Grand Cayman – Guanaja, Honduras


Vorab noch einmal einige Bilder aus dem Governor’s Creek mit sommerlichem Wetter. So ein Genesungstag kann ja auch sehr schön sein.

„Governor's Creek I“

„Governor's Creek I“

„Governor's Creek II“

„Governor's Creek II“

„Governor's Creek III“

„Governor's Creek III“


Grand Cayman -> Guanaja, Honduras
bisher: 336,7 sm – Gesamtdistanz 2026: 818,3 sm

„von Grand Cayman -> zu den Bay Islands von Honduras“

„von Grand Cayman -> zu den Bay Islands von Honduras“


Tag 1, Sonntag 08.02.

„Tag 1 und die Ausfahrt aus dem Governor's Creek“

„Tag 1 und die Ausfahrt aus dem Governor's Creek“

Am Sonntagmorgen geht es der Capitana schon wieder so gut, dass sie sich sicher ist, den Rest ihrer Genesung auch unterwegs hinzukriegen. Noch einen weiteren Tag zu warten, würde auch bedeuten, dass uns auf der zweiten Hälfte der Strecke der Wind ganz sicher abhanden kommt. Mit einem Start am Sonntag sollte es aber nach hinten hin noch gut klappen.

Abgesehen davon müssten wir wohl, sollten wir am Sonntag nicht aufbrechen, am Montag doch noch einmal bei der CBC vorbeischauen, um ein neues Zarpe-Dokument zu bekommen. Ohne Frage würde auch das alte Dokument vom Freitag in Honduras akzeptiert werden, doch eigentlich hätten wir mit diesem Dokument innerhalb von 24h ausreisen müssen. Diese Frist vom Samstag auf den Sonntag auszudehnen, ist sicherlich kein Problem, zumal wir vorsorglich unser AIS auf »silent« gestellt haben. Doch Montag sind wieder alle im Dienst und die Port Security, bei der wir uns eigentlich via Funk abmelden müss(t)en, ist schon sehr dienstbeflissen. Zudem sitzen alle Tür an Tür in demselben Gebäude. Ein offizielles Wohlverhalten am Montag würde uns dann aber auch nicht nur einen weiteren Tag kosten, sondern gleich mehrere, denn die Fensterflügel unseres hübschen Wetterfensterns würden spätestens am Dienstag von dem nächsten Starkwind wieder heftig zugeschlagen.

So beschließt Astrid nicht nur, dass sie ihre Genesung auch unterwegs fortsetzen kann, sondern wir beschließen auch, dass wir lieber doch noch gleich am Sonntag etwas inoffiziell verschwinden.


„Die Ein- bzw. Ausfahrt des Governor's Creek“

„Die Ein- bzw. Ausfahrt des Governor's Creek“

Wenn man nach einem passenden Wetterfenster sucht, um zu den Bay Islands von Honduras zu segeln, hängt die Auswahl weniger an der Windrichtung als an der Windstärke und den damit einhergehenden Wellen. Ein Wind von Südost über Nord bis Nordwest passt eigentlich immer und diese Windrichtungen sind auf den Caymans ja Standard. Doch in der letzten Zeit hat es fast ständig ziemlich heftig aus nördlichen Richtungen geweht, was bei Wind gegen Strom und dem Stau im Süden vor der Küste Honduras zu einer ziemlich unangenehmen und steilen See führt. Da ist es schön, wenn sich mal so ein Mittelding mit etwas moderateren Wellen auftut und dieses Mittelding wollen wir nun auch nicht so einfach ziehen lassen.


Als wir gegen Mittag starten, liegt der Wind bei 15 bis 18 kn aus Nordost. Warten, damit die Ausfahrt aus dem North Sound ruhiger wird, hilft auch nicht, denn die nächsten Tage haben eher mehr zu bieten. Da es in den letzten Tagen ziemlich kräftig aus nördlichen Richtungen geblasen hat, gehen wir davon aus, dass immer noch ganz ordentliche Wellen aus Norden heranlaufen. So dürfte die Ausfahrt durchaus interessant werden, denn im Norden von Grand Cayman verspringt der Meeresboden auf der letzten Seemeile vor der Riffdurchfahrt von über 1.000 m auf die recht flachen 4 m am Eingang der Durchfahrt. Das hat durchaus Potential für Grundseen. Aber alle Theorie ist ja ebenso grau, wie oftmals auch das Wetter in der Karibik, also hinfahren und gucken.

