay I“

„Im Osten auf Lime Cay II“

„Im Osten auf Lime Cay II“

Etwas traurig ist der ganze Müll, den die Gäste hier zurücklassen und der hier wohl auch angespült wird, weil er woanders zurückgelassen oder einfach ins Meer geworfen wurde. Am Strand stehen zwar zwei gutgemeinte Schilder, die alle auffordern, ihren Müll auch wieder mitzunehmen, aber die Botschaft scheint nicht wirklich anzukommen.

„»Clean« geht irgendwie anders. Und wer sich wundert, warum man nicht mehr Müll auf unseren Bilder sieht, muss wissen, dass wir durchaus Hand angelegt haben, um weitgehend »saubere« Bilder machen zu können und einiges hat dann auch noch »Klaus-Ingo« von Lightroom weggeräumt.“

„»Clean« geht irgendwie anders. Und wer sich wundert, warum man nicht mehr Müll auf unseren Bilder sieht, muss wissen, dass wir durchaus Hand angelegt haben, um weitgehend »saubere« Bilder machen zu können und einiges hat dann auch noch »Klaus-Ingo« von Lightroom weggeräumt.“

„Wir liegen ganz auf der anderen Seite.“

„Wir liegen ganz auf der anderen Seite.“

„Das Hauptfahrwasser geht direkt vor Lime Cay entlang.“

„Das Hauptfahrwasser geht direkt vor Lime Cay entlang.“

„Zurück zu unserem Gummiboot.“

„Zurück zu unserem Gummiboot.“


Kingston

„von Lime Cay -> vor den RJYC von Kingston“

„von Lime Cay -> vor den RJYC von Kingston“

Gegen Mittag brechen wir dann zum RJYC von Kingston auf. Der liegt etwas östlich des Flughafens etwa in der Mitte des 16 km langen Palisadoes, einer natürlichen Nehrung, die die Kingston Bay und den Kingston Harbour von der karibischen See trennt.
Am Ende des Palisadoes liegt die alte Piraten Hochburg Port Royal, bzw. deren Reste. Port Royal war eigentlich eine blühende englische Hafenstadt, aber im 17ten Jahrhundert auch die Piratenhochburg der Karibik schlechthin. Da die Engländer nicht wirklich etwas dagegen hatten, wenn es gemeinsam gegen die Spanier ging, stellten sie großzügig Kaperbriefe aus, die es privaten Schiffen erlaubte, feindliche und somit eben spanische Galeonen zu überfallen und Beute zu machen. Das war ein lukratives Geschäft, denn die spanischen Galeonen transportieren unermessliche Reichtümer in Richtung ihres Heimatlandes.

So galt Port Royal lange als die »reichste Stadt der Welt«. Zumindest wird dies behauptet und am Hungertuch hat dort wohl kaum einer der Piraten genagt. Und es war eine wilde und gesetzlose Stadt, die dann allerdings durch ein Erdbeben und den damit einhergehenden Tsunami ihren abrupten Niedergang fand. Port Royal versank zu großen Teilen im Meer und der Rest wurden fast komplett wegspült. Die Ruinen der Stadt liegen heute unter Wasser oder sind vielfach auch in einem weichen Treibsandgemisch versunken. Nur ein kleiner Teil erinnert heute noch ganz am Ende des Palisadoes an die ehemals so mächtige Piratenstadt.


„Die Einfahrt in den Kingston Harbour.“

„Die Einfahrt in den Kingston Harbour.“

Etwa die Hälfte der Strecke können wir segeln, dann geht es genau nach Osten und damit gegen den Wind. Auch hinter dem Palisadoes liegen weitläufige Riffe und Flachstellen und an der ein oder anderen Stelle gucken auch die Reste von Wracks heraus. Doch unsere Seekarten stimmen recht gut und wir treffen die Durchfahrt, die nur für einige hundert Meter mal unter 3m fällt. Etwas abseits der Einfahrt zum RJYC lassen wir unseren Anker fallen. Es ist ruhig und beschaulich hier und man liegt absolut geschützt.

Erst hatten wir einige Bedenken wegen des Flughafens, aber auf dem Norman Manley International Airport landen in einer Woche höchstens so viele Maschinen, wie auf Aruba an einem Tag.

