El Hierro (E) – Cabo Verde


El Hierro, Kanaren (E) -> Mindelo, São Vicente, Cabo Verde Start: 02.01.2023 11:00 Ende: 07.01.2023 23:03 Distanz: 774,8 sm Gesamtdistanz: 774,8 sm

Es ist dabei geblieben, für die nächsten 6 bis 7 Tage dürfen wir mit passenden Winden aus Nordost rechnen. Zunächst noch etwas verhalten, dann aber mit gleichmäßigen 14 bis 20 Knoten. Erst später soll es dann noch etwas mehr werden. Aber dieses »mehr« liegt ja vorhersagetechnisch ziemlich weit in der Zukunft, deswegen steckt da ja auch noch viel Unsicherheit drin. Aber alles sieht danach aus, dass auf uns keine Überraschungen warten. Und vor allen Dingen keine ausgedehnten Flauten. Was ja durchaus noch unangenehmer ist, als ein kräftiger Wind, solange der nicht zu einem echten Sturm wird.

Um 11:00 geht’s los. Wir haben uns ja viele Jahre offen gelassen, ob und wann es mal rüber gehen soll. Mit dem Trip zu den Kap Verden ist auch klar, dass es dann tatsächlich auch auf die andere Seite des Atlantiks gehen wird. Denn ein Zurück von den Kap Verden wäre, sofern es überhaupt sinnvoll geht, in jedem Fall total mühsam, da wir dann gegen die Hauptwindrichtung segeln müssten, mit der wir ja jetzt gerade nach Süden wollen.
Wir haben einen ziemlich gesunden Respekt vor diesen beiden Strecken. Vielleicht haben wir deswegen auch so lange »geübt«, bis wir uns genügend vorbereitet fühlten. Viele sprechen ja gerne davon, mal »über den Teich« zu segeln. Doch diese Coolness haben wir nicht. Es ist ja auch nicht ganz ohne, und das selbst für die nicht, die es halbprofessionell machen. In El Hierro treffen wir ein polnisches Seglerpärchen, das im November schon einmal als angeheuerte Crew im Rahmen der ARC die Überfahrt gemacht hat. Sie reden ehrlich darüber, wie scheiße dieses Jahr die frühe Überfahrt im November war. Sie selbst haben eine kleine Beneteau Regattayacht. Etwa 11m. Damit sind sie im Herbst von Neufundland in 8 Tagen auf die Azoren gesegelt. Wenn man sich die Strecke dazu ansieht, müssen sie wohl eher über das Wasser geflogen sein. Danach ging es weiter zu den Kanaren. Und nun fahren sie ein zweites Mal innerhalb von zwei Monaten in die Karibik. Die beiden wissen, was sie tun, und wissen auch, dass es gut ist, etwas Respekt zu haben.


„5 Tage, 12 Stunden und 3 Minuten!“

„5 Tage, 12 Stunden und 3 Minuten!“

Die gelben Punkte sind die Tage, der rote Punkt zeigt den nördlichen Wendekreis der Sonne. Hier beginnt im nördlichen Winter wenigstens tagsüber schon mal die Barfußroute.

Unsere Summary
Wenn man eine Summary schreibt, stellt sich ja unwillkürlich die Frage, was denn entscheidend, prägend oder einfach besonders war. Als allererstes ist es natürlich das Erlebnis einer weiteren Offshore-Etappe. Inzwischen ist es ja unsere siebte und diese letzte war die zweit längste. Nur die Rückfahrt von den Azoren war bisher länger. Wir haben uns inzwischen an solche Etappen ebenso gewöhnt, wie wir uns eben noch nicht daran gewöhnt haben. Es bleibt etwas Besonders und im Moment glauben wir, dass das auch so für alle noch folgenden Offshore-Etappen bleiben wird. Doch diese Etappe hatte ja noch etwas mehr »im Bauch«. Sie ist der Auftakt für unsere Atlantiküberquerung, die mit dieser Etappe definitiv schon mal begonnen hat. Denn ein Zurück gibt es in jedem Fall nur über die Karibik, da alles andere seglerisch kaum bzw. keinen Sinn macht. Das ganz Besondere und für uns bislang Einmalige dieser Etappe ist also, dass wir unsere Atlantiküberquerung mit dieser Etappe tatsächlich begonnen haben.

„Dort haben wir Weihnachten und Silvester gelegen ... “

„Dort haben wir Weihnachten und Silvester gelegen … “

„... und nun geht's los!“

„… und nun geht's los!“

Ganz unmerklich kam dieses Gefühl kurz hinter El Hierro auf. Aber große Momente haben ja die Eigenschaft, erst im Nachhinein als groß empfunden zu werden. So haben wir hinter El Hierro den Parasailor gesetzt und eher ungläubig zugesehen, dass er uns insgesamt 32 Stunden lang bestens in Richtung Süden vorangebracht hat. Da hatte der große Moment der Unumkehrbarkeit dann doch etwas das Nachsehen.

