Gleich am Donnerstag konservieren wir noch unseren Wassermacher. Dazu haben wir, bevor wir am Morgen den Ankerplatz vor Penn al Lann verlassen, noch einmal unseren Trinkwassertagestank aufgefüllt. In der Marina von Morlaix können wir kein Wasser machen und meist ist auch das Wasser, das es in den Marinas am Steg gibt, so gechlort, dass man es in keinem Fall dafür nutzen kann, einen Wassermacher zu spülen oder zu konservieren. Selbst ein Aktivkohlefilter schafft es nicht, alles Chlor herausfiltern. Das Risiko ist also hoch, denn auch wenig Chlor zerstört zuverlässig die Membran. Also nutzen wir ausschließlich unser selbsterzeugtes Wasser, dass zu 100% chlorfrei ist, um den Wassermacher zu spülen, zu konservieren und dann auch wieder in Betrieb zu nehmen. Selbst das Trinkwasser in den 5l-Flaschen aus den Supermärkten ist ja nie wirklich chlorfrei.
Das hört sich in der Tat schon wieder irgendwie nervig an, weil man das genauso vorausschauend bedenken muss, wie man auch an die regelmäßige Nutzung eines Wassermachers denken muss. Doch im Grunde genommen sind das schon die beiden einzigen Punkte, die man berücksichtigen muss. Und diese beiden Punkt sind verschwindend klein gegenüber dem riesigen Nutzen, den ein Wassermacher mit sich bringt. Seit dem Einbau unseres Wassermachers im Herbst 2022 haben wir schon rund 21.000 Liter Trinkwasser in allerbester Qualität erzeugt. Das entspricht 4.200 5l-Flaschen, wie man sie in fast allen Supermärkten rund um die Welt bekommt, weil fast nirgendwo genießbares Trinkwasser aus den Leitungen kommt. Oder 60 Füllungen unseres Hauptwassertanks. Und das alles zum Nulltarif, denn unser Wasser haben wir fast ausschließlich mit Strom aus Solar- und Windenergie gemacht. Und wenn man nicht so viel rechnen möchte, ob sich nun ein Wassermacher schon nach 3 oder 4 Jahren amortisiert, dann kann man auch einfach mal versuchen, sich vorzustellen, wie hoch denn ein Plastikberg aus 4.200 5l-Wasserflaschen so sein könnte. Auch das kann ja eine gewisse Motivation hervorrufen.
Die Schritte zum Konservieren sind einfach, aber das Konservieren ist eben auch unerlässlich, wenn man den Wassermacher nicht nutzt und die Membran nicht wenigstens einmal pro Woche mit wirklich chlorfreien Wasser spülen kann.
Es hat sich ausgerutscht!
Nachdem der Wassermacher konserviert ist, machen wir uns auf die Suche nach neuen Mastrutschern für unser Großsegel. Ganz ohne Vorgeschichte kommt das nun sicherlich etwas überraschend, aber wenn es in der Kette der Blogs Lücken gibt, gibt es eben auch Lücken bei den Problemen, die uns so ereilen.
Kurz vor Roscoff, als wir das letzte Mal vor unserem Heimaturlaub das Großsegel einholten, hatte ich plötzlich mehr Segel als sonst in der Hand. Einer der Lattenrutscher war gebrochen. Der Steg, der in der Mastnut läuft, steckte immer noch dort, wo er hingehört, aber der Rest des Rutschers baumelte lustlos am Vorliek des Großsegels.
Das war absolutes Glück im Unglück, denn wenn uns das auf einem der Crossings passiert wäre, hätten wir ganz schön dumm aus der Wäsche geguckt. Aber so hatte sich das Unglück den glimpflichsten Zeitpunkt ausgesucht, den es gerade so gab. Denn als nächstes stand ja unser Heimaturlaub auf dem Programm. Zurück in Europa haben wir nun gute Möglichkeiten und genug Zeit, um Ersatz zu besorgen. Am Ende finden wir heraus, dass noch ein zweiter Lattenrutscher angeknackst ist. Natürlich waren die auch schon während der Crossings angeknackst bzw. ziemlich verschlissen und sie hätten auch zu einem durchaus blöderen Zeitpunkt ihren Geist aufgeben können. Haben sie aber nicht, denn manchmal hat man eben doch Glück im Unglück.
