Wellnessbasteln!

Das Segeljahr 2016 startet am 15. Januar wesentlich kälter, als das alte knapp 4 Wochen vorher zu Ende gegangen ist. Skeptisch verfolgen wir in der 2ten Januarwoche die Vorhersagen. Weihnachten und Silvester waren rekordverdächtig mild, da hatten wir schon deutlich kältere Segeltage. Aber nun versuchen sich die Wetterfrösche mit winterlichen Vorhersagen zu überbieten, und unsere skibegeisterten Arbeitskollegen gucken so glücklich wie ein Surfer bei einem herannahenden Orkantief.

Aber egal! Auch wenn eisschrankverdächtige Temperaturen über uns herfallen, wir fahren!

Im Dezember hatten wir aus der Not heraus, eine vernünftige Pension zu finden, über booking.com beim IFA Hotel in Burgtiefe gebucht. Unsere Pension aus dem letzten Jahr wollten wir nicht wieder und die beiden neuen hatten dann doch plötzlich geschlossen, obwohl das im Internet noch ganz anders aussah. Nun ja. Also IFA Hotel, aber nicht den echten Hotelbetrieb, sondern eines der Appartements, die direkt daneben liegen, aber auch vom Hotel betreut werden. Am Ende stellte sich die ganze Geschichte als echter Glücksfall heraus, und wir sind im Nachhinein den beiden Absager-Pensionen wirklich dankbar.

„Winterbasteln! Eigentlich viel zu schön, um in der Halle zu sitzen.“

„Winterbasteln! Eigentlich viel zu schön, um in der Halle zu sitzen.“

Die Einzimmer-Appartements des IFA Hotels passen für uns wie die Faust auf’s Auge. Ein gemütlicher Wohn-Schlafbereich mit Essecke und eine Küchenzeile, die mit allem ausgestattet ist, was man für eine normale Selbstversorgung so benötigt. Und …törrööhh … mit einer Sauna und einem Schwimmbad im Haus. Und… törröh törröh … das alles zu einen wirklich kleinen Preis. Das Schwimmbad ist uns zwar ziemlich egal, aber die Sauna war schon im Dezember der Oberhammer. Wo wir sonst nach langen kalten Basteltagen den Frost mit einer heißen Dauerdusche aus den Knochen vertreiben mussten, erreichen wir heute spielerisch mit 3 langen Saunagängen ein echtes und unverfälschtes Wochenendwellnessniveau. Da freut man sich schon richtig auf den nächsten Tag im Kühlschrank und die nächsten 9 Stunden in der kuschelig kalten Halle, denn am Ende wartet ja die Sauna. Wenn das nichts ist! Fehlt eigentlich nur noch so ein alter, indischer Ayurveda-Meister mit seinen Schüsselchen und Fläschchen, und alle Gedanken an jegliche Winterbastelei würden im Handumdrehen unwiederbringlich in den unendlichen Weiten einer völlig losgelösten Tiefenentspannung verschwinden.

So freuen wir uns trotz des angekündigten Wintereinbruchs auf unser Wellness-Bastelwochenende. Oder war es doch eher umgekehrt ein Bastel-Wellnesswochenende?Wer weiß schon? Wir mussten an dieser Stelle mal Prioritäten setzen und haben im Januar gleich drei Nächte gebucht. Astrid meinte auch, dass es ja eigentlich sowieso viel günstiger sei, gleich am Donnerstag nach der Arbeit hochzufahren und nicht erst frühmorgens am ersten Basteltag. So hatten wir es die letzten Jahre gemacht, um Übernachtungskosten zu sparen. So könnten wir nämlich gleich Donnerstag mit der Entspannung beginnen, um dann Freitag voll loszulegen. Das ist echte Effizienz, es gibt doch überall immer noch etwas zu verbessern. Und da uns die ganze Bastelei ja ohnehin immer viel Spass macht, ist nun so eine Kühlschrankwochenende doppelt schön und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste im Februar.

