Als wir letztes Jahr um diese Zeit mit dem Zug nur nach Amsterdam wollten, um zurück nach Curaçao zu fliegen, hätten die Katastrophen auf unserer Bahnreise kaum größer sein können. Das Einzige, was damals klappte, waren die ersten 10 km mit der S-Bahn. Dementsprechend skeptisch waren wir, als wir dieses Jahr beschlossen, von Morlaix mit dem Zug nach Hause und wieder zurück zu fahren. Und nun sind wir schon wieder auf dem Rückweg und haben gerade zum zweiten Mal Paris hinter uns gelassen. Wo auf dem Hinweg noch die Unterschiede der Bahnen in Frankreich und Deutschland mehr als offensichtlich waren, sind wir auf dem Rückweg einfach so durchgesaust.
Nur der Metro-Transfer in Paris ist wieder eine einzige Katastrophe und so schlimm, dass wir uns ganz sicher nie wieder mit etwas mehr Gepäck auf diesen Alptraum einlassen werden. Für Leute mit Gepäck sind die Verbindungen der einzelnen Bahnhöfe mit der Metro in Paris schlicht eine absolute Katastrophe. Eine ignorante Unverschämtheit, zu der sich wohl nur schwer etwas Vergleichbares finden lässt. Ohne jede Rolltreppe oder irgendeinen Fahrstuhl geht es ständig über lange Treppen rauf und runter. Für Menschen mit Gepäck ist das schon mehr als grenzwertig, für Menschen mit Behinderungen schlicht unmöglich.
„Trepp rauf, Trepp runter, nur für den Schlussspurt gibt's ein Rollband. Das ist auch bitter nötig, denn unser Trolley ist hier schon definitiv am Ende … 😡“
Im Grunde genommen waren wir gut vorbereitet und bei unserer Packprobe hat auch alles gut gepasst. Für die beiden Scooter haben wir uns extra einen neuen Einkaufsrollwagen besorgt, um sie hinter uns herziehen zu können und nicht schleppen zu müssen. Immerhin sollte der bis zu 30 kg aushalten, was ja auch theoretisch dicke reichen sollte. Doch schon in Mannheim (!) brach der Boden heraus und in Paris Est mussten wir ihn das erste Mal sogar mit Gurtbändern wieder notdürftig zusammenflicken.
Und nun hat er es geradeso noch bis vor den TGV nach Morlaix geschafft, aber für den Weg bis zur PINCOYA müssen wir uns etwas einfallen lassen. Sicher hätten wir auch mit »kleinerem Gepäck« reisen können, aber wir wollten unbedingt die eScooter auf unsere letzte Etappe bis Bremerhaven mitnehmen.
Eigentlich hatten wir ja beschlossen, nie wieder so einen Gewaltakt mit Gepäck hinzulegen, wie wir ihn letztes Jahr nach Curaçao hingelegt haben. Doch die Wirkung solcher Erkenntnisse verblasst dann wohl doch, wenn man sich die ganze Sache nur lange genug mit irgendwelchen Notwendigkeiten schön redet. Und so zerrt der Schiffsjunge nun zwei eScooter in einem sich auflösenden und kaum noch rollenden Einkaufstrolley hinter sich her, während wir noch zwei dicke Rucksäcke und eine Fresstasche schleppen und sich die Capitana zusätzlich noch mit einem kleinen, aber überfüllten Reisetrolley abmüht.
Und in den Metro-Katakomben von Paris stoßen wir dann tatsächlich an unsere körperlichen Grenzen. Nacheinander schleppen wir unser Gepäck diese Scheißtreppen herauf und herunter. So einen Blödsinn machen wir ganz bestimmt nicht noch einmal. Zwei solcher Erfahrungen müssen nun wirklich reichen. Und für den Fall der Fälle haben wir uns versprochen, uns gegenseitig an diese Desaster zu erinnern. Bleibt also nur noch die Frage, wie gut wir am Ende wieder beim Verdrängen und Schönreden sind, wenn es dann 🙄 … aber dazu wird es ja nie mehr kommen 🥳.