Einen richtigen »Vorwurf« können wir den Mastrutschern eigentlich nicht machen. Immerhin sind es immer noch die Originalteile und die haben inzwischen schon 31 Jahre und mehr als 50.000 sm auf ihrem Buckel. Der Vorbesitzer ist zwar nicht viel gesegelt, aber allein wir haben schon gut 47.000 sm im Kielwasser der PINCOYA gelassen. Und nun ja, das Segeln mit uns ist halt auch nicht immer eine ganz so ruhige Nummer.
Also suchen und finden wir, dass die dänischen Frederiksen-Rutscher schon 2002 von Ronstan übernommen wurden und immer noch produziert werden. Das beruhigt doppelt, denn wenn etwas so lange unverändert produziert wird, dann muss es wirklich gut sein und sich bewährt haben. Es gibt diese Rutscher sowohl gebraucht als auch neu, wobei einige der Anbieter der Gebrauchtteile wohl versäumt haben, vor ihrem Angebot bei eBay mal nach den Neupreisen zu sehen.
Am Ende kaufen wir einen sinnvollen Mix. Zwei gebrauchte zur Reparatur und zwei neue als Ersatz für alle Fälle in fernen Ländern. Denn es ist unwahrscheinlich, dass wir noch einmal so viel Glück im Unglück haben.
Nun bleiben uns noch drei Tage, …
„Am Hafen die Tabak-Fabrik für Zigaretten und Zigarren in Morlaix. Sie wurde erst 2004 geschlossen und hatte ihren Höhepunkt im 19ten Jahrhundert.“
…, drei Tage, um all die Punkte unserer »Wir-hauen-ab-Liste« und noch etwas mehr abzuarbeiten. Das ist im Grunde genommen reine Fleißarbeit, denn auf unseren Listen fehlt nach all den Jahren kein Punkt mehr, der zu erledigen oder wenigstens zu bedenken ist, wenn wir die PINCOYA mal allein lassen müssen. So verschwindet alles aus der Sonne, was sich irgendwie mit einem vertretbaren Aufwand unter Deck bzw. wenigstens in den Schatten bringen lässt. Die Segel lassen wir diesmal allerdings angeschlagen, die auch noch runterzunehmen, wäre für 4 Wochen doch etwas übertrieben.
So kommt eins so zum anderen, dass uns nicht wirklich langweilig wird. Allein das Waschen all unserer Plünnen und des Bettzeugs kostet uns fast einen ganzen Tag. Doch zwischen all diesen Dingen denken wir auch mal an uns…
Liebe geht tatsächlich durch den Magen!
Nachdem wir ja schon in Camaret-sur-Mer erfolgreich für eine Grundversorgung mit französischen Leckereien gesorgt hatten, gehen wir in Morlaix gleich noch einmal einkaufen. Leider finden wir auf Anhieb nur einen kleinen Carrefour Express. Das war zwar nicht ganz das, was wir uns erhofft hatten, frischt aber dennoch unsere kulinarische Ecke wieder auf. Aber der absolute Oberhammer ist eine kleine Boulangerie. Fast andächtig schleppen wir viel zu viele Varianten von Baguettes, ein Weißbrot, zwei Paint au chocolat, Croissants und zwei dicke Stücken bretonische Torte zurück zur PINCOYA. Wenn man so lange von solchen Leckereien abgeschnitten war, ist jeder Widerstand zwecklos.
„Unverkennbar und markant, das Viadukt von Morlaix, darüber fährt der TGV. Rechts Kunst am Aufgang zum Viadukt.“
Außerdem steht auch noch »Kühlschrank abtauen« als ein Punkt auf unserer ToDo-Liste. Das hört sich einfach an, bedeutet aber, dass wir vorher das Eisfach leer essen müssen. So grillen wir noch dreimal in verschiedenen Varianten, bevor auch dieser Punkt abgehakt werden kann. 😋
Zwischendrin finden wir immer noch etwas Zeit, um uns in Morlaix etwas umzusehen. Nicht viel, aber etwas, doch eigentlich viel zu wenig, denn Morlaix ist wirklich ein wunderschönes bretonisches Städtchen.
Bis an diese Stelle des Blogs habe ich schon einige Bilder verteilt, denn Morlaix ist wirklich sehr sehenswert. Und nun kommen noch mal einige von unseren Spaziergängen.
