… nur manchmal wird das Schnürchen auch einfach nur länger 😳 🤷♂️.
Zwischen all den Familienbesuchen, einer Einschulung und Astrids Geburtstagsparty gehen wir auch gleich mal auf eine bisher geheimgehaltene Mission, um unsere in die Jahre gekommenen Bordfahrräder abzulösen. Die beiden Räder haben uns in den letzten 15 Jahren einen wirklich sehr guten Dienst erwiesen, obwohl dieser Dienst auch immer mit einem gewissen Aufwand verbunden war. Und zugegeben, dieser Aufwand war schon etwas nervig. Was das ein oder andere Mal auch dazu führte, dass sich unsere Spontanität nicht ganz so problemlos entfalten konnte, wie sich unsere Klappräder kurz darauf hätten entfalten können. Seit Jahr und Tag haben beide Räder ihren Platz in einer der Backskisten. Das passte zwar prima, doch dieser Platz zeichnet sich auch nicht gerade durch eine besondere »Griffbereitschaft« aus. So stand vor jedem Einsatz das Ausräumen der Backskiste an, was dazu führte, dass die Bequemlichkeit doch zu oft den Sieg über einen eigentlich sinnvollen Einsatz davontrug.
Und so richtig handlich sind Klappräder ja nun auch nicht. Unsere Räder passen zwar geradeso eben durch die Luke der Backskiste, aber dafür fühlen sie sich dort auch so wohl, dass sie machmal gar nicht wieder rauswollen 🙄. Außerdem machen sie sich in unserem Gummiboot immer extrabreit, obwohl wir mit dem neuen Gummiboot nun beide auf einmal an Land transportieren können. Das alles ist zwar machbar, beflügelt aber die spontane Nutzung auch nicht gerade. Deswegen haben wir uns nach Alternativen umgeschaut. Denn unsere Anforderungen sind ja durchaus überschaubar. Zu einer handhabbaren Handlichkeit und einer gewissen Transportkapazität sollte sich nur noch etwas altersgerechte Mobilität gesellen, um unseren Ausflugsradius zu erhöhen.
Und wie durch Zufall gibt es in Hannover genau das, was wir gesucht haben, und das auch noch mit einer Prise altersgerechter Coolness. Der Moovi ist ein eScooter, den es auch in einer recht pfiffigen Cargo-Variante gibt. So verabreden wir uns zu einer Probefahrt, denn bisher haben wir eScootern nur hinterhergeschaut. Die ersten Meter sind dann auch nicht gerade von einer bestechenden Eleganz geprägt, aber die ganze Sache funktioniert und erfüllt auch unsere Transportanforderungen. Auf einer Art Gepäckträger, der vorn am Scooter befestigt wird, können wir eine Klappkiste schnallen und bis zu 30kg transportieren. Obendrein ist der Moovi mit seinen 14kg eher ein Leichtgewicht und kann nicht nur zusammengefaltet werden, sondern auch die Lenker einklappen. So lässt er sich wirklich platzsparend stauen, doch die 14kg haben auch ihren Preis, denn der Akku ist nicht wirklich üppig. Das kostet zwar nichts von der zugelassenen Endgeschwindigkeit, aber die Reichweite ist dann doch begrenzt. Für einen Schiffsjungen von meinem Kaliber ist nach etwa 25km Schluss, zierliche Capitanas sausen dann allerdings immer noch munter um die Ecke.
Aber gut, auch diese Reichweiten sollten für uns hinreichen, zumal ein kleinerer Akku auch besser zu unseren »alternativen Lademöglichkeiten« auf der PINCOYA passt. So fahren wir mehr oder weniger elegant Probe und am Ende stopfen wir gleich zwei eScooter in Henriette.
Natürlich testen wir die ganze Sache auch gleich schon mal ausgiebig während unseres Heimaturlaubs und so verbreitet sich unsere neue eMobilität schneller in unserem Dorf, als wir überhaupt scootern können. Schon einen Tag später sind wir bekannt wie die bunten Hunde. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass das eScooter-Aufkommen während der Schulzeiten bisher eher gegen Null ging.
Anfall und Rückfall
Obwohl wir bei bestem Sommerwetter zuhause ankommen, fällt die Capitana direkt einen Tag später ein fieser Bazillus echt hinterhältig an. Das mag auch daran liegen, dass wir bzw. unser Immunsystem gar nicht mehr so recht darauf eingestimmt ist, mit so vielen kränklichen Menschen umzugehen. Doch egal wie, schon am nächsten Tag ist die Stimme der Capitana weg, sie schnupft und hustet und legt sogleich ein Schweigegelübde ab, weil Reden manchmal tatsächlich nur Silber und Schweigen dann doch eher Gold ist.
Doch kaum kann die Capitana wieder ihre Stimme erheben, haut es den Schiffsjungen richtig aus den Socken. Erst nehmen wir an, dass ich aus lauter zuneigender Solidarität der Capitana auf ihrem Leidensweg folge, doch dann wird immer klarer, dass ich einen Rückfall habe, denn alle Symptome sind identisch zu denen, mit denen ich vor 8 Monaten auf Jamaica flachgelegen habe. So ist offensichtlich das Chikungunya-Fieber zurück oder was auch immer das damals war. Genaues wissen wir ja (noch) nicht, denn einen Antikörpertest haben wir bisher noch nicht machen können. So geht drei Tage gar nichts mehr, wobei »gar nichts« nicht wirklich übertrieben ist. Dann berappele ich mich wieder, aber es dauert, bis ich wieder mit dem eScooter durch’s Dorf sausen kann, um andere Baby-Boomer auf ihren eBikes zu erschrecken.
