Wenn man die Karibik und die USA hinter sich hat, dann setzen die Supermärkte Super U, Intermarché und besonders E.Leclerc in Frankreich echte Maßstäbe und legen die Messlatte noch um einiges höher, als sie nach den USA ohnehin schon auf den Azoren gelegt wurde. Und da wir ja regelmäßig neue 5l-Wasserflaschen herankarren müssen, denn in der Marina können wir kein Wasser machen und auch das Wasser am Steg ist nicht wirklich ein Trinkgenuss, fahren oder gehen wir auch regelmäßig einkaufen.
Es ist einfach ein Genuss, so einzukaufen, und so bringen wir uns auch immer wieder einige Leckereien mit, die es hier wie selbstverständlich gibt. Besonders Muscheln, große Crevetten und eigentlich alles, was aus dem Meer kommt, gibt es zu Spottpreisen.
Etwas schade dabei ist, dass wir auf unseren Vorsorgungstouren mit den Scootern doch schnell an Grenzen stoßen. Und der Schiffsjunge stößt an diese Grenzen noch deutlich früher als die Capitana. Morlaix liegt in einem Tal, weshalb ja auch das Viadukt gebaut wurde, und zu den Seiten geht es teilweise wirklich steil hoch. Und hier rächt sich das geringe Gewicht unserer Scooter, das sie für uns so handlich macht. Denn diese Handlichkeit hat ihren Preis in einem kleineren Akku und einem schwächeren Motor. Auf grader Strecke ist dieser Kompromiss nicht zu spüren, doch in dem Moment, in dem es irgendwo bergauf geht und der kleine Scooter den dicken Schiffsjungen schleppen muss, geht ihm doch etwas zu schnell die Puste aus. Nicht dem Schiffsjungen, das passiert erst kurz darauf, wenn er schieben muss, zunächst schnauft erst einmal der Scooter. Die Capitana ist da besser dran, ihr Scooter muss deutlich weniger Gewicht den Berg hochschleppen. So hat der Schiffsjunge doch öfter das Nachsehen und sieht von der Capitana nur noch das Rücklicht. Doch wenn es dann wieder runter geht, läuft es prima, denn die Masse macht’s.
Und einen weiteren Punkt haben wir auch nicht richtig bedacht. Mit den Scootern dürfen wir zwar innerorts überall fahren, aber außerhalb von Ortschaften nur auf Radwegen. Alles andere ist verboten. Da ist man mit Fahrrädern, egal ob mit oder ohne Elektrounterstützung, wesentlich flexibler, denn die dürfen, egal wie mickerig sie sind, auf jeder Landstraße fahren. Und wer nun glaubt, dass man in der Grande Nation des Radsports überall Radwege findet, der wird bitter enttäuscht. Es gibt zwar einige Überlandradwege, aber in der Regel fährt ein Franzose mit seinem Rennrad auf der Straße, so wie das auch die Profis der Tour de France machen.
So sind die Scooter in Summe eigentlich schon eine prima Sache, nur gibt es Einschränkungen, die wir vorher nicht bedacht haben. Energetisch sind sie dagegen allerdings ein Volltreffer. Wir können sie locker beide parallel über den Inverter laden, denn jeder Scooter zieht nur 8A Ladestrom. Das passt, auch wenn die Sonne nur etwas scheint.
Nun werden wir tiefer gelegt
Am Donnerstag ist es dann soweit. Langsam senkt sich der Wasserstand. Niemand kümmert das auch nur im Geringsten, nur wir scheinen das aufregend zu finden. Einer unserer Nachbarn, der gerade zum Überwintern in Morlaix angekommen ist, wusste es sogar noch nicht einmal und guckt ziemlich ungläubig herum, als er morgens zum Duschen gehen will.
Zunächst sehen wir nur, wie der feuchte Streifen an der Kaimauer breiter wird. Außerdem blubbert es überall. Durch den nun geringer werdenden Wasserdruck lösen sich Gasbläschen aus dem Beckengrund. Ansonsten passiert nicht viel. Zuerst setzt der Schwimmsteg vor uns auf, dann sitzt auch die PINCOYA fest. Der Kiel schein einfach so im Modder versunken zu sein. Mehr passiert nicht. Am Heck schwappt zwar noch etwas Wasser, aber viel kann das auch nicht mehr sein. Der Saildrive und das Ruder stecken wohl auch mehr oder weniger tief im Schlamm. Das alles läuft aber ziemlich unspektakulär und eigentlich auch vollkommen unmerklich ab.
Sicherheitshalber haben wir alle Seeventile geschlossen, damit sich kein Modder in die Auslässe drücken kann. Und so liegen wir da nun und außer, dass wir die Waschbeckenabflüsse nicht mehr nutzen können und es nicht mehr schwankt, hat sich nichts geändert.
