Ankern & Ankergeschirr

Unser Ankergeschirr

Unser Hauptankergeschirr am Bug besteht heute aus einem 20kg Bruce-Anker und 40m 10mm-Kette.

Der Bruce-Anker wurde 1976 in den USA patentiert, heute gibt es aber auch verschiedene Nachbauten, die z.B. unter den Namen Claw- oder M-Anker angeboten werden. Der Bruce-Anker ist ein preiswerter, robuster Anker, der aus einem Stück gefertigt ist. Ursprünglich ist er wohl für die Verankerung von Arbeits- und Bohrplattformen entwickelt worden, fand aber dann auch schnell eine recht große Verbreitung als Sportbootanker. Wenn man den Tests glaubt, dann kann dies wohl eher nicht an seinen herausragenden Ankerqualitäten liegen. Vielleicht ist seine große Verbreitung auch einfach nur auf seinen günstigen Preis und seine unkomplizierten Staumöglichkeiten am Bug zurückzuführen. Diese Eigenschaften machen den Bruce-Anker speziell für Schiffshersteller als Standardanker in der Grundausstattung recht interessant.

Obwohl der Bruce-Anker in allen Tests nicht besonders gut abschneidet und immer nur im unteren Drittel rangiert, haben wir mit diesem Anker in der Ostsee auch bei recht schlechtem Ankerwetter bisher noch nie Probleme gehabt. Dies liegt vielleicht aber auch daran, dass wir gerne etwas mehr Kette stecken und damit der direkte Zug auf dem Anker eher spät und eher gedämpft auftritt.

Als Heckanker fahren wir einen Aluminium-Fortress FX16, wahlweise mit einem 10mm-Kettenvorlauf von 10m oder einer 30m Bleileine. Beides, der 10mm-Kettenvorlauf und auch die Bleileine, sind in ihrer Handhabung am Heck kein wirklicher Quell der Freude. Per Hand und ohne elektrische Ankerwinde ist das ganze Gerödel einfach zu schwer, um noch elegant ausgebracht oder eingeholt zu werden. Man sollte sich da auch nichts vormachen: was für echte Männerarme schon blöd ist, geht für Frauenarme schlicht und ergreifend gar nicht mehr. Wenn man also häufig einen Heckanker nutzen möchte oder muss, dann kommt man um eine elektrische Heckankerwinde nicht wirklich herum. Mal ganz abgesehen davon ist aber auch schon eine Ankerketten- oder -leinenführung am Heck, die den Kettenvorlauf oder die Bleileine deutlich vom Heck weghält, sehr sinnvoll und hilfreich. Auch hier sollte man sich nichts vormachen: in Abhängigkeit der Heckform ist es schwierig bis unmöglich, einen Kettenvorlauf aufzuholen, ohne am Heck entlang zu schrabbeln.

Unser Fazit zu unserem Buganker:

Die 10 mm Kette und der 20 kg Bruce-Anker sind in Kombination mit einer kräftigen Ankerwinde ausreichend und problemlos handhabbar. So macht Ankern Spaß. Die 40m Kette sind für die Ostsee absolut ausreichend, und auch der Bruce-Anker ist im Sand oder lehmigen Modder der Ostsee eigentlich kein Problem. Mit viel Kette halten auch Anker bei schlechten Wetterverhältnissen, die keine Testsieger sind.

Wenn wir die Ostsee dann in Richtung der Tiedengewässer der großen Segelwelt verlassen, sind unsere 40m Kette sicherlich nicht mehr ausreichend. Dann werden wir auf  80 bis 100m Kette aufrüsten. In jedem Fall werden wir auch für diese Länge wieder eine 10mm Kette wählen, allein schon wegen der dämpfenden Wirkung, die sie durch ihr Eigengewicht hat.

Auch eine Umrüstung auf einen 25kg Rocna-Bügelanker oder den Rocna-Vulcan ist geplant. Eigentlich würden wir das auch erst machen, wenn wir die Ostsee verlassen. Da wir aber für die PINCOYA auch ein Kutterrigg planen und hierfür gerade einen Bugspriet entwerfen, werden wir uns wohl schon 2016 für einen der beiden Anker entscheiden. Der Bügelanker, aber auch der Vulcan sind recht wuchtig und ausladend. Und deswegen wollen wir den Bugspriet gleich so bauen lassen, dass der Anker unserer Wahl dann auch optimal passt und gestaut werden kann.