„Vor uns die Ausfahrt aus dem North Sound“

„Vor uns die Ausfahrt aus dem North Sound“

Die Frage ist nur, ob wir die Segel noch im North Sound setzen oder nicht. Die Capitana ist strikt dagegen, doch der Schiffsjunge ist ebenso strikt dagegen, erst draußen vor dem Riff aufs Vorschiff zu gehen, um das Groß zu setzen. Und am Ende haben wir beide recht, denn die Durchfahrt ist durchaus grenzwertig und da ist es gut, dass nicht auch noch ein schon gesetztes Groß die Flexibilität im Fall eines Rückzugs unter Motor behindert. Und nach der Durchfahrt ist es so ruppig, dass niemand mehr wirklich gerne auf dem Vorschiff herumturnen möchte.

„Es wird ruppiger ...“

„Es wird ruppiger …“

„In der Ausfahrt geht's steil bergauf und ebenso steil wieder runter.“

„In der Ausfahrt geht's steil bergauf und ebenso steil wieder runter.“

„Das Riff ...“

„Das Riff …“


Die Lösung liegt in einem Kompromiss. Nach der Durchfahrt gehen wir nur mit Genua ums nordwestliche Eck Grand Caymans und segeln in die West Bay, um dort das Groß zu setzen. Diese Taktik geht auch prima auf. Schon kurz nach einigen richtig hohen Wellen am Northwest Point wird die See in der Wind- und vor allem Wellenabdeckung der West Bay wesentlich ruhiger und wir können dort problemlos das Groß setzen.

„Der West Point auf dem Weg in die West Bay“

„Der West Point auf dem Weg in die West Bay“

Und so geht es auf Kurs Honduras bzw. der Bay Islands.


Schnell sind wir wieder in den Wellen und die sind ein einziges Chaos. Es geht kreuz und quer und nicht nur einmal haben wir das Gefühl, durch ein Schachbrettmuster von Wellentälern und -bergen zu segeln. Zunächst ist der Strom noch mit uns, doch plötzlich segeln wir durch ein Kabbelwasser, das wir bisher nur auf den Kanalinseln gesehen haben. Dann dreht der Strom abrupt gegen uns und von jetzt auf gleich geht es nur noch mit 3 bis 4 Knötchen voran. Mehr ist direkt vor dem Wind nicht drin.

„Durchgeschaukelt, die Capitana mal unten und mal oben“

„Durchgeschaukelt, die Capitana mal unten und mal oben“

„So geht's dahin.“

„So geht's dahin.“

„Eine wie ein Pinselstrich hingewischte Nebensonne.“

„Eine wie ein Pinselstrich hingewischte Nebensonne.“

Dieses Chaos bleibt uns auch erhalten, wobei der Wind zwischen 12 und 19 kn sehr unstet ist. Den unsteten Wind bekommen wir noch ganz gut in den Griff, indem wir vor dem Wind kreuzen, doch gegen das Wellentheater ist kein Kraut gewachsen. So geht es ziemlich unangenehm in unsere erste Nacht, was unsere Mägen mit einer kleinen Appetitlosigkeit quittieren. Abwechselnd schlafen wir vor. Wenn ein Start so ruppig ist, ist es immer ein Prozess, sich wieder einzuschwingen.

„Der erste Tag geht.“

„Der erste Tag geht.“

Kurz vor Mitternacht geht in Astrids erster Wache der Mond auf. Es ist ein abnehmender Mond und so fahren wir mit ihm aus der Nacht. Das ist angenehm, denn auf den letzten Überfahrten haben wir ja zuverlässig immer Neumondnächte erwischt.

Um 23:59 loggen wir 52,1 sm. Noch 269 sm to go. Damit liegt unser theoretisches Etmal für den ersten Tag immerhin noch bei 105 sm. Das hatte sich den Tag über schlechter angefühlt.


Tag 2, Montag 09.02.

