Die vier großen Buchstaben


So eine Schiffsregistereintragungsurkunde – in echtem Schiffsregisterdeutsch heißt das übrigens Schiffszertifikat – sieht schon richtig offiziell aus. Sie trägt ein mutiges Rosarot mit Bundesadler und Bordüre und erinnert an die Zeit, als Aktien noch echte Aktien waren und nicht irgend so ein digitaler Kram in einem lieblosen Depot einer zwielichtigen Off-Shore-Bank.

„Das schmucke Zertifikat.“

„Das schmucke Zertifikat.“

Das Schiffszertifikat ist eben eine echte Urkunde und echte Urkunden, besonders die, die auch eine echt gute Urkundenfigur machen, haben wir Deutschen ja auch besonders gern. Also mache ich einige Kopien, man kann ja nie wissen, wen man alles mit solchen Urkunden bei welchem grenzwertigen Grenzverkehr grenzenlos beglücken kann. Und weil wir im Zeitalter eines zunehmend papierlosen Jahrhunderts leben, lege ich auch noch gleich einige Schiffszertifikate als PDF ab.

Dabei fällt mein Blick auf die vier großen Buchstaben „DKRN“. Dora, Kalle, Rita und Norbert, wie der echte nato-alphabetisierte Ostseesegler so sagt. Davor steht »IMO-Nummer und Unterscheidungssignal«. Ganz hinten in meinem Kopf rappelt sich ein schwacher Gedanke auf und macht auf sich aufmerksam. „Ich weiß was, ich weiß was“ brüllt er ganz aufgeregt. Und ja, da war was! Irgendwas war da! Hatte ich da nicht schon mal…? Google liefert umgehend die Lösung und mit ihr die Erkenntnis, dass wir wieder einmal völlig ahnungslos durch das weite Tal der Volldeppen getappt sind.

Eine IMO-Nummer ist schon etwas »fett« für die PINCOYA, damit würden wir ja in direktem Vergleichskampf zur Großschifffahrt stehen, aber ein „Unterscheidungssignal“ ist in der Schiffsregistersprache nichts anderes als ein Rufzeichen.

Wow, Mannomann, Hammer, haben wir jetzt ein neues Rufzeichen? Eins wie die großen Schiffe? Die mit dem richtigen Tuuuuut? Wir googeln nochmal und es scheint wirklich so zu sein.

Dann kommt langsam die Erkenntnisstufe 2. Wenn wir jetzt ein neues Rufzeichen haben, dann brauchen wir von der Bundesnetzagentur aber auch eine neue Frequenzzuteilungsurkunde, denn nun heißen wir ja nicht mehr »Delta Charly 3876«, sondern »Delta Kilo Romeo November« und wenn wir anders heißen, dann muss unser Funkgerät umprogrammiert werden. Das gehört dann aber schon fast zur Erkenntnisstufe 3 auf der nach oben offenen Erkenntnisskala. Wer hätte das gedacht, dass es soweit kommt, als wir uns seinerzeit für einen Eintrag im Schiffsregister entschieden.

Astrid sagt: „Lass mich morgen mal bei der Netzagentur anrufen, der war das letztes Mal ganz nett, vielleicht geht das ja auch einfach so.“ Nun ja, der Mann von der Bundesnetzagentur ist auch sehr nett und er bestätigt nicht nur unseren Verdacht, dass wir nun anders heißen, sondern auch noch gleich die ganze übrige Kette der weiteren Konsequenzen. Aber es ist halb so schlimm, denn die MMSI können wir behalten, denn nur die ATIS-Nummer ändert sich. Auf Astrids Frage, ob wir nicht einfach so weiter funken könnten, meint er: – ja, technisch ist das durchaus möglich, nur erwischen lassen dürften wir uns nicht, denn das würde dann wahrscheinlich teurer werden als die 43 € für ihn.

Ok, überredet. Innerhalb von 3 Tagen gehen die Unterlagen hin und her und die neue Frequenzzuteilung kommt zu uns und die 43 € verlassen uns.

Soweit so gut. Nun noch das Funkgerät. Astrid baut es am letzten Wochenende etwas fluchend aus, denn es muss ja nun neu mit der neuen ATIS-Nummer programmiert werden. Denn die ATIS-Nummer codiert für den Binnenfunk das Rufzeichen, d.h. neues Rufzeichen, neues ATIS-Nümmerchen.

So zieht die Schiffsregistrierung für uns durchaus unerwartete Kreise. Mal sehen, was noch so kommt. So heißen wir nun – Delta Kilo Romeo November – und fühlen uns gar nicht mehr nur wie 37 Fuss, sondern schon erheblich größer! Und einen neuen und richtigen Tuuut haben wir ja auch schon fast, aber dazu später mehr.