Der DropBox-Trick

Auch wenn Cloud-Dienste die mobile Welt richtig einfach gemacht haben, funktioniert es manchmal eben doch nicht ganz so, wie speziell wir es gerne hätten.

Astrid und ich nutzen unsere gemeinsame PINCOYA-Dropbox, um darüber Dateien auszutauschen. Natürlich könnten wir auch all unsere Daten und Dateien in die Cloud stellen und nur noch über die Cloud arbeiten. Das ist total einfach und macht auch das Arbeiten von verschiedenen PCs und Notebooks aus sehr bequem. Aber vielleicht will man ja doch nicht alles in die Cloud stellen. Sei es nur wegen der schieren Menge und Größe von z.B. Photos und Videos, sei es wegen der Probleme, die einige Anwendungen doch noch mit Cloud-Repositories haben, sei es bloß wegen der „Privacy“ oder sei es wegen der zu Trump-Zeiten neu aufkeimenden Frage, ob es wirklich so schlau ist, alles an einen unbekannten Ort zu „broadcasten”, wenn die als statisch angenommene Sicherheit der Rechtstaatlichkeit unter einer populistischen Unberechenbarkeit Stück für Stück aufgedehnt wird.

Egal warum, manch einer findet lokale Datenhaltung halt immer noch toll, möchte aber trotzdem an der einen oder anderen Stelle die Erleichterungen einer Cloud nutzen. So auch wir.

So arbeiten wir vorwiegend lokal, hätten aber doch gerne das ein oder andere geshared und synchron auf allen unseren PCs, Notebooks, iPads und iPhones zur Verfügung stehen. Aber eben nicht primär in der Cloud, sondern primär lokal mit einem automatischen Abgleich über die Cloud. Wohl wissend, dass die Daten aus den lokalen, aber über die Cloud synchronisierten Verzeichnissen sehr wohl dauerhaft in der Cloud liegen und dort nicht nur auf der „Synchronisationsdurchreise“ sind.

Und genau hier kommt der Trick mit den „symbolischen Links“ ins Spiel. Jeder kennt einen „Alias“, aber ein Alias wird von der Dropbox eben nicht synchronisiert. Es reicht also nicht, einen Verzeichnis-Alias in die DropBox zu legen, sondern man muss in der DropBox einen „symbolischen Link“ auf das zu synchronisierende Verzeichnis anlegen.

Das aber wiederum geht auf dem Mac und im Finder nicht so einfach. Um einen symbolischen Link zu erstellen, muss man auf die Shell eines Terminals herunterklettern.

Symbolische Links unter MacOS einrichten

Da das MacOS nichts anderes als ein Unix ist, kann man sich auf jedem Mac eine Shell öffnen und sich dort mit Unix-Befehlen bewegen. Mit dem Aufruf des Terminals (das findet man unter Dienstprogramme) findet man sich in seinem Home-Verzeichnis wieder.

Das sieht so aus…

Terminal unter MacOS

Terminal unter MacOS

Und dort liegt auch schon die DropBox…

Da ist die Dropbox zu finden

Da ist die Dropbox zu finden

Mit „cd dropbox“ wechselt man in das DropBox-Verzeichnis und legt dort mit dem Befehl

ln -s „Quelle“ „Ziel“

den symbolischen Link an. Hierbei ist „Quelle“ das lokale Verzeichnis, das geshared und synchronisiert werden soll und „Ziel“ der symbolische Link in der DropBox.

Das sieht dann z.B. so aus, wenn man das Verzeichnis »PINCOYAs Bibliothek« verlinken will.

ln -s ../documents/sailing/"PINCOYAs Bibliothek" ./"PINCOYAs Bibliothek“

Ist der Link angelegt, legt die DropBox auch gleich mit der Arbeit los und synchronisiert das Verzeichnis in die DropBox. Es ist also klug, sich vorher zu überlegen, welches Verzeichnis man nehmen will und was dort drin sein soll. Ein leeres Verzeichnis mit einer Testdatei ist auch ein guter Start.

Und so sieht das im Finder aus. Den symbolischen Link erkennt man an dem kleinen schwarzen Pfeil.

Dropbox mit Link & Daten im Finder

Dropbox mit Link & Daten im Finder

Auf dem ersten Rechner ist man damit fertig.

Da das eigentliche Ziel ja die Synchronisation ein und desselben lokalen Verzeichnisses auf verschiedenen Rechnern ist, müssen nun auf den anderen Rechnern ebenfalls symbolische Links in die DropBox gelegt werden. Macht man nun auf dem zweiten  Rechner im Finder die DropBox auf, sieht man exakt das, was man auch auf dem ersten Rechner in der DropBox sieht, nur der angelegte symbolische Links ist dort eben (noch) kein symbolischer Link, sondern ein normales Verzeichnis. Wo sollte der auch auf dem zweiten Rechner schon „hinlinken“, wenn man ihm das noch gar nicht gesagt hat und wir uns die gerade die Eigenschaft zu Nutze gemacht haben, dass die DropBox gar nicht weiß, dass es sich um einem symbolischen Link handelt.

In 5 Schritten jubeln wir nun auch der DropBox auf dem zweiten Rechner den symbolischen Link unter die Weste.

  1. Man kopiert das Verzeichnis, welches synchronisiert werden soll, aus der DropBox genau an die Stelle, wo es auf dem zweiten Rechner lokal liegen soll. D.h. an die Stelle der „Quelle“.
  2. Man trennt den zweiten Rechner von Netz, sodass der nicht mehr mit seiner DropBox-Mutter in der Cloud quatschen kann.
  3. Man löscht nun in der „offline“ vor sich hinlebenden DropBox auf dem zweiten Rechner das Verzeichnis, welches synchronisiert werden soll und welches gerade lokal kopiert wurde
  4. und legt mit dem Befehl » ln -s „Quelle“ „Ziel“ « einen symbolischen Link auf eben dieses gerade lokal kopierte Verzeichnis an. Die Namen müssen natürlich identisch sein, sonst findet nicht das zusammen, was zusammen gehört.
  5. Dann geht man wieder online und schon werden die beiden lokalen Verzeichnisse via der DropBox synchronisiert.

Das kann man mit so vielen Rechner machen, wie man will.

Auf iOS können Apps die Synchronisation abbilden

Auf allen iPads und iPhones, die dies DropBox integrieren, sind die Verzeichnisse natürlich dann auch vorhanden, aber dort läuft die Synchronisation etwas anders. Dort nutzen wir z.B. den GoodReader, um das iPad mit “PINCOYAs Bibliothek“ zu synchronisieren.

Das alles hört sich unter Umständen für diejenigen kompliziert und unnötig an, denen es egal ist, wo ihre Daten auf der Welt herumliegen. Das Ganze wird aber vielleicht doch interessant, wenn man häufig mobil unterwegs ist und an begrenzte Datenvolumina denken muss. Packt man einfach alles in die Cloud, dann werden auch remote alle neuen Daten geladen, wenn sie noch nicht auf dem Endgerät sind. Beschränkt man sich bewußt auf ein spezielles Verzeichnis im Austausch, hält das Datenkontingent unter Umständen entscheidend länger.