„Tag 2 kommt ...“

„Tag 2 kommt …“

Kurz nach Mitternacht beginnt der Wind, östlicher zu drehen. Zum Wachwechsel um 2:00 halsen wir. Kurz darauf bekommen wir auch einen eher nordwestlichen Strom. Das dieser allerdings die Wellen glättet, wäre übertrieben, aber das Chaos der letzten Stunden beruhigt sich etwas.

Bis zum Sonnenaufgang begleitet uns dann auch wieder ein blinder Passagier. Er setzt sich in Lee der Sprayhood auf den Handlauf des Decksalons, wippt im Gleichtakt der Wellen vor sich hin und lässt sich auch von unserer Halse nicht stören. Zum Sonnenaufgang zieht er weiter, obwohl in jeder Richtung noch einige hundert Kilometer vor ihm liegen. Es wäre spannend zu erfahren, ob diese Landvögel, die ja nun fast regelmäßig auf einer Überfahrt bei uns landen, einfach nur verblasen wurden und erschöpft eine Pause brauchen oder wir ein willkommener Rastplatz auf ihrem Weg zu einem bestimmten Ziel sind.


Insgesamt prickelt die Segelei in der ersten Nacht nicht wirklich. Dazu nähern wir uns auch noch der Hauptroute der Frachter in und aus dem Golf von Mexiko. Mit OpenCPN ist es kein Problem, den CPA, closest point of approaching, im Auge zu behalten, aber unser Eierkurs unter der Windsteuerung und mit den Winddrehern von 20 bis 30°, hält die Spannung zuverlässig aufrecht. Da bleibt nur zu hoffen, dass man auf der Brücke der Frachter auch etwas vom Segeln versteht, sonst bleibt nur noch der Schluss, dass wir sturztrunken solche Schlangenlinien fahren.

„Querverkehr ...“

„Querverkehr …“


Wir haben ja seit Tagen schon geguckt, wann es mit der Überfahrt mal passen könnte. Man gut, dass wir uns für eine mittlere Wellenhöhe von 1,5 m entschieden haben und nicht auf die Idee gekommen sind, bei 2,5 m zu fahren. Das Rollen in einer See mit 1,5 m reicht uns vollkommen aus.

„Es beginnt hübsch zu werden.“

„Es beginnt hübsch zu werden.“

Aber … schon nach der ersten Nacht beginnt der Morgen mit 25°! Solch kuschelige Temperaturen hatten wir in der letzten Woche kaum mal zu Mittag. Um 8:00 halsen wir zurück auf unseren eigentlichen Kurs, gegen Mittag frischt der Wind auf 20 kn auf und das Wellenchaos glättet sich. Noch ist es grautrüb mit Sonnenlöchern, aber dem Starkwind, der nun wieder über Grand Cayman weht, sind wir noch gut entkommen. Es beginnt zu laufen. Wieso müssen die ersten Tage eigentlich immer so ruppig sein? Nun ja, nicht immer, aber doch meistens.


Für so eine Nussschale wie die PINCOYA bestimmen die Wellen wahrscheinlich mehr den Kurs als der Wind. Gegen den Wind geht ja meist doch immer noch irgendetwas, wenn man nur etwas Geduld hat, aber bei hässlichen und ungünstigen Wellen hilft nur noch eine Kursänderung.

„So ziehen wir dahin, nur niemand interessiert sich für unseren leckeren Angelhaken.“

„So ziehen wir dahin, nur niemand interessiert sich für unseren leckeren Angelhaken.“

Ab dem frühen Nachmittag bekommen wir dann aber tatsächlich unser Wunschüberfahrtswetter. Der Wind weht mit freundlichen 15+ kn, die Wellen sind mit 1,5 m moderat und laufen nun einheitlich mit in unsere Richtung. Wieso nicht gleich so? Geht doch! Sogar der Strom spielt mit und so segeln wir ruhig in die zweite Nacht und auf ein gutes 120er Etmal zu.

„Tag 2 geht.“

„Tag 2 geht.“

Um 23:59 loggen wir unser 1. Etmal sogar mit 131,0 sm. Noch 146,4 sm to go.


