… bis Paimpol


Der Dienstagmorgen enttäuscht noch etwas mehr als der Montagmorgen. Es regnet. Erst gegen Mittag soll es etwas auflockern. Gestern hatten wir viel Glück, nun hoffen wir, dass das Glück heute noch einmal mit uns ist.

So vertrödeln wir einen Teil des Vormittags, bis wir dann gegen Halbzwölf im hoffentlich letzten Regen starten.

„Unser zweiter Ausflug beginnt im Regen.“

„Unser zweiter Ausflug beginnt im Regen.“


Tréguier
Als erstes Ziel haben wir Tréguier. Es gibt ja nicht wirklich viele gute Verstecke im Norden der Bretagne, falls mal wirklich ein fettes Tiefdruckgebiet vorbeikommt. Aber neben den Wrac’hs im Westen gibt es noch die Joudy, an der Tréguier liegt, und die Trieux, an der Lézardrieux liegt. Beide Flüsse sind auch bei Springniedrigwasser gut schiffbar und wir wollen uns mal ansehen, wie es dort aussieht und wo man vielleicht auch ankern könnte. Doch unser Hauptziel ist eigentlich Paimpol, denn dort wollten wir ja ursprünglich mal unsere Segelpause einlegen, bevor Morlaix ins Spiel kam.

So fahren wir im Regen zunächst nach Tréguier.

„Die Kathedrale ist einfach zu groß, ohne Stativ und einige Panorama-Aufnahmen passt sie einfach nicht in die Kamera.“

„Die Kathedrale ist einfach zu groß, ohne Stativ und einige Panorama-Aufnahmen passt sie einfach nicht in die Kamera.“

Und obwohl das Wetter nun wirklich nicht viel zu bieten hat, sind wir vollkommen begeistert von der Stadt. Die Altstadt mit der riesigen Kathedrale ist schlicht unglaublich. Zunächst hüllt sich alles zwar noch in ein trübes Grau, aber am Ende kommt dann doch noch die Sonne raus. Etwas zögerlich, aber einige Sonnenstrahlen machen ja auch schon einen großen Unterschied.

„Etwas Altstadt am Kirchplatz“

„Etwas Altstadt am Kirchplatz“

„Da gehen wir nun mal rein.“

„Da gehen wir nun mal rein.“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier I“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier I“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier II“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier II“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier III“

„Die Cathédrale Saint-Tugdual de Tréguier III“

Um das Ganze mit dem Blick auf die Kathedrale etwas auf uns wirken zu lassen, legen wir in der Crêperie Le Martray eine kleine Pause ein. Die Capitana will unbedingt einen Crêpe essen, da mir aber gerade nicht so nach etwas Süßem ist, bestelle ich mir eine Galette Bretonne. Da wir beide keine Ahnung haben, was sich hinter “Galettes” im Allgemeinen verbirgt, googeln wir vor der Bestellung noch mal klammheimlich. Es ist vielleicht verwerflich, dass man solche Dinge nicht schon vorher in Reiseführern recherchiert hat, um dann, wenn man im Land ist, solche Dinge wie selbstverständlich zu wissen und vielleicht auch das Ziel zu haben, genau dieses oder jenes mal zu probieren. Aber so sind wir eben nicht. Der Zufall und die Überraschung sind uns an der ein oder anderen Stelle dann doch lieber als das durchorganisierte Abarbeiten eines Reiseplans.