Warum nun Rocna-Bügelanker oder Rocna-Vulcan. Glaubt man den Tests, so zählen der Rocna-Bügelanker und der Spade-Anker zu den besten Ankern, die man aktuell kaufen kann. Für uns war immer klar, dass wir uns von dem Bruce-Anker trennen werden, wenn wir die Ostsee verlassen. Also haben wir Tests gelesen und andere Segler gefragt. So war der klare Favorit schnell gefunden, der Rocna-Bügelanker. Spade-Anker haben wir in Deutschland oder Skandinavien noch nie gesehen, so konnten wir dazu auch niemanden fragen. Aber die Testergebnisse und Erfahrungsberichte aus dem Internet  haben uns schon neugierig gemacht, wenn da nicht dieser Preis wäre. Und dann sind wir Ende letzten Jahres im Internet über den Rocna-Vulcan gestolpert. Der sieht dem Spade-Anker zum Verwechseln ähnlich und erste Erfahrungsberichte klingen absolut toll. Der Preis ist zwar immer noch „ordentlich“, liegt aber deutlich unter dem Spade. Außerdem hat der Vulcan nicht diesen riesig, ausladenden Bügel, der nur schwer vernünftig am Bug zu stauen ist. Also schwanken wir nun zwischen Rocna-Bügel und Rocna-Vulcan und werden berichten, wie das Rennen ausgeht.

Unser Fazit zu unserem Heckanker:

Mit einem Kettenvorlauf oder einer Bleileine hält der Alu-Fortress erstaunlich gut. Etwas ungewollt hingen wir einmal im Limfjord in einer Gewitterfront ausschließlich an dem Fortress mit Bleileine. Wir verholten den Fortress noch schnell vom Heck an den Bug, was ja mit etwas Leine gut zu machen ist, starteten aber auch recht skeptisch den Motor und ließen das Gewitter gewähren. Aber der Fortress hielt ohne jedes Problem, was uns schon etwas erstaunte, weil der Alu-Anker auf uns immer einen eher schwächlichen Eindruck machte. Wir waren positiv überrascht. Sicherlich ist der Alu-Fortress für die PINCOYA keine Hauptankeralternative, aber am Heck ist der Alu-Fortress schon wegen seines Leichtgewichtes und seiner flachen Form super zu handhaben und zu stauen. Auch wenn man einen zweiten Anker mit dem Dinghi ausbringen möchte, ist der Fortress wesentlich besser geeignet als einer seiner 20kg-schweren Stahlkollegen. So gut wie der Alu-Fortress am Heck zu handhaben ist, so schlecht ist die Handhabung von Kettenvorlauf oder Bleileine am Heck. Eine einfache Ankerleine oder ein Gurtband auf Rolle sind in Heckankerhäfen mit Sicherheit die bessere Alternative, wenn ausreichend Leine für die Wassertiefe gesteckte werden kann.

Und damit sind wir gleich bei dem nächsten wichtigen Punkt.

Ketten- oder Trossenlänge

Der Ankererfolg und damit die Nachtruhe hängen nicht nur vom Ankergeschirr selbst ab, sondern auch ganz elementar von der Länge der gesteckten Ankerkette oder Trosse. Grundlage hierfür ist etwas einfache Geometrie aus der Grundschule. Je kürzer die ausgebrachte Kette oder Trosse, desto steiler ist der Zugwinkel am Anker. Soll ein Anker sich ordentlich eingraben und auch eingegraben bleiben, so muss der Zug möglichst parallel zum Ankergrund, also waagerecht erfolgen. Hier gilt also der Grundsatz, etwas mehr Länge ist in jedem Fall immer viel besser. Wir wissen nicht, wer die unausrottbare Faustformel der 3-fachen Wassertiefe aufgebracht hat, aber die passt wohl nur zu schwächlichen Schwachwindbedingungen.