Ein Loch, wo vorher noch keins war
Wie immer, wenn wir die PINCOYA mal etwas länger allein lassen, spülen wir auch den sekundären Kühlkreislauf des Motor mit Süßwasser. So steht das aggressive Seewasser nicht im Wärmetauscher, was sicher seine Lebensdauer erhöht. Das geht genauso schnell und problemlos wie beim Einwintern, aber diesmal fällt uns ein kleines Loch in dem Zulaufstutzen des Seewasserfilters auf. Zunächst fragen wir uns, ob dieses kleine, kreisrunde Loch dort schon immer war und wir nur vergessen haben, dass es eben dort schon immer war. Schließlich haben wir ja inzwischen auch schon gelernt, dass sich die Volvo-Ingenieure gerne Dinge ausdenken, deren ganz Genialität man nur als echter Volvo-Ingenieur erkennen kann. Also prokele ich mit meinen Finger an dem Loch herum und schwupps steckt auch schon mein ganzer Finger in dem Ansaugstutzen. Gut, da kann man nun sagen, was man will, das werden sich selbst Volvo-Ingenieure nicht als wichtiges Feature so ausgedacht haben. Der Ansaugstutzen ist aus Metall, wahrscheinlich irgendein Bronzerohr und das Seewasser hat das Metall erfolgreich weggefressen, was unseren Glauben an ein unendliches Leben des Wärmetauschers nun auch nicht gerade beflügelt. Es bleibt dabei, irgendwann gewinnt das Salzwasser jeden Zweikampf, es ist nur eine Frage der Zeit.
Damit ist die Sache aber nun auch klar, wir brauchen einen neuen Seewasserfilter für den Motor, denn wenn die eine Seite des Stutzens schon löcherig wie ein schweizer Käse ist, wird es der anderen Seite nicht viel besser gehen. Das war schon wieder Glück im Unglück. Bei einer echten Leckage hätten wir zwar sicherlich ein spontanes Absaufen verhindern können, aber es gibt ja eben auch Situationen, in denen ein Totalausfall des Motors nicht ganz so gelegen kommt. So suchen wir im Internet auch gleich noch mal nach einem neuen Seewasserfilter.
Im Tiefflug nach Hause, nicht ganz, aber halb
Nachdem der Sonntag als Putztag wie im Fluge verging 🙄, klingelt unser Wecker am Montag um 6:00 🥱. Das Wetter ist immer noch traumhaft und wir packen unsere letzten Sachen etwas wehmütig zusammen. Die Bretagne strahlt von ihrer allerbesten Seite und wir müssen weg. Wie schade! Doch auf der anderen Seite sind wir nun schon seit mehr als 11 Monaten unterwegs und es wird Zeit, zuhause mal wieder Hallo zu sagen.
Der TGV fährt um kurz vor 12:00 und zwar von Bahnhof ganz oben am Viadukt. So müssen wir erst einmal ganz hoch. Einen Bus gibt es zwar auch, aber wir gehen ruhig noch einmal die Treppen und genießen den wunderbaren Ausblick auf die Stadt. Montagmorgen ist noch nicht viel los. Nach dem anstrengenden Wochenende scheint Morlaix erst einmal auszuschlafen.
Der TGV kommt auf die Minute pünktlich. Er ist zweietagig, was wir gar nicht so richtig auf dem Schirm hatten. Doch durch Zufall sind unsere Plätze oben und so haben wir eine tolle Aussicht. Besonders als wir noch relativ langsam über das Viadukt von Morlaix rollen.
Bis Rennes geht es auf deutschem ICE-Niveau voran. Also mit ca. 150 km/h. Das fühlt sich bekannt an. Aber ab Rennes gibt der TGV mal richtig Gas und wir jagen für eineinhalb Stunden mit knapp 300 km/h Paris entgegen. Das ist irre. Noch nie sind wir so schnell mit einem Zug gefahren und es fühlt sich wirklich anders an, denn von dem üblichen Rattern eines Zuges ist nichts mehr zu spüren und zu hören. Wir sausen einfach so dahin und zischen an den Autos auf den Autobahnen in einem Affenzahn einfach so vorbei.
In Paris kommen wir auf die Minute pünktlich an und hier beginnt dann auch gleich unser Metro-Abenteuer in den Katakomben von Paris. Da es keine durchgehenden Züge gibt, müssen wir mit der Metro 4 von Montparnasse nach Paris Est. Für die »Passage« haben wir extra zwei Stunden eingeplant. Durch das Buchungsportal wird für diesen Transfer nur eine gute Stunde vorgesehen. Das haben wir aber individuell verlängert und nun sehen wir all die armen Menschen, die das nicht gemacht haben. Man kann es auch in einer Stunde schaffen, aber dann sollte man sich Klamotten zu wechseln mitnehmen 😂.