Angekommen in Morlaix
Pünktlich auf die Minute kommen wir in Morlaix an. Nun steht nur noch der Weg bis zum Hafen an. Da der Bahnhof oben auf Höhe des Viadukts liegt, geht es meist nur runter 🙂, aber leider doch nicht nur ☹️. Auf dem Bahnsteig reparieren wir den Einkaufstrolley gleich noch ein zweites Mal und fixieren alles so gut es eben geht mit einem Spanngurt. Einfach mit den eScootern fahren, geht leider nicht, obwohl das sicher das Eleganteste wäre. Aber trotz der Cargo-Variante bekommen wir schlicht und ergreifend all unser Gepäck nicht mit.
Also müssen wir latschen und alles irgendwie nach unten bis zum Hafen bugsieren. Mit einer weiteren Zwischreparatur auf halber Strecke kommen wir auch fast bis zum Hafen. Aber 800 m davor ist dann wirklich Schluss. Der Trolley, in dem die beiden eScooter stecken, zerlegt sich vollkommen und zerfällt in seine Einzelteile.
So packen wir einen der Scooter aus und schieben die Einzelteile zusammen mit dem zweiten Scooter auf dem ersten bis zur PINCOYA. Das funktioniert so leidlich und um 23:00 lassen wir alles auf dem Ponton vor der PINCOYA fallen. Geschafft! Der Dickkopf hat sich wieder einmal durchgesetzt, aber besonders intelligent war die Idee des Dickkopfes auch diesmal nicht.
Die PINCOYA liegt friedlich und gelassen noch genauso da, wie wir sie verlassen haben. Alles ist bestens in Ordnung und glücklicherweise warten auch in der PINCOYA keine Überraschungen auf uns. Irgendwie huschen einem ja dann doch während eines Heimaturlaubs immer mal wieder die merkwürdigsten Dinge durch den Kopf, aber alles ist gut.
All unsere Plünnen stopfen wir nur noch irgendwie schnell in die PINCOYA. Zu mehr reicht’s nicht mehr, denn nun reicht’s uns erst einmal wirklich. Morgen geht’s weiter und das auch gleich mit einem strammen Programm. Zu allererst müssen wir herausbekommen, wie denn nun die Absenkung des Wasserstandes in dem Hafenbecken wirklich laufen soll. Was das für Auswirkungen hat und ob wir raus müssen oder doch bleiben können. Wenn wir vielleicht doch bleiben könnten, würde das ja schon einiges erleichtern. Aber in jedem Fall müssen wir als Erstes den neuen Wasserfilter für den Motor einbauen, denn ohne können wir gar nichts machen und uns auch nicht in Bereiche im Hafenbecken verlegen, in denen wir bei einer Absenkung noch sicher liegen können.
Aber nun ist es auch erst einmal gut. Die ganze Geschichte mit der Bahn zu fahren, hat besser geklappt als gedacht, und das nächste Mal machen wir auch nicht noch einmal so einen Blödsinn mit dem Gepäck.
Der Bastelmontag
Nachdem der Hafenmeister gleich morgens noch nicht in seinem Büro ist, ist zunächst mal der Wasserfilter dran. Doch wie befürchtet, zicken die Schlauchanschlüsse herum. Es ist immer wieder dasselbe. Erst sind sie kaum dicht zu kriegen, doch haben sie dann erst einmal einige Jahre dichtgehalten, sind sie kaum wieder zu lösen. Eigentlich ist das ja auch gut so, aber nun ist gerade definitiv der falsche Moment, sich so an die Vergangenheit zu klammern. Also versuchen wir es mit Gewalt und einem WD40-Einlauf.