Wir ankern immer, egal bei welchem Wetter, mit mindestens der 6-fachen Kettenlänge zur einfachen Wassertiefe. Bei viel Wind darf es auch schnell mal deutlich etwas mehr sein. Dies ist unsere Faustformel für eine 10mm-Kette. Reine Ankertrossen mit oder ohne Kettenvorlauf sollten noch großzügiger ausgebracht werden. In Tiedengewässern bezieht sich die Kalkulationsgröße “Wassertiefe” natürlich auf das Hochwasser und nicht auf die Wassertiefe aus der Karte oder die vom Echolot angezeigte Wassertiefe bei Ankunft. Dies durften wir vor Jahren an einem schönen sonnigen Nachmittag in Cornwall verinnerlichen, als unser Anker mit auflaufendem Wasser langsam zu einem Schleppanker wurde und eine lustige Furche in den königlich-britischen Meeresboden zog. Hört sich blöd an, ist es auch, aber im Eifer des Gefechtes kommt eben manchmal doch blöd vor schlau ;-).

So stellt sich nun nur noch die Frage, wie man ohne Zählwerk erkennt, wieviel Kette schon ausgebracht wurde. Meine anfängliche Theorie, dass ein echter Segler dies im Gefühl hat, hatte leider keinen Bestand in der Praxis. So bleiben dem zählwerklosen Skipper nur die alt bewährten Farbmarkierungen an der Kette. Meine zweite Theorie, dass man sich als echter Segler die Reihenfolge der Markierungen leicht merken kann, hatte leider auch keinen Bestand im harten Segelalltag. Deswegen klebt nun ein kleiner eingeschweißter Zettel auf der Innenseite des Ankerkastendeckels und bewirkt wahre Erinnerungswunder, denn auch der Weg aus der Navigation zum Bug war für mein Gedächtnis zu lang. Rot? War rot nun 20m und gelb 30m? Wieso kommen dann aber die grünen 15m vor gelb und blau? Alles Fragen aus der Vergangenheit, denn das Zettelchen bringt nun zuverlässig Licht ins Dunkel der Erinnerung.

Die Materialfrage: Niro oder verzinkt

Ein Niro-Anker sieht natürlich viel besser aus als so ein mausgraues, feuerverzinktes Etwas. Bei der Kette ist das genauso, obwohl man von ihrer blinkenden Schönheit ja leider immer nur ein kleines Stückchen sieht, egal ob man im Hafen oder vor Anker liegt. Aufgrund ihrer glatten Oberfläche fällt eine Niro-Kette allerdings wesentlich besser in den Ankerkasten und türmt sich beim Aufholen nicht so auf, wie eine verzinkte Kette. Liegt also der Kettenstauraum etwas unzugänglich tief unten, so kann eine Niro-Kette durchaus Sinn machen, weil man ja bei einer verzinkten Kette den Kettenhaufen beim Aufholen durchaus einige Male umschubsen muss.

Der riesige Nachteil eines Niro-Ankergeschirr ist aber der Preis. Es gibt nur eine Niro-Legierung, die auch bei höheren Wassertemperaturen wirklich salzwasserfest ist und die hat eben ihren Preis. Wir haben für uns entschieden, dass wir das nicht brauchen. Ein verzinkter 25kg Rocna kostet rund 600€ und ein Niro-Rocna runde 3300€. Ähnlich sieht es bei einer 10mm Kette aus, 1m verzinkt kosten rund 9€ und 1m Niro ca. 30€. Bei unserem geplanten Ankergeschirr stehen so den verzinkten 1500€ blitzende 6300 Niro-Euros gegenüber. Richtig krass konkret klar wird einem der Unterschied erst, wenn man diesen in handelsübliche Baumarkt-Bratwürstchen umrechnet. Das sind dann immerhin 1920 Grillbratwürstchen und das war eindeutig zu viel für uns. Und so wird es auf der PINCOYA auch bei der feuerverzinkten Variante bleiben.