„Gespült wird wie in guten alten Camping-Zeiten. Unten rechts sieht man die armen Kerle, die in den Kanälen unterhalb von Morlaix alles wieder reinigen müssen.“
Also machen wir erst einmal einen Spaziergang rund um das Hafenbecken, um zu schauen, wie es sonst so aussieht und wie es anderen ergangen ist. Und dabei sehen wir auch den eigentlichen Grund, warum das Wasser abgesenkt wurde. Die Rivière de Morlaix läuft über weite Strecken unterhalb von Morlaix entlang. Man hat sie einfach abgedeckt oder in Röhren verschwinden lassen und die Stadt darüber gebaut. Und diese Röhren werden nun gesäubert, weil nicht nur der Rivière de Morlaix an der einen Seite unter die Stadt hineinfließt, sondern auch eine ganze Menge Dreck und Unrat in den Röhren landet. Es muss im wahrsten Sinne des Wortes ein Drecksjob sein, in diese Röhren zu kriechen, um den ganzen Müll und Unrat dort wieder herauszuholen.
Am Nachmittag hebt sich die PINCOYA dann mit dem auflaufenden Hochwasser wieder aus dem Modder. Und sieht man mal von einigen großen Blubberblubbs rund ums Schiff ab, läuft das Ganze genauso unspektakulär wie die Absenkung selbst ab.
Das alles hatten wir irgendwie aufregender erwartet, aber außer, dass die PINCOYA sich senkt, aufsitzt und sich wieder hebt, passiert wirklich nicht viel. Das ist auch gut so, denn obwohl das noch einmal am Freitag und Samstag passiert, können wir uns nun all dem widmen, was noch zu erledigen ist.
Einige Reparaturen und Vorbereitungen
Während sich die PINCOYA in den nächsten Tagen hebt und senkt, bereiten wir alles vor, um wieder aufbrechen zu können. Zunächst kümmern wir uns um die Mastrutscher. Ersatz haben wir ja mitgebracht. Und als wir uns alle Rutscher noch einmal genau ansehen, sehen wir auch die Ursache, warum ein Rutscher gebrochen ist und ein weiterer auch schon kurz davor ist. Auf dem Rutschersteg, der sich in der Mastnut bewegt, sitzen kleine Kunststoffendkappen. Auf Deutsch sind das die sogenannten Nutsteine. Und dies sind Verschleißteile, auf die wir nie auch nur irgendwie geachtet haben. Die verhindern, dass der Alu-Steg des Rutschers, wenn er in der Mastnut auf- und abläuft, schamfilt. Und diese Nutsteine sind an den defekten Rutschern vollkommen verschlissen und weggescheuert und an einigen anderen schon kurz davor, ihren Sinn und Zweck aufzugeben. Wäre uns die Bedeutung dieser Verschleißteile bewusst gewesen, hätten wir den großen Schaden sehr einfach verhindern können.
So tauschen wir nicht nur die defekten Rutscher aus, sondern bestücken auch die Rutscher, deren Nutsteine den größten Verschleiß aufweisen, auch gleich mit neuen Nutsteinen. Glücklicherweise haben wir ja etwas Ersatz auf Vorrat gekauft und so können wir erst einmal das Gröbste beseitigen. Im Winter werden wir dann auch die restlichen Nutsteine ersetzen.
Am Ende haben wir in den letzten 16 Jahren wohl die Segel einfach zu oft gesetzt und geborgen oder auch gerefft und ausgerefft. Das hat den Verschleiß einfach so mit sich gebracht, doch nun wissen wir, wo wir auch noch regelmäßig hingucken müssen und ergänzen unsere Wartungsliste mit einem neuen Punkt, an den wir auch denken müssen.
Danach machen wir alles wieder segelklar und schlagen all die Strippen und Dinge wieder an, die wir weggestaut haben. Und dann stellt sich die Frage, was wir mit unseren Gasvorräten machen bzw. den nicht mehr vorhandenen Gasvorräten. Vor 2 Jahren sind wir von den Kanaren mit fast 23 kg Gas losgefahren, doch nun sind unsere Bestände aufgebraucht und wir haben die letzte Campingaz-Flasche angeschlossen. D.h. wir müssen unsere Bestände dringend wieder auffüllen. In Morlaix gibt es zwar einen Marine-Store, der auch Campingaz im Tausch hat, aber wir sind nicht bereit, für 2,7kg Campingaz 44€ zu bezahlen.
Damals auf den Kanaren haben wir all unsere Campingaz-Flaschen mit preiswertem Butan aus Haushaltsflaschen selbst wieder aufgefüllt. Das könnten wir hier nun auch machen, denn in Frankreich gibt es an jeder Tankstelle und in allen Bau- und Supermärkten Kochgas in den verschiedensten Flaschen und von den verschiedensten Anbietern.