Trotz aller Freude über unsere neue Unterkunft warten aber all die schönen ToDos weiterhin geduldig in unserer Winterarbeitsliste auf ihre Erledigung. Im letzten Winter hatten wir am Spülwassereinlass der Toilette eine Abzweigung mit Filter gesetzt und damit den Anschluss einer Deckwaschpumpe mit Deckauslass und eines Salzwasserhahns in der Pantry vorbereitet. Im Sommer haben wir dann dieses Anschlusskonzept wieder vollständig verworfen und uns die ganzes Geschichte ab dem Zulauf noch einmal ganz neu überlegt. Das heißt, dass wir nun wieder alles auseinander fummeln und neu zusammenstellen müssen.
Hört sich nicht schlimm an, ist es aber. Denn die ganze Verschlauchung, oder besser gesagt Verrohrung, denn die 19er Sanitärschläuche sind bei diesen Temperaturen so widerspenstig, dass sie mehr Rohr als Schlauch sind, soll wieder hinter die Schränke im Bad, wo wir sie im letzten Winter schon einmal versenkt hatten. Dazu gibt es in der Schrankrückwand oben und unten jeweils ein fast DIN-A4-großes Loch. Das hat etwas von einer endoskopischen Rückenmarkstransplantation.

„Das Geschlauche und rechts der neue Salzwasserhahn in der Pantry.“

„Das Geschlauche und rechts der neue Salzwasserhahn in der Pantry.“

Erst einmal muss alles wieder raus, dann wird draußen alles neu zusammengestellt, um es dann wieder Stück für Stück hinter dem Schrank zu versenken. Um das hinzubekommen, muss einer von uns oben einfädelt, während der andere unten zieht. Allein geht das nicht.
So quetschen wir uns beide zusammen ins Bad, wobei Astrid halb im Waschbecken hängend mit beiden Armen oben im Schrank verschwindet und ich zwischen ihren Beinen durchkrabbele und versuche, möglichst auch noch die zweite Schulter in den Unterschrank zu bekommen, während sich das offene Waschbeckenabflussrohr in mein rechtes Ohrläppchen bohrt. Das Abzweigungsimplantat rutscht zunächst Zentimeter für Zentimeter seiner Endmontagestellung entgegen. Ich kriege unten auch schon die ersten 3 Zentimeter zu fassen, dann stockt der ganze Einfädelungsprozess, während ich von oben einen gurgelnden Ruf höre. Sehen kann ich ja nichts, weil sich meine Nase inzwischen in die Fäkalienpumpe bohrt und dort erst am Pumpkolben eine Ruheposition gefunden hat, während ich nun die letzten 2 Ziffern der Seriennummer bildfüllend im rechten Auge sehe. Der undeutliche Rückzugbefehl kommt eindeutig von Astrid und formt sich langsam zu einem fremdklingenden „ZUUUHRÜHÜHÜKKKKSTPFFF“. Also Operation Rückzug! Nun schiebe ich und Astrid zieht. Der Schwanenhals und die Filterabzweigung haben sich irgendwie zwischen Astrids rechter Schulter, ihrem linken Oberarm und dem Hals verfangen. Astrids linke Hand ist taub und steckt irgendwo fest. Keiner weiß so recht wo. Mit einem Ruck löst sich das Schlauchimplantat irgendwo ganz unten und Astrids linke Hand schnellt in eine Schelle des Fäkalienschlauchs. Der nachfolgende Dialog zwischen der Schlauchschelle und Astrid ist nicht jugendfrei. Nicht so schlimm, wir haben ja Pflaster an Bord und bei diesen Temperaturen blutet es ja ohnehin nicht so doll. Wir sammeln uns mit Buddhismus-verdächtigen Atemübungen und finden langsam einige verstörte Fragmente unseres unbeugsamen Bastelwillens wieder.