Und bei Google finden wir sowohl die Petit Galettes, das sind kleine Kekse, die auch lecker sind und die wir auch schon gekauft haben, aber auch die »Galette Bretonne«, hinter der sich eine Art bretonische Nationalspeise verbirgt. Im Prinzip ist die Galette Bretonne ein salziger Crêpe aus Buchweizenmehl, in dessen Mitte ein Ei geschlagen wird und rundherum etwas angebratener Kochschinken und geraspelter Hartkäse kommen. Das alles wird so lange auf einer Crêpe-Platte gebraten, bis das Weiße des Eis wie bei einem Spiegelei gestockt ist. Zur Halbzeit werden dann schon mal die Seiten eingeschlagen, sodass die Galette zu einem viereckigen Päckchen wird. Das alles wissen wir so genau, weil wir uns inzwischen schon zweimal Galettes Bretonne selbst gemacht haben. 😋

„Eine Galette Bretonne“

„Eine Galette Bretonne“

Aber das alles eben nur, weil die erste Galette Bretonne, die ich kurz darauf serviert bekomme, eine echte Offenbarung ist. Es passiert ja nicht oft, dass neue Dinge, die man probiert, mal wirklich hammermäßig gut schmecken. Meist ist ja doch etwas mehr Hype als Geschmacksorgasmus dabei. Doch diese Galette ist ebenso einfach wie phantastisch. Von den Zutaten her gesehen ist sie absolut nichts Besonderes, so wie das eben meist bei Dingen ist, die als »arme Leute Essen« entstanden sind. Aber sie ist so lecker, dass wir uns gleich vornehmen, die nächsten Tage noch einmal essen zu gehen, damit die Capitana nicht »nur« einen Crêpe bekommt, sondern auch mal eine Galette Bretonne genießen kann.

„In der Altstadt von Tréguier I“

„In der Altstadt von Tréguier I“

„In der Altstadt von Tréguier II“

„In der Altstadt von Tréguier II“

„In der Altstadt von Tréguier III“

„In der Altstadt von Tréguier III“

„In der Altstadt von Tréguier IV“

„In der Altstadt von Tréguier IV“

Und weil Tréguier eine so hübsche Stadt ist und auch, weil die Galette Bretonne so lecker war 😊, ist am Ende klar, dass Tréguier eines unserer nächsten Ziele sein wird. Denn in der letzten Biegung des Flusses kurz vor der Stadt und der Marina soll es auch noch eine gute Ankermöglichkeit geben. Direkt unter dem Schlösschen, das wir vom Hafen aus schon gesehen haben.

„Ganz hinten zwischen den Bäumen sieht man das Schlösschen und genau darunter soll man ankern können. Schöner geht's kaum...“

„Ganz hinten zwischen den Bäumen sieht man das Schlösschen und genau darunter soll man ankern können. Schöner geht's kaum…“

„Die Marina von Tréguier“

„Die Marina von Tréguier“

„Der ist deutlich schneller als wir, hat aber auch keine Pantry, in der man eine Galette Bretonne zubereiten kann 😇.“

„Der ist deutlich schneller als wir, hat aber auch keine Pantry, in der man eine Galette Bretonne zubereiten kann 😇.“

„Die Post, aber das absolut Cooooolste 😎 ist der Erker.“

„Die Post, aber das absolut Cooooolste 😎 ist der Erker.“


Lézardrieux

„Am Hafen in Lézardrieux...“

„Am Hafen in Lézardrieux…“

Von Tréguier nach Lézardrieux ist es nicht weit. Lézardrieux ist zwar auch ein nettes bretonisches Städtchen, reicht aber an den Charme von Tréguier nicht heran. Der Hafen ist zweigeteilt. Im oberen Teil wird genügend Wasser in einem Becken zurückgehalten, sodass die Schiffe noch schwimmen. Der untere Teil hebt und senkt sich an Schwimmpontons, bietet aber zu Springzeiten nur ganz außen noch genug Tiefe für größere Kielboote.

„Die »obere« Marina, dort wird gerade an der Mauer gearbeitet, die noch genügend Wasser zurückhält, damit die Schiffe in dieser Marina noch schwimmen. Bei Hochwasser liegt das alles 4 bis 5m unter Wasser.

„Die »obere« Marina, dort wird gerade an der Mauer gearbeitet, die noch genügend Wasser zurückhält, damit die Schiffe in dieser Marina noch schwimmen. Bei Hochwasser liegt das alles 4 bis 5m unter Wasser.