Kette, Bleileine oder Trosse

Die Schwere einer Kette ist Segen und Fluch zugleich. Eine schwere Kette, 80m 10mm-Kette wiegen immerhin rund 200 kg, liegt beim Ankern wunderbar schwer und waagerecht auf dem Meeresboden und zieht maximal flach an dem Anker, wenn ausreichend Kette gesteckt wurde. Dadurch, dass bei zunehmenden Zug erst einmal das Eigengewicht der Kette gehoben werden muss, bevor die Kette dann steif kommt, dämpft sie wechselnde Belastungen wunderbar ab. Eine schwere Kette muss aber auch erstmal zum Ankerplatz transportiert werden und das geschieht ja meistens im Ankerkasten ganz vorn am Bug, und damit genau dort, wo man zusätzliche 200 kg eigentlich gar nicht so gerne haben möchte. Leider gibt es für dieses Dilemma keine allgemein gültige Lösung. Auf seiner Exploration 45 hat Jimmy Cornell das Problem dadurch gelöst, das die Kette bis auf Höhe des Mastfußes geführt wird und dort nach ganz unten in den Rumpf fällt. Dies ist aber eine Ausnahmelösung, und auf jedem normalen Segelschiff wird die Ankerkette eben vorn im Ankerkasten gefahren. So muss man für sich selbst einen Kompromiss für Kettenlänge und -stärke finden, der zu dem eigenen Schiff, dem anvisierten Fahrtgebiet und den eigenen Ambitionen passt.

Wir fahren zur Zeit in der Ostsee noch mit 40m Kette herum. Dies reicht ganz sicher für die Ostsee aus. Doch wenn wir in die Tiedengewässer der großen Segelwelt aufbrechen, werden wir auf mindestens 80m Kette aufrüsten.

Um Kettengewicht zu sparen, kann man entweder eine dünnere Kette nehmen, z.B. 8 statt 10mm, oder man verlängert eine „kurzes“ Kettenstück mit einer Ankertrosse, dann hat man eben nur noch einen Kettenvorlauf. Beides kommt für uns nicht in Frage, weil wir das Ankern auch als sichere Alternative sehen, um einen Sturm abzuwettern. Deswegen kommt für uns kein Kompromiss zu der 10mm-Kette in Frage.

Ja, und Bleileinen gibt es auch noch. Ein Zwitter zwischen Kette und Trossen. Hinreichend schwer und im Handling wie eine Trosse, nur eben deutlich schwerer als ein normaler Tampen. Wir haben auch so eine Leine und ziehen sie in der Tat dem Kettenvorlauf am Heckanker vor, weil die Bleileine nicht so sehr am Heck herumschrabbelt wie eine Kette. Aber eine Bleileine sammelt auch ganz wunderbar Modder und Schlamm vom Meeresboden auf. Ankert man auf Sandböden, ist das sicher egal, nutzt man die Bleileine auf lehmigen und bewachsenen Grund oder gar in einem Hafen als Heckankerleine, bekommt man ein stinkendes, modderiges Etwas zurück, das sich nur schwer reinigen läßt und noch lange diesen ankergrund-typischen Duft verströmt. Und patsch nass ist die Bleileine auch, wenn sie aus den Tiefen wieder hochgezogen wird und möchte dann auch irgendwie abtropfen und getrocknet werden. All dies hält unsere Begeisterung für Bleileinen sehr in Grenzen.

Hilfsmittel

Es gibt einige Hilfsmittel beim und zum Ankern, die das Ankerleben sicherer und einfacher machen. Nachstehend haben wir unsere Hilfsmittel in der Reihenfolge aufgelistet, wie wir sie für wichtig halten.