„Es ist noch ruhig, als wir den Parasailor setzen“

„Es ist noch ruhig, als wir den Parasailor setzen“

„Ein Sonnenuntergang auf See.“

„Ein Sonnenuntergang auf See.“

Als zweites haben wir – hmm, sagen wir mal – schon etwas bewundernd zugesehen, was eine Segelyacht auf einer Offshore-Etappe so alles wegstecken muss. Das musste unsere dicke Erna ja auch schon auf einigen anderen Etappen, aber noch nie so ausdauernd und so lange. Gut vier Tage hat es mit 17 bis 24 kn geblasen und die Wellen waren alles andere als sanft im Umgang mit uns. Und zum Finale gab es dann noch mal fast 30 kn in der Düse zwischen Santo Antão und São Vicente auf den Kap Verden.

„Sahara-Staub, nicht mit einem Sepia-Filter auf alt gemacht. Der Staub frisst alle Farbe aus dem Sonnenlicht.“

„Sahara-Staub, nicht mit einem Sepia-Filter auf alt gemacht. Der Staub frisst alle Farbe aus dem Sonnenlicht.“

„Bruch des Kickers. Nun kickt er nur nicht mehr, sondern holt auch nicht mehr nieder.“

„Bruch des Kickers. Nun kickt er nur nicht mehr, sondern holt auch nicht mehr nieder.“

Der Drahtstrop im Kicker ist schlussendlich am vierten Tag gebrochen. Wir konnten zwar schnell einen Ersatzniederholer bauen, aber die Kräfte, die zum Bruch führten, lassen erahnen, wie stark alles andere auch beansprucht wird. Daysailing ist eben eine ganze andere Nummer als eine Offshore-Etappe über Tage bzw. Wochen. Da kriegt unsere dicke Erna volle 5 Sterne 👍😎!

„Treu und brav begleitet uns der Vollmond durch jede Nacht.“

„Treu und brav begleitet uns der Vollmond durch jede Nacht.“

Und anstrengend ist es auch für die Crew. Wie froh waren wir, als wir uns so schnell in den Langfahrtmodus einfinden konnten. Und wie schwer haben wir uns getan, das andauernde und nie enden wollende Geschubse zu ertragen. Irgendwann fühlt man sich unweigerlich wie eine alte, ausgepresste Zitrone und ist auch ebenso sauer, dass es auch nicht nur einmal für 10 Minuten etwas ruhiger sein kann. Uns hat viel Schlaf geholfen, vielleicht auch, weil unsere Mittelkoje wirklich so eine Art Ruheraum ist. Doch auch wenn man irgendwann halbwegs rund läuft, bedeutet das nicht, dass es nicht mehr anstrengend ist.

Insgesamt hat uns die Konstanz des Windes ebenso gewundert, wie die Varianz der Wellen. Oft und viel zu lange haben die Wellen kaum zum Wind gepasst. Dass es anders geht, durften wir nur kurz erleben. Trotzdem haben wir uns mit 147,6 sm, 155,1 sm, 148,1 sm und 149 sm vier sagenhafte Etmale ersegelt. Etmale, die wir kaum mit unserer dicken Erna für möglich gehalten haben und schon gar nicht in einer 4er-Serie.

„Die Liste unserer Etmale“

„Die Liste unserer Etmale“

Und zum Schluss noch etwas, das wir ganz bestimmt nicht vergessen werden. Kurz vor den Kap Verden segelten Schwärme von fliegenden Fischen über das Wasser und zwischen den Wellen entlang. Erst hatten wir zwei tote fliegende Fische an Deck entdeckt und dann konnten wir uns an dem Spektakel über dem glitzernden Wasser nicht sattsehen.

„Fliegende Fische. Leider nur die toten...“

„Fliegende Fische. Leider nur die toten…“

Den ein oder anderen fliegenden Fisch hatten wir ja schon mal gesehen, aber die Schwärme von bis zu 30 fliegenden Fischen waren wirklich ein absolutes Highlight. Stunde um Stunde haben wir versucht so einen Flug im Video zu erwischen, aber entweder waren wir nicht schnell genug oder einfach wieder einmal nicht rechtzeitig bereit für dieses nur wenige Sekunden dauernde Spektakel. In jedem Fall wissen wir nun, was wir auf der Überfahrt nach Martinique unbedingt schaffen müssen.

Und wer nun noch mehr lesen möchte, um nachzuvollziehen, wie unsere Tage waren, der kann mal hier klicken und den Blog El Hierro, Kanaren -> Cabo Verde – Die Tage – lesen. Aber dieser Blog muss erst noch fertig werden, das kann noch ein zwei Tage dauern.

„Santo Antão im Sonnenuntergang.“

„Santo Antão im Sonnenuntergang.“


Mindelo, São Vicente, Cabo Verde
16° 52′ 49,3″ N, 024° 59′ 55,8″ W