USA -> Bermuda – Tag 5 bis 7 –


USA, North Carolina, Cape Lookout -> Bermuda
Insgesamt: 650,3 sm – still to go: 0 sm – Gesamtdistanz 2026: 3.283,0 sm


Tag 5, Montag 25.05. ab Mittag
So langsam wird der Strom geringer und manchmal ist er auch ganz weg. Doch ganz unmerklich drängelt sich nun ein langer Atlantikschwell in unseren Segelalltag. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der Schwell aus einer Richtung kommen würde, aber es schwellt mal aus Norden, mal aus Osten und ob dann nicht doch auch noch einige Schwellungen aus Süden dabei sind, lässt sich gar nicht so genau sagen. In jedem Fall segeln wir in einem zunehmend schwelligen Durcheinander, in dem auch die Windwellen aus Südwest noch ein Wörtchen mitreden wollen. Doch der Schwell, egal aus welcher Richtung er nun gerade kommt, ist lang und sorgt nur für echte Unruhe, wenn mehrere Schwellungen gleichzeitig die PINCOYA hin und her schubsen wollen.

„Der Tag 5 klingt aus. Anhand der Bilder kann man einen Sonnenaufgang kaum von einem Sonnenuntergang unterscheiden. Man muss auf die Himmelsrichtung achten. Wie hier, es ist eindeutig ein Sonnenuntergang, denn dahinten ist Westen!“

„Der Tag 5 klingt aus. Anhand der Bilder kann man einen Sonnenaufgang kaum von einem Sonnenuntergang unterscheiden. Man muss auf die Himmelsrichtung achten. Wie hier, es ist eindeutig ein Sonnenuntergang, denn dahinten ist Westen!“

So schaukeln wir nicht zu knapp in eine dennoch ruhige Nacht.

Um 23:59 loggen wir unser 4. Etmal mit 118 sm. 151 sm to go.


Tag 6, Dienstag 26.05.

„Der Tag 6 kommt bzw. ist hier schon voll im Gange.“

„Der Tag 6 kommt bzw. ist hier schon voll im Gange.“

Gegen 1:00 beginnt die PINCOYA zu rennen. Immer wieder pflügt sie mit dicken 6 kn durch die Wellen. Die Wettervorhersage passt wie die Faust auf’s Auge. Der Wind dreht sukzessive etwas mehr auf West. Nicht schnell, aber jedes Grad hilft uns, von unserem Amwindkurs wegzukommen.

Nun können wir uns langsam um unseren Homerun kümmern. Um 1:00 liegen noch rund 145 sm vor uns. Im Dunkeln wollen wir den Town Cut von Saint George’s Town nicht nehmen. Der soll schwierig sein und selbst Jimmy empfiehlt eine Anfahrt bei Tag. Diese Schwierigkeiten bleiben uns dann allerdings verborgen, als wir tatsächlich in den Town Cut einfahren. Die Einfahrt ist gut betonnt und beleuchtet und es wäre auch kein Problem bei Nacht und zudem noch mit Radar den Felseinschnitt der Einfahrt zu treffen. Aber sei’s drum, noch wissen wir das ja nicht und bis zum Sonnenuntergang heute Abend sind es noch 19 Stunden. Um die 145 bis Sonnenuntergang zu schaffen, müssten wir im Schnitt 7,6 kn segeln, was für uns so ziemlich unmöglich ist, wenn nicht gerade ein kräftiger Strom mithilft. So peilen wir den Sonnenaufgang um 6:15 an. Bis zu dem sind es noch 29 Stunden. Dafür müssen wir im Schnitt 5 kn segeln und so passt das schon besser.

Sind wir am Ende doch schneller, müssen wir etwas bremsen, aber zunächst lassen wir es mal so laufen, denn zu oft kam es dann doch anders, als wir gedacht haben.


„Rasieren, duschen, frisches T-Shirt ...“

„Rasieren, duschen, frisches T-Shirt …“

Am Vormittag schlagen wir dann gleich mal drei Fliegen mit einer Klappe. Wir laden unsere Batterien mit dem Motor, machen nebenbei Wasser und das heiße Kühlwasser des Motors macht uns auch auch noch schön warmes Duschwasser. Ein Ende ist in Sicht und da müssen wir uns auch mal etwas landfein machen.


Währenddessen dreht der Wind immer achterlicher, nimmt aber auch zu. Und diese beiden Komponenten kompensieren sich recht gut, denn auf einem Vorwindkurs ist der scheinbare Wind schwächer, wenn aber der Wind insgesamt zunimmt, passt es wieder.