  • Elektrische Ankerwinde:
    Ankern ohne elektrische Ankerwinde geht auch, na klar, das macht dann aber so wenig Spass, dass man es oft doch lieber gleich ganz läßt. Für uns ist eine elektrische Ankerwinde ein unabdingbares Muss. Siehe —> Ankern & Ankerwinde
  • Ankerwache
    Wenn man einmal von dem Romantikfaktor einer gemeinsamen Ankerwache zur langsam hereinbrechenden Nacht absieht, gibt es wohl kaum etwas Langweiligeres und Ermüdenderes als eine nächtliche Ankerwache. Man hat nichts zu tun, außer ab und zu irgendwelche Landmarken zu peilen, um festzustellen, dass man immer noch dort ist, wo man vor Stunden auch schon war. Das hat weder etwas mit Urlaub und Erholung zu tun, noch mit Abenteuer und Nervenkitzel. Das ist nur gähnend langweilig.
    Zum Glück gibt es aber heute GPS und damit tapfere Ankerwachengänger, denen erst langweilig wird, wenn die Batterien leer sind.
    Jedes maritime GPS-Gerät, jeder Plotter und jedes Smartphone verfügt heute über Funktionen, die  ganz wunderbar und eigenständig Ankerwache gehen. Bei allen ist die Funktionsweise ziemlich identisch. Man bestimmt einen Kreis um die eigene Position, und wenn der verlassen wird, dann piept’s.
    So setzen wir den Anker, fahren ihn ein, machen alles klar und warten bis wir eine gute, ruhige Position erreicht haben. Dann konfigurieren wird die Ankerwache. MOB-Position setzen, Kreisradius bestimmen und Ankeralarm einschalten. Und dann gibt es in der Regel ein Glas Rotwein und wir sehen uns die ganze Geschichte noch eine Weile an.
    Die Position für den Ankeralarm ist natürlich die Schiffsposition und nicht die Ankerposition, deswegen warten wir auch etwas ab, bis Ruhe ins Schiff gekommen ist, der Wind sein Spiel begonnen hat und alles fertig ist. In der Regel wählen wir den kleinst möglichen Radius, das sind bei uns 0,01 sm, also 18,5 m. Wenn wir auf 3 m Wassertiefe mit gut 20m Kette liegen, reicht das absolut für eine ruhige Nacht, denn wir können rund 20m nach links und rechts schwojen, ohne dass der Ankeralarm losgeht. Andererseits braucht der Anker nur um 20m zu rutschen, bis es Alarm gibt und bei größeren Winddrehern werden wir auch geweckt, was uns auch sehr recht ist, denn dann wollen wir auch in der Nacht mal die Lage peilen.
    Es gab natürlich auch schon Situationen, bei denen wir dem GPS nicht allein die Wache überlassen wollten. Dies waren aber bisher alles nur Vorsichtsmaßnahmen, denn wirklich echt mussten wir noch nie eingreifen, auch wenn in der einen oder anderen Sturmstunde schon mal der Motor mitlief.
  • Teufelskralle oder Ankerkettenhaken:
    Eine Teufelskralle wird in die Kette eingehakt, um die Last der Kette von der Winde zu nehmen und auf die Bugklampen umzulenken. Sie ist ein absolutes Muss, um die Winde zu entlasten und ihr so ein möglichst langes Leben zu schenken. Man sollte nie über längere Zeit und schon gar nicht bei Starkwind das Schiff nur über die Winde am Anker hängen lassen.
    Dadurch, dass der Zug von der Teufelskralle direkt auf die Bugklampen umgelenkt wird, knatscht die Kette auch nicht mehr so in der Kettenführung am Bugbeschlag, wenn das Schiff schwojt. Dieser nette Nebeneffekt sorgt dann für eine Nachtruhe, die ihren Namen auch verdient hat.
    Es gibt auch Kettenstopper mit einem Riegel, die fest an Deck montiert sind. Bei diesen Stoppern liegt die Kette aber immer noch unter Last in der Kettenführung, was bedeutet, dass die Kette dort weiterhin mit jeder Schojbewegung in der Kettenführung knackt und knatscht. Wenigstens ich kann dann nicht wirklich gut schlafen.
