Navigation mit dem iPad

Das iPad

Inzwischen gibt es für die See-Navigation mit dem iPad diverse Apps. Wir haben uns recht viele davon angesehen und wirklich überzeugt hat uns eigentlich nur »iSailor«. Nach zwei Jahren Navigationspraxis mit iSailor können wir diese App uneingeschränkt weiterempfehlen. Leistung und Preis sind perfekt. Obwohl an der einen oder anderen Ecke die Bedienung manchmal etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, gibt es nichts, was man nicht mit etwas Herumprobieren herausfinden kann. Die Seekarten auf C-Map-Basis sind sehr gut und der kostenlose und immer sehr aktuelle UpDate-Service für die gekauften Karten ist schlicht und ergreifend hervorragend kundenfreundlich. Da liegt iSailor nach unserem Wissen unangefochten vorn. Das alles zusammen stellt »iSailor« für uns konkurrenzlos auf Platz 1.

iPad-Navigation

Nach der Entscheidung für eine Navigationssoftware folgt dann allerdings noch für alle stolzen WiFi-iPad – Besitzer eine weitere Hürde auf dem Weg zur ungetrübten iPad-Navigation. Beim iPad ist das Vorhandensein eines GPS an die SIM-Karten-Funktion gekoppelt. Deswegen verfügen nur Cellular-iPads über einen GPS und die reinen WiFi-iPads wissen nicht so genau, wo sie eigentlich sind. Natürlich nutzen auch die WiFi-iPads die WLAN-basierte Navigation und viele WiFi-iPad-Besitzer merken erst gar nicht, dass die eigene Position auf der Karte gar nicht von einem GPS stammt, sondern über die sogenannten Ortungsdienste kommt. Mit der WLAN-basierten Positionserkennung kommt man aber auf See nicht wirklich weit, denn an der ersten Hafenmole ist definitiv Schluss mit WLANs und damit auch mit den Ortungsdiensten.

Weil das WiFi-iPad nun also keinen eigenen GPS hat und die Ortungsdienste nur in Gebieten funktionieren, in denen die Positionen von möglichst vielen WLAN-Hotspots bekannt sind, muss das WiFi-iPad für die Navigation also ein GPS-Signal »von außen« bekommen. Aber das ist auch kein wirklich großes Problem, denn dafür gibt es verschiedene Lösungen.

Warum haben wir uns überhaupt so ein WIFI-iPad gekauft und kein Cellular-iPad? Wir haben uns immer bewusst gegen ein Cellular-iPad entschieden, weil wir…

  1. zuhause sowieso über unser WLAN surfen,
  2. unterwegs in Deutschland den HotSpot unserer iPhones nutzen
    und
  3. außerhalb Deutschlands unser »Huibuh« zum Einsatz kommt. Nun fragen sich natürlich alle, was zum Teufel ein »Huibuh« ist. Aber auch das ist ganz einfach erklärt. Der »Huibuh« ist unser ganz persönlicher Spitzname für unseren Huawei WLAN-HotSpot. Da kommt im Ausland einfach eine Prepaid-Karte (TopUp-Card) eines Mobilfunkanbieters des jeweiligen Landes rein und schon klappt die Internet-Verbindung für ALLE unsere Handys, iPads und Notebooks auch im Ausland zu konkurrenzlos günstigen Preisen, ganz ohne Roaming und Zusatzkosten. Und weil der Huibuh ein ganz normaler WLAN-HotSpot ist, können sich alle unsere Geräte verbinden und wir brauchen nur genau eine Auslandskarte.

Ein GPS-Signal von der »böse Elfe«  – Bad Elf

Um nun ein GPS-Signal in unser WiFi-iPad zu bekommen, haben wir uns eine »Bad Elf« gekauft. Die Bad Elf ist ein kleiner GPS-Empfänger, der sein GPS-Signal via Bluetooth an bis zu 5 iPads oder iPhones senden kann. Zusätzlich ist die »böse Elfe« ein GPS-Tracker und -Logger. Die „böse Elfe“ hat auch ein kleines Display, so dass sie durchaus als Not-GPS genutzt werden kann. Die Kombination von iPad und Bad Elf funktioniert seit Anbeginn völlig einfach und problemlos. Die Elfe sendet ein iPad-konformes GPS-Signal, welches offensichtlich völlig identisch zu dem internen GPS-Datenstrom eines Cellular-iPads ist. Wir kennen keine App, die nicht mit der „bösen Elfe“ funktioniert. Und die Bad Elf hat für uns zwei große Vorteile:

  1. Sie ist absolut sparsam und hat wirklich sehr hohe Akkulaufzeiten von mehreren Tagen.
    und
  2. Sie logged im Hintergrund eigenständig unseren Track und das völlig unabhängig von irgendwelchen anderen, viel stromfressenderen Geräten. Das war uns für die Zeiten wichtig, in denen wir wirklich auf einen Minimalenergieverbrauch angewiesen sind.  Z.B. wenn wir viel Strecke machen, die „große Navigation“ eigentlich nicht brauchen, wir aber trotzdem hinterher unseren Track lückenlos haben wollen. Außerdem kann die kleine »Bad Elf« auf Landausflügen ganz einfach mal in der Hosentasche mitgenommen werden und schon hat man auch davon einen tollen Track für die WebSite oder den Blog.

Man sollte sich aber darüber klar sein, dass die »böse Elfe« KEINEN NMEA-Datenstrom liefert, sondern ausschließlich iOS konforme GPS-Daten. Alle NICHT-iOS-Geräte, also auch die Notebooks von Apple, können mit den Daten der Bad Elf absolut NICHTS anfangen.

Bleiben die Kosten: Da ein Cellular-iPad rund 100 € mehr kostet als ein reines WiFi-iPad, relativieren sich die rund 160€ für eine »Bad Elf pro«. Für rund 60€ mehr erhält man mit der Bad Elf einen kleinen GPS-Receiver und -logger, der weltweit ohne Abhängigkeit und völlig autark ein Präzisions-GPS-Signal liefert und mit seinem kleinen Display durchaus als Not-Navi dienen kann.

Neben der Bad Elf gibt es von der Firma Dual noch ein grundsätzlich ähnliches Gerät, allerdings ohne Display. Wir haben uns damals aufgrund von User-Reviews für die Bad Elf entschieden und es nie bereut. Das Produkt, der Support und die Bereitschaft, Anregungen zu Verbesserungen anzunehmen und umzusetzen, sind wirklich hervorragend.

GPS2IP

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit, ein GPS-Signal in sein WiFi-iPad zu bekommen. Die App »GPS2IP« sendet über eine WLAN-Verbindung die GPS-Daten als NMEA-konformen Datenstrom. Damit gibt das iPhone seine GPS-Daten preis und stellt sie via WLAN-Verbindung einem weitern Gerät zur Verfügung. Wir haben erst kürzlich von dieser App erfahren, die es offensichtlich aber schon seit einiger Zeit gibt. Ausprobiert haben wir sie nicht, deswegen können wir nichts dazu sagen. Man sollte aber bedenken, dass die GPS- und WLAN-Services des iPhones schon einen ordentlichen Energiehunger haben. Da wir diese im Auto nutzen, wissen wir wie schnell der Akku eines iPhones leer sein kann. Ohne dauerhaftes Nachladen wird es mit dieser App wohl eher nur kürzere Navigationsfreuden geben. Außerdem werden die GPS-Daten via WLAN im NMEA-Protokoll übertragen, dass hat zur Folge, dass immer nur eine App auf dem iPad von diesem Datenstrom Gebrauch machen kann. Wechselt man zwischen verschiedenen Apps hin und her, die alle ein GPS-Signal benötigen und vielleicht auch noch NMEA verdauen können, dann muss man immer auch die peer-to-peer-Verbindung wechseln und neu verbinden.