Tag 3, Dienstag 10.02.

„Tag 3 beginnt ruhig und mit viel Ruhe 😴“

„Tag 3 beginnt ruhig und mit viel Ruhe 😴“

So unspektakulär, wie wir in die Nacht reingefahren sind, so unspektakulär fahren wir auch wieder raus. Der Strom drückt uns zwar etwas nach Westen, aber das macht nichts, denn wenn der Wind dann auf den letzen Seemeilen tatsächlich abnehmen sollte, können wir gut etwas höher rangehen und die Genua dazunehmen.

Doch ab Mittag dreht der Strom. Und kaum läuft er auch nur wieder etwas gegenan, steilen sich die Wellen auch schon wieder unangenehm auf. Eigentlich hätte es ja auch einfach so weitergehen können, doch nun finden wir uns im Handumdrehen auf einem neuen Schlingerkurs mit blöden achterlichen Wellen wieder.

Und auf so einem Schlingerkurs beginnt auch gleich wieder dieses elende Klacken in unserer Ruderanlage. Bei Lastwechseln auf dem Ruder klackt es unüberhörbar. Wir haben schon alles an der Ruderanlage auseinandergenommen, einiges ausgetauscht und alles neu justiert. Selbst ein neues Ruderlager haben wir eingebaut. Aber nichts hat schlussendlich wirklich alle Geräusche beseitigt. Es ist besser geworden, ja, aber unter bestimmten Bedingungen klackt es immer noch. Das ist absolut ärgerlich, denn uns fehlen inzwischen wirklich die Ideen, was wir noch richten könnten bzw. woher das Klacken überhaupt kommen könnte. Eigentlich bleibt nur noch das Kegelgetriebe oder irgendetwas anderes in der Steuersäule selbst. Doch wie können wir das rauskriegen bzw. dann auch irgendwie richten? Das alles nervt besonders den Schiffsjungen, weil ihn solche Sachen irre machen und ihn jedes Klacken immer wieder von Neuem mit der Nase in dieses Problem stößt.


„Immer noch vor dem Wind und nur mit Groß“

„Immer noch vor dem Wind und nur mit Groß“

Da es inzwischen deutlich wärmer geworden ist, verschwinden unsere Sweatshirts und langen Hosen auch für die Nacht wieder in den Schränken.

„Es schaukelt nur noch etwas, Zeit, die Courtesy Flag der Caymans runterzunehmen“

„Es schaukelt nur noch etwas, Zeit, die Courtesy Flag der Caymans runterzunehmen“

Mit 12 kn Wind geht es nur noch langsam, dafür nun aber wieder ordentlich schaukelig voran. Doch schneller müssen wir gar nicht werden, denn auf Guanaja können wir nur im Hellen durch das Riff einfahren. Dort ist nichts so schön betonnt oder gar beleuchtet wie in der Ostsee. Für die Einfahrt brauchen wir Tageslicht, so macht es keinen Sinn, vor Sonnenaufgang anzukommen. Also plätschern wir ohne Eile dahin und hoffen, dass der Wind uns nicht ganz abhanden kommt.

„Als Tag 3 geht, trübt es sich im Süden etwas ein.“

„Als Tag 3 geht, trübt es sich im Süden etwas ein.“


Seitdem wir losgefahren sind, war die Ausbeute an alternativer Energie eher bescheiden. Downwind bringt das Windrad ja eh kaum etwas und auf einem Südwestkurs auf der Nordhalbkugel schatten die Segel die Solarzellen fast den ganzen Tag ab. Also werfen wir gegen 18:00 den Motor an, um die Batterien für die Nacht noch etwas zu laden.

Doch kaum sind wir damit fertig, beginnt der Wind einzuschlafen. Aus 12 kn werden 10 und am Ende bleiben gerade noch mal 7 Knötchen über. In diesem Lüftchen stehen die Segel kaum noch und schlagen mehr als dass sie mal für etwas Vortrieb sorgen. Wenigstens hat der Strom ein Einsehen und verhält sich weitgehend neutral. Da der Wind etwas mehr auf Ost dreht, können wir uns noch etwas mit der Genua behelfen. Aber so richtig prall ist das alles nicht mehr.