    Kauft man einen Ankerkettenhaken, dann wird der, wenn überhaupt, mit genau einem Tampen geliefert. Wir haben an unsere „Flensburger Teufelskralle“ zwei Tampen gespleißt, so dass wir die Kettenlast immer auf beide Bugklampen legen können. Wenn man dann, so wie wir es machen, die beiden Tampen direkt auf die Klampen legt, damit auch die Ankerhakentampen nicht mit jeder Schwojbewegung vorn in der Ankerkettenführung herumschrabbeln, dann hat man in der Regel das Problem, dass der Ankerhaken und die Kette bei Entlastung gegen den Rumpf dengeln. Je senkrechter der Bug und je weiter hinten die Klampen sind, desto früher passiert dies zwangsläufig. Das kann man aber durch einen kurzen dritten Tampen recht einfach verhindern. Dieser dritte Tampen geht von der Teufelskralle zur vordersten Spitze der Ankerkettenführung und wird dort mit einer fixen Länge angeschlagen, die man einmal herausfinden muss und dann fest einknoten kann. Dieser dünne Tampen hat einzig die Aufgabe die Teufelkralle und die Kette bei völliger Entlastung zu halten und nicht gegen den Bug schwingen zu lassen. Spannt sich die Ankerkette unter Last an der Teufelskralle, so wird dieser dünne Tampen durch die Änderung des Zugwinkels automatisch entlastet. Wir haben hierfür einen 5mm Dyneema-Tampen genommen, dessen festes Auge einfach nur in den Riegel der Ankersicherung gehakt wird.
  • Ankerboje:
    Leider ist die Ankerboje ja vom Aussterben bedroht. Kaum jemand nutzt sie heute noch, obwohl sie ja doch einige Qualitäten hat.
    In der Regel wird eine Ankerboje nur noch im Zusammenhang mit einer Trippleine erwähnt und so unserer Meinung nach zu unrecht zu einem bloßen Trippleinenhalter degradiert. Da die Ankerboje selbst aber für uns noch einige ganz eigene Qualitäten besitzt, haben wir ihr hier mal einen Extrapunkt spendiert.
    In erster Linie nutzen wir die Ankerboje zur Markierung des Ankers. Es ist hilfreich zu wissen, wo der eigene Anker liegt. So können wir unsere eigene Ankerlage einfacher und schneller einschätzen und dies nicht nur am nächsten Morgen, wenn sich in der Nacht der Wind mehrfach gedreht hat.
    Auf der anderen Seite finden wir es auch gut zu wissen, wo die Anker der anderen liegen. Das hilft, wenn man z.B. in ein Ankerfeld fährt. Da allerdings die wenigsten eine Ankerboje nutzen, ist die Freude darüber eher selten.
    An der Ankerboje kann man bei leichten bis mittleren Ankerbedingungen sogar auch recht gut erkennen, ob der Anker beim Einfahren slippt oder wirklich fest sitzt. Ruckt der Anker raus, ruckt die Ankerboje hinterher und das kann man tatsächlich erstaunlich gut sehen.
    Mit einer Ankerboje ist es beim Aufholen des Ankers für den Rudergänger auch viel einfacher, sich in der richtigen Richtung an den Anker heranzupirschen, denn er kann jederzeit selbst sehen, wohin er steuern muss und ist nicht auf den herumfuchtelnden Mann am Bug angewiesen. Der muss nur noch die Hand heben, wenn es langsamer vorangehen muss oder in Fahrtrichtung zeigen, wenn es weiter in Richtung Anker gehen soll.
    Hat man eine Fernbedienung für die Ankerwinde oder auch am Steuerstand eine zweite Garnitur der Ankerauf- und -abtaster, dann ist speziell das Ankerauf-Manöver auch einhand problemlos zu machen, weil man an der Ankerboje voraus immer gut erkennen kann, wo der Anker liegt und wo man langsam hinfahren muss, während die Kette nach und nach aufgeholt wird.
    Aus all diesen Gründen ankern wir nie ohne.
  • Trippleine
    Die Trippleine ist sozusagen die Rettungsleine für den Anker, um das gute Stück doch noch zu bergen, wenn es festklemmt, oder aus einem Ankerleinengewirr mit anderen auszuhaken. Die Trippleine wird dazu am Ankerkopf befestigt, so dass sie entgegen der Zugrichtung der Ankerkette oder Trosse am Anker zieht. In dieser Zugrichtung kann der Anker unter Umständen noch befreit werden, wenn in der anderen Zugrichtung gar nichts mehr geht.
    Dazu muss die Trippleine natürlich recht kräftig sein und eine hohen Bruchlast haben. Wir nutzen hierfür eine 6 mm Dyneema-Leine.
    Damit der Gegenzug maximal wirkungsvoll den Anker befreien kann, muss man wenigsten über dem Anker oder besser noch etwas in Gegenzugrichtung hinter dem festsitzenden Anker ansetzen. Eine Bergung aus dem Dinghi heraus ist nur in Ausnahmen möglich, wenn man direkt über dem Anker steht und der auch bereitwillig seinen Widerstand aufgibt.
    Die besten Erfolgsaussichten hat man, wenn man die Trippleine auf einer der Bugklampen belegt, die Ankerkette wieder weit auffiert und dann unter Motor rückwärts oder vorwärts, wie es denn eben gerade passt, an der Trippleine in die potentielle Befreiungsrichtung zieht.