„Der neue Deckauslass und noch mehr Geschlauche.“

„Der neue Deckauslass und noch mehr Geschlauche.“

Nochmal! Wieder versenkt sich die verrohrte Schlauchverzweigung widerwillig hinter den Badschränken und wieder stockt es. Aber diesmal hat Astrid ihren Hals geschickt und frühzeitig aus der sich langsam zuziehenden Schwanenhalsschlinge gezogen. Das Schlauchimplantat klemmt nun zwischen Bordwand und Schrank fest. Da sind ca. 3 Zentimeter üppige Luft. Mit meinem Rasierspiegel kann man das genau sehen, wenn man den Kopf in das obere Fach steckt und mit den rechten Auge am Entlüftungsschlauch des Fäkalientanks herunterblinzelt. Unter ordentlichem Gefluche stopfen, schieben und rütteln wir das elende Verschlauchungsimplantat vorwärts, bis das erste Schlauchende kurz vorwitzig in die untere Schrankhälfte blinzelt. Aber da hat es nicht mit meiner blitzschnellen Schnelligkeit und meiner generalstabsmäßigen Vorbereitung gerechnet. Nichts haben wir mehr dem Zufall überlassen. Die kleine Wasserpumpenzange liegt bereit! So blitzschnell und unerwartet, wie die Fliege an der Zunge des Leguans klebt, schießt die kleine Wasserpumpenzange nach vorn und verbeißt sich im Schlauchende wie ein Yorkshire Terrier im Hosenbein des Postboten. – Baileys, ich hoffe, Du kannst mir die letzten Zeilen verzeihen. – So kriege ich das vorwitzige Ende zu packen und zerre nun den bockigen Rest der elenden Konstruktion endgültig in seine Endposition. Geschafft!!!

„Die Öffnungen zum "Rückenmark des Bads"“

„Die Öffnungen zum "Rückenmark des Bads"“

Das Anschließen der ganzen Verschlauchung und der Wiedereinbau des Filters dauern dann auch noch so ihre Zeit. Da wir für die Deckwaschpumpe selbst erst noch eine spezielle Montageplatte bauen müssen, um sie so platzsparend wie möglich in die hinterste Ecke verbannen zu können, und die Schlauchschellen dann doch nicht reichen, müssen wir diese Baustelle auch diesmal wieder unfertig liegen lassen. Aber am nächsten Bastelwochenende werden wir ganz bestimmt fertig! Der elektrische Anschluss fehlt ja auch noch, da muss ich sowieso noch mal zu Conrad und die Kabel wollen ja auch erst noch bis zum Sicherungspanel durchgefriemelt werden.

„Der neue Ankerkastenverschluß soll es vorne etwas dichter machen.“

„Der neue Ankerkastenverschluß soll es vorne etwas dichter machen.“

So bauen wir erst einmal den neuen Ankerkastenverschluß ein und verstehen am Ende auch das Prinzip. Das hat gedauert, aber das Teil von SVB ist genial und man kann es auch richtig einbauen, wenn man dann irgendwann mal gerafft hat, wie es funktioniert. Hört sich ziemlich blöd an, ist es auch.

„… und ich darf endlich nach 12 Monaten wieder im Ankerkasten Verstecken spielen.“

„… und ich darf endlich nach 12 Monaten wieder im Ankerkasten Verstecken spielen.“

Zwischenzeitlich verzweifelt Astrid am Koax-Kabel der Windmessanlage. Der Stecker muss ja ausgetauscht werden, aber das Kabel ist auch ziemlich vergammelt. Astrid isoliert Zentimeter um Zentimeter ab, aber es kommt nur noch weiterer Bröselkram zum Vorschein. Irgendwann kommen wir in den Bereich von „Nun-ist-es-aber-langsam-wirklich-zu-kurz!“. Also müssen wir ein neues Kabel in den Mast einziehen. Das auch noch! ;-( Uns bleibt nichts erspart. Nun ja, das Kabel ist inzwischen ja auch schon 20 Jahre alt und so muss es wohl, wie vieles anderes vorher auch, wohl einfach mal ausgetauscht werden. Aber…. bevor Astrid die 18 m Kabel auf unsere Einkaufsliste schreiben kann, halte ich schon triumphierend 20 m nagelneues Gerätekabel hoch. Ganz hinten in der Backskiste hatte ich meinen Schnäppchenkauf aus der Restekiste von A.W. Niemeyer gebunkert und nun bin ich zurück aus der Backskiste und halte das Kabel stolz wie ein Einhörnchen hoch, dass eine weitere Nuss aus dem Wintervorrat von vor 3 Jahren unversehrt gefunden hat.

„Gammelstecker…. und Gammelkabel!“

„Gammelstecker…. und Gammelkabel!“

Bevor wir uns am Sonntag wieder auf den Rückweg machen, ziehen wir noch schnell das neue Kabel ein und löten im Masttop den Stecker an. Alles andere kommt dann im Februar, wenn wieder eines dieser Wellness-Bastelwochenenden ansteht.