Der Parcours in Montparnasse zur Metro 4 ist ein einziger Hindernislauf mit einigen Orientierungslaufeinlagen. Man muss richtig gut zu Fuß sein, um die vielen kleinen Treppen, hier mal 5 Stufen hoch und dort mal 3 Stufen wieder runter, mit seinem Gepäck ohne viel Verzögerung quasi im Flug nehmen können. Schon nach den ersten Verzweigungen und Treppen trennt sich die träge Spreu vom sportlichen Weizen. Barrierefrei geht anders, das Ganze ist eher ein moderner Hindernislauf mit Gepäck und Orientierungskarte.
Die Metro selbst fährt im 2 Minutentakt. Es ist erstaunlich, aber auch das funktioniert. In Paris Est haben wir dann noch Zeit für einen ruhigen Café au lait. Wir sind gespannt, wie es ab hier weitergeht, denn ab Paris Est fahren wir mit einem deutsche ICE.
Und es geht weiter. Und wie! Schon kurz hinter Paris glotzen wir etwas ungläubig auf die Geschwindigkeitsanzeige. Erst sind es knapp 300, dann 310 und schließlich in der Spitze 322 km/h. Der ICE ist etwas weicher als der TGV. Es ist gewaltig, so mit einem Zug dahinzujagen.
Bis kurz vor Saarbrücken geht es so auch weiter. Alles läuft wie am Schnürchen. Bis 18:30, also nach gut 6,5 Stunden haben wir schon 850 km hinter uns gelassen. Inklusive des Hürdenlaufs🏃♀️➡️🏃♂️➡️ in Montparnasse 🏁 🥳! Doch dann kommt die deutsche Grenze und als erstes stehen wir wegen einer Signalstörung schon mal 30 Minuten vor Saarbrücken herum 🤷♂️🧘♀️. Doch irgendwann geht es auch hier weiter, aber eben so, wie man es kennt. Für die letzten 600 km brauchen wir dann noch einmal 10,5 Stunden.
Um 4:30 nehmen wir In Hannover die erste S-Bahn nach Hause. Alles hat bestens geklappt, aber in Frankreich haben wir mal gesehen, wie schnell es auch mit der Bahn gehen kann. Ok, dort fahren der TGV und auch der ICE auf einer eigenen Trasse. Deswegen sind auch so hohe Geschwindigkeiten möglich. Würde das europaweit so gehen, wäre die Bahn eine wirklich perfekte Alternative zum Fliegen. Aber dafür müssten neue Trassen gebaut werden, die die Hochgeschwindigkeitszüge sich dann nicht mit all den Regional- und Güterzügen teilen müssen. Dann würde es auch schnell gehen und die Pünktlichkeit käme von ganz allein.
Da uns die Kids unsere Henriette 🚗💨 an den S-Bahnhof gestellt haben, ist auch die letzte Meile schnell geschafft. Zuhause fallen wir erst einmal ins Bett, denn so richtig entspannt sitzt man dann doch nicht eine ganze Nacht im Zug.
Zum Gutenmorgenkaffee stellen wir dann den Starlink einfach mal schnell in den Garten und schauen, was es Neues gibt. Viel ist es nicht, doch das eine reicht dann vollkommen aus, um uns vom Hocker zu hauen. In Astrid Posteingang klingelt eine eMail von der Marina in Morlaix. Und die Marina informiert alle Liegeplatzinhaber darüber, dass die Stadt Morlaix beschlossen hat, vom Donnerstag den 10.09 bis Sonntag den 13.09. den Wasserstand im Hafenbecken wegen Wartungsarbeiten um 1,5 m abzusenken. Wir reiben uns die Augen und schicken die Mail noch einmal durch den Übersetzer. Es bleibt dabei, ab dem 10.09. 1,5 m weniger Wasser. Mist!!! Denn wir sitzen jetzt schon fast auf, weil wegen der Trockenheit eh schon rund 40 cm Wasser fehlen. Und wenn sie nun noch 1,5 m zusätzlich ablassen, fällt die PINCOYA schlicht um.
Und die Werft bittet alle Bootseigner, dafür Sorge zu tragen, dass an ihren Schiffen und auch an den Steganlagen keine Schäden entstehen. Super! Wir sind noch nicht einmal richtig angekommen, da sind unsere Pläne schon wieder von gestern.
So atmen wir erst einmal tief durch und beschließen, zunächst mal die Familie zu besuchen, bevor wir dann mit neuem Nachdenken beginnen. Soviel Zeit muss sein!




