    Es gibt eigentlich 3 Möglichkeiten, eine Trippleine so zu „befestigen“, das man ihrer wieder gut  habhaft werden kann. Die erste Wahl ist die besagte Ankerboje, die wir auch genau hierfür in ihrer Doppelfunktion als Ankermarkierer und Trippleinenhalter nutzen.Um nicht einer abtauchenden Ankerboje hinterherzuschauen, die ja abgetaucht keine ihrer angedachten Aufgaben mehr so richtig erfüllen kann, haben wir unter unsere Ankerboje eine kleine Umlenkrolle geknotet und die Trippleine mit einem Gegengewicht umgelenkt. So müssen wir die Länge Trippleine nur ungefährt auf die doppelte Wassertiefe knoten und schon dümpelt die Ankerboje genau über dem Anker und die Trippleine hat auch noch die nötige Restlänge, um sie an Bord zu belegen, um dann ordentlich an ihr ziehen zu können. Mit dieser Umlenkung und dem Gegengewicht können auch andere die Boje eng umfahren, ohne Gefahr zu laufen, die Trippleine in die Schraube zu bekommen, denn die Leine geht unter der Boje wieder senkrecht in die Tiefe.Manch einer schwört aber auch darauf, die Trippleine entlang der Ankerkette wieder an Bord zu führen oder sie auf halb gesteckter Kettenlänge in ein Kettenglied einzuknoten, um sie dann mit der Kette vollständig zu versenken. Das kann man machen, muss man aber nicht. Eine an der Kette entlanglaufende Leine kann sich beim Schwojen ordentlich mit der Kette vertüddeln und je nach Ankergrund bekommt man oft eine vermodderte oder verschrabbelte Trippleine zurück.
    In jedem Fall darf eine Trippleine aber nie eine Schwimmleine sein, damit sie ohne eigenen Auftrieb gut auf dem Meeresboden absinkt.
  • Deckwaschpumpe
    Eine Deckwaschpumpe ist natürlich entbehrlich, aber eben auch sehr hilfreich, wenn man mit einem starken Seewasserstrahl das modderige Ankergeschirr wieder reinigen kann.
  • Reitgewicht
    Ein Reitgewicht benötigt man in erster Linie, um das mangelnde Eigengewicht einer  Ankerkette zu erhöhen oder einer Trosse überhaupt erst einmal etwas nennenswertes Eigengewicht zu verleihen, damit der Zug am Anker möglichst flach zum Meeresboden ansetzt. Wenn für den Hauptanker eine „ordentlich schwere Kette” gefahren wird, ist ein Reitgewicht dort eigentlich entbehrlich, solange es nicht wirklich dicker als dick kommt. Am Heck sieht das schon etwas anders aus. Dort ist das Ankergeschirr meist “leichter” und kann recht gut die zusätzliche Masse eines Reitgewichtes vertragen, speziell wenn nur ein Ankergurt gefahren wird.
    Neben der Aufgabe den Zugwinkel am Anker flacher zu halten, hat ein Reitgewicht noch einen zweiten Effekt, wenn es bis auf den Grund heruntergelassen wird. Es verringert den Schwojkreis entscheidend, denn solange das Reitgewicht durch den zunehmenden Zug nicht angehoben wird, schwojt das Schiff um die Ruheposition des Reitgewichts herum und nicht um die Ankerposition.
    Ausgebracht wird ein Reitgewicht im dem es um die Ankerkette oder -trosse geschäkelt wird, so dass das Reitgewicht auf der fertig ausgebrachten Kette oder Trosse an einer Sorgleine herunterreiten kann.
    Am besten eignen sich hierfür besonders große und dicke Schäkel, die insbesondere bei Ketten so dick und groß sein müssen, dass die ganze Fuhre auch mehr oder weniger geschmeidig über die einzelnen Kettenglieder der Ankerkette selbst gleitet.
    Damit ein Reitgewicht wirkt, sollte das Reitgewicht auch im Wasser noch ein ordentlich hohes Eigengewicht haben. Ein 6er Pack 1,5 Liter Aldi-Wasserflaschen ist zwar an Land ordentlich schwer, hat aber im Wasser ein nicht mehr allzu hohes Eigengewicht.Wir haben einen 20kg Niro-Block als Reitgewicht, der zur Zeit seinen Dienst noch als Türstopper in unserer Garage leistet. Wenn wir dann in die große Segelwelt aufbrechen, werden wir ihn sicherlich aus seinem artfremden Dasein befreien und als BackUp für böse Ankerbedingungen mitnehmen. Bis dahin muss er aber noch weiter seinen Frondienst an der Garagentür leisten.