Nach einer kleinen Recherche entscheiden wir uns für Butagaz, die sowohl Butan als auch Propan in Composite-Gasflaschen anbieten. Und das beste an diesen Flaschen ist, dass sie ziemlich perfekt in unseren Durchgang zur Badeplattform passen und als Composite-Flaschen auch noch aus Plastik sind. So rosten sie nicht so hemmungslos wie all die blöden Stahlflaschen. Wieso sich nur in Deutschland die Composite-Flaschen noch nicht durchgesetzt haben, wobei es in ganz Europa schon oft gar nichts anderes mehr gibt, muss wohl an einem dieser ewig gestrigen Monopole liegen, die Deutschland mit seiner Innovationsscheu so gerne pflegt. Aber für uns ist es egal, und so kaufen wir einmalig eine Butagaz-Flasche. Die gibt’s gegen Pfand, den wir bei Rückgabe wieder zurückbekommen und im Tausch gegen eine volle Flasche kosten uns nun 6kg Butan nur 23€. So steht ein Kilopreis von 3,90€ einem Campingaz-Kilopreis von 16,30€ gegenüber. Das kann sich sehen lassen. Der Anschluss der französischen Butagaz-Flasche ist kein Problem. Man braucht einen Anschlussadapter für die Flasche selbst und für diesen einen entsprechenden Adapter, um vom französischen System auf unser deutsches System zu kommen. Das alles geht problemlos, denn den Euro D4 Adapter haben wir sowieso dabei.
Und das Ganze passt so gut, dass wir schon überlegen, im nächsten Jahr ganz auf dieses System umzustellen. Denn in Frankreich werden wir ganz sicher noch einmal vorbeikommen und auch die französischen Gasflaschen können wir problemlos aus »lokalen« Gasflaschen befüllen, wenn wir nicht in Frankreich sind. Zudem gibt es die Butagaz-Flaschen als Butan- und auch als Propangasflaschen. Das ist doppelt gut, denn mit einer Propangas-zugelassenen Flasche ist man immer auf der sicheren Seite, egal welches Gas man weltweit irgendwo bekommt oder wegen der klimatischen Bedingungen benötigt. Da müssen wir mal überlegen, was Sinn macht. Inzwischen haben wir neben dem deutschen Campingaz-System und einer deutschen Composite-Flasche mit 7,5 kg, die es heute allerdings in Deutschland auch schon nicht mehr gibt, noch das kanarische System und nun eben auch das französische. Wenigstens eins davon ist zu viel. Mal sehen…
Und dann kramen wir endlich auch mal die Sailrite wieder heraus, um unser backbordseitiges Reelingskleid zu nähen, deren Halterungen uns ja eine der großen Wellen, kurz nachdem wir von Bermuda aufgebrochen waren, herausgerissen hat. Und auch ein neues Luken-Cover für die Bugkoje nähen wir uns gleich mal bei dieser Gelegenheit, denn das alte wurde uns ja von den Fallwinden auf den Bay Islands geklaut. Fortgeblasen auf Nimmerwiedersehen. So geht der ganze Samstag dahin, aber am Ende ist das alles endlich auch mal wieder in Ordnung gebracht.
Sightseeingplanung
Zwischen so vielen Vorbereitungen und Reparaturen beschäftigt uns natürlich auch die Frage, wie es nun seglerisch weitergehen kann. Als ein unbedingtes Ziel haben wir natürlich noch die Côte Granit Rose, die rosa Granitküste im Norden der Bretagne auf dem Programm. Die Frage ist nur, wie wir mit der PINCOYA dort am besten hinkommen. Ganz oben auf unserer Ideenliste steht natürlich das kleine Hafenbecken von Port de Ploumanac’h bei Saint-Guirec. Zugegen steht es bei dem Schiffsjungen etwas weiter oben auf der Liste als bei der Capitana. So brauchen wir einen Kompromiss, denn nicht nur die Anfahrt scheint etwas kniffelig zu sein, auch die Liegemöglichkeiten und die verbleibenden Wassertiefen bei Niedrigwasser scheinen doch eher »interessant« zu sein, wie die Britten sagen, wenn es durchaus eng werden kann.
Die umliegenden Marinas kommen für uns nicht wirklich in Betracht, weil wir schon etwas auf die Kosten achten müssen und eingesparte Hafengebühren am Ende dann doch lieber in unser »dolce vita« investieren. Und wenn man nicht in eine Marina möchte, dann muss man ankern. Doch gute Ankermöglichkeiten sind in der Bretagne rar, zumal wenn das Wetter sich in Richtung Herbst wendet, und die Ziele, die wir haben, irgendwo dazwischen liegen.
So beschließen wir, uns einen Mietwagen zu nehmen, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Erstens wollen wir zur Côte Granit Rose und zweitens wollen wir mal weitere, mögliche Ziele abklappern, um zu sehen, was dort geht und wie es dort überhaupt ist. Das Wochenende verwerfen wir schon am Freitag für diese Aktion, denn der Samstag und auch der Sonntag sollen grautrüb und eher nasskalt werden. Aber am Montag soll die Sonne den ganzen Tag scheinen, was sie dann allerdings auch schon ganz außerplanmäßig am Samstag und Sonntag macht 😳 🙄! Aber nun ja …
Morlaix
48° 35′ 09,2” N, 003° 50′ 10,3” W


