„Tropic Birds. Man erkennt sie sofort an ihren langen Schwanzfedern und ihre metallisch klingenden Rufe sind nie zu überhören. Es sind unglaublich elegante und ausdauernde Flieger, die fast ihr ganzes Leben in der Luft verbringen. Eine wunderbare Gesellschaft auf See. Manchmal bleiben sie über Stunden und umkreisen immer wieder die PINCOYA.“

„Tropic Birds. Man erkennt sie sofort an ihren langen Schwanzfedern und ihre metallisch klingenden Rufe sind nie zu überhören. Es sind unglaublich elegante und ausdauernde Flieger, die fast ihr ganzes Leben in der Luft verbringen. Eine wunderbare Gesellschaft auf See. Manchmal bleiben sie über Stunden und umkreisen immer wieder die PINCOYA.“

Allerdings bleibt uns der elende Schwabbelschwell erhalten und die größeren und nun achterlicher einlaufenden Windwellen lassen uns ordentlich rollen. Das macht das Kochen zu einem echten Erlebnis, aber nach einer Stunde stopfen wir uns eine große Pfanne Bratkartoffeln in die Figur. Dass sich am Ende auf Bermuda keine Socke für unsere Kartoffeln und auch all die übrige Verproviantierung interessiert, macht nichts, es war ein hübscher Grund, um sich gleich zweimal mit Bratkartoffeln den Bauch voll zu schlagen.


Doch das Rollen nervt nicht nur uns, sondern auch unseren Autopiloten. Immer wieder wird die PINCOYA von den Wellen aus ihrem Kurs gedrückt und der Autopilot steuert sich einem Wolf, um da hinterherzukommen. Schlussendlich versuchen wir es mit der Windfahnensteuerung im True Wind Modus. Da der True Wind erst aus dem Apparent Wind und unserem Speed over Ground berechnet werden muss, hat das eine gewisse dämpfende Wirkung. Wenigstens bilden wir uns das ein und versuchen es mal damit.

Als der Wind am Abend fast ganz auf Westen dreht, nehmen wir die Genua weg und segeln nur noch mit Groß weiter. Wir hatten ja befürchtet, etwas bremsen zu müssen, aber wenn es so bleibt, bekommen wir eine Punktlandung zum Sonnenaufgang hin. Doch die Wellen bleiben elend, wir rollen stark, weil sie nun genau achtern einlaufen. Der Autopilot tut sein Bestes, doch das Rollen setzt ihm zu.


Um 20:00 liegen noch 45 sm vor uns. Bei 4,5 kn sind das 10 Stunden. So passt das bis zum Sonnenaufgang, nur dieses Rollen nervt etwas.

Um 23:59 loggen wir unser 5. Etmal mit 121 sm. 29 sm to go.


Tag 7, Mittwoch 27.05.

„Als Tag 7 dämmert, sehen wir schon Bermuda.“

„Als Tag 7 dämmert, sehen wir schon Bermuda.“

Im Schlussspurt sind wir dann doch etwas zu schnell. Der Wind hat deutlich aufgefrischt und bläst nun mit 20 kn. Und leider meint auch der Strom, noch etwas gut machen zu müssen, und ist mit uns. Nur die Wellen veranstalten nördlich von Bermuda ein hemmungsloses Chaos.

„Ein letzter Sonnenaufgang, wenigstens für diese Überfahrt 😂.“

„Ein letzter Sonnenaufgang, wenigstens für diese Überfahrt 😂.“

Der Town Cut nach Saint George’s Town öffnet sich nach Osten, d.h. wir müssen Bermuda im Norden großzügig runden, um von Osten her anzufahren. Und »großzügig« ist hierbei ernst gemeint, denn die vorgelagerten Riffe im Norden, Westen und Süden sind riesig. Ein Vielfaches der Inseln selbst. Und diese Riffe waren auch der Grund, warum Juan de Bermúdez, nach dem diese Inseln benannt wurden, Anfang des 16ten Jahrhunderts gar nicht an Land ging und nur notierte, dass es diese Inseln eben dort mitten im Atlantik gibt. Besiedelt wurde die Insel erst 100 Jahre später durch die Engländer, aber auch das nur durch Zufall und einen Schiffbruch.

„Die Celebrity Silhouette biegt vor uns ab.“

„Die Celebrity Silhouette biegt vor uns ab.“

Um 3:30 binden wir das erste Reff ins Groß. Wir müssen langsamer werden. Um 4:30 folgt das zweite. Gemütlicher wird unser Kurs dadurch nicht, aber an der Einfahrt stehen wir nun in inniger Konkurrenz mit Celebrity Silhouette, einem 315 m langen Cruise Ship. Das passt zwar nicht durch den Town Cut und kann so auch nicht nach Saint George’s Town, aber es will durch den Reef Cut nördlich von Saint George’s Island, um dann in einem weiten Bogen in der einzig passenden Fahrrinne bis weit in den Südwesten zu den Cruise Ship Terminals auf Ireland Island gegenüber von Hamilton zu fahren.


