Wir starten wieder …


…, aber noch nicht durch!
Obwohl wir gerade im Tiefflug durch unser Leben jagen, klappt dennoch vieles besser, als man es bei so einem Tempo vermuten könnte. Wir haben ziemlich viel geschafft, wenn auch nicht alles, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten.

Im Herbst hatten wir alles, was nicht niet- und nagelfest war, von der PINCOYA mit nach Hause genommen. Nicht nur wegen der Nässe und Feuchtigkeit unter Deck, sondern auch um auszumisten. Und nun stellt sich die Frage, wo zum Teufel all die Sachen geblieben sind. Um bis Bremerhaven zu kommen, brauchen wir ja wenigstens eine minimalistische Ausrüstung. So versammeln wir nach und nach die wichtigsten Dinge im Wohnzimmer. Die Segel sind da noch der einfachste Fall, doch so langsam bilden sich auch »Themenstapel«. Klamotten, Elektronik, Navigation, Revierführer, Grab Bag und vieles mehr. Das Groß und die Genua müssen reichen, laut Windy wird es eh eher »leichtwindig«. Und schnell aktualisieren wir noch mal die Seekarten. Aktuelle Karten machen in Tidengewässern ja durchaus Sinn.

Etwas skeptisch beäugen wir die Berge, die vor uns liegen. Unsere Henriette ist ja ein Mini, auch wenn wir schon wahre Transportwunder mit ihr vollbracht haben. Zur Not könnten wir ja auch noch den Anhänger nehmen, aber schneller sind wir eben ohne. Also beginnen wir systematisch zu stopfen, jedes Eckchen wird ausgenutzt und kein Platz wird verschenkt. Am Ende sind wir sicher, nichts Wesentliches vergessen zu haben, obwohl die Heckklappe noch zu geht und vielleicht sogar noch ein paar Tafeln »Rahmmandel« reinpassen würden. Doch es ist der erste Mai und somit ist die Schoki-Versorgung unterbrochen. Dafür bekommen wir noch ein Kilo geschälten Spargel geschenkt und der nimmt gerne den Platz der Schoki ein.


Die Autobahn ist leer und wir kommen selten gut durch Hamburg. Um 19:00 nehmen wir in Büdelsdorf die letzte Plane von der PINCOYA, setzen das Gummiboot vom Vorschiff wieder ins Wasser und ziehen noch schnell die Genua hoch. Und schon sieht die PINCOYA wieder wie ein richtiges Segelschiff aus. Das tut gut. Übermorgen kann es losgehen. Aber nun gibt es erst einmal eine große Portion Spargel.

„Einen letzten Tag in Büdelsdorf haben wir noch.“

„Einen letzten Tag in Büdelsdorf haben wir noch.“


Der letzte Tag in Büdelsdorf ist total vollgestopft. Groß anschlagen, Tanken, alles wieder zusammentüddeln, alles Technische checken, Gummiboot wieder am Heck hochziehen und vieles mehr. Es ist erstaunlich, was noch alles zu tun ist. Auf einen Ölwechsel muss unser alter Motor allerdings verzichten, das schaffen wir nun wirklich nicht mehr. Aber er springt fast spontan an und qualmt, wie er schon immer gequalmt hat.

„Unsere Dame ist wieder fertig. So fertig wenigstens, dass es nach Bremerhaven gehen kann.“

„Unsere Dame ist wieder fertig. So fertig wenigstens, dass es nach Bremerhaven gehen kann.“

Eigentlich hätten wir noch gerne einen weiteren Tag, um uns wenigstens etwas einzuschwingen. Doch mit jedem Tag, den wir warten, wird die Tide in der Nordsee für uns ungünstiger. Abends machen wir beide noch einen kleinen Rundgang. Haben wir an alles gedacht?
Als wir vor fünf Monaten hier ankamen, war alles routiniert und eingespielt. Und nun? Es ist erschreckend, was alles in nur fünf Monaten ganz klammheimlich aus der Erinnerung verschwindet 🙄.

Immerhin funktioniert alles Technische und wir scheinen nichts Wesentliches vergessen zu haben. Nach einer so langen Pause ist man ja doch etwas skeptisch, ob alles wieder auf Anhieb so funktioniert, wie es funktionieren soll. Besonders froh sind wir natürlich darüber, dass nun auch unsere Funke und unser AIS wieder perfekt funktionieren. Einigermaßen erleichtert gönnen wir uns noch ein Glas Wein zum Abschied und stellen den Wecker auf 5:00.

„5 Monate Büdelsdorf gehen zu Ende“

„5 Monate Büdelsdorf gehen zu Ende“