Zwischendrin, mal so, aber zu oft dann doch nicht ganz so
Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Blauäugigkeit zu immer neuen Höhenflügen aufschwingt, wenn volle vier Wochen Heimaturlaub vor einem liegen, in denen man meint, all das schaffen zu können, was man bisher nicht geschafft hat, läuft zusätzlich nicht immer alles so, wie es eigentlich laufen sollte. Einiges gelingt, aber von den 10 noch ausstehenden Blogs erblicken nur zwei das Licht der Internetwelt. So bleibt noch einiges für den Winter über, denn als ich diese Zeilen schreibe, ist unser Heimaturlaub schon wieder einfach so verpufft.
Doch einiges gelingt auch und so haben wir inzwischen alle Ersatzteile zusammen, die wir brauchen, um die letzte Etappe bis Bremerhaven anzugehen. Aber unser Auftrag bei der Firma Ertec aus DK macht uns Sorgen, denn seit Wochen versuchen wir herauszubekommen, ob es bei dem zugesagten Liefertermin für die neuen Fenster im Dezember/Januar auch wirklich bleibt. Und dann kommt der Hammer per eMail. – Dieses Jahr wird es mit unseren neuen Fenstern nichts mehr und wenn überhaupt, dann irgendwann bis Sommer nächsten Jahres. Aus »persönlichen Gründen«, die Mail ist ehrlich, doch das hilft uns auch nicht viel weiter, denn nun stecken wir in argen Schwierigkeiten und haben keine Idee, wie wir aus dieser Nummer wieder rauskommen.
Wir wussten, dass es eine One-man-Show ist. Und wir haben dieses Risiko auch gesehen, auch wenn wir versucht haben, es uns klein zu reden. Doch nun steht das Problem in seiner ganzen Schönheit vor uns. Unsere Alufensterrahmen müssen mit einem Radius von 47 mm gebogen werden und bisher haben wir nur alternative Firmen gefunden, die bis 50 mm biegen können, aber eben nicht kleiner. 47 mm liegen bei einer Rahmenstärke von 25 mm an der technisch machbaren Grenze. Das ist nicht wirklich verwunderlich, doch wir brauchen diesen Biegeradius, denn größer geht nicht, weil sonst ein Spalt in der Rundung zurückbleibt.
Eine neue Idee haben wir bis dato nicht. Alles ist wieder offen, nur nicht die Tatsache, dass wir dringend neue Fensterrahmen brauchen, weil die alten schlicht weggammeln 😩.
So jagt ein Thema das nächste und wir verschieben immer mehr »auf den Winter«. Der Winter ist ja erst einmal noch weit weg und damit auch noch ziemlich geduldig. Doch wir sind vorsichtig geworden, da wir nun erlebt haben, wie schnell vier Wochen verpuffen können. Und die hässliche Tragweite einer solchen Verpuffung steht ja in direkten Zusammenhang zu dem, was man sich so vornimmt. Da den skeptischen Überblick zu behalten, ist wenigstens für uns nicht wirklich schwer, da wir die Meister der ToDo-Listen sind. Doch wenn wir auf den Winter schauen und an unsere ToDo-Listen denken, riecht die ganze Sache schon wieder nach einer ordentlichen Verpuffung. Nichts ist so schnell nicht zu schaffen, wie die Zeit um ist 🙄 😩 😳!
Und dann werden wir auch noch von allen gefragt, was wir denn nächstes Jahr so vor haben. Und an dieser Stelle sind wir mal ganz ehrlich und antworten mit »Keine Ahnung, aber Kap Horn wird es wohl eher nicht werden!” Vielleicht noch mal …, aber das wissen wir auch noch nicht, wir müssen erst einmal eine größere zeitliche Verpuffung verhindern, in der mehr liegen bleibt als sich erledigen lässt.
Und nun?
Ja nun ist erst einmal »Start minus Eins«. Es ist Freitag, der Countdown läuft und wir sitzen zwischen einer gelungenen Packprobe für unsere Rückreise am Sonntag. Zwei eScooter, zwei Rücksäcke und ein kleiner Trolley freuen sich schon darauf, von uns von einem Zug in den nächsten geschleppt zu werden. Immerhin ist unser Gepäck nicht ganz so »extraordinary« wie letztes Jahr auf dem Rückflug nach Curaçao, als wir uns die Übergepäckkante in ihrer ganzen Schönheit gegeben haben. Dieses Mal liegt unser Gepäck im Rahmen des Machbaren, wenigstens sind wir davon überzeugt, und wir freuen uns auf die Bretagne und die Côte de Granit Rose. Wir müssen nur schnell genug den neuen Wasserfilter für den Motor einbauen, bevor sie in der Marina den Stöpsel ziehen und die PINCOYA auf die Seite fällt. Aber das sind ja nur die kleinen Herausforderungen, die sich immer wieder in unser Leben schleichen, und so tun, als ob das alles ganz normal wäre.
Doch es sieht gut aus und kann gelingen, denn wenn alles wie am Schnürchen läuft, sollte der Motor schon am Montagmittag wieder Kühlwasser schlürfen, als ob nie etwas gewesen wäre. Nur viel länger darf das Schnürchen dann auch nicht werden, aber wann ist so etwas überhaupt schon mal passiert? 🥳