„Die »untere« Marina von Lézardieux, die hebt und senkt sich mit den Gezeiten.“

„Die »untere« Marina von Lézardieux, die hebt und senkt sich mit den Gezeiten.“

Insgesamt prickelt Lézardrieux nicht ganz so, aber wir sehen, dass man dort auch gut ankern oder sich eine Mooring schnappen kann. Zur Springzeit ist die Strömung vor dem Hafen allerdings schon recht knackig und an einer Engstelle kurz vor der Stadt kann es zu ungünstigen Zeiten mit bis zu 7 kn strömen. Zu Nippzeiten ist das aber alles viel entspannter. Vielleicht gelingt es uns ja mal, Lézardrieux nicht zu einer Springzeit mit einem Koeffizienten über 100 zu treffen. Könnte ja sein 😊.

„Die Capitana schaut schon mal, wann das nächste Hochwasser kommt.“

„Die Capitana schaut schon mal, wann das nächste Hochwasser kommt.“


„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux I“

„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux I“

Kurz hinter der Marina quert eine ausgesprochen hübsche Brücke die Trieux. Es ist eine alte Stahlkonstruktion, die in vielen Perspektiven ein tolles Photomotiv hergibt.

„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux II“

„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux II“

„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux III“

„Die Brücke bei Lézardrieux über die Trieux III“

„Die Trieux landeinwärts“

„Die Trieux landeinwärts“

Und oben von der Brücke kann man auch wunderbar landeinwärts sehen, wo sich die Trieux noch einmal sehr weit öffnet. Unter der Brücke würden wir sogar gut hindurchpassen, wenn wir es nicht gerade zu Springhochwasser versuchen. Doch unsere Seekarten enden an der Brücke, aber wir lesen, dass der Hafenmeister von Lézardrieux wohl Karten bis Pontrieux haben soll, die man sich kopieren oder abfotografieren kann.

Das wäre mal einen Versuch wert, wenn uns mal etwas nach Abenteuer ist 🙃. Von der Brücke bei Lézardrieux sind es noch 7sm bis Pontrieux, doch davon werden wir wohl nur den ersten Teil befahren können, auch wenn der Revierführer für die Bretagne behauptet, dass mehr geht. Morlaix zur Nippzeit war schon auf den letzten 1,5sm recht interessant und die Tour bis Pontrieux soll da noch etwas mehr zu bieten haben. Also mal sehen, wir könnten ja auch vor Lézardieux ankern und mit dem Bus fahren, denn Pontrieux soll sich in jedem Fall lohnen.

„Die Trieux mit Sicht in Richtung Lézardrieux“

„Die Trieux mit Sicht in Richtung Lézardrieux“

„Die Trieux in Richtung Lézardrieux; von der Brücke flussaufwärts; dort sieht man, dass man dort auch prima ankern kann.“

„Die Trieux in Richtung Lézardrieux; von der Brücke flussaufwärts; dort sieht man, dass man dort auch prima ankern kann.“


Paimpol
Machen wir’s kurz. Nachdem wir den Hafen von Paimpol gesehen haben, sind wir froh, uns für Morlaix entschieden zu haben. Der Hafen ist absolut überfüllt, man könnte sogar vollgestopft sagen. Die Stadt selbst hat kaum etwas von dem Flair all der anderen bretonischen Städte, deren Altstädte versuchen, sich gegenseitig mit all ihrer urwüchsigen Schönheit zu überflügeln. Außerdem ist Paimpol touristisch überlaufen und irgendwie wird man dieses »Westerland auf Sylt-Gefühl« nicht so recht los, auch wenn Westerland nun gar keine Marina hat, dafür aber in den Straßencafés viele Piccolöchen geschlürft werden.