Mit »AIT2000 iAIS« kommen AIS-Daten in die Navigations-App

Und nun zur vierten Möglichkeit, die wir seit 2015 auch parallel zur »Bad Elf« nutzen. So gut und schön die Bad Elf als externer GPS auch funktioniert, sie liefert natürlich keine AIS-Daten in die Navigations-App. Seit 2012 »experimentieren« wir mit unserer elektronischen Navigation herum und eigentlich ist »Max Sea« schon ziemlich dicht an dem, was wir uns so für eine elektronische Navigation vorstellen. Die Karten und die Handhabung sind wirklich ok und unseren AIS Transponder von »Digital Yacht« haben wir auch über USB problemlos anschließen können. Soweit, so gut, wenn da nicht der unbändige Energiehunger unseres Navigationsnotebooks und die ziemlich happigen Preise für Karten-UpDates gewesen wären. Insbesondere der Energiehunger unseres Navi-Notebooks war dann auch einer der Hauptbeweggründe, warum wir uns überhaupt mit einer Navigationsmöglichkeit auf dem iPad beschäftigt haben. Wir wollten eine sparsame Navigation und möglichst „etwas Mobiles“, was auch einfach mal unter der Sprayhood stehen konnte. So schön und passend die Navigation mit dem iPad hierfür auch war, uns fehlte die AIS-Anzeige, weshalb wir dann doch immer wieder Max Sea auf dem Notebook starteten.

Die Lösung hierfür ist »iAIS«. Also haben wir uns 2015 zu unserem AIS Transponder AIT2000 von Digital Yacht den zugehörigen NMEA Server WLN10HS (AIT2000 iAIS)  gekauft. Anschluss und Konfiguration (wenn man davon überhaupt sprechen kann) sind ein Kinderspiel. Mit dem NMEA-Daten unseres AIS-Transponders kommen nun natürlich nicht nur die reinen AIS Daten, sondern auch die GPS-Daten in unser iPad. So bekommt unser iPad nun auf 2 Wegen einen GPS-Datenstrom. Einmal über die »böse Elfe« und einmal mit den NMEA-Daten des AIS-Transpondern.  Der WLAN-Datenstrom des AIT2000 iAIS ist natürlich mit der Naivigations-App »iSailor« verbunden, die anderen Apps, z.B. unser elektronisches Logbuch von 2K-Yachting, nutzen weiterhin die Daten der Bad Elf.

Die Kombination aus iPad, iSailor, AIT2000 iAIS und Bad Elf ersetzt bei uns an Bord den normalen Plotter und hat das Notebook bei der Navigation inzwischen klar abgelöst. Das Notebook dient heute nur noch als BackUp, was auch hinsichtlicher der Genauigkeit und Aktualität der Seekarten seine Berechtigung hat, denn schon mehrfach haben wir mit »iSailor« die aktuelleren Seekarten gehabt.

Der praktische Standpunkt zum praktischen Standort

Und nun zur bangen Frage, wo steht bei uns eigentlich das arme empfindliche iPad und verrichtet seine Navigationsdienste? Bei uns steht das iPad ganz einfach in einer kleinen, selbstgebastelten Holzleiste unter der Sprayhood. Ganz ohne all die wetterfesten Cover und Hüllen. Das hat bisher auch bei echtem Schietwetter völlig ausgereicht. Unter Deck, direkt neben dem Niedergang, haben wir eine 12V-Steckdose montiert, über die das iPad bei Bedarf über einen normalen Autoladeadapter mit Strom versorgt werden kann, wenn es mal länger dauert. Da die Navigation mit dem iPad die absolut stromsparendste Navigationsvariante ist, die wir kennen, hat das iPad inzwischen unsere energiefressende Notebook-Navigation weitgehend abgelöst. Besonders seit 2015, denn seit diesem Jahr bekommt unser iPad ja auch die AIS-Daten unseres AIS-Transponders und zeigt damit nun auch all die angriffslustigen Frachter der Großschiffahrt an. So müssen wir nun nicht mehr zwingend auf unser Notebook zurückgreifen, um den AIS-Überblick zu erhalten. Und das hat auch das Leben der Capitana entscheidend erleichtert, denn nun muss Astrid nicht mehr unter Deck sausen, um die Lage von oben mit der AIS-Lage auf dem Notebook zu vergleichen.

iPad-Navigation an Deck

 

Unsere Lösung im Überblick:

  1. Wir nutzen ein altes iPad 2, ein reines WiFi-iPad ohne GPS.
  2. Zur Navigation nutzen wir die App »iSailor«
  3. Das GPS-Signal kommt auf 2 Wegen ins iPad
    • via der Bad Elf und
    • via des AIS-Signals.
  4. Die AIS-Daten werden durch AIT2000 iAIS von unseren AISTransponder in die Navigations-App »iSailor« übertragen.