Doch ohne Mampf kein Kampf. Aber wenn ein Schiff so unvorhersehbar rollt, wird das Kochen schnell zu einem zirkusreifen Balanceakt. Dabei ist es egal, ob man Chicken-Curry oder eine Bolognese kocht. Der Unterschied der Sauerei liegt einzig in der Farbe. Frisch gestärkt können wir uns dann nur noch kurz über die letzten Segelmeilen freuen, bevor der Wind gegen 21:30 ganz einschläft.

Bei drei verträumten Knötchen Wind von achtern geht gar nichts mehr, egal wieviel Geduld man in die Waagschale wirft. Wir müssen motoren. Kurz vor Mitternacht stirbt dann auch die letzte Hoffnung, dass es sich der Wind vielleicht doch noch einmal anders überlegt. Wir bergen die Segel. Bei schlagenden Segeln und brummenden Motor kann niemand mehr in der PINCOYA schlafen. Allein der Motor ist schon schlimm genug. Die PINCOYA ist einfach zu klein, als dass man dort dann noch ein ruhiges Eckchen finden könnte. So brummen wir wenigstens ohne schlagende Segel mit mittleren Drehzahlen weiter in Richtung Guanaja.


Es ist immer eine Sache des Abwägens. Motoren oder Abwarten. Mitten auf dem Atlantik ist die Sache klar. Da wartet man bzw. da warten wir, bis der Wind zurückkommt, denn genügend Diesel haben wir ohnehin nicht dabei, um irgendwo anzukommen. Knapp 50 sm vor dem Ziel fällt diese Entscheidung schon schwerer. Wenigstens uns, denn es gibt viele Fahrtensegler, die ihren »Camper« stumpf von Insel zu Insel motoren. So ist uns auf halber Strecke ein Katamaran entgegen gekommen, der in Richtung Grand Cayman motorte, also direkt gegen den Wind und dann auch noch direkt in das nächste Starkwindfeld. Wieso man so etwas macht, ist uns ein Rätsel, aber dass so etwas gang und gäbe ist, haben wir hier in der Karibik ja nun auch schon gelernt. Gesegelt wird nur, wenn der Wind zufällig für einen direkten Kurs passt, ansonsten wird motort.

Etwas frustriert entscheiden wir uns dann auch fürs Motoren. Der Strom ist zwar nicht doll, doch er würde uns zu weit nach Westen versetzen und laut Vorhersage besteht in den nächsten 24h eh keinerlei Aussicht auf etwas Wind.

Um 23:59 loggen wir unser 2. Etmal mit 112,0 sm. Noch 39,2 sm to go.


Tag 4, Mittwoch 11.02.

„Tag 4, gleich sind wir da“

„Tag 4, gleich sind wir da“

Gegen Mitternacht perfektioniert sich die Flaute auf 1 bis 2 kn Wind aus Nirgendwo. So brummen wir lethargisch vor uns hin. Doch gegen 2:00 piept plötzlich der Tiefenalarm. Ungläubig blinzele ich auf die Tiefenanzeige und dann auf die Seekarte. 5.438 m sollten eigentlich fürs Erste reichen. Dann piept es schon wieder. Auf der Anzeige stehen 2,2 m.

Die Erklärung sehe ich dann erst im Licht der Taschenlampe. Eine riesige Horde von Delphinen begleitet uns, obwohl wir motoren. Es sind unzählige und ich sehe sie immer wieder als Schatten durchs Wasser zischen und in Gruppen auftauchen. Sie schwimmen in großen Rudeln und immer wieder piept unser Tiefenalarm, wenn sie direkt unter dem Echolot sind. Das geht nicht nur für einige Minuten so, auch Astrid kann ihnen nach über einer Stunde noch zuschauen. Schade, dass es nicht schon hell ist, das wäre sicher ein tolles Schauspiel.


Am Ende motoren wir den ganzen Rest der Strecke. Insgesamt fast 10 Stunden. Als es dämmert, liegen noch 16 sm vor uns und um uns herum regt sich kein Lüftchen. Der Motor läuft auf einer niedrigen Drehzahl und wir machen gerade mal 3,8 kn. Eigentlich sollten wir laut Vorhersage noch 10 kn Wind haben. Meist stimmt die ja auch, nur manchmal eben nicht. Was für ein Pech!