„Das Ding mit dem Umweltschutz ist auf Jamaica noch weitgehend unbekannt.“

„Das Ding mit dem Umweltschutz ist auf Jamaica noch weitgehend unbekannt.“


Der RJYC weckt mehr Erwartungen, als er halten kann. Gastliegeplätze gibt es nicht, wenn man mal von der Pier der Tankstelle absieht. Dort liegt aber eine polnische Yacht und 46″ reichen vollkommen, um die Kapazitäten für Gastlieger auszuschöpfen. Absolut nett werden wir gleich von dem Hafenmeister Chris empfangen, der uns einen Platz für unser Dinghy zeigt, alles erklärt und uns auch einen Wasseranschluss zeigt, wo wir ohne Extrakosten unsere 10l-Kanister füllen können. Wenn wir dann wirklich Wasser bunkern wollen, müssen wir aber an die Tankpier und dafür bezahlen. Aber das ist ja auch absolut ok.

„Der Hinweis auf Schnappies im RJYC ist durchaus ernst gemeint.“

„Der Hinweis auf Schnappies im RJYC ist durchaus ernst gemeint.“

„Der RJYC“

„Der RJYC“

Im Office treffen wir auf Peter, den Chef. Auch er ist extrem freundlich und hilfsbereit. Wenn wir draußen ankern, ist das kostenfrei, nur wenn wir die Einrichtungen des Clubs in Anspruch nehmen, also Dinghy Dock, Duschen, Bar, Schwimmbad etc., dann kostet das pro Tag 13,80 US$. Abgerechnet wir am Ende, alles ganz einfach.


Uff … wir atmen durch. Das ist schon mal ein guter Anfang, so können wir morgen am Samstag erst noch einmal schnell etwas einkaufen und dann die Reparatur angehen. Wenn uns dafür irgendetwas fehlen sollte oder wir Hilfe brauchen, dann haben wir ab Montag die ganze Woche, um dazu etwas auf die Beine zu stellen. Ein guter Plan.

An dem Wasserhahn, den uns Chris gezeigt hat, füllen wir unsere beiden Kanister. Natürlich haben wir unseren Aktivkohle-Filter mit allen Adaptern für den Wasseranschluss inkl. einer kleinen Wasserpumpenzange mitgenommen. Vorbereitet zu sein ist immer gut, und wir brauchen tatsächlich auch fast alles, um unseren Filter anzuschließen. Doch gegen das Chlor des jamaikanischen Trinkwassers kann auch unser Aktivkohle-Filter nur bedingt etwas ausrichten. Es schmeckt zwar deutlich weniger nach Chlor als das Original, aber zum Trinken ist das Wasser, das nun in unseren Kanistern ist, nur im allergrößten Notfall zu gebrauchen. Die Reparatur unseres Wassermachers muss also in jedem Fall gelingen, denn das Zeug wollen wir in keinem Fall in unserem Haupttank haben. Und genau das ist eines der Probleme, wenn man ohne Wassermacher unterwegs ist. Selbst wenn man das zu bunkernde Wasser filtert, darf man keine höheren Ansprüche an die Qualität des Trinkwasser stellen, als dass es einen nicht umbringt.

Da die Bar des RJYC geschlossen hat, können wir unseren Durst noch nicht einmal mit einem Red Stripe löschen und machen uns auf der PINCOYA über die letzten Flaschen Wasser und zwei Flaschen Cola her. Morgen müssen wir als erstes Einkaufen gehen, um wenigstens wieder etwas besser bevorratet zu sein.

„Wir liegen mit etwas Abstand vor dem RJYC“

„Wir liegen mit etwas Abstand vor dem RJYC“

„Abendstimmung in der Kingston Bay I“

„Abendstimmung in der Kingston Bay I“

„Abendstimmung in der Kingston Bay II“

„Abendstimmung in der Kingston Bay II“

„Abendstimmung in der Kingston Bay III“

„Abendstimmung in der Kingston Bay III“

Lime Cay (Kingston)
17° 55′ 04,1” N, 076° 49′ 13,8” W

Kingston, Royal Jamaica Yacht Club (RJYC)
17° 56′ 48,9” N, 076° 46′ 31,8” W