„Piccolöchen-Paimpol ...“

„Piccolöchen-Paimpol …“

„Der Hafen bzw. die Marina ist brechend voll.“

„Der Hafen bzw. die Marina ist brechend voll.“

„Vor dem Hafen ist es nicht mehr ganz so voll, denn es ist Niedrigwasser 😂.“

„Vor dem Hafen ist es nicht mehr ganz so voll, denn es ist Niedrigwasser 😂.“

So laufen wir nur einmal um den Hafen und etwas durch die Altstadt. Das, was uns anspricht, hält sich in Grenzen oder schweigt beharrlich. Am Ende sind wir heilfroh, dass wir die PINCOYA nicht hier in Paimpol zurückgelassen haben. Da hätten wir kein gutes Gefühl gehabt.

„Paimpol“

„Paimpol“

„Paimpol hat auch etwas Altstadt.“

„Paimpol hat auch etwas Altstadt.“


Perros-Guirec
Auf dem Rückweg machen wir noch schnell Halt in Perros-Guirec. Das liegt zwar nicht direkt auf der Strecke zurück, aber beinahe hätten wir vergessen, dass wir uns dort auch noch etwas ansehen wollten. Die Marina käme für uns nur im Notfall in Betracht, aber es ist absolut beeindruckend, sie nun bei Niedrigwasser zu sehen. Das Marinabecken sieht aus wie ein riesiger Swimmingpool und man kann hier wirklich mal sehen, mit welchem Aufwand in der Bretagne teilweise Marinas gebaut werden, nur weil der Tidenhub und die Gezeiten so unerbittlich hoch sind, dass kaum etwas anderes möglich ist. So ist diese Marina ohne Frage ein schönes und vor allem interessantes Photomotiv.

„Das Becken der Marina von Perros-Guirec. Absolut beeindruckend bei Niedrigwasser. Ein Pool für Schiffe ...“

„Das Becken der Marina von Perros-Guirec. Absolut beeindruckend bei Niedrigwasser. Ein Pool für Schiffe …“

„Es sieht wie ein Schwimmbecken aus. “

„Es sieht wie ein Schwimmbecken aus. “

Doch das eigentliche Objekt unserer Begierde liegt etwas weiter nördlich auf Höhe der Rade de Perros-Guirec. Wir haben hier schon einmal geankert und uns gefragt, wo wir unter Umständen mal mit dem Dinghy an Land kommen könnten. In GoogleMaps haben wir nun eine Stelle gefunden, die aussieht wie eine öffentliche Slippe, und genau dort wollen wir mal nachsehen, ob das wirklich was ist. Denn die Rade von Perros-Guirec wird sicherlich unser nächstes Ziel nach Morlaix sein und dann könnten wir hier mal einen kleinen Landausflug machen.

„Das Dinghy Dock an der Slippe von Perros-Guirec“

„Das Dinghy Dock an der Slippe von Perros-Guirec“

„Wenn das so trocken fällt, dann kommt man da zu jeder Tide raus.

„Wenn das so trocken fällt, dann kommt man da zu jeder Tide raus.

Und die Slippe ist in der Tat ein Volltreffer, die man als Dinghy Dock zu jeder Gezeit absolut gut nutzen kann, weil ein kleiner Sandstreifen immer bis ins Wasser führt. Das ist für Dinghys mit Rädern also nie ein Problem, man muss ggf. nur etwas länger latschen.

Danach geht es dann wirklich zurück nach Morlaix.


Zurück in Morlaix
Zurück in Morlaix geben wir am nächsten Tag den Mietwagen wieder ab und bereiten alles vor, um wieder aufzubrechen. Aus dem geplanten Donnerstag wird dann allerdings doch der Freitag, da es am Donnerstag regnet. Nach sechs Wochen muss man es ja am ersten Segeltag auch nicht gleich übertreiben und so verstecken wir uns noch einen weiteren Tag unter Deck.

zurück in Morlaix
48° 35′ 09,2” N, 003° 50′ 10,3” W