Nachdem Bermuda Radio alle Formalitäten mit Celebrity Silhouette besprochen hat, sind wir dran. Für Bermuda muss man eine Pre-Arrival-Information ausfüllen und so werden wir direkt angerufen, weil man unser AIS-Signal wohl gesehen hat. Doch was nun folgt, verschlägt uns schon etwas die Sprache, denn so etwas haben wir in all unseren Segeljahren noch nie erlebt. Bevor es zu den Formalitäten kommt, fragt uns die Port Control, wie denn unsere Reise war, ob es uns gut geht und ob alles in Ordnung sei. Und das alles in einem britischen Englisch, das im Vergleich zu dem gekauten Genuschel der US-Coast Guard, das zudem in einer Art Zeitraffer mit doppelter Geschwindigkeit abläuft, alles in den Schatten stellt, was wir je im Funk gehört haben. Ausgenommen vielleicht die Funkkommunikation der britischen Coast Guard selbst, die ungeschnitten als Lehrbuchbeispiel hergenommen werden kann.

Sicherlich ist es schwierig, so etwas wie die britische Höflichkeit direkt ins Deutsche zu übersetzen. Vielfach kommt es da ja doch zu Missverständnissen, aber der Ton macht eben die Musik und dieser Ton ist überwältigend. Und ohne etwas vorweg nehmen zu wollen, genauso freundlich und zuvorkommen geht es später im Yacht Reporting Center mit Customs und Immigration weiter. Wie unkompliziert freundlich kann die Welt auch sein! Ganz ähnlich hatten wir das ja auch schon auf den Cayman Islands erlebt, nur Bermuda setzt dem Ganzen als britische Kronkolonie im wahrsten Sinne des Wortes noch die Krone auf.


„Saint David's Head mit dem Lighthouse südlich der Einfahrt nach Saint George's Town.“

„Saint David's Head mit dem Lighthouse südlich der Einfahrt nach Saint George's Town.“

Nach den ersten Formalitäten segeln bzw. motoren wir nun weiter bis zur Ansteuerungstonne. Im Osten von Bermuda müssen wir so weit anluven, dass es unter Segeln nicht mehr geht. Die Celebrity Silhouette lassen wir vor und kurz darauf bekommen auch wir die »clearance to proceed«.

„Der Town Cut nach Saint George's Town. Früher ging es etwas weiter südlich zwischen Paget Island und Saint David's Head rein und das war wirklich tricky.“

„Der Town Cut nach Saint George's Town. Früher ging es etwas weiter südlich zwischen Paget Island und Saint David's Head rein und das war wirklich tricky.“

„Nördlich der Einfahrt liegt Saint George's Island“

„Nördlich der Einfahrt liegt Saint George's Island“

„Der Town Cut erstrahlt doch noch einmal in der Sonne.“

„Der Town Cut erstrahlt doch noch einmal in der Sonne.“

„Inzwischen müssen wir ja nicht nur photographieren, sondern auch filmen. Da kommt viel Arbeit auf die Capitanan zu.“

„Inzwischen müssen wir ja nicht nur photographieren, sondern auch filmen. Da kommt viel Arbeit auf die Capitanan zu.“

Die Einfahrt ist einfach, aber das hatte ich ja schon geschrieben. Unser Anker fällt um 6:30 direkt vor Saint George’s Town. Es ist genug Platz, denn die ARC und die vielen, die sich an diesen Fahrtrhythmus einfach dranhängen, haben schon vor einigen Tagen Bermuda verlassen. Von der ersten Minute an schlägt uns Bermuda in seinen Bann. Mit einem Auge haben wir ja schon auf das Wetter für die nächste Etappe zu den Azoren geschielt. Und spontan finden wir es gar nicht mehr schlimm, dass sich in den nächsten 1 1/2 Wochen kein Wetterfenster zu öffnen scheint.

„Anfahrt auf Saint George's Town“

„Anfahrt auf Saint George's Town“


Insgesamt liegen nun 650,3 sm hinter uns, für die wir 5 Tage, 19 Stunden und 5 Minuten gebraucht haben. Wenn man von den ersten 12 und den letzten 6 Stunden absieht, war es eine sehr ruhige und gemütliche Überfahrt. Aber auch eine Etappe, die zeitweise etwas Geduld und Gelassenheit erforderte, aber auch das haben wir ja ganz gut hinbekommen. Und nun sind wir erst einmal da.

„Vor Saint George's Town vor Anker“

„Vor Saint George's Town vor Anker“

„Bermuda ist das 44ste Land, das wir unter Segeln besuchen. Es wird etwas dauern, bis wir in 2027 die nächste neue Gastlandflagge hissen.“

„Bermuda ist das 44ste Land, das wir unter Segeln besuchen. Es wird etwas dauern, bis wir in 2027 die nächste neue Gastlandflagge hissen.“

Bermuda, vor Saint George’s Town
32° 22′ 44,3” N, 064° 40′ 22,4” W