Das funktioniert bei dem Auslassstutzen auch ganz gut, aber der ohnehin schon löcherige Einlassstutzen zerbröselt dabei vollends und spuckt seine letzten grünlichen Brösel, die vorher einmal ein Rohr waren, zusammen mit einem ordentlichen Schwupps Salzwasser wütend dem Schiffsjungen entgegen und auf die Polster der Mittelkoje. Diese Sauerei hätte nun nicht sein müssen, aber wenn das zum Ende eines Wasserfilters gehört, musste es wohl so kommen. Der Rest ist Fleißarbeit und gegen 14:00 können wir unseren Bastelmontag schon ad acta legen. Der Motor saugt und spukt wieder ordentlich Kühlwasser, wie nebenbei haben wir auch noch den Anschluss für den Inverter repariert, alles am Motor wurde gecheckt und so ist die PINCOYA nun wieder voll einsatzbereit, wenn man mal von den Segeln absieht.
Doch wir wissen immer noch nicht, was das Absenken des Wasserspiegels nun wirklich für uns bedeutet. Aber nachdem wir noch einmal über die Schleusentore nachgedacht haben, ist klar, dass mit dem nächsten Hochwasser auch das Hafenbecken wieder volllaufen wird, denn die Schleusentore schließen das Hafenbecken, können aber gegen das auflaufende Hochwasser nicht dicht halten. Also kann die Absenkung nur über das Niedrigwasser erfolgen und mit dem nächsten Hochwasser läuft das Becken dann auch gleich wieder voll. D.h. es wird wohl viermal runter und dann nach 6 Stunden wieder raufgehen.
Außer uns scheint sich in der Marina aber auch niemand wirklich Gedanken darüber zu machen. Und davon, dass jemand meint, die Marina wegen der Absenkung verlassen zu müssen, ist schon mal gar nichts zu spüren. Unser Nachbar spricht leider nur sehr wenig Englisch und wir sind uns nicht ganz sicher, ob wir uns seiner Gelassenheit einfach so anschließen sollten. Mit Sicherheit haben die Franzosen mehr Erfahrung mit dem Trockenfallen als wir, aber auch das wirkt jetzt nicht besonders beruhigend auf uns. Immerhin läuft der Motor wieder, wenn uns die ganze Sache doch zu suspekt ist, können wir auch noch am Mittwoch mit dem Abendhochwasser abhauen. Aber vielleicht sind wir ja auch einfach nur zu ängstlich… 🤔
Am Dienstag verschiebt der Hafenmeister einige Boote. Die Gelegenheit nutzen wir, um mal mehr zu der Absenkung zu erfahren und zu fragen, ob wir auf unserem Platz auch »en sécurité« sind. Er erklärt uns, dass sie diese Aktion wegen Reinigungsarbeiten einmal im Frühjahr und einmal im Herbst machen. Die Rivière de Morlaix verläuft etwa einen Kilometer in Röhren unterhalb von Morlaix. Die Stadt wurde einfach darüber gebaut. Und diese Röhren müssen regelmäßig gereinigt werden. Unter uns sei im Augenblick zwar nur wenig Wasser, aber der Grund sei nicht hart, denn an den Ränder liegen bis zu 5 m weicher Schlick, in dem der Kiel während der Absenkung einfach versinkt. Wir sollten die PINCOYA nur noch etwas zurückziehen, damit der Bugspriet nicht über dem Steg ist, da der Ponton am Beckenrand eher aufliegen könnte und die Schiffe noch weiter sinken. Ansonsten sei alles vollkommen problemlos, er sei auch vor Ort und guckt nach den Schiffen, wir könnten einfach bleiben, wo wir sind.
Bei so viel Tiefenentspannung beschließen wir, uns nun auch mal zu entspannen. Immerhin gefällt es uns in Morlaix auch ausgesprochen gut und wir haben im Augenblick noch überhaupt keine Lust, hektisch aufzubrechen. Und sollte es uns am Donnerstag doch zu blöd sein, können wir mit dem Abendhochwasser immer noch abhauen.
Also ziehen wir die PINCOYA zurück und harren mal der Dinge, die am Donnerstag so auf uns zukommen.
Morlaix
48° 35′ 09,2” N, 003° 50′ 10,3” W