„Guanaja voraus“

„Guanaja voraus“

Mit Sonnenaufgang sehen wir schemenhaft die Umrissen von Guanaja. Doch es dauert, bis wir schlussendlich ankommen. Lange fahren wir noch an der Kette der vorgelagerten Riffe entlang, bis wir zu der Riffdurchfahrt in die Bucht von Bonacca abbiegen können. Im Süden sehen wir die Berge vom Festland von Honduras. Nun haben wir mit der PINCOYA das erste Mal Mittelamerika erreicht. Wir sind gespannt auf die Bay Islands. Im Gegensatz zum Mainland sollen die Islands relativ sicher und entspannt sein. Mal sehen.

„Erst mal alles ordnen, das haben wir in der Nacht nicht mehr gemacht.“

„Erst mal alles ordnen, das haben wir in der Nacht nicht mehr gemacht.“

„Es geht entlang der Riffe vor Guanaja“

„Es geht entlang der Riffe vor Guanaja“

„Die einzelnen Cays sind durchaus bewohnt.“

„Die einzelnen Cays sind durchaus bewohnt.“

„Landungsvorbereitungen ...“

„Landungsvorbereitungen …“


„Ein Cay mit Palmen und Strand“

„Ein Cay mit Palmen und Strand“

Gegen 10:00 nehmen wir die Riffeinfahrt. Es gibt sogar mehrere Einfahrten und im Tageslicht ist die Bucht El Bight im Osten der Bucht von Bonacca einfach anzulaufen.

„Bonacca, die Hauptstadt auf Pfählen“

„Bonacca, die Hauptstadt auf Pfählen“

„Ein Tauchhotel. Günstig gelegen direkt am und auf dem Riff.“

„Ein Tauchhotel. Günstig gelegen direkt am und auf dem Riff.“

Dort ankern schon sechs weitere Segler. Alles alte gebrauchte Schiffe mit eher gestandenen Seglern. Die Segler-Community hier scheint noch etwas abseits der Cruising-Standards zu liegen, die die Kleinen Antillen schon längst fest im Griff haben.

So stehen die Vorzeichen schon mal gleich auf Wohlfühlen. Kaum sitzt unsere Anker, kommt auch einer der anderen Ankerlieger zu uns herüber und erzählt uns, was es hier und da so gibt. Und im Übrigen, so eine gelbe Flagge zum Einklarieren ist hübsch, aber wir sollten uns mal entspannen, wir seien hier in Honduras. Fahrt morgen mal nach Bonacca, vielleicht ist der Immigration Officer dann auch da. Ansonsten herzlich willkommen.


„Ok, dann sind wir eben einfach mal entspannt und schon da.“

„Ok, dann sind wir eben einfach mal entspannt und schon da.“

So wechseln wir die gelbe Flagge schon mal gleich gegen die honduranische Gastlandflagge und lassen den lieben Gott nen guten Mann sein.

Hinter uns liegen 336,7 Seemeilen. Zu einem neuen rekordverdächtigen Etmal hat es diesmal nicht gereicht, aber dafür sind wir ordentlich durchgeschaukelt worden. Insgesamt waren wir 2 Tage, 22 Stunden und 55 Minuten unterwegs, was immerhin noch einem Schnitt von 4,7 kn entspricht. Aber unter 3 Tagen war dem Schiffsjungen auch wichtig, wir wollen ja schließlich nicht so schnell schwächeln. Die Capitana beobachtet diese neuen Regattaallüren des Schiffsjungen zwar mit Argwohn, aber manchmal wird der Sportgeist eben auch erst später geweckt.

In jedem Fall gefallen uns die Bay Islands spontan richtig gut. Mal sehen, wie’s weitergeht. Wir sind auf das Land gespannt, dass wir eigentlich mal von unserer Reiseroute ausgeschlossen hatten.

„Der Abendausklang in der El Bight.“

„Der Abendausklang in der El Bight.“

El Bight, Guanaja, Honduras
16° 27′ 18,5” N, 085° 52